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Deutsche Autoindustrie im Absturz – ein Gesamtüberblick

In der deutschen Autoindustrie brennt es lichterloh. Die gestrige Bosch-Nachricht ist ein großer Alarm. Ein Gesamtüberblick für die Branche.

Volkswagen-Werk in Wolfsburg. Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg

Bosch baut „nochmal“ 13.000 Stellen ab, so die gestrige Meldung. Bei Volkswagen muss die Produktion in mehreren Werken pausieren, wegen zu geringer Nachfragen nach Elektroautos. Das sind nur die beiden aktuellsten Beispiele, die den Absturz der deutschen Autoindustrie aufzeigen. Die folgende Analyse gibt einen Gesamtüberblick der Lage.


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Autoindustrie im Niedergang – Analyse

Bloomberg News hat dazu folgende Analyse veröffentlicht: Der Plan der Robert Bosch GmbH, weitere 13.000 Stellen zu streichen, zeigt, wie sich der Niedergang der deutschen Autoindustrie auf Europas größte Volkswirtschaft auswirkt. Autohersteller und ihre Zulieferer haben mit sinkender Nachfrage, hohen Arbeits- und Energiekosten und zunehmender Konkurrenz durch schnelllebige chinesische Hersteller zu kämpfen. Sie haben Milliarden Euro in die Batterietechnologie investiert, nur um festzustellen, dass die Umstellung auf Elektrofahrzeuge langsamer als erwartet voranschreiten wird.

Der Druck zwingt die Hersteller zu schmerzhaften Einsparungen. Die Bosch-Konkurrenten Continental, Schaeffler und ZF Friedrichshafen bauen ebenfalls Arbeitsplätze und Kosten ab, während Volkswagen, Porsche und Ford Personal und Produktion reduzieren, um die schwachen Verkaufszahlen und die Zölle von Präsident Donald Trump auszugleichen, die die Produktion in den USA ankurbeln sollen. Dazu gehören auch die kürzlich angekündigten Zölle auf schwere Lkw, von denen die Daimler Truck AG und die Traton SE von VW betroffen sein werden.


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Insgesamt hat die deutsche Autoindustrie laut dem Branchenverband VDA in den letzten zwei Jahren rund 55.000 Arbeitsplätze verloren. Bis 2030 sollen weitere Zehntausende Stellen in einer Branche verschwinden, die mehr als 700.000 Menschen beschäftigt.

Grafik zeigt Massenentlassungen in der deutschen Autoindustrie

„Die Ankündigung erheblicher Entlassungen bei Bosch ist erst der Anfang einer großen industriellen Umstrukturierung in Deutschland“, sagte Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. „Wir werden in den kommenden Jahren noch viele weitere Entlassungen und auch Insolvenzen erleben.“

Die Entwicklungen lassen Zweifel an dem Versprechen von Bundeskanzler Friedrich Merz aufkommen, Deutschland durch die Freigabe von Hunderten von Milliarden Euro für Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben aus der Stagnation zu führen. Die deutsche Wirtschaft wird nach zwei Jahren des Rückgangs in diesem Jahr voraussichtlich um 0,2 % wachsen, aber die Autoindustrie baut weiterhin Stellen ab und warnt, dass hohe Energiepreise und Bürokratie sie dazu zwingen könnten, künftige Investitionen anderswo zu tätigen. Laut Eurostat-Daten sind die Arbeitskosten im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie in der Slowakei und der Tschechischen Republik.

Volkswagen drosselt aufgrund der schwachen Nachfrage das Produktionsvolumen und führt vorübergehende Stilllegungen in zwei deutschen EV-Fabriken ein, so berichtete es Bloomberg am späten Donnerstag. Merz‘ Partei ist in den Umfragen kürzlich hinter die rechtsextreme Alternative für Deutschland zurückgefallen.

Boschs Plan, bis 2030 3 % seiner weltweiten Belegschaft abzubauen, ist ein Zeichen für die Krise der Autoindustrie. Automobilhersteller unter der Führung von BYD erobern den Markt für Elektroautos in China – der vor der Pandemie der wichtigste Wachstums- und Gewinnmotor für die deutschen Unternehmen VW, BMW und Mercedes-Benz war – und dringen mit gut ausgestatteten, erschwinglichen Autos auch in Europa vor. Und die deutschen Exporte in den lukrativen US-Markt werden aufgrund von Zöllen immer teurer.

Preisdruck

Mehrere Zulieferer haben Kapazitäten stillgelegt und stehen unter dem Druck der Autohersteller, ihre Preise zu senken, obwohl ihre eigenen Inputkosten steigen. Gleichzeitig gewinnen asiatische Wettbewerber mit billigeren Batterien, Motoren und elektronischen Bauteilen Marktanteile und schmälern damit die Margen der traditionellen Hersteller.

Volkswagen befindet sich in Deutschland in einer massiven Umstrukturierung und hat zugesagt, bis zum Ende des Jahrzehnts 35.000 Stellen im Land abzubauen. Porsche kündigte letzte Woche einen Rückzug aus dem Elektrofahrzeugmarkt an und gab seine vierte Gewinnwarnung in diesem Jahr heraus. Der Hersteller des 911 und VWs Audi bauen ebenfalls Tausende von Stellen ab, da sie Schwierigkeiten haben, ihre Luxus-Elektrofahrzeuge zu verkaufen.

Ford gab Anfang dieses Monats bekannt, dass es aufgrund der schlechten Nachfrage weitere 1.000 Stellen in seinem Elektrofahrzeugwerk in Köln abbauen wird. Das US-Unternehmen hat in Europa stetig Stellen abgebaut, die Produktion zurückgefahren, Personal abgebaut und Betriebe geschlossen, um sein Geschäft zu rationalisieren, das seit langem hinter seinem nordamerikanischen Arm zurückbleibt.

Die Kürzungen bei Bosch zeigen, „dass der Strukturwandel nun auch das Herzstück der wissensintensiven Fertigung in Deutschland erreicht“, sagte Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Umstellung in der Autoindustrie auf Elektrofahrzeuge bedeute, dass weniger Arbeitskräfte benötigt würden, und die Politik müsse die Umschulung von Arbeitnehmern unterstützen, damit diese in Wachstumsbranchen wie der Verteidigungstätigkeit Fuß fassen könnten, sagte sie.

Friedrich Merz hat versucht, das Vertrauen durch höhere Rüstungsausgaben und seine 100 Milliarden Euro schwere Investitionsinitiative „Made for Germany“ – die von Bosch unterstützt wurde – zu stärken, aber die Hoffnung, dass einige der Arbeitsplätze im Automobilsektor durch die Übernahme von Verteidigungsaufträgen durch nicht ausgelastete Auto- und Teilefabriken gerettet werden können, hat sich bisher nicht erfüllt.

USA und China drängen

„Sowohl die USA als auch China drängen darauf, die heimische Produktion auf Kosten ausländischer Wettbewerber auszubauen”, sagte Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK-Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. „Die Herausforderung für die deutsche Regierung besteht darin, zu verhindern, dass die aktuellen Verluste an Wertschöpfung und Arbeitsplätzen bleibende Spuren in der deutschen Wirtschaftsstruktur hinterlassen.”

Bei Bosch werden die tiefsten Einschnitte die historische Basis des Unternehmens in der Region Stuttgart treffen. Tausende von Arbeitsplätzen werden an Standorten verloren gehen, an denen alles von Dieselkomponenten bis hin zu kleinen Elektroantrieben hergestellt wird.

Bosch wurde 1886 als Werkstatt für Feinmechanik und Elektrotechnik gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Industriekonzerne Deutschlands. Nach dem Fall der Berliner Mauer baute es seine Produktionsstätten in Ostdeutschland und in Mittel- und Osteuropa rasch aus. Man drang auch nach Asien vor und machte China zu einem seiner größten Märkte und Produktionszentren.

Obwohl das Unternehmen in die Bereiche Energie, Haushaltsgeräte und Industrietechnik expandiert ist, bleibt das Automobilgeschäft der Kern des Konzerns und ein Indikator für die Gesundheit der deutschen Fertigungsindustrie.

„ Die Nachricht von Bosch ist ein letzter Weckruf, ein Stich ins industrielle Herz Deutschlands“, sagte Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus im Bundesland Baden-Württemberg. Sie sagte, die Bundesregierung solle eine wirtschaftsfreundlichere Politik verfolgen, und forderte die Europäische Union auf, ihre Frist für den Ausstieg aus Verbrennungsmotoren bis 2035 aufzuheben. „Es ist fünf nach Mitternacht für unsere Autoindustrie.“

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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17 Kommentare

  1. Mal sehen, wie es mit der Verkaufszahlen der deutschen Markenherrsteller aussieht, wenn die chinesischen Autowerke anfangen, in Europa in die Massenproduktion zu gehen.

    ….Chinesische Autohersteller bauen und planen Werke in Ungarn (BYD), Spanien (Chery), und erwägen Standorte in Polen und Deutschland. Ein Beispiel ist BYD, das ein Werk in Ungarn errichtet und ein weiteres in der Türkei plant. Der Hersteller Chery nutzt ein ehemaliges Nissan-Werk in Barcelona für seine Produktion, während auch Leapmotor eine Produktion in Polen mit Stellantis anstrebt. Zukünftig könnte BYD auch in Deutschland ein drittes Werk in Betracht ziehen…

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Wenn Deutschland an einer Bronchitis leidet, bekommt die restliche EU eine Lungenentzündung.
    Wenn deutsche Urlaubsgäste ausbleiben, geht‘s mit Tourismus-abhängigen, hochverschuldeten Ländern wie Spanien oder Italien in die Tiefe.

  3. Automobilpräsidentin Hildegard Müller könnte mit dem Sportwagenhersteller Porsche seine Verbrennungsmotor-Renaissance erörtern, was sie aber nicht tun wird. Und dann wäre da eben noch Forschung und Weiterentwicklung diverser Satelliten aus den Bereichen Navigation, Nachrichtendienste und Internet auf der Internationale Raumstation ISS, wo die Automobilindustrie ihre Kompetenzen in Sachen Navigation mit einbringen könnte. Der anstehende Automobilgipfel bei Bundeskanzler Friedrich Merz incl. der Zulieferer wird ein Fototermin.

    1. Die „Verbrenner-Renaissance“ bei Porsche ist wie die „mechanische Uhrwerk-Renaissance“ bei Rolex: Bewunderte, heissbegehrte und sehr teure Luxusobjekte, die sich nur eine Minderheit leisten kann und will.
      Die Masse will in Zukunft keine Verbrenner mehr nutzen, nicht wegen des Umweltschutzes, sondern weil andere Systeme immer besser und billiger werden.

      1. An FMW-Nutzer Columbo: Gut möglich, daß Sie hierbei noch abschließend entscheiden, was Sie kritisieren wollen.

        1. @Holger Voss

          Wir wissen, wovon wir reden.

          1. An FMW-Nutzer Columbo: Der eine sagt so, der andere sagt so.

      2. Columbo schrieb: „Die Masse will in Zukunft keine Verbrenner mehr nutzen“ – Ich verstehe nicht, warum so viele Deutsche das sagen und warum einige Autohersteller das annehmen. Laut https://de.wikipedia.org/wiki/Marktentwicklung_von_Elektroautos_nach_L%C3%A4ndern waren in Deutschland im Jahr 2024 13,5 % der PKW-Neuzulassungen Elektroautos, weltweit 14 %. Wie kann man da sagen, daß die Masse keine Verbrenner mehr nutzen wolle? Haben die eine Glaskugel? Ist da in Deutschland etwas im Trinkwasser?

      3. @Columbo:

        Ihrer Aussage: „Die Masse will in Zukunft keine Verbrenner mehr nutzen, nicht wegen des Umweltschutzes, sondern weil andere Systeme immer besser und billiger werden.“ kann ich nicht ganz folgen.

        Wenn doch diese Technologie, ihrer Meinung nach, so toll und auch günstig ist, warum werden dann Produktionsstandorte in Deutschland (z.B. VW: Zwickau, Dresden, Emden, Hannover, Osnabrück) stillgelegt oder sind von Kurzarbeit betroffen? Stellantis hat angekündigt, die Produktion in sechs europäischen Werken für mehrere Wochen zu unterbrechen, um übervolle Lagerbestände zu reduzieren.

        Das die Zulassungszahlen von BEV statistisch steigen liegt an den Eigenzulassungen der Hersteller und Händler. Eine hohe private Nachfrage ist nicht erkennbar. Viele BEV`s werden auch nur als Dienstwagen zugelassen. Hier ist nicht die Technik entscheidend sondern die steuerliche Behandlung des Fahrzeugs!
        Große Autovermietungen nutzen auch nur noch selten reine E-Fahrzeuge aufgrund der Unsicherheit im Restwert!

        Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde die BEV Technik für einige Anwendungsgebiete (Stadt, Kurzstrecken) durchaus interessant, allerdings sollte Entwicklung immer „technologieoffen“ durchgeführt
        werden. Eine Vorgabe aus der Politik hat noch niemals das Optimum für die Gesellschaft hervorgebracht.

  4. Oh weh, jetzt plappert Finanzmarktwelt auch schon den Betreutes-Denken-Sprech von der „rechtsextremen Alternative für Deutschland“ nach. Der Autor würde wahrscheinlich antworten: Der Verfassungsschutz hat das festgestellt, damit ist es fei bewiesen! Hoffentlich ist der Durchblick bei den Finanzmärkten besser als bei der Politik.

  5. Ich hab den Eindruck, das E Auto für die Masse wird ein echtes Ramschprodukt.

    Während die Markenhersteller sich mit Motortechnik profilieren konnten, verfällt diese Kaufargument immer mehr. Wie groß kann der Unterschied von E Motor und Batterie schon sein.

    Eninge Luxusteile als Niesche vielleicht …

    Vorgestern ist ein E Porsche mit extremer Beschleunigung an mier vorbeigezischt.

    Ja, beeindruckend das Drehmoment, sonst aber irgendwie nix.

    Wenn man dann noch bedenkt, dass außer in der BRD Tempolmit herrscht,… wozu???

    Ich würde sagen, es gibt immer weniger gute Gründe für einen überteuerten Mittelklassewagen.

    1. @Großer Bär

      Ganz genau, ein Ramschprodukt, aber ein praktisches. So wie Handy, Laptop und Plastikuhr.
      Die Zeiten vom „heiligen Blechle“ sind vorbei.
      Statussymbol, sauteurer Luxus und geliebtes technisches Wunder sind Porsche mit Verbrenner und Rolex mit mechanischem Werk.
      E-Porsche oder Quarzrolex sind eine Geschmacksverirrung erster Klasse.

  6. Wenn Elektroautos preisgünstiger werden als Verbrenner, wird es einen Schub bei E-Autos geben
    Ich vermute, die Chinesen arbeiten in Europa darauf hin.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  7. @Holger Voss

    „… An FMW-Nutzer Columbo: Der eine sagt so, der andere sagt so…“

    Bitte nicht vom Thema abschweifen.

  8. Fragt sich, wie sich VW aufstellen wird. Behalten die ihre Größe bzw. kommen die zurück oder schrumpfen die in die Ecke.

  9. Anderswo habe ich heute gelesen, dass VW in China mit der Marke AUDI ein eAuto zu einem wettbewerbsfähigen Preis produziert und damit auch Käufer findet. Tja, hierzulande geht das nicht, weil es nicht geht. Wie so vieles andere was hierzulande auch nicht geht.

  10. „ Porsche kündigte letzte Woche einen Rückzug aus dem Elektrofahrzeugmarkt an“

    Eigentlich verzögern sich nur der elektrische 911er und ein noch nicht vorgestelltes Mega-SUV.

    Der 718er kommt, mit leichter Verspätung, wie angekündigt.

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