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Deutsche Bank: Privatkunden-Chef Sewing ab sofort neuer Chef

So schnell kann das gehen. Aktionäre und Öffentlichkeit waren zuletzt regelrecht entsetzt, dass die Deutsche Bank durch Milliarden-Boni an Investmentbanker effektiv ins Minus rutscht. Auch sonst agierte der Sanierer John Cryan glücklos und...

FMW-Redaktion

So schnell kann das gehen. Aktionäre und Öffentlichkeit waren zuletzt regelrecht entsetzt, dass die Deutsche Bank durch Milliarden-Boni an Investmentbanker effektiv ins Minus rutscht. Auch sonst agierte der Sanierer John Cryan glücklos und phantasielos. Das Licht am Ende des Tunnels war einfach nicht zu erkennen, und der Aktienkurs der Bank war am Boden. Nun ist es passiert. Per sofort ersetzt der bisherige Privatkunden-Chef Christian Sewing John Cryan als Vorstandsvorsitzenden. Cryan ist also abgesägt, bleibt aber noch bis zum Monatsende in der Bank.

Ein „normaler“ Bankkaufmann für die Deutsche Bank

Wer ist Christian Sewing? Hier Angaben aus seinem Lebenslauf laut Deutscher Bank:

Sewing (47) ist seit 1. Januar 2015 Mitglied des Vorstands und seit März 2017 stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Er verantwortet bisher den Unternehmensbereich Privat- und Firmenkundenbank (inklusive Postbank) gemeinsam mit Frank Strauß. Von Juni 2013 bis Februar 2015 leitete er die Konzernrevision (Group Audit). Davor bekleidete er eine Reihe von Führungspositionen im Risikomanagement. Er arbeitete in Frankfurt und Hamburg sowie an den Standorten London, Singapur, Tokio und Toronto. Von 2005 bis 2007 war Sewing Finanz- und Risikovorstand der Deutschen Genossenschafts-Hypothekenbank. Er begann 1989 seine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank, gefolgt von einem berufsbegleitenden Studium an der Bankakademie Bielefeld und Hamburg.

Aufsichtsratschef Achleitner dazu im Wortlaut:

„Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass es ihm und seinem Team gelingen wird, die Deutsche Bank erfolgreich in eine neue Ära zu führen. Wir setzen auf ‎die innere Kraft unserer Bank, auf die vielen großen Talente, die wir haben.“

„Trotz seiner relativ kurzen Amtszeit als Vorstandsvorsitzender hat John Cryan eine wichtige Rolle in der fast 150-jährigen Geschichte der Deutschen Bank gespielt und Weichen für eine erfolgreichere Zukunft des Hauses gestellt. Dafür sind wir und ich ganz persönlich ihm sehr dankbar. Der Aufsichtsrat ist nach einer umfassenden Analyse aber zum Schluss gekommen, dass es nun eine neue Umsetzungskraft in der Führung unserer Bank braucht.“

Was hat der Neue zu sagen?

Wofür steht Chrisitan Sewing? Parallel mit der Verkündung seiner Ernennung als neuer Chef hat die Deutsche Bank auch ein Schreiben Sewings an die Mitarbeiter der Bank öffentlich veröffentlicht. Er soll wohl auch als Aufbruchsignal für die Aktie gelten. Schaut her, da passiert was!? Hier der wichtigste Teil im Wortlaut:

Nur wenn wir täglich Team- und Kampfgeist zeigen, können wir unsere wichtigsten Ziele erreichen. Welche sind das? Für 2018 lassen sich diese Ziele recht einfach auf den Punkt bringen, und jeder von uns muss dazu beitragen. Zunächst einmal gilt, dass die Ertrags- und Kostenziele, die wir an jeden Bereich gegeben haben, auch eingehalten werden:

  1. Mit Blick auf die Erträge müssen wir unsere Jägermentalität zurückgewinnen, uns in allen Geschäftsbereichen steigern und die Messlatte wieder höher legen. Unser Start in das Jahr war solide, aber „solide“ darf nicht unser Anspruch sein. Jeder von uns kann, ganz gleich ob in Geschäfts- oder Infrastrukturbereichen, zum Wachstum beitragen.

2) Die bereinigten Kosten dürfen dieses Jahr 23 Milliarden Euro nicht übersteigen. Das ist nicht verhandelbar. Die Programme dazu haben wir zum größten Teil entwickelt, wir werden sie konsequent umsetzen. Rückschläge wie im vierten Quartal 2017 dürfen sich unter keinen Umständen wiederholen. Jeder Bereich und jeder von uns muss das verinnerlichen.

3) Beim wichtigen Ziel, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, sind wir weit vorangekommen. Aber wir müssen wieder schneller werden. Wir werden deshalb unsere internen Prozesse daraufhin überprüfen, dass wir Bürokratie oder Doppelarbeiten beseitigen.

Investmentbanking oder normales Banking?

Wir bei FMW sind noch nicht restlos überzeugt, dass die Bank nun wirklich einen Schwenk hin zum deutschen „langweiligen“ Kerngeschäft mit Privat- und Firmenkunden macht. Denn von oben aus dem neu gruppierten Aufsichtsrat weht der Wind des Investmentbankings und der Kapitalmärkte. Darüber hatten wir erst letzten Donnerstag berichtet.

Die alte Garde der deutschen Industrielenker wurde endgültig aus dem Aufsichtsrat entfernt, und wird bei der in Kürze stattfindenden Hauptversammlung durch namhafte Manager aus dem Bereich der Kapitalmärkte ersetzt. Lenken sie den neuen Chef Sewing in „ihre“ Richtung, oder kann er den Aufsichtsrat davon überzeugen auf das Kerngeschäft umzuschwenken? Man darf gespannt sein, denn auch in jüngster Vergangenheit haben die Investmentbanker die Bank ja arg ins Minus gerissen.

Der neue Deutsche Bank-Chef Christian Sewing
Der neue Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. Foto: Deutsche Bank



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5 Kommentare

  1. Der biedere deutsche Bankkaufmann als CEO… Wir sprechen dann in 2 Jahren wieder wenn die Erlösbasis noch weiter erodiert ist. Jetzt könnten doch Deutsche und CoBa eigentlich fusionieren, beide sind elendig dran !

  2. Richtig. Aufsichtsratsbesetzung und Vorstandswechsel senden widersprüchliche Signale.

    Auch wenn ein staatlicher Eingriff risikobehaftet ist, sollte die Bank gezwungen werden, das Investmentbanking abzuspalten. Dort ist das größte Risiko und dieser Teil muss an die Wand gefahren werden können, ohne dass staatliche Hilfen in Anspruch genommen werden oder die Gesamtbank den Bach runter geht. Sonst bleibt die „gefährlichste Bank der Welt“ ein potentieller scharzer Schwan.

  3. Sehr gut, es soll also Team- und Kampfgeist und vor allem die Jägerinstinkte personell in den Vordergrund gestellt werden. Und was ist mit den Kunden und einfach Angebote die wirklich etwas taugen? Kein Wort davon…. sind Banker einfach nicht in der Lage, den Kunden und sein Nutzen in den Vordergrund zu stellen? Risikoabwälzung auf Kunden und Vernichtung von Alterssparguthaben war in den letzten Jahren bei den tausenden von Prozessen im Vordergrund. Wie man immer wieder liest soll die Deutsche Bank seit Jahren als die grösste Anwaltskanzlei weltweit zur Abwehr von Kundenforderungen gelten. Aus diesem Sumpf zu kommen kann dem Institut gönnen.

  4. Naja, klingt zumindest besser als die anderen externen Konsorten, die da so im Angebot waren. Jetzt gibt es wenigstens wieder den Hauch einer Hoffnung, der bei den Gruselgesichtern von Goldmann und Co. bereits begraben war.

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