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Deutsche Börse: Fusion, Fusion, Hauptsache Fusion?

Deutsche Börse-Chef Kengeter scheint einer der neumodischen CEO´s zu sein, die Fusionen und Zukäufe für eine Art Selbstzweck halten. Egal wie, die Fusion muss her, scheint das Motto zu lauten. Aktuell wird überlegt und in den Aufsichtsgremien besprochen…

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FMW-Redaktion

Deutsche Börse-Chef Kengeter scheint einer der neumodischen CEO´s zu sein, die Fusionen und Zukäufe für eine Art Selbstzweck halten. Egal wie, die Fusion muss her, scheint das Motto zu lauten. Aktuell wird überlegt und in den Aufsichtsgremien besprochen, ob die Deutsche Börse die Mindstannahmeschwelle für die Fusion bei ihren Aktionären nicht von 75% auf 50% herabsenkt. Der Grund, so nach offiziellem Statement:

“Eine mögliche Herabsetzung dieser Mindestannahmeschwelle wird derzeit von den beteiligten Parteien geprüft, um Indexfonds eine Teilnahme an dem Angebot zu ermöglichen. Indexfonds, die gegenwärtig bis zu 15% der Deutsche Börse-Aktien halten, können aus technischen Gründen ihre Deutsche Börse-Aktien erst zum Umtausch einreichen, nachdem die Mindestannahmeschwelle erreicht ist und die nicht zum Umtausch eingereichten Aktien im jeweiligen Index durch die zum Umtausch eingereichte Gattung ersetzt wurden.”

Komisch. Diese Sache mit den Indexfonds, das wusste Herr Kengeter doch auch schon bei der Erstellung der Fusionsunterlagen, oder etwa nicht? Oder kann es daran liegen, dass bis dato erst 25% der benötigten 75% der Deutsche Börse-Aktionäre zugestimmt haben? Angeblich stimmen bei solchen Fusionen viele Aktionäre erst kurz vor dem Ende der Zustimmungsfristen zu, daher kann man jetzt noch genau eine Woche mutmaßen, ob es sich in diesem Fall genau so verhält. Oder man kann auch mutmaßen, ob all zu viele Deutsche Börse-Aktionäre ihre Zustimmung verweigern, weil sie der (berechtigten?) Meinung sind, dass sie mit 54% an der neuen Börse zu wenig abbekommen? Wohl gemerkt: Hierbei geht es nicht um deutschen Nationalstolz. 85% der Deutsche Börse-Aktionäre kommen eh aus dem Ausland – denen geht es nur darum einen ordentlichen Schnitt zu machen. Und schaut man sich die aktuellen Zahlen an wie Marktkapitalisierung, Umsatz und Gewinn, sind 54% deutlich zu wenig Anteil am neuen Unternehmen – so werden es wohl viele Aktionäre sehen.

Über die aufsichtsrechtlichen Schwierigkeiten haben wir noch gar nicht gesprochen. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir muss als Vertreter des Aufsichtsorgans (Bundesland Hessen) letztlich sein OK für die Fusion geben. Ihn muss Kengeter überzeugen. Wie das Handelsblatt berichtet, möchte er daher aufgrund des Brexit sämtliche in Euro notierenden Clearing-Transaktionen der fusionierten Börse nach Frankfurt verlegen. Das wäre ein herber Rückschlag für den Standort London. Denn die London Stock Exchange bringt ihre wertvolle Clearingtochter LCH in die Fusion mit ein, die bisher Euro-Transaktionen problemlos in London abwickelt. Sie hat im Jahr 2016 bis jetzt schon mehr als 100 Billionen Euro an Volumen abgewickelt.

Wie wichtig den Londonern das ist, sieht man daran, dass sich Großbritannien erst 2015 beim Europäischen Gerichtshof das Recht absichern ließ, dass UK auch weiterhin Geschäfte in Euro abwickeln kann, auch wenn man nicht Mitglied der Eurozone ist. Das dürfte sich mit dem Austritt aus der EU aber grundlegend ändern. Dann sinkt die Chance hierfür auf 0. Und dann wäre da noch der Sitz der Holding, den wir vor Kurzem schon thematisiert hatten. Doppel-Holding Frankfurt + London, wie es angeblich Kengeter derzeit in der deutschen Politik anbietet? Oder ein zentraler Holdingsitz Amsterdam als externe Lösung, mit der jeder irgendwie leben könnte? Das ist noch in der Schwebe. Auf jeden Fall werden eine Verlagerung der Holding weg aus UK und dazu noch eine Verlagerung aller Euro-Transaktionen aufs Festland die neue britische Regierung wenig begeistern. Beide Umstände dürften dort die politischen Forderungen größer werden lassen: “Lasst uns den Ausverkauf unserer LSE Richtung Festland stoppen.” Naja, man tritt ja eh aus der EU aus. Dann ist es verständlich, dass man “seine” Börse behalten will.

Ein Kommentar

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    Marcus

    11. Juli 2016 16:42 at 16:42

    Die Senkung der Mindestannahmeschwelle zeigt nur, das man die Fusion um jeden Preis retten will. Die Fusion ist tot, und Carsten Kengeter hat sich verzockt! So und nicht anders ist die Sachlage.

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Wie Luxus die Coronakrise durchlebt hat – dazu reicht der Blick auf eine Aktie!

Claudio Kummerfeld

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Champagner als Luxus-Konsumgut

Gönnen sich viele Menschen keinen Luxus mehr während und kurz nach der Coronakrise? Extrem teure Bekleidung, Champagner uvm, war das nicht mehr angesagt? Die Analyse dieser Frage ist recht einfach. Denn es genügt der Blick auf eine einzige Luxus-Aktie, die quasi als globaler Gradmesser dient für die Kauflaune besser betuchter Kundschaft. LVMH ist der weltweit größte Luxusgüter-Konzern. LVMH steht für “Moët Hennessy – Louis Vuitton” Der Name ist Programm. Der französische Konzern ist Eigentümer diverser Getränkemarken wie Moet, Dom Perignon, Hennessy uvm. Dazu Bekleidungsmarken wie Louis Vuitton, aber auch Dior, Fendi und Bulgari. Dazu Uhrenhersteller wie Hublot oder TAG Heuer, und noch viele Marken mehr (hier eine Gesamtübersicht).

Luxus läuft, LVMH macht trotz Coronakrise Gewinn

Betrachtet man LVMH, erhält man de facto ein gutes Bild über die weltweite Lage am Luxus-Markt. Die jüngsten Finanzdaten hatte LVMH schon letzte Woche veröffentlicht. Wir werfen heute mal einen Blick darauf. Und siehe da. Der Laden läuft. Im ersten Halbjahr hat LVMH 18,39 Milliarden Euro Umsatz gemacht, gerade mal 27 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019. Und der Gewinn fiel um 68 Prozent! Ohhhh, doch so ein starker Einbruch? Dann läuft das Geschäft wohl doch nicht so schlecht? Nun, es ist immer noch ein Gewinn von 1,67 Milliarden Euro erwirtschaftet worden nach 5,3 Milliarden Euro im Vorjahr.

Also, es geht hier wohl um Jammern auf verdammt hohem Niveau. Mit Luxus lässt sich gutes Geld verdienen, und die Kunden kaufen. Aus den Aussagen von LVMH kann man entnehmen, dass vor allem Europa und die USA Probleme machten, aber Asien gut lief. Das liegt wohl am extrem schnellen und harten Lockdown in China, weshalb dort der Konsum danach auch schnell wieder anspringen konnte.

Man bedenke grundsätzlich: Flughäfen waren wochenlang weltweit geschlossen, und auch jetzt noch ist der Flugverkehr dramatisch niedriger als im Vorjahr. Und wo machen die Luxus-Hersteller viel Umsatz? In ihren Shops an den Flughäfen! Von daher ist es umso erstaunlicher, dass LVMH “nur” 27 Prozent Umsatz einbüßte, und immer noch einen saftigen Gewinn erwirtschaften konnte. Gewiss, man kann sagen, dass der Gigant der Luxus-Branche Umsatz verloren hat und deutlich weniger Gewinn machte. Aber solche Sorgen wie LVMH hätten zum Beispiel die Airlines oder Hotelketten nur all zu gerne.

Luxus läuft also weiter! Und wie hat sich die LVMH-Aktie an der Börse gehalten in der Coronakrise? Wir haben im folgenden Chart einen europäischen Aktienindex auf CFD-Basis eingebaut (rot-grün), dazu die LVMH-Aktie (blau). Sie kann sich gut halten im Vergleich zum Gesamtmarkt! Und in lila, da haben wir als Beispiel für weniger gut laufende Branchen die Aktie von Air France KLM eingebaut.

Chart zeigt LVMH-Aktie im Vergleich zu Air France und EU-Aktienindex

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – was passiert um 17:30 Uhr?

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die vorhin veröffentlichten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind ein Thema. Und um 17:30 Uhr soll in New York eine Veröffentlichung von nationaler Tragweite in den USA gemacht werden.

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Siemens-Quartalszahlen: Überraschend angenehm durch die Krise

Claudio Kummerfeld

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Die Siemens-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 13,49 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 14,24). Der Auftragseingang liegt bei 14,4 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 15,57).

Der Gewinn “aus fortgeführten Aktivitäten” liegt bei 986 Millionen Euro (Vorjahresquartal 1,06 Milliarden Euro)

Die Aktie notiert vorbörslich mit +3 Prozent.

Hier die Headline-Aussage des Unternehmens im Wortlaut:

Trotz großer Unsicherheiten aufgrund der globalen Covid-19-Pandemie hat die Siemens AG im 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahrs 2020 strategisch und operativ sehr erfolgreich Kurs gehalten. In einem herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Umfeld hat das Unternehmen eine starke EBITA-Marge von 14,3 Prozent in den Industriellen Geschäften erwirtschaftet. Dazu trug ein positiver Effekt bei Digital Industries in Höhe von 211 Millionen Euro bei, der die Marge mit 1,7 Prozentpunkten beeinflusste. Größere Einschränkungen der Lieferkette im Zusammenhang mit der Covid-19-Krise konnten trotz zum Teil erheblicher Vorsichtsmaßnahmen zur Priorisierung der Sicherheit und Gesundheit der Belegschaft erfolgreich verhindert werden. Mit einem Free Cash Flow von über 2,1 Milliarden Euro in den Industriellen Geschäften (2,5 Milliarden Euro auf Konzernebene) verfügt Siemens über ausreichend Liquidität, um die Covid-19-Krise gut zu meistern oder sogar gestärkt aus ihr hervorzugehen.

Zum Ausblick sagt Siemens im Wortlaut:

Siemens erwartet, dass die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie die Finanzergebnisse im vierten Quartal des Geschäftsjahrs weiter stark beeinträchtigen werden. Allerdings können die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen und ihr Einfluss auf Siemens nach wie vor nicht zuverlässig eingeschätzt werden.

Im Geschäftsjahr 2020 wird weiterhin ein moderater Rückgang der vergleichbaren Umsatzerlöse (ohne Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte) sowie ein weiterhin über 1 liegendes Book-to-Bill-Verhältnis erwartet. Der Nachfragerückgang schlägt sich am stärksten in den Operativen Unternehmen Digital Industries und Smart Infrastructure nieder.

Es wird an der Abspaltung und dem Börsengang von Siemens Energy vor dem Ende des Geschäftsjahrs 2020 festgehalten. Daraus erwartet die Siemens AG einen Abspaltungsgewinn, der innerhalb der nicht fortgeführten Aktivitäten gezeigt wird, dessen Höhe noch nicht zuverlässig vorhergesagt werden kann. Es wird weiterhin davonausgegangen, dass die Kosten aus der Abspaltung sowie Steueraufwendungen in Zusammenhang mit der Ausgliederung und der Aufstellung des Teilkonzerns Siemens Energy den Gewinn nach Steuern wesentlich belasten werden.

Siemens-Quartalszahlen im Detail

Arbeiter einer einer Turbine bei Siemens
Beispielfoto: Arbeit an einer Turbine von Siemens. Foto: Siemens (CC BY-SA 3.0)

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