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Deutsche Wirtschaft schrumpfte in Q3! Woher wussten die Investoren im DAX dies? Versuch einer Erklärung

Ist das nicht erstaunlich? Der deutsche Aktienindex erreichte am 23. Januar 2018 sein Jahreshoch mit 13559 Punkten, anschließend ging es in Schüben nach unten bis zu seinem Tief am 24. Oktober bei knapp über 11000 Punkten.

Ein Kommentar von Wolfgang Müller

 

Die frühe Reaktion im Dax

Ist das nicht erstaunlich? Der deutsche Aktienindex erreichte am 23. Januar 2018 sein Jahreshoch mit 13559 Punkten, anschließend ging es in Schüben nach unten bis zu seinem Tief am 24. Oktober bei knapp über 11000 Punkten.

 

Von Wachstumsschwäche der deutschen Volkswirtschaft war aber im Frühjahr des Jahres nirgendwo etwas zu lesen.

Erst Ende Oktober schraubten die Wirtschaftsinstitute die Wachstumsrate für Deutschland auf ca.1,6% herab und erst am 14. November kam die Bestätigung durch das Statistische Bundesamt. Das Wirtschaftswachstum in Q3 war auf Jahressicht auf 1,1% zurückgegangen, im Vergleich zu Q2 sogar um 0,2% geschrumpft. Das war der erste Rückgang seit dem ersten Quartal 2015. Woher hatten die Investoren ihre Überzeugung, dass es mit der Wirtschaft bergab gehen würde? Darüber lässt sich trefflich spekulieren.

Klar gibt es in allen Unternehmen zusammen Tausende von Insidern, sei es im Bereich des Führungspersonals, der Einkaufs- und Personalabteilungen, sogar dem Spediteur dürfte es auffallen, wenn die Bestellungen geringer werden (speziell im Automobilsektor) – viele dieser Insider besitzen Aktien der eigenen Firma. Aber ist dies bereits Erklärung genug?

Fest steht, dass der Leitindex wieder seiner Funktion als Frühindikator der Wirtschaft gerecht wurde und dies auch ganz speziell in Bezug auf die Weltwirtschaft. Denn auch das vierteljährlich vom Ifo-Institut ermittelte Weltwirtschaftsklima war im letzten Quartal das dritte Mal in Folge zurückgegangen, von plus 2,9 auf minus 2,2 Punkte.

Die Lagebeurteilung verschlechterte sich stark und liegt nur noch knapp über ihrem langjährigen Durchschnitt. Bei den Erwartungen der 1 230 befragten Experten aus 119 Ländern ist der Indexwert bereits negativ und signalisiert eine Abschwächung des Welthandels.

Dazu aber noch eine aktuelle Bewertung des Dax. Mitte November ist absehbar, dass die Dax-Gewinne 2018 akkumuliert wieder bei ca. 95 Mrd.€ liegen werden, genauso hoch wie im Vorjahr. Damit hätten wir derzeit ein KGV von unter 12 und unter dem langjährigen Durchschnitt. Aber für die Börsenkurse ist das ein Blick in den Rückspiegel.

Was sagt uns das aber für die Zukunft? Entweder der Index hat nach unten übertrieben und wir bekommen eine Korrekturrallye, (Jahresend/Jahresanfang) oder es geht weiter abwärts mit der Weltkonjunktur mit dann noch sehr viel Kurspotenzial nach unten.

Gab es für die Wachstumsabschwächung des laufenden Jahres denn keine Anzeichen?

 

Der Ifo Index

Der vom Münchner Ifo-Institut monatlich veröffentlichte Index hatte bei seiner Befragung von 9000 deutschen Unternehmenslenkern – über die aktuelle Lage und die Geschäftsaussichten – bereits frühzeitig Gefahr signalisiert.

Dieser Indikator erreichte im November 2017 sein Hoch mit 105,4 Punkten und war dann 7 Monate in Folge bis auf 101,8 Punkte gefallen. Ab drei Monaten in einer Richtung spricht man von einem recht zuverlässlichen Signal.

Seit einem kurzen Hüpfer im August fällt er seit zwei Monaten wieder. Für mich ist dieser Indikator viel bedeutsamer als andere Befragungen, weil die Firmenchefs ihre Geschäftszahlen genauer kennen sollten, als z.B. Analysten oder Volkswirte. Deshalb bin ich recht gespannt auf das Novembersignal.

In der historischen Betrachtung fällt auf, dass der Index im Jahr 2006 sein Hoch erreichte und zu fallen begann, als alle Welt noch von der guten Konjunktur schwärmte.

All dies ergibt natürlich noch keine Gewissheit Es gibt derzeit so viele Unwägbarkeiten: Chinas sich abschwächende Wirtschaft, die Zinspolitik der Fed, Italien, Brexit u.v.m. und natürlich den US-Präsidenten. Wenn dieser mitten in der Nacht nach einem Alptraum hochschreckt und „hinaustwittert“, wie die anderen (gierigen) Staaten die USA über den Tisch ziehen – für diesen Fall mit seinen unmittelbaren Folgen für die Indizes gibt es leider noch keinen Frühindikator. Wir befinden uns im 10. Jahr eines Aufschwungs und deshalb ist aus meiner Sicht das wirtschaftliche Geschehen so spannend wie lange nicht mehr – G20-Gipfel ante portas.

 

Foto: Deutsche Börse AG



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