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Deutsche Bank: Aktiengeschäft wird geschrumpft, Massenentlassungen, Rendite rauf auf 10%

Die Deutsche Bank hat heute ihr Hauptversammlung abgehalten. Dazu gibt es viele Details zu besprechen. Wir besprechen in diesem Artikel alle wichtigen Veröffentlichungen rund um die HV – denn die Deutsche Bank gab einige offiziele Änderungen und Ziele bekannt.

Deutsche Bank schrumpft Aktiengeschäft massiv zusammen

Das Aktiengeschäft soll nicht nur drastisch eingestampft werden, was 25% der Mitarbeiter die Jobs kosten wird. Auch soll es automatisiert werden. Man will sich nur noch auf die wichtigsten Kunden konzentrieren, wodurch die Bilanzsumme spürbar sinken soll. Hier auszugsweise im Wortlaut von der Deutschen Bank:

Die Deutsche Bank wird ihr Aktiengeschäft erheblich umbauen. Insgesamt sollen in dem Bereich etwa 25 Prozent der Stellen wegfallen. Im Aktienhandel (Cash Equities) konzentriert sich die Bank künftig auf elektronische Lösungen und die weltweit relevantesten Kunden. Im Finanzierungsgeschäft mit Hedgefonds (Prime Finance) will sie das Bilanzvolumen um ein Viertel verkleinern, das entspricht einem Rückgang um etwa 50 Milliarden Euro. Durch diese und andere Maßnahmen soll das Bilanzvolumen (Leverage Exposure) der Unternehmens- und Investmentbank um mehr als 100 Milliarden Euro sinken. Das entspricht rund einem Zehntel des Bilanzvolumens von rund 1.050 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals 2018. Der Großteil des Abbaus soll bereits im Jahr 2018 erfolgen.

Massiver Abbau bei Gesamtkosten und Gesamtpersonal im Konzern

Auch unter Christian Sewing wird massiv weiter gekürzt. Von den Konzern-Beschäftigten (inklusive Postbank) sollen weitere 7.000 die Bank verlassen. Im laufenden Jahr sollen die Gesamtkosten der Bank nicht über 23 Milliarden Euro liegen. In 2019 sollen sie auf 22 Milliarden Euro sinken. Das Ziel ist klar: Es soll endlich Schluss sein mit dem Rum-Gemurkse von John Cryan (unsere Formulierung). Die Rendite der Bank nach Steuern bezogen auf das Eigenkapital soll bis 2021 auf 10% steigen. Die Restrukturierungs- und Abfindungskosten sollen im laufenden Jahr bei 800 Millionen Euro liegen.

Die Rede von Christian Sewing

Der neue Deutsche Bank-Chef Christian Sewing hielt heute natürlich seine lange erwartete Rede auf der HV (hier finden Sie den kompletten Text). Was hatte er zu dem neuen Renditeziel zu sagen? Zitat:

Wir sind uns allerdings bewusst, dass diese Marke noch weit entfernt liegt. Deshalb möchte ich zu dem zurückkommen, was ich am Anfang sagte: Wir wollen Ziele setzen, die nachvollziehbar und erreichbar sind. Nur dann wissen Sie als unsere Investoren, wo wir genau beim Umbau stehen. Wir werden Ihnen deshalb schon bald einen konkreten Plan dafür vorlegen, wie sich unsere Kosten und unsere Eigenkapitalrendite entwickeln werden. Darin werden wir zeigen, wie wir uns Schritt für Schritt und Jahr für Jahr steigern wollen. Wir versprechen Ihnen also mehr Transparenz, liebe Aktionärinnen und Aktionäre. Und ich denke, das ist ganz in Ihrem Sinne.

Das Schlagwort von Sewing lautet wohl „Automatisierung“. Ein Beispiel aus seiner Rede, Zitat:

Wir werden unseren Bereich Operations, also den „Maschinenraum“ unserer Bank, konsequent und über alle Bereiche hinweg automatisieren. Ich gebe Ihnen ein Beispiel, was das heißt: In der Privat- und Firmenkundenbank haben wir mehr als 3.300 sogenannte Prozesse identifiziert, mit denen wir unsere tägliche Arbeit bewältigen. Viele dieser Schritte werden tatsächlich noch händisch ausgeführt. Wir haben nun in den vergangenen zwei Jahren die kostenintensivsten einhundert Prozesse automatisiert. Allein das hat dazu geführt, dass 300 Stellen weggefallen sind. Die Folge: geringere Ausgaben und zuverlässigere Abläufe, die sich von nun an auch skalieren lassen. Für diesen Wandel war in der Privat- und Firmenkundenbank Frank Kuhnke zuständig, unser neuer Chief Operating Officer. Er wird nun den ganzen Konzern auf die gleiche systematische Art und Weise durchforsten und Arbeitsschritte automatisieren. Hier liegt ein großes Kostenpotenzial.

Die Deutsche Bank stehe weiter zu ihrer Investmentbanking-Sparte, so Sewing. Man bleibe eine internationale Bank, die in mehr als 60 Ländern aktiv sei. Aus seiner gesamten Rede lässt sich aber klar ableiten, dass er bei Privat- und Firmenkunden (also das eher „langweilige“ normale Bankgeschäft) den zukünftigen Schwerpunkt der Bank sieht. Zitat auszugsweise:

Unsere Größe verschafft uns eine stärkere Position in einer Bankenwelt, die sich immer schneller konsolidieren wird. Wir werden Standards setzen können – sowohl was Beratung als auch was unsere Produkte angeht. Wir werden gerade mit Blick auf das verwaltete Vermögen als auch das Kreditvolumen kräftig wachsen können. Wir werden in unser digitales Angebot investieren. Auch hier könnte ich Ihnen jetzt eine lange Liste vorlesen: Ob Multibank-Aggregation, digitale Vermögensverwaltung oder der Ausgabenplaner Finanzguru – es sind alles Innovationen aus unserer Digitalfabrik. Und wir werden nicht mehr nur Bank sein, sondern der digitale Begleiter, der den Nutzern im täglichen Leben zur Seite steht – einfach und bequem. Dafür schaffen wir eine ganz neue Plattform. Mehr will ich dazu heute noch nicht sagen: In der zweiten Jahreshälfte geht es mit einer Basisversion los, lassen Sie sich überraschen. Zwölf Millionen Millennials sind hier unsere potenziellen Kunden.

Die 800 Millionen Euro-Restrukturierungskosten für das laufende Jahr werden vom Markt aktuell als indirekte Gewinnwarnung verstanden. Die Deutsche Bank-Aktie fällt daher heute um 3,45%.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing
Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. Foto: Deutsche Bank AG



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