Anleihen

Deutscher Staat verdient sich nach wie vor eine goldene Nase mit „Draghi“-Negativrenditen

Auch wenn bei den Anleihekäufen der EZB ein Ende in Sicht ist, so gilt das noch lange nicht für die Nullzinsen und Negativzinsen. Denn der Anstieg der Inflationsrate in der Eurozone ist in den letzten Monaten...

FMW-Redaktion

Auch wenn bei den Anleihekäufen der EZB ein Ende in Sicht ist, so gilt das noch lange nicht für die Nullzinsen und Negativzinsen. Denn der Anstieg der Inflationsrate in der Eurozone ist in den letzten Monaten sogar rückläufig. Also wird es noch lange, lange, lange dauern, bis die EZB etwas an der Zinsschraube tut. Aber der Drang nach höheren Renditen ist spürbar. Vor vier Wochen emittierte Deutschland kurz laufende zweijährige Bundesschatzanweisungen mit einer Negativrendite von -0,61%.

Heute hat man erneut Bundesschätze verkauft. Bei 5 Milliarden Euro Angebot haben die institutionellen Investoren im Volumen von 4,98 Milliarden Euro nachgefragt. Für 2,5 Milliarden Euro boten die Käufer ohne Limit. Letztlich verkauft hat man ein Volumen von 3,99 Milliarden Euro. 1,01 Milliarden Euro flossen in die sogenannte Marktpflegequote. Falls nämlich alle Investoren diese Bundesschätze bis zum Laufzeitende in zwei Jahren im Depot belassen, gäbe es am freien Markt keine Handelbarkeit für diese Anleihen – dafür sorgt dann der Emittent „Finanzagentur Deutschland GmbH“ mit diesen 1,01 Milliarden Euro Volumen.

Bei einem Zinskupon von 0,00% liegt liegt der Verkaufskurs heute bei 101,065%. Da die Anleger keine Zinsen erhalten, aber heute mehr zahlen, als sie bei Laufzeitende zurückerhalten, haben sie eine tatsächliche Negativrendite (Verlustgeschäft) von heute -0,51%. Das bedeutet: Nach wie vor verdient sich der deutsche Steuerhaushalt eine goldene Nase. Und nach wie vor zahlen Fonds, private Rentenkassen, betriebliche Vorsorgefonds oder Versicherungen diesen Gewinn für die Staatskasse, denn sie als große Kapitalsammelstellen kaufen in großem Umfang deutsche Staatsschulden.

Konkret bedeutet das heute: Verkauft wurde ein Nominalvolumen von 3,99 Milliarden Euro. Da der Verkaufskurs nicht bei 100,00% (nominal), sondern bei 101,065% liegt, hat der deutsche Staat heute 4,032 Milliarden Euro eingenommen. Er muss in zwei Jahren aber nur 3,99 Milliarden Euro zurückzahlen. Folglich macht der deutsche Steuerhaushalt nur mit dieser einen Transaktion per sofort einen Gewinn von 42,5 Millionen Euro!


Der Verlauf vom Schatz-Future seit 2015. Während der Kurs stieg, sank die Rendite bis ins Negative. Jetzt will der Kurs noch nicht so wirklich fallen, daher steigt die Rendite noch nicht in den Positiv-Bereich.



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1 Kommentar

  1. 42 mio sind für uns eine goldene Nase .
    Für den Staat sind das polierte Schuhe …aber nur einer davon !

    Das ist gar nix und schon gar kein Argument für irgendeine gegenrechnung „wir profitieren von der EU“ oä!

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