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Deutscher Arbeitsmarkt: Immer mehr unbesetzte Stellen bei Millionen Arbeitslosen, und niemand regt sich darüber auf!

Wir regen uns regelmäßig darüber auf, und hören auch diesmal nicht damit auf diesen Widerspruch, dieses Paradoxon anzuprangern! Es ist mal wieder Monatsende, und heute hat die Bundesagentur für Arbeit…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wir regen uns regelmäßig darüber auf, und hören auch diesmal nicht damit auf diesen Widerspruch, dieses Paradoxon anzuprangern! Es ist mal wieder Monatsende, und heute hat die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitsmarktdaten für September veröffentlicht. Die Arbeitslosenquote liegt weiterhin bei (offiziell!!!) 5,9% mit 2,6 Millionen Arbeitslosen, obwohl sie nachweislich 30% höher liegt (interessiert die Redakteure von Spiegel und Tagesschau aber nicht). Und wie die Bundesagentur für Arbeit ebenfalls heute veröffentlicht, liegt die Zahl der offenen Stellen bei 686.797 Personen. So viele Stellen haben also Arbeitgeber der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, die nicht besetzt werden konnten. Das ist ein Plus von 14,5% gegenüber September 2015. Jeden Monat steigt diese Zahl deutlich. Hier ein Zitat von der Bundesagentur von gestern:

„Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X), ein Indikator für die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland, ist im September gegen-über August um zwei auf 221 Punkte gestiegen. Die Kräf-tenachfrage hat da-mit auch über die Ferienmonate nicht an Schwung verloren. Im Vorjahresver-gleich fällt der Ab-stand mit einem Plus von 24 Punkten weiterhin sehr deut-lich aus. Die stark gestiegene Nach-frage zeigt sich auch in der Betrachtung nach Branchen: in nahezu allen Wirt-schaftsabteilungen fällt die Zahl der ge-meldeten Stellen derzeit höher aus als vor einem Jahr. Hoher Kräftebedarf besteht dabei seit geraumer Zeit im Handel sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Aber auch in der Zeitarbeit, im Verarbeitenden Gewerbe so-wie im Bereich der unternehmensnahen Dienst-leistungen ist der Bedarf an neuen Mitarbeitern weiterhin hoch. Grundsätzlich tragen die stabile wirtschaftliche Lage sowie das hohe Beschäftigungsniveau zur anhaltend hohen Kräftenachfrage bei.“

stellenindex

Das heißt also: Der Arbeitsmarkt fragt jede Menge Stellen nach, Monat für Monat immer mehr. Sie können aber nicht besetzt werden. Warum, wird nicht angesprochen. Und wie die Behörde selbst schreibt, handelt es sich um Stellen, für die größtenteils keine exorbitanten Fachkenntnisse oder Hochschulabschlüsse erforderlich sind. Wir werfen also an dieser Stelle erneut die Frage in den Raum: Warum schafft es der deutsche Staat nicht von den gut 3,5 Millionen Arbeitslosen in Deutschland 686.797 Personen in diese offenen Stellen zu vermitteln? Gut, natürlich gibt es hier und da spezialisierte Stellenanforderungen und vieles mehr, was nicht kompatibel ist, aber das große „Heer“ der Arbeitslosen sollte doch zahlreiche Menschen hergeben, die in diese offenen Stellen zu vermitteln sind. Irgendwie scheint niemandem dieser Widerspruch aufzufallen, oder es scheint niemanden zu interessieren. Wir meinen: Irgendwas stimmt hier grundsätzlich nicht!

Wenn der Staat diese Lücke nicht schließen kann mit einer „Verfügungsmasse“, die fünf mal so groß ist, wie will man dann bei 1,4 Millionen neuen Flüchtlingen deren 70% Anteil in den Arbeitsmarkt bringen, die ihm zuzurechnen sind? Im Einzelfall wird das immer funktionieren, aber mit der großen Masse, wie soll das gehen? Das ist das große Anschluss-Paradoxon. Wie soll das gehen? Gut, Andrea Nahles hat schon eine Lösung präsentiert, die jetzt gerade umgesetzt wird. Es gibt zusätzliche hunderttausende 1 Euro-Jobs für Flüchtlinge. Aus den Augen, aus dem Sinn, raus aus der Arbeitslosenstatistik. Den Wald fegen, Papierflieger basteln, Malkurse. So haben sich die Flüchtlinge ihren Eintritt in den deutschen Arbeitsmarkt ganz bestimmt vorgestellt. Danke!

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    jora

    29. September 2016 17:04 at 17:04

    Könnte die parallele Suche diverser Dienstleistern für eine einzige Arbeitsstelle diesen steigenden Stellenindex erklären?

    • Avatar

      Einzahler

      30. September 2016 09:13 at 09:13

      Genau so ist es, das kapieren aber leider die wenigsten.

    • Avatar

      sabine

      30. September 2016 10:16 at 10:16

      Nicht nur das. Das AA nennt eine Stelle frei und unbesetzt, wenn sich nur 3 Bewerber auf eine Stelle melden. Und es besteht „Arbeitskräftenachfrage, wenn keine oder unrealistische Arbeitsplatzangebote“ der AA gemeldet werden. Die Bestandszahlen
      Offener Stellen enthalten nicht nur die jeweils aktuelle, sondern auch zukünftige Nachfrage!!!
      Somit hat man extrem viele unbesetzte Stellen, die gelogen sind. Ganz einfach – potemkinsche Dörfer, für wen? für die Lügenpresse.

      • Avatar

        sabine

        30. September 2016 10:23 at 10:23

        http://www.neopresse.com/wirtschaft/die-luege-vom-fachkraeftemangel-2/
        Hintergrund der Lüge Fachkräftemangel: „Statistiken gehen häufig davon aus, dass jede ausgeschriebene Stelle real existiert bzw. sofort zu besetzen wäre. Das Ausschreiben einer Stelle kann aber andere Hintergründe haben: Unternehmen können dazu verleitet sein ihre Bekanntheit am Arbeitsmarkt durch das Ausschreiben von Stellen zu pflegen. Die Bekanntheit ist wichtig beim Wettbewerb um Talente (siehe Employer Branding). Es werden dazu in großen Stellenbörsen im Internet und bekannten Zeitschriften oder Zeitungen regelmäßig Stellenausschreibungen platziert. Dies kann auch passieren, obwohl das Unternehmen gerade keine reale Stelle mit dieser fachlichen Ausrichtung besetzen möchte oder zu Zeiten in denen das Unternehmen eigentlich kein neues Personal einstellen möchte.“
        Statistiken können die Anzahl bei der Bundesagentur für Arbeit offen gemeldeten Stellen und die Anzahl arbeitslos gemeldeter Fachkräfte nutzen, um auf einen Fachkräftemangel zu schließen. Einige Statistiken (z.B. des VDI) multiplizieren die Anzahl offen gemeldeter Stellen mit einem Faktor, um Stellen zu kompensieren, die nicht bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wären. Neben dem beschriebenen Problem der Mehrfachausschreibung einer einzigen realen Stelle, was bereits zu einer Multiplikation führt, wird übersehen, dass es auch arbeitslose Fachkräfte gibt, die nicht bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet sind. Dies wird aber nicht berücksichtigt. (Warum wohl???)“

  2. Avatar

    leser

    29. September 2016 17:11 at 17:11

    Die „Agentur für Arbeit“ gehört ersatzlos abgeschafft. Sie ist überflüssig wie ein Kropf.

  3. Avatar

    Asyoulike

    29. September 2016 17:27 at 17:27

    Moin, moin,

    sehr guter Artikel. M.E. ist beim Arbeitsmarkt, wie bei jedem Markt (bspw. Immobilienmarkt, Automarkt), das Angebot und die Nachfrage zu berücksichtigen. Wer also für Billiglohn fachlich qualifizierte Arbeit sucht, der trifft auf kein Angebot eines Arbeitssuchenden. Ferner steht der Staat mit Hartz IV auch als Nachfrager nach potentiellen Arbeitnehmer in Konkurrenz zur Wirtschaft. Warum sollte jemand für sagen wir 1200,00 Netto einen Vollzeitjob antreten, wenn er ohne Arbeit ca. 1000,00 Euro bekommt (Wohnung plus 400,00 Taschengeld). Diese Billigjoblücke sollen die Mitgranten füllen, nur die sind ja auch nicht blöd und riechen den Braten.

    Fazit: Kein ausreichender Lohn = keine Aufnahme von Arbeit = unbesetzter Arbeitsplatz.

    • Avatar

      Ich

      29. September 2016 22:18 at 22:18

      @Asyoulike

      Dafür muss der ALG II Empfänger seine 400€ „Taschengeld“ ausgeben,
      du Spinner.

      Nahrung, alkoholfreie Getränke 35,50% 143,42 €

      Freizeit, Unterhaltung, Kultur 11,04% 44,60 €

      Nachrichtenübermittlung 8,83% 35,67 €

      Bekleidung, Schuhe 8,40% 33,94 €

      Wohnen, Energie, Wohninstandhaltung 8,36% 33,77 €

      Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände 7,58% 30,62 €

      andere Waren und Dienstleistungen 7,32% 29,57 €

      Verkehr 6,30% 25,45 €

      Gesundheitspflege 4,30% 17,37 €

      Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 1,98% 8,00 €

      Bildung 0,38% 1,54 €

  4. Avatar

    Christian

    30. September 2016 08:45 at 08:45

    Ein wirklich sehr verblüffendes, nachdenkliches Paradoxon.
    Ich finde als Chemiker seit 10 Jahren keine Arbeitsstelle und muss mich mit 1 Euro Jobs herumschlagen oder mit Bewerbungstrainings. Gute Nacht deutscher Arbeitsmarkt

  5. Avatar

    anna

    4. April 2017 18:20 at 18:20

    Komisch ich habe seit einigen Monaten meinen Abschluss und habe als einzige einen Job finden können und das nur weil ich schon Monate vorher 70 Bewerbungen abgeschickt habe

    FAHRTKOSTEN wurden nicht erstattet und ich musste gegen 120 Bewerber wovon 30 eingeladen wurden, konkurrieren

    WENN ich im Nachhinein an meine suche denken muss an diese ganzen jobportale wie MONSTER gIGAJOB usw. dann krieg ich Alpträume

    überall das gleiche und die meisten der stellen die dort sind wurden seltsamerweise immer noch nicht besetzt obwohl man sich ja für einen anderen entschieden hatte
    aber so ist es nunmal

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

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Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

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Konsumklima stürzt ab, Aussichten am Arbeitsmarkt besser – wie kann das sein?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Menschen in Schlange mit Einkaufswagen

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat heute ihre Meldung für das Konsumklima in Deutschland (Verbraucherstimmung) veröffentlicht. Dem normalen Menschenverstand folgend sinkt das GfK-Konsumklima. Für Dezember zeigt man einen Wert von -6,7 Punkten, und damit 3,5 Punkte weniger als im November. Es ist logisch, dass die Stimmung der Konsumenten sinkt, wenn der zweite Lockdown voll in Gange ist – sei es auch nur ein sanfter Lockdown mit geschlossener Gastronomie. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November laut GfK spürbar gedämpft. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung müssen – wie schon im Vormonat – Einbußen hinnehmen. Hier ein Auszug aus der Meldung der GfK:

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung erneut gestiegene Sparneigung hat ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.“

Stimmung am Arbeitsmarkt verbessert sich

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute sein aktuellstes Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Demnach verbessert sich die Stimmungslage sogar. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (besteht aus zwei Komponenten, aktueller Beschäftigung und Entwicklung der Arbeitslosigkeit) ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator im leicht positiven Bereich. Warum? Nun, dazu gibt die IAB eine klare Aussage. Die Beschäftigung werde im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die (staatlichen) Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff mache die Unternehmen zuversichtlicher.

Das verstärke noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft würden große Herausforderungen darstellen. Und relativ günstige Aussichten zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die entsprechende Komponente hielt sich auf dem Vormonatsstand von 102,1 Punkten. Zu beachten sei, dass der Befragungszeitraum schon in der ersten Novemberhälfte endete, als eine Verlängerung des Lockdowns noch nicht absehbar war.

Also: Die staatlichen Arbeitsmarkt-Forscher sehen die Stimmung deswegen verbessert, weil auf der einen Seite die Befragung schon endete, bevor eine Lockdown-Verlängerung absehbar war – und weil auf der anderen Seite die Wirtschaft vom Staat mit Rettungsgeldern geflutet wird, sodass Entlassungen nicht notwendig sind.

Arbeitsmarkt-Barometer der IAB steigt

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