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Deutsche Bank: Kursziel 9 Euro!

FMW-Redaktion

Die Deutsche Bank hat zweifellos schon bessere Tage erlebt: nach Marktkapitalisierung ist die Deutsche nur noch die Nummer 20 in Europa – und damit auf dem Niveau etwa der Danske Bank, deren Einfluß auf das weltweite Finanzsystem doch eher überschaubar ist. Wer mit Menschen gesprochen hat, die in den USA ein größeres deutsches Unternehmen geführt haben und dort mit den Banken eng zusammen gearbeitet hat, erfährt: die Deutsche Bank war damals durchaus ein Player, aber die US-Banken waren „tougher“, irgendwie schlauer, auch wenn das Führungsgremium der Deutschen Bank in den USA mit Angelsachsen besetzt war. Es steckte und steckt also doch noch, trotz aller internationalen Zukäufe, ein deutscher Michel in der Genetik der Bank, den man nicht komplett abschütteln kann.

Dabei ist die Bewertung der Deutschen Bank optisch durchaus sehr günstig: die Aktie handelt nicht einmal zur Hälfte ihres Buchwertes, ein vermeintliches Schnäppchen also, nachdem der Aktienkurs der Deutschen alleine in 2016 um 35% verloren hat. Und davor war es auch nicht viel besser:

Deutsche Bank 170516

Klar: die rechtlichen Probleme der Bank sind einer der Auslöser der Schwäche. Aber noch wichtiger, so gestern in einer Analyse James Chappell von der Berenberg Bank, sei die „exzessive Leverage“ der Deutschen Bank. Die Deutsche stehe daher vor unüberwindbaren Problemen, so Chappell. Er senkte daher die Aktien der Deutschen Bank von Halten auf Verkaufen, Kursziel nun neun Euro!

Autsch! Das wären weitere 40% Verlust für die ohnehin leidgeprüften Aktionäre. Damit ist Chappell der Analyst mit der pessimistischsten Sicht auf die Deutsche Bank. Und vielleicht aber auch der Analyst mit der realistischsten Sicht auf die Deutsche Bank. Chappell bringt die Dinge nämlich auf den Punkt: denn die Deutsche hat ein gigantisches Derivate-Portfolio (das meint Chappell mit „Leverage“, da die Bank dabei vergleichsweise wenig Eigenkapital hat, was die Sache nicht weniger riskant macht). Das alles wäre hinnehmbar, wenn man eben diese Leverage durch Verkäufe substantiell reduzieren könnte.

Aber das Problem ist: die Deutsche hat diese Derivate in einem Bereich, der inzwischen immer stärkerer Regulierung unterliegt, weshalb er für andere Banken nicht eben attrakiv ist. Wollte die Deutsche verkaufen, träfe sie auf einen ziemlich illiquiden Markt – und das ist nicht eben die Voraussetzung für gute Preise!

Und: das Investment Banking insgesamt sei, so Chappell, in einem „strukturellen Niedergang“ – nicht zuletzt durch die Regulierungen, die in Reaktion auf die Finanzkrise etabliert wurden. Daher werde es für die Deutsche Bank extrem schwer, sich das dringend benötigte Eigenkapital durch Kapitalerhöhungen vom Markt zu beschaffen.

Blickt man zurück, kann man sagen: die Deutsche Bank ist erst einmal aus der Finanzkrise gut herausgekommen, weil man – durch Kontakte mit schlauen Leuten – auf den Niedergang der US-Immobilienblase gewettet hatte. Aber die Struktur des Derivateportfolios, das das BIP Deutschlands um den Faktor 20 übersteigt, ist eben gewissermaßen ein Opfer der Finanzkrise geworden. Es ist daher kein Zufall, dass der Aktienkurs derzeit nur 39% des Buchwertes der Bank wiederspiegelt, sprich dass wenn man die Bank nun liquidieren würde, weniger als die Hälfte übrig bliebe als die Vermögensgegenstände der Bank derzeit betragen. Die Deutsche Bank ist mit der größte Risikofaktor innerhalb unseres Finanzsystems..



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1 Kommentar

  1. DB,Kursziel 9€uro!Welches Kursziel haben eigentlich vergleichbare kriminelle Institutionen,wie etwa die Hell’s Angels?

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