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Europa

Deutsche Inflation: Die Detaildaten für Februar zerlegen auf brutale Weise die EZB-Argumentation

Ja, da haben wir wohl die richtige Formulierung gefunden. Auf brutale Art und Weise zerlegt die deutsche Inflation die Argumentation, die sich die EZB zurechtgelegt hat um die Zinsen nicht…

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FMW-Redaktion

Ja, da haben wir wohl die richtige Formulierung gefunden. Auf brutale Art und Weise zerlegt die deutsche Inflation die Argumentation, die sich die EZB zurechtgelegt hat um die Zinsen nicht erhöhen zu müssen. Was war passiert? Am 1. März meldete das Statistische Bundesamt die Inflation für Februar mit +2,2% auf Jahresbasis. Heute nun die endgültigen Zahlen, die die vorläufigen Daten vom 1. März mit 2,2% exakt bestätigen. Das ist der höchste Wert seit knapp fünf Jahren! Der für die EZB entscheidende sogenannte „Harmonisierte Verbraucherpreisindex“ (HVPI) steigt ebenfalls um 2,2%.

Aber die Details haben es in sich, wie die Grafik sehr gut zeigt. Die EZB sagt ja man könne die Zinsen nicht anheben, weil die Gesamt-Inflation durch extrem stark steigende Preise in den Bereichen Energie und Nahrungsmittel hochgezogen wird. Und diese beiden Bereiche wären eben sehr schwankungsintensiv, und seien daher nicht Teil der Kerninflation. Die anderen Bereiche würden nicht an die 2% herankommen und hinterherhinken. Die „Kerninflation“ wäre also noch nicht so weit, dass die Zinswende in der Eurozone eingeläutet werden könne.

Gut, Deutschland ist nicht die Eurozone, aber als mit Abstand größter Verbrauchermarkt ist Deutschland das wichtigste Zugpferd, und in der Regel bestätigt die gesamte Eurozone den deutschen Inflationstrend. Energie und Nahrungsmittel steigen gemäß der heute im Detail gezeigten Daten auch kräftig an (Verkehr +5% und Nahrungsmittel +4,1%). Aber darunter in der Grafik sieht man sehr gut dargestellt, dass Alkohol und Tabak bei +2,3% liegen, Hotels & Restaurants bei +2%, Wohnungsmieten bei +1,9%, Freizeit bei +1,9%, und Gesundheit bei +1,8%. Damit liegen inzwischen so ziemlich sämtliche wichtigen Sektoren der „Kerninflation“ auf oder über dem Inflationsziel der EZB, das per Definition lautet: „Nahe an 2% herankommen“, also wohl irgendwo zwischen 1,7% und 2,0%.

Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Inflationsrate im Februar 2017 bei + 1,7 % gelegen, also auch noch genau im Zielkorridor der EZB! Da ist nicht mehr viel los mit der EZB-Argumentation. Aber einen letzten Joker hat Mario Draghi noch. Er hatte ja auch erwähnt, dass die EZB sehen will, dass die Inflation sich länger dort oben halten kann. Also wird man jetzt darauf verweisen, dass man vielleicht noch ein halbes Jahr warten muss, bis sich die Preissteigerungen verfestigt haben?

Das Statistische Bundesamt heute im Originalwortlaut:


Im Februar 2017 lagen die Energiepreise insgesamt mit + 7,2 % deutlich über dem Vorjahresniveau und wirkten damit erneut stark preistreibend auf die Gesamtteuerung. Die Preisanstiege bei Energie in den letzten Monaten (Januar 2017: + 5,9 %; Dezember 2016: + 2,5 %) ergaben sich im Wesentlichen durch die niedrigen Energiepreise vor einem Jahr: Im Februar 2016 wurde der niedrigste Stand im Jahr 2016 erreicht. Durch diesen Basiseffekt waren insbesondere leichtes Heizöl mit + 43,8 % sowie Kraftstoffe mit + 15,6 % im Februar 2017 erheblich teurer als ein Jahr zuvor. Die Preisänderungen binnen Jahresfrist für die anderen Energieprodukte fielen deutlich schwächer aus (zum Beispiel Strom: + 1,6 %; Gas: − 3,2 %; Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme: − 4,7 %). Ohne Berücksichtigung der Energie hätte die Inflationsrate im Februar 2017 bei + 1,7 % gelegen, ohne Berücksichtigung der Mineralölprodukte nur bei + 1,5 %.

Auch die Preise für Nahrungsmittel lagen im Februar 2017 mit + 4,4 % deutlich höher als im Februar 2016. Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln hat sich damit verstärkt (Januar 2017: + 3,2 %) und im Februar 2017 wesentlich zum Anstieg der Gesamtteuerung beigetragen. Erheblich teurer als ein Jahr zuvor war im Februar 2017 Gemüse (+ 21,0 %), hier insbesondere frisches Gemüse wie Salat, Tomaten und Gurken. Auch für Speisefette und Speiseöle (+ 13,2 %), Fisch und Fischwaren (+ 5,4 %) sowie Obst (+ 3,9 %) mussten die Verbraucher deutlich mehr bezahlen.

Gemessen an der Gesamtteuerung erhöhten sich die Preise für Waren insgesamt im Februar 2017 gegenüber Februar 2016 mit + 3,2 % überdurchschnittlich, maßgeblich bestimmt durch die Preisanstiege bei Energie (+ 7,2 %) und bei Nahrungsmitteln (+ 4,4 %). Auch andere Waren verteuerten sich binnen Jahresfrist deutlich, zum Beispiel Zeitungen und Zeitschriften (+ 4,5 %) sowie Tabakwaren (+ 3,2 %). Einige Waren wurden hingegen billiger, unter anderem Geräte der Unterhaltungselektronik (− 4,7 %) und Bekleidungsartikel (− 0,5 %).

Im Vergleich zu den Waren erhöhten sich im Februar 2017 die Preise für Dienstleistungen insgesamt mit + 1,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich schwächer. Diese Teuerung wurde im Wesentlichen durch die Erhöhung bei der Nettokaltmiete bestimmt (+ 1,6 % gegenüber Februar 2016), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Daneben verteuerten sich unter anderem Dienstleistungen für Verpflegung (+ 2,0 %) sowie für Versicherungen (+ 2,4 %). Deutlich billiger wurden binnen Jahresfrist hingegen Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (− 6,1 %), insbesondere in Folge der Umsetzung des Pflegestärke­gesetzes II. Auch die Preise für Flugtickets (− 3,0 %) und für Telekommunikationsdienstleistungen (− 1,1 %) waren rückläufig.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    vogel

    14. März 2017 10:12 at 10:12

    Wundert diese Entwicklung noch irgend Jemand (außer Draghi und Yellen)? Die Geldmenge eilt schon lange zu historischen Höchstständen: http://de.tradingeconomics.com/germany/money-supply-m1
    Nach den Finanz- und Immobilienmärkten kommt die Inflation jetzt mit Verzögerung auch in den Verbrauchermärkten an. (Dann aber auch gewaltig ).
    Immer der gleiche Fehler:
    …Zinserhöhungszyklus viel zu spät eingeleitet – dann kompensatorisch zu hoch überdreht – voll in den Beginn der nächsten Rezession hinein – Crash – Nächstes QE 4/5/… viel zu lange beibehalten… ;-)
    Geschichte wiederholt sich, aber sie reimt sich doch (Twain).

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Schwache Dienstleister, starkes Gewerbe

„Dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für Oktober) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Wirtschaft:

Gesamtindex: 54,5 (Prognose war 53,2; Vormonat war 54,7)

Verarbeitendes Gewerbe: 58,0 (Prognose war 55,1; Vormonat war 56,4)

Dienstleistung: 48,9 (Prognose war 49,2; Vormonat war 50,6)

Damit bestätigt sich der Trend der letzten Zeit: Dienstleistung leidet, Gewerbe bleibt robust (noch?)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 47,3 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 48,0)

(Hinweis: das ifo Institut hat soeben mitgeteilt, dass die ifo Umfrage erst am Montag veröffentlicht wird, im Videoausblick hatte ich gesagt, dass die Zahlen heute um 10Uhr veröffentlicht werden).

Dazu kommentiert Phil Smith von Markit, das die Daten erhebt: „dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

„Die deutsche Wirtschaft hält sich angesichts der zweiten Corona-Infektionswelle erfreulicherweise ziemlich wacker, wie der Oktober-Flash zeigt.
Obwohl einige Dienstleistungsunternehmen unter den neuen Restriktionen und der zunehmenden Unsicherheit im Zusammenhang mit der ‘zweiten Welle’ leiden, hielten sich die Geschäftseinbußen hier insgesamt noch in Grenzen. Gleichzeitig hat die boomende Industrie der Konjunktur ordentlich Auftrieb verliehen. Folglich sieht es zunehmend nach einer Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten aus. Das verarbeitende Gewerbe ist bisher weniger stark von den neuen Restriktionen betroffen als der Servicesektor und hat zudem enorm vom wieder
florierenden Welthandel profitiert. Da sich immer mehr Industrieunternehmen dem Wachstumsniveau von vor der CoronavirusPandemie nähern oder es sogar schon erreicht haben, wird ein dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger. So sind die Erwartungen der Hersteller im Oktober auch erstmals seit siebenMonaten wieder leicht gesunken. Dennoch, Sorgenkind Nummer eins bleibt der Dienstleistungssektor.”

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Deflation im Westen – Inflation nur in Osteuropa

Redaktion

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Soeben wurden für die Eurozone für den Monat September die Verbraucherpreise veröffentlicht (2.Veröffentlichung). Sie gehen im Jahresvergleich um -0,3 Prozent zurück, nach -0,2 Prozent im August und +0,4 Prozent im Juli. Auffallend: Inflation gibt es nur im Osten, während der Westen eher unter Deflation leidet.
Zum Vormonat steigen die Verbraucherpeise um +0,2%, ebenso in der Kernrate (ohme Nahrung und Energie) um +0,2%.

Dazu schreibt Eurostat, das die Daten erhebt:

Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im September 2020 bei -0,3%, gegenüber -0,2% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 0,8% betragen. Die jährliche Inflationsrate in der Europäischen Union lag im September 2020 bei 0,3%, gegenüber 0,4% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 1,2% betragen. .
Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Griechenland (-2,3%), Zypern (-1,9%) und Estland (-1,3%) gemessen.
Die höchsten jährlichen Raten wurden in Polen (3,8%), Ungarn (3,4%) und Tschechien (3,3%) gemessen.

Die Verbraucherpreise in den jeweiligen Ländern

 

Gegenüber August ging die jährliche Inflationsrate in dreizehn Mitgliedstaaten zurück, blieb in sieben unverändert und stieg in sieben an.
Im September kam der höchste Beitrag zur jährlichen Inflation im Euroraum von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (+0,34 Prozentpunkte, Pp.), gefolgt von Dienstleistungen (+0,24 Pp.), Industriegütern ohne Energie (-0,08 Pp.) sowie Energie (-0,81 Pp.).

Die Verbraucherpreise in der EU und der Eurozone

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Europa

Aktuell: ZEW-Index schwach – neuer Realismus?

Markus Fugmann

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Jeden Monat wird der ZEW-Index vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhoben. Der Index gilt daher als ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die gerade veröffentlichten Daten sind wie folgt ausgefallen:

Der ZEW-Index (Konjunkturerwartungen Oktober) ist mit +56,0 Punkten deutlich schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war +73,0; Vormonat war +71,5).

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei -59,5 (Prognose war -60,0; Vormonat war -66,2) – damit sehen wir erneut eine starke Divergenz zwischen Erwartung und der Einschätzung der aktuellen Lage, wobei die aktuelle Lage nun jedoch skeptischer gesehen wird.

Dazu das ZEW: Erwartungen gehen erheblich zurück, große Unsicherheit wegen steigender Corona-Zahlen, dazu Unsicherheit vor US-Wahl..

Der ZEW-Index ist nach dem ifo Index der wichtigste Indikator für die deutsche Wirtschaft

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