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Deutsche Bank zur Razzia: Unschuldsvermutung gilt, Fall abgehakt

Was sagt die Deutsche Bank zu den Durchsuchungen ihrer Räumlichkeiten letzten Donnerstag und Freitag? Bankchef Christian Sewing hat gestern gegenüber der „BamS“ gesagt, dass für die beschuldigten Mitarbeiter die Unschuldsvermutung gelte. Die Kollegen seien sogar mit der Aufarbeitung der Affäre rund um die Panama Papers betraut gewesen. Sewing sei mit sich selbst im Reinen, und intern sei der Sachverhalt komplett aufgearbeitet worden. Es gäbe sogar unabhängige Gutachten. Für ihn sei der Fall abgeschlossen. Die Grundaussage der Deutschen Bank ist also klar. Alles halb so wild. Der Fall ist aufgearbeitet, und die Ermittlungsbeamten sichten nur ein paar Akten, und dann wird vermutlich alles bald erledigt sein.

Fast schon lustig ist der Hinweis der Bank, dass die aktuelle Razzia nichts mit dem Danske Bank-Skandal zu tun habe. Unsere Anmerkung: Der Danske-Brocken (200 Milliarden Euro dubioser Gelder) könnte womöglich (!) für die Deutsche Bank der unendlich schlimmere Skandal werden. Aber da stehen die Ermittlungen noch ganz am Anfang. Wie immer interessant: Die Amerikaner und Dänen ermitteln in dem Fall bereits mit Hochdruck, während in Deutschland dazu offenbar noch gar nichts passiert ist. Schon merkwürdig. Aber hier erstmal die Deutsche Bank im Wortlaut zu der jüngsten Razzia:

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt haben am Donnerstag und Freitag einige Geschäftsräume der Deutschen Bank durchsucht und Mitarbeiter befragt.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richten sich gegen zwei namentlich benannte sowie namentlich nicht benannte Mitarbeiter der Bank wegen des Verdachts der Beihilfe zur Geldwäsche.

Sie stehen im Zusammenhang mit den sogenannten „Offshore-Leaks“ und Panama Papers. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lautet der Vorwurf gegen die Beschuldigten, nicht rechtzeitig Geldwäscheverdachtsanzeigen erstattet zu haben, sondern erst nach der medialen Veröffentlichung der so genannten Panama Papers.

Das Ermittlungsverfahren betrifft den Zeitraum 2013 bis 2018.

Zu den durchsuchten Räumen zählen auch die Vorstandsbüros.

Es gab keine formellen Befragungen von Vorständen.

Aktuelle und frühere Vorstände der Deutschen Bank AG zählen nicht zu den Beschuldigten.

Die Auswertung der Papiere durch das Bundeskriminalamt soll laut Staatsanwalt ergeben haben, dass eine Gesellschaft im Konzern mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln Kunden eine Struktur bereit gestellt haben soll, die Geldwäsche ermöglicht habe.

Diese Gesellschaft wurde im März 2018 verkauft.

Die Ermittlungen stehen nicht im Zusammenhang zur Danske Bank Estonia.

Der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Dr. Albrecht Schreiber, erklärt: „Die Ermittlungsbehörden haben seit Beginn der Durchsuchung bei der Deutschen Bank im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des zugrundeliegenden Sachverhalts sehr rasche und sehr gute Fortschritte erzielt. Die Deutsche Bank kooperiert umfassend. An die Deutsche Bank gestellte Anfragen der Ermittlungsbehörden werden vorbehaltlos beantwortet.“

Der Rechtsvorstand der Deutschen Bank, Karl von Rohr, sagt: „Wir werden die Ermittlungen selbstverständlich weiter aktiv unterstützen und mit den Behörden konstruktiv zusammenarbeiten.“

Deutsche Bank in Frankfurt
Die Deutsche Bank-Türme in Frankfurt. Foto: Nordenfan / Wikipedia (CC BY-SA 4.0) – Ausschnitt aus Originalfoto



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1 Kommentar

  1. hmm, ich dachte die Durchsuchung hängt mit Danske zusammen. D.h. im Umkehrschluss dass es zwei verschiedene Skandale (neben den unzähligen anderen) gibt. Aber Spaß beiseite, was kann denn CEO Sewing dafür? so lange ist er noch nicht im Amt.

    ;

    finde die DB trotzdem sehr interessant auf diesem Kursniveau. Langsam sollte alles eingepreist sein.

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