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Deutsche Wirtschaft: Konsumentenvertrauen knickt ein

Steht die deutsche Wirtschaft vor schweren Zeiten?

Deutsche Wirtschaft und Konsum

Steht die deutsche Wirtschaft vor schweren Zeiten?

Nicht nur in den USA blicken Ökonomen gespannt auf die Veröffentlichung der Daten zum Verbrauchervertrauen – Uni Michigan und Conference Board. Kein Wunder bei einem 70 Prozent-Anteil des Konsums am Bruttoinlandsprodukt. Aber auch für die deutsche Wirtschaft spielt der Konsument eine große Rolle und macht über die Hälfte des deutschen BIPs aus. Demzufolge achtet man auch hierzulande auf Konsumentenbefragungen, wie zum Beispiel auf das HDE-Konsumbarometer. Und da hat sich die Lage deutlich eingetrübt.

Deutsche Wirtschaft: Verbrauchervertrauen in Deutschland für September stark rückläufig

Wenn sich dieser Trend auch nur ein wenig fortsetzt, so wird es nichts aus dem großen Wirtschaftswachstum des Jahres 2021. Wie die monatliche Ausgabe des HDE-Konsumbarometer für den Monat September ergeben hat, brach der Indikator um zwei Zähler auf 98,39 Punkte ein. Den zweiten Monat in Folge – der Rückgang ist der stärkste seit der zweiten Coronawelle in Deutschland.

Dieses Konsumbarometer, welches auf einer monatlichen Umfrage unter 2.000 Personen zur Anschaffungsneigung, Sparneigung, finanziellen Situation und zu anderen konsumrelevanten Faktoren basiert, wird regelmäßig vom Handelsblatt Research Institute (HRI) im Auftrag des HDE erstellt und besitzt eine Indikatorfunktion für den privaten Konsum – und damit viel Aussage-Kraft für die deutsche Wirtschaft.

Deutsche Wirtschaft und der Konsum

Aus dieser Entwicklung zeigt sich einmal mehr, warum es so schwer ist, valide, modellgestützte Prognosen abzugeben. Denn der Konsument reagiert natürlich in dem System Wirtschaft, indem er sich aktuellen Gegebenheiten anpasst. Das Umfeld veranlasst viele Verbraucher dazu ihr Geld erst einmal zusammenzuhalten, deshalb ist die Anschaffungsneigung auf den tiefsten Wert seit dem Frühjahr zurückgefallen.

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Und natürlich macht sich die Teuerungsrate bemerkbar – wenn in allen Nachrichten von dem größten Preisanstieg seit fast 30 Jahren die Rede ist (3,9 Prozent), wird so mancher Verbraucher vorsichtig. Wenn dann noch selbst der Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann, davon spricht, dass die Inflationsrate in den nächsten Wochen sogar die 5 Prozent übersteigen könnte, werden viele Deutsche hellhörig – schließlich war Inflation eine Sorge für viele deutsche Generationen.

Ein wenig Kakophonie wohnt den ganzen wirtschaftlichen Verlautbarungen schon inne. Hatte das Statistische Bundesamt gestern nicht erst Rekordauftragsbestände für die Industrie gemeldet? Gleichzeitig war im Einzelhandel der Umsatz im Juli um 5,1 Prozent zum Vormonat gesunken, speziell hinsichtlich von Einrichtungsgegenständen und Haushaltsgeräten.

Viele industrielle Aufträge könnten auch einer verstärkten Lagerhaltung geschuldet sein, um nicht wieder in eine solche Zwangslage zu geraten wie aktuell. Aber die Waren müssen in ein paar Monaten auch von den Konsumenten abgenommen werden.

Revisionen beim Wirtschaftswachstum

Diese Crux bekommt eine weitere Bestätigung, wenn man sich die Revisionen der aktuellen konjunkturellen Erwartungen für die deutsche Wirtschaft betrachtet. Nach einem sehr schwachen ersten Quartal sprangen die Aussichten ab dem zweiten Quartal nach oben, um bereits im dritten Quartal wieder nach unten revidiert zu werden. Die 4 Prozent Wachstum für 2021 könnten so nicht erreicht werden, allein schon weil der Materialmangel gar keine so großen Produktionssteigerungen erlaubt.

Der sehr aussagekräftige Ifo-Index ist schon zweimal in Folge gefallen, das Wirtschaftsforschungsinstitut Halle erkennt in seinem Frühindikator nur noch 1 Prozent Wachstum in Q3 und für das Schlussquartal sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Fazit

Wie bereits öfters dargestellt, ist es ein wenig verwunderlich, in welch rosigen Farben die Bilder der Erholung nach dem Coronajahr 2020 gemalt worden sind. Klar schossen die Wirtschaftsdaten zu Beginn des Jahres nach oben, durch unendlich viel gedrucktes Geld, welches einen Sugar Rush in den Volkswirtschaften auslösen musste. Nur hat ein solcher immer Nebenwirkungen – destruktiver Natur, wie die aktuelle Inflation, die in der Lage ist, einen Wirtschaftsaufschwung auch wieder abzuwürgen. Erlebt die deutsche Wirtschaft bald einen Einbruch?

Jedenfalls klingt es bereits zwei Monate nach der aktuellen Prognoseanpassung des Internationalen Währungsfonds schon nicht mehr ganz realistisch, wenn für die Weltwirtschaft ein Wachstum von sechs Prozent, für die USA sieben und China sogar 8 Prozent angepeilt wurden. Für die deutsche Wirtschaft immerhin noch 3,6 Prozent, was jedoch nach den jetzigen Erhebungen zunehmend schwerer zu erreichen ist. Daher könnten die Wirtschaftsprognosen für 2021/22 in ähnlicher Weise daneben legen, wie sie es im Jahre 2020 getan haben. Und was macht das gesenkte Wachstum mit all den Prognosen über Lieferketten und Inflation in einem Jahr? Wo jetzt auf Teufel-komm-raus bestellt wird, um in der kommenden Boomphase volle Lager zu besitzen..



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2 Kommentare

  1. Das ist in der Summe natürlich alles extrem Bullisch. DAX wartet nur noch die Wahlen ab, bevor er nach oben ausbricht. Der Ausbruch wird natürlich nach der 1/2 Jährigen Lethargie gewaltig sein. Die 18000 sind bis zum Ende des Jahres locker drin.

    1. Ja, Ja. Sehe eher in den nächsten Monaten einen schönen Crash in einigen Bereichen

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