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Deutsche Bank: EZB und Politik sind schuld, dass es uns so schlecht geht

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Ist es wie eine Kur für die Deutsche Bank, wie ein Glücksgefühl? Wenn man es schafft, die Schuld für etwas auf irgendjemand anderes abzuschieben, damit man selbst gut da steht, das muss wirklich gut tun. Man selbst hat so ziemlich alles falsch gemacht, aber Schuld sind die anderen. Man selbst ist das unschuldige Opfer. In einer vorgestern veröffentlichten 29 Seiten langen Studie, die wir uns erst mal „reinziehen“ mussten (hier einzusehen), hat die Deutsche Bank beschrieben, warum die europäischen Banken so dramatisch weit hinter den amerikanischen Banken zurückliegen in Sachen Gewinnerzielung, und was sich in Europa deswegen ändern müsse.

Hat die Deutsche Bank etwas falsch gemacht?

Tja, warum hinken die europäischen Banken hinter den Amerikanern her? Dabei sind ja nicht alle Banken in Europa so schlecht dran wie die Deutsche Bank. Man schaue sich nur mal die Marktkapitalisierung französischer und britischer Banken an in Relation zur Deutschen Bank! Die DB ist also nicht schuld an ihrer eigenen katastrophalen Lage, die sie womöglich noch dieses Jahr in eine Fusion mit der Commerzbank treiben wird, „freundlich“ begleitet von der Bundesregierung?

Die Deutsche Bank war massiv in so ziemlich Finanzskandale verstrickt. Danske Bank, LIBOR, man könnte endlos weiter machen. Die New Yorker Filiale scheint vor allem im Aktiengeschäft offenbar chronisch erfolglos zu sein, wie man in der Branche hört. Die Investmentbanker in London kassierten und kassieren (?) weiterhin fleißig Boni, haben der Bank aber jahrelang nur Probleme beschert. Hierzulande hat die Deutsche Bank ihr „Brot- und Butter-Geschäft“ gerade massiv gestutzt, in dem sie ihr Filialnetz dramatisch ausdünnte.

Massive Probleme bei der IT und bei der Geldwäscheprävention waren und sind womöglich immer noch akut bei der DB. Aktuell sitzt in den Räumen der DB immer noch ein von der BaFin bestellter Aufpasser, weil man die Sache mit der Geldwäscheprävention offenbar nicht in den Griff bekommt. Und das als größte Bank in Deutschland! Unglaublich! Aber alles halb so schlimm. Da die BaFin ja personell offenbar überfordert ist, stammt der Kontrolleur nicht von der BaFin selbst, sondern vom Wirtschaftsprüfer KPMG, der auch sonst für die DB tätig ist… Tja, die Deutsche Bank ist selbst nicht schuld an ihre Problemen?

Schuld sind EZB und Politik

Wie gut ist es die Schuld auf „die anderen“ zu schieben. Da wäre laut dem aktuellen Papier in aller erster Linie die böse EZB. Durch die Abschaffung der Zinsen habe sie den Banken in der Eurozone (und somit auch der DB) ihrer Zinsmarge beraubt. In den USA könnten die Banken dank existierender Leitzinsen gut 40 Milliarden Euro Zinsmarge einstreichen, so die DB. Im Umkehrschluss heißt das natürlich: In Euroland fehlt diese Marge. Und oben drauf gibt es ja noch den Negativzins für Bankeinlagen, der zu schaffen macht. 8 Milliarden Euro würde er die Banken jährlich kosten. Und ja, diese Politik der EZB ist sicher nicht vorteilhaft die Banken. Aber das wird sicher nicht das Hauptproblem der DB sein! Oder doch? Schauen wir weiter. Wird die Bankenlobby ihren „Partnern“ in Berlin dieses Papier der Bank auf den Tisch knallen als Blaupause für das, was zu tun ist? So sagt der DB-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau in der Studie Zitat:

„Wenn sich der Trend fortsetzt, könnte Europa womöglich eine weitere wichtige Branche an die US-Konkurrenz verlieren.“

Da muss Olaf Scholz ganz sicher aktiv werden, nicht wahr? Aber was soll er tun? Die DB jammert in ihrer Studie überraschenderweise auch darüber, dass die „privilegierte Behandlung von Sparkassen, Genossenschafts- und Landesbanken“ den Wettbewerb für die privaten Banken verzerre, die sich diszipliniert verhielten. Ähhh, bitte was, möchten wir da fragen? Diese Privilegien müssten beendet werden. Dazu meinen wir: Die Privilegien hatten die Volksbanken und Sparkassen auch schon vor 30 und 40 Jahren, als die Deutsche Bank ebenfalls glänzend Geld verdiente. Also derart marktverzerrend können die Genossen und Rotbanker nicht für die DB sein.

Aber jetzt kommen wir zur Politik. Die Regulierung in Europa nehme immer weiter zu. Und in den USA werde sie (gerade unter Trump) derzeit zurückgefahren, was den US-Banken einen weiteren Vorteil gegenüber europäischen Banken verschaffe. Was lernen wir daraus? Die Argumente der DB sind nachvollziehbar, und mögen auch durchaus einen gewissen negativen Einfluss auf die europäischen Banken haben in Relation zu den US-Banken. Es wirkt aber doch so, dass die DB diese Studie vor allem auch für sich selbst geschrieben hat, damit sie in Brüssel, Berlin und beim EZB-Tower in Frankfurt jammern kann. Aber trotz der inhaltlich sicher nachvollziehbaren Argumente muss man letztlich sagen: Die Lage, in der sich die DB derzeit befindet, hat sie größtenteils selbst verursacht!

Deutsche Bank in Frankfurt
Die Deutsche Bank-Zentrale in Frankfurt. Foto: Thomas Wolf (Der Wolf im Wald) CC BY-SA 3.0

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Franz Mlynek

    15. März 2019 12:01 at 12:01

    Jetzt beschweren sich Verbrecher bei Verbrechern , das es ihnen so schlecht geht! Also irrer als hier in Deutschland geht’s nimmer.

  2. Pingback: *** 15. März 2019: Ein Tag – der vielen die Augen öffnen könnte! *** Hoffentlich tut er es nicht!! *** | das-bewegt-die-welt.de

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Aktuell: Galeria Karstadt Kaufhof schützt sich vor Gläubigern – was sagt uns das?

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Galeria Kaufhof Karstadt ist noch nicht offiziell insolvent

Galeria Karstadt Kaufhof war auch vor der Coronakrise seit Jahren nicht gerade auf Rosen gebettet. Und nun machte man das, was H&M, Adidas und Co auch gemacht haben – nämlich erst mal die Mieten aussetzen. Und nun? Der nächste logische Schritt wäre es eine der Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung zu nutzen, um mit dieser bereitgestellten Liquidität durch die Krise zu kommen.

Aber wie Aussagen von Galeria Karstadt Kaufhof in aktuellen Berichten (siehe SPON) nahe legen, scheint es für das Unternehmen gar nicht so einfach zu sein an Staatskredite zu kommen. Zwar habe man sich in den vergangenen Wochen bereits um staatliche Hilfen bemüht. Doch habe sich eine Einigung mit den Banken schwieriger als erhofft erwiesen. Der Prozess, in dem die Banken eine entscheidende Rolle spielen (Ausfallgarantie nur zu 90% von KfW), sei bürokratisch und koste wertvolle Zeit. Nun habe man nicht mehr länger warten können, und hat jetzt beim Amtsgericht Essen ein sogenanntes „Schutzschirmverfahren“ beantragt, was auch genehmigt wurde.

Damit kann Galeria Karstadt Kaufhof sich vor dem Zugriff von Gläubigern schützen, muss aber offiziell noch keine Insolvenz anmelden. Aber es riecht doch verdammt stark nach einer dramatischen Situation. Die Geschäftsführung des Unternehmens kann weiter arbeiten und selbst versuchen zu sanieren. Ob die Banken nach der Eröffnung dieses Schutzschirmverfahrens eher geneigt sind Kredit zu geben? Natürlich nicht. Die Rettung könnte wohl darin bestehen, dass die KfW-Kredite von 90 Prozent Staatshaftung auf 100 Prozent Staatshaftung erhöht werden. Dann könnten die Banken natürlich zügig Gelder freimachen, so darf man es wohl annehmen.

Oder käme das Unternehmen für den neuen Staatsfonds von Olaf Scholz in Frage, wo der Bund sich nun vorübergehend in der Krise an Unternehmen beteiligen kann? Man wird sehen. Was sagt uns das? Galeria Karstadt Kaufhof könnte recht haben mit seiner Kritik am wohl problematischen Vergabeverfahren. Wir teilen diese Kritik, was wir in einigen Artikeln schon zum Ausdruck gebracht haben. Aber natürlich könnte man gerade in diesem Fall auch sagen: Bloß kein gutes frisches Geld dem schlechten Geld hinterher werfen, bloß keine Steuerzahlerkohle für ein quasi gescheitertes Unternehmen, dass schon vor der Krise seit Jahren in einer Dauerkrise war.

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China: Schnelle Erholung von der Coronakrise – hochinteressante Beobachtungen

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Shanghai als Finanzzentrum in China

Der anerkannte China-Kenner Frank Sieren, der auch aktuell in China lebt, beschreibt seine sehr interessanten Beobachtungen, wie aktuell die Lage in China aussieht. Wie geht das Land, wie gehen die Bürger mit der Coronakrise um? Laut Frank Sieren sei bei den Chinesen auch abgesehen von dieser Krise ein Grundvertrauen in den Staat vorhanden. Und, so führt er aus, das chinesische Zeichen für Krise bedeute „Gefahr und Chance“. An allen Ecken und Enden kehre China derzeit zur Normalität zurück.

In Sachen Coronavirus liege das Problem bei den Rückkehrern, die infiziert seien. Jeder nach China Einreisende werde auf das Coronavirus getestet. Frank Sieren geht davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage in China (kurzfristig starker Wirtschaftseinbruch) und in ganz Asien nun nach und nach normalisiere. Problematisch seien die Lieferketten. Die Nachfrage aus Europa und Amerika nach chinesischen Produkten sei natürlich in einigen Branchen erst einmal weggebrochen. Aber, und das ist wohl ein sehr wichtiger Aspekt: Frank Sieren erwähnt, dass die Exporte nach Amerika und Europa für China weit weniger wichtig seien, als man denken würde. Der Handel innerhalb Asiens nehme immer mehr zu, von daher sei man immer unabhängiger vom Westen.

Die Chinesen seien nach Krisen grundsätzlich bereit schnell umzuschalten und wieder zur Normalität zurückzukehren. Sieren erwähnt auch viele interessante Aspekte, die es den Asiaten und vor allem den Chinesen leichter machen würden aus dieser Krise schnell herauszukommen. Als da wären zum Beispiel die Angewohnheiten sich nie die Hände zu geben, oder das Küsschen auf die Wange wie zum Beispiel in Italien ebenfalls nicht zu praktizieren. Auch gäbe es viel Selbstdisziplin, und dazu noch die stringente Durchsetzung der Quarantäne-Maßnahmen, weil China halt eine Diktatur ist, und keine Demokratie.

Kann Europa von China lernen?

Und, kann Europa etwas etwas von China lernen in dieser Krise? Die Chinesen würden laut Frank Sieren viel experimenteller mit neuen Medikamenten umgehen, und daher schneller etwas erreichen. Im Westen sei man gründlicher und würde viel mehr auf Genehmigungen neuer Verfahren und Medikamente achten, was Zeit kosten würde. Schauen Sie sich das Video an, es ist sehenswert!

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Coronavirus: Trumps Management und das US-Gesundheitssystem

In den USA spitzt sich die Corona-Krise immer weiter zu, das Land ist zum Epizentrum des Coronavirus geworden. Katastrophaler als Trump kann man die Krise nicht managen, sagt Sandra Navidi

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In den USA spitzt sich die Corona-Krise immer weiter zu, das Land ist zum Epizentrum des Coronavirus geworden: Immer mehr Infizierte und Tote, die Arbeitslosenzahlen schnellen nach oben, die Aktienmärkte crashten – und Donald Trump versucht mit Milliarden-Hilfen seine Wiederwahl zu retten. „Das US-Gesundheitssystem ist hoffnungslos überfordert. Man baut schon Zelte für Leichen auf. Noch katastrophaler als Donald Trump kann man die Krise nicht managen“, so berichtet Sandra Navidi aus New York. Die Geschäftsführerin von BeyondGlobal erklärt mit Blick auf die Notenbank Fed: „Wir können kein Virus mit Geldpolitik bekämpfen.“

Das total auf Profit getrimmte US-Gesundheitssystem ist durch das Coronavirus total überfordert – die Lage dürfte sich weier zuspitzen, berichtet Sandra Navidi im Gespräch mit Manuel Koch:

Das Coronavirus und Donald Trump

 

 

 

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