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Deutsche Exporte nach UK: Spürbare Rückgänge im Zeichen des Brexit

Heute möchten wir uns mal den Auswirkungen widmen, die das schwache Pfund umgekehrt für deutsche Exporteure hat. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat in einer Studie...

FMW-Redaktion

Wir haben in den letzten Monaten schon mehrmals über die bereits spürbaren Auswirkungen des anstehenden Brexit für Großbritannien geschrieben, die vor allem auf das seit Juni 2016 stark gefallene Pfund zurückzuführen sind. Heute möchten wir uns mal den Auswirkungen widmen, die das schwache Pfund umgekehrt für deutsche Exporteure hat. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat in einer Studie heute Zahlen präsentiert, die lehrbuchmäßig genau das spiegelverkehrte Bild zu Großbritannien zeigen.

Denn dort profitieren die Exporteure sehr stark davon, dass Ausländer (vor allem aus der EU) dank des billigen Pfund viel günstiger an britische Produkte kommen. Und so ist es umgekehrt der Fall, das in Euro hergestellte und verkaufte Produkte für britische Importeure deutlich teurer werden. Daher kann man lehrbuchmäßig anzunehmen, dass deutsche Exporte Richtung Großbritannien in den letzten Monaten spürbar rückläufig sind. Und genau so ist es auch.

Hier auszugsweise der Originalwortlaut vom IW Köln, den wir so auch unterschreiben können:

Zudem zeigen alle belastbaren Studien, dass der Brexit dem Vereinigten Königreich langfristig mehr schaden wird als der EU. Bei den kurzfristigen Wirkungen ist die Balance bislang aber offensichtlich eine andere. Die britische Wirtschaft läuft nach dem Referendum auf erstaunlich kräftigen Touren weiter. Das liegt auch daran, dass das britische Pfund direkt nach dem Brexit-Referendum vom 23. Juni 2016 um mehr als 10 Prozent gegenüber dem Euro abwertete und seitdem um dieses Niveau pendelt. Die Abwertung hat der britischen Industrie durch die Verbilligung ihrer Exporte neuen Schwung gegeben.
Dieser Wechselkurseffekt hat jedoch die deutsche Exportwirtschaft bereits hart getroffen. Eine ökonometrische Analyse des IW Köln (Kolev et al., 2016) schätzt, dass eine Abwertung des britischen Pfunds um 10 Prozent die deutschen Warenexporte in das UK innerhalb von zwei bis drei Quartalen um rund 6 Prozent mindern sollte.

Im 2. Halbjahr 2016 exportierte die deutsche Wirtschaft 7,2% weniger nach Großbritannien als im 2. Halbjahr 2015. Im 4. Quartal 2016 waren es sogar 9,3% weniger als ein Jahr zuvor. In einigen Teilbereichen ist der Rückgang sogar noch dramatischer, wie die folgende Detailübersicht zeigt. Wenn man nur vom 4. Quartal spricht, wird die Pharmabranche mit -20,4% am Härtesten getroffen. Autos und Autoteile liegen bei -17,7%. Die britische Autoindustrie hingegen hatte letzte Woche gerade erst extrem gute Zahlen vermeldet. So lag die UK-Autoproduktion im Februar dank der Exporte in die EU so hoch wie seit 17 Jahren nicht mehr. Das IW geht davon aus, dass die deutsche Exportwirtschaft diesen Rückschlag gut verkraftet hat, da die deutschen Exporteure stets darauf achten auch andere Absatzmärkte zu erschließen. Zitat IW mit seinen drei Schlussfolgerungen:

Die deutsche Wirtschaft insgesamt hat diesen Exporteinbruch recht gut verkraftet, wie das ansehnliche BIP-Wachstum von 1,9 Prozent im Jahr 2016 zeigt. Die Binnenkonjunktur läuft gut und deutsche Exporteure waren es in den vergangenen Jahren gewohnt, dass einzelne Zielländer schwächeln und sie Ausschau nach anderen Absatzmärkten halten müssen. Diese Sichtweise dürfte auch zu den geringen Sorgen der rund 2.900 deutschen Unternehmen beigetragen haben, die das IW Köln im Herbst 2016 über ihre Erwartungen zu den Brexit-Wirkungen befragt hat (Grömling/Matthes, 2016).

Trotzdem ist es bemerkenswert, dass auch die betroffenen Branchen die Position der deutschen Spitzenverbände in der Brexit-Debatte mittragen und nicht für weiche Kompromisse mit der britischen Regierung eintreten. Auch hier dominiert offensichtlich die Sorge, dass anderenfalls Nachahmereffekte entstehen und die EU auseinanderbricht.

Soweit die erwähnte ökonometrische Studie richtig liegt, dürfte mit dem Einbruch der deutschen Warenausfuhren in das UK in der zweiten Jahreshälfte 2016 das Gros der kurzfristigen Brexit-Wirkungen auf Deutschland bereits erfolgt sein. Wenn das Pfund nicht deutlich weiter abwertet, könnten im zweiten Halbjahr 2017 wieder positive Wachstumsraten beim Export in das UK möglich sein.



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