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Deutsche Bank-Chef John Cryan: So erhöht man massiv den Druck auf die Belegschaft

Deutsche Bank-Chef John Cryan gilt nicht als Visionär, sondern als Sanierer. Dafür ist er auch angetreten – den Schrott wegräumen, den er vorgefunden hatte. Das ist natürlich eine Herkules-Aufgabe. Und anscheinend war die…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Deutsche Bank-Chef John Cryan gilt nicht als Visionär, sondern als Sanierer. Dafür ist er auch angetreten – den Schrott wegräumen, den er vorgefunden hatte. Das ist natürlich eine Herkules-Aufgabe. Und anscheinend war die Deutsche Bank IT-mäßig bislang noch in der Steinzeit, wenn man sich anschaut, wie viel Potenzial zur Personaleinsparung offensichtlich vorhanden ist.

Wie wir darauf kommen? Der „FT“ sagte Cryan gerade erst (als sei das eine ganz normale Äußerung), dass man 97.000 Mitarbeiter habe – andere vergleichbare Banken würden mit nur der Hälfte des Personals auskommen. Wenn das stimmt, dann fragt man sich doch, was all die tausenden überflüssigen Mitarbeiter bei der DB den ganzen lieben langen Tag tun. Kontoauszüge stempeln im Keller? Auf jeden Fall baut man als Bankchef mit so einem Satz, der sicher bei der Belegschaft prima ankommen wird (Satire), einen gigantischen Druck auf.

4.000 Arbeitsplätze und 188 Filialen wurden schon im laufenden Sparprogramm gestrichen. Wenn also immer noch knapp 50.000 Menschen überflüssig sind, dann hat Cryan offenbar noch „einiges vor“. Dabei spielt es kaum eine Rolle, dass sich die Deutsche Bank erst vor wenigen Tagen mit „Verdi“ darauf einigte in den nächsten vier Jahren auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. So einen Spruch mit gut 50.000 überflüssigen Mitarbeitern (nichts anderes heißt es ja) sagt ein Bankchef nicht mal eben so.

Also stehen weitere massive Stellenkürzungen an. Das geht zum Beispiel über Anreize wie hohe Abfindungen. Wir wollen nichts unterstellen, aber geringere Gehälter und schlechtere Arbeitsbedingungen sollen dem einen oder anderen Arbeitnehmer (nicht speziell auf diese Bank bezogen) schon mal die Entscheidung leichter gemacht haben, eine nette Abfindung anzunehmen. Auch gibt es natürlich den Vorruhestand, sowie den normalen Ruhestand, wo frei werdende Stellen einfach nicht neu besetzt werden.

So kann man trotz Vereinbarung mit der Gewerkschaft auch in den nächsten Jahren massiv Stellen abbauen, so zumindest unsere Meinung. Das steht den Angestellten wohl auch bevor bei so einer Äußerung. Ob das allerdings eine schlaue Strategie ist, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Eine komplette Belegschaft auf Jahre hinaus derart zu verunsichern mit öffentlichen Statements, dass eigentlich jeder zweite und jede zweite überflüssig ist, das ist eine unkluge Motivationsstrategie für zehntausende Angestellte.

Auch sonst glänzten die Deutschbanker zuletzt wenig. Bei den durchgeführten 188 Filialschließungen scheint man (unsere oberflächliche Vermutung) nach dem „Gieskannen-Prinzip“ vorgegangen zu sein, und schaute vielleicht wo auf der Deutschland-Karte zu viele Filialen nebeneinander liegen? Teilweise wurden nämlich Filialen in allerbesten Gegenden mit extrem vermögenden Kunden dicht gemacht (beispielsweise Hamburg-Uhlenhorst). Hier darf man vermuten, dass gerade die ältere Kundschaft sich der Commerzbank oder Sparkasse zuwendet, aber dazu haben wir keine handfesten Daten vorliegen – wir benutzen da lieber den gesunden Menschenverstand.

Cryan will wie so ziemlich jeder innovative Arbeitgeber derzeit voll auf Automatisierung setzen, damit weitere Stellen eingespart werden können. Der „FT“ sagte er ebenfalls, dass das Verhältnis von Buchhaltern und Schalterangestellten bei Deutschen Bank in Relation zu Umsatz-generierenden Angestellten aus dem Gleichgewicht geraten sei. Wie bitte? Schaltermitarbeiter generieren keinen Umsatz? Darf man hier von Realitätsferne sprechen? Darf so jemand Bankchef sein? Das ist wohl Ansichtssache! Nochmal: Schaltermitarbeiter sind keine Geldbringer? Sie sprechen den Kunden als erste an, sozusagen als erster Akquisiteur der Bank, ganz vorne „an der Front“.

Von da aus erfolgen Überleitungen von Kunden in die Beratungsgespräche. Da kommt der Slang der Investmentbanker durch, so möchten wir es sagen. In deren Augen sind Filialen und alle dort tätigen Mitarbeiter offensichtlich eh nur Kostenfaktoren. Dass aber die Filialen das Brot- und Butter-Geschäft sind, welches die defizitären Investmentbanker jahrelang durchgefüttert und am Leben gehalten hat – geschenkt. So steuert die Deutsche Bank also in die Zukunft. Sicher, durch Massenentlassungen in vielleicht vielen kleinen Schüben wird man dauerhaft Personalkosten sparen, was den Aktionären auch einleuchtet.

Aber will man im (langweiligen?) Brot- und Buttergeschäft so wirklich die Geldeinlagen vor allem von vermögenden Kunden halten und ausbauen? Wenn man eh wie unter Kopper und Ackermann nur auf das Investmentbanking schaut als dem „wirklich wichtigen Geschäft“, dann ist es nur konsequent auch in Zukunft das Brot- und Butter-Geschäft weiter massiv einzustampfen. Ob das langfristig Erfolg bringt, daran darf man doch arg zweifeln. Denn wie stabil und erfolgbringend die Investmentbanker der Deutschen Bank in all den letzten Jahren waren, sieht jeder. Sich auf sie als Zukunftsgaranten zu verlassen, ist vielleicht keine so gute Idee.


Die Deutsche Bank-Türme in Frankfurt. Foto: Nordenfan / Wikipedia (CC-BY-SA 4.0)

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Dieter

    9. November 2017 17:31 at 17:31

    Wäre trotzdem interessant von einer Person eine Analyse zu hören die etwas vom Bankengeschäft versteht, denn von der Kundenseite des Bankschalters sieht die Welt sicher anders aus als von Intern.
    Ich habe 3 Jahre in China gelebt, 7 Jahre in USA und bin derzeit meist in Russland. Dort sind Banken schon viel digitaler und mehr automatisiert. Der Geldverkehr generell. Da müssen wir uns gehörig anstrengen um aufzuholen.

  2. Avatar

    Jürgen

    9. November 2017 18:08 at 18:08

    Auch die Deutsche Bank ist einmal durch das Sparbuch von Opa und Oma groß geworden. Die Investmentbanker sind doch hauptsächlich für die Skandale und den schlechten Ruf der Bank verantwortlich. Aber manche Banker lernen nie dazu.

  3. Avatar

    Steve

    12. November 2017 10:23 at 10:23

    Vielleicht meinte er das es zu viele Buchhalter im Verhältnis zu Schaltermitarbeitern gibt
    :p
    :p
    :p

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