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Deutsche Börse-Fusion mit London: Ein Zuckerl für die EU-Kommission löst das Hauptproblem nicht

Die Deutsche Börse hat noch zwei Hürden zu nehmen auf dem Weg zur Fusion mit der London Stock Exchange (LSE). Als deutlich leichtere Hürde dürfte die EU-Kommission einzuschätzen sein, die sich ausschließlich...

FMW-Redaktion

Die Deutsche Börse hat noch zwei Hürden zu nehmen auf dem Weg zur Fusion mit der London Stock Exchange (LSE). Als deutlich leichtere Hürde dürfte die EU-Kommission einzuschätzen sein, die sich ausschließlich Gedanken um den Wettbewerb und somit einen freien konkurrierenden Markt macht, auf dem verschiedene Anbieter um Kunden werben. Zu wenige Anbieter wären zwar kein Monopol, aber ein Oligopol, also eine eingeschränkte Anbieter-Vielfalt. Das könnte bei nur noch zwei großen Anbietern in Europa gegeben sein mit der Euronext-Gruppe in Paris und als zweitem Anbieter der fusionierten Börse, die aus der Fusion von Frankfurt und London hervorgeht.


Der Handelssaal der Deutschen Börse, heute mehr Kulisse für TV-Kameras als wirklicher zentraler Handelsraum. Der absolute Großteil der Transaktionen läuft elektronisch. Foto: Deutsche Börse AG

Aus diesem Grund hat wohl die Deutsche Börse und auch die LSE heute offiziell verkündet, dass man gegenüber der EU-Kommission eine Art Zuckerl anbietet. Man will im Fall der Fusion seine Abwicklungs-Tochter „LCH.Clearnet SA“ an die Euronext verkaufen, und schlägt das gegenüber der EU-Kommission offiziell als sogenannte „Abhilfemaßnahme“ vor, um wie man selbst schreibt wettbewerbsrechtlichen Bedenken zu begegnen. Ganz klar, hier will man durch das Abgeben einer Tochter ein Signal setzen, wie es in so einem Fall üblich ist. An dem Machtgefüge, dass nach drei großen Börsen bald nur noch zwei in Europa übrig bleiben, ändert das nichts.

Aber es ist durchaus möglich, dass die EU-Kommission sich dazu hinreißen lässt dieses Zuckerl zu akzeptieren, vielleicht auch im Sinne der europäischen „Staatsraison“ (große Konzerne schaffen für den internationalen Wettbewerb bla bla). Aber die zweite große Hürde dürfte nicht zu besänftigen sein, und wird womöglich das Scheitern der Fusion bedeuten. Nach wie vor beharren beide Fusionspartner darauf, dass London der neue Sitz der fusionierten Börse sein muss! Es wirkt fast so, dass die Londoner Seite diese Bedingung als ultimativ nicht verhandelbar festgelegt hat, sozusagen als Grundvoraussetzung für die Fusion.

So kämpft auch Deutsche Börse-Chef Kengeter leidenschaftlich für die de facto-Abschaffung der Existenz einer Deutschen Börse mit Entscheidungsbefugnissen in Deutschland. Und möge man auch noch so oft betonen, dass ja beide Börsen unterhalb der zukünftigen Holding weiterhin eigenständige Geschäftsleitungen in den jeweiligen Ländern haben – es ist wie es ist: Die Entscheidungen würden künftig in London getroffen. Und genau dieser Punkt ist es, der wie man aus Finanzkreisen hört, die Wahrscheinlichkeit immer größer werden lässt, dass das Bundesland Hessen die Fusion ablehnen könnte.

Das Bundesland ist die offizielle Aufsichtsbehörde der Deutschen Börse, und kann genau so eine Fusion durch eine einfache Ablehnung blockieren, wenn es die Weiterentwicklung des Börsenstandortes Frankfurt in Gefahr sieht. Und die Stimmen mehren sich, dass es genau auf eine Ablehnung mit dieser Begründung hinausläuft. Wie wir schon mal geschrieben haben: Es ist mehr aus erstaunlich, dass die größere Börse ihre Zentrale opfern und damit die ganze Fusion riskieren will. Ach ja, und ganz nebenbei hat heute der Aufsichtsrat der Deutschen Börse bestätigt, dass man dem Vorstandsvorsitzenden Carsten Kengeter das volle Vertrauen ausspricht.

Es geht um die jüngsten Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in Sachen Insiderhandel. Er hatte kurz vor Beginn der Fusionsverhandlungen mit der LSE Ende 2015 Aktien der Deutschen Börse gekauft. Da soll er also nach eigenem Befinden selbst noch nicht mal über eine Fusion nachgedacht haben? Zumindest sagt der Aufsichtsrat heute offiziell, dass das Ergebnis der (eigenen und externen) Prüfung die übereinstimmende Erkenntnis gebracht hätte, dass Fusionsverhandlungen mit der LSE im Jahr 2015 nicht stattgefunden haben. Das mag sein, so wollen wir ergänzen. Aber kann es sein, dass Kengeter zwei Monate vor Verhandlungsbeginn selbst noch nicht mal einen Gedanken über die Fusion im Kopf hatte?



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