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Europa

Deutschland: „Abkühlung auf breitester Front“ – das deutsche Geschäftsmodell steht auf der Kippe!

Harte Zeiten kommen auf die deutsche Wirtschaft zu – die deutschen „Kernkompetenzen“ Autos und Export senden Warnsignale!

Redaktion

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Vor wenigen Minuten sind die deutschen Einkaufsmanagerindizes (von Markit) veröffentlicht worden – und sie senden lautstarke Warnsignale! So fällt der Gesamtindex (Flash Composite) von 55,0 im September auf nun 52,7 im Okober, das ist der schlechteste Werte seit 41 Monaten.

Besonders schwach ist das verarbeitende Gewerbe: hier fällt der Index von 53,7 im September auf nun 52,3 im Oktober (Prognose war jedoch 53,5) – das ist der schwächste Wert seit 29 Monaten. Noch niederschmetternder die deutsche Industrieproduktion mit 51,0 und damit nur noch knapp über der Wegscheide von 50 – das ist der schlechtese Wert seit 47 Monaten.

Etwas weniger schlecht hingegen der Dienstleistungssektor mit 53,6 (Prognose war 55,5; September war 55,9) – dennoch der schwächste Wert seit fünf Monaten.

Robust ist nach wie vor der Job-Aufbau – aber der Arbeitsmarkt ist ein nachlaufender Indikator, der meist verzögert auf Entwicklungen reagiert. So stagnieren die Auftragseingänge derzeit, die Unternehmen sind so pessimistisch für die weiteren Aussichten wie seit knapp vier Jahren nicht mehr.

Dabei trifft es Deutschland nun besonders hart in seinen „Kernkompetenzen“: der Autoindsutrie und dem Export. So schreibt Markit, das die Daten erhebt:

„Zahlreiche Firmen begründeten dies mit einem Mangel an Neu-aufträgen seitens der Automobilindustrie. Wegen der nachlassenden Auslandsnachfrage schlugen auch beim Exportneugeschäft zum zweiten Mal hintereinander Verluste zu Buche.“

Mithin steht also nicht mehr und nicht weniger als das deutsche Geschäftsmodell schlechthin nun auf der Kippe!

Bemerkenswert ist, dass die Preise im Dienstleistungsbereich rasant steigen, in der schwächelnden Industrie jedoch kaum mehr:

„Der Preisdruck blieb hingegen hoch. So legten die Einkaufspreise wegen der Verteuerung von Öl und den daraus resultierenden gestiegenen Kraftstoff-und Transportkosten abermals stark zu, im Servicesektor sogar so rasant wie seit siebeneinhalbJahren nicht mehr. Folglich wurden auch die Verkaufs-bzw. Angebotspreise für Güter und Dienstleistungen insgesamt kräftig angehoben. Doch während die Dienstleister eine neue Rekord-Steigerungsrate seit Umfragebeginn Mitte 1997 vermeldeten, wurden die Verkaufspreise in der Industrie mit der niedrigsten Rate seit August 2017 erhöht.“

Phil Smith von Markit kommentiert die Daten so:

„Die Oktober-Flashes sind eine echte Enttäuschung. Sämtliche Indizes signalisieren eine Abkühlung auf breiter Front, sowohl bei Produktion, als auch bei Auftragseingang und Beschäftigung. Insgesamt wuchs die deutsche Wirtschaft so langsam wie zuletzt vor knapp dreieinhalb Jahren.
(..)
In der Industrie ist die Abkühlung ja schon seit einiger Zeit zu beobachten. Keine große Überraschung also, dass es aufgrund der engen Verzahnung der beiden Sektoren jetzt auch den Servicesektor erwischt hat. Bemerkenswert sind vor allem die Auftragseinbußen in der Industrie, nachdem es hier fast vier Jahre lang ununterbrochen Zuwächse gegeben hat. Den Befragten zufolge herrschte vor allem im Automobilsektor Flaute, und auch bei den Exportneuaufträgen schlug erneut ein Minus zu Buche“.

Wenn aber das, was Deutschland stark gemacht hat (Autos, Export), nun schwächelt, dürften harte Zeiten auf die deutsche Wirtschaft zukommen. Das deutsche Konjunkturwunder jedenfalls scheint vorbei zu ein!


Von A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30385316

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Macwoiferl

    24. Oktober 2018 10:36 at 10:36

    Ja, wen wundert es?
    Das deutsche Modell: Selbstgefälligkeit. Schwerfälligkeit. Konservativ. Vorsichtig. Alles was mit Innovation zu tun hat: bloß nicht.
    Züge verspätet. Flughäfen nicht gebaut. Funklöcher verlässlich da, wo sie vor 10 Jahren schon waren. Mitarbeiter in den Büros – nie erreichbar, ständig auf „Fortbildung“. Stets dieselben Politiker – aus Angst vor neuen Gesichtern.
    Man tröstet sich dann selbst – ich höre schon die Kommentatoren zu meinem Kommentar hier aufheulen: Was mir einfiele etc., alles ganz prima hier, wir sind ein tolles Land, Exportweltmeister, kannst ja auswandern, bla, blubb.
    Ihr mögt euch selbst täuschen damit!
    Realität ist: Nix geht voran. Nirgendwo. Mich wundert es nur, dass überhaupt noch etwas läuft im Merkelladen!

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    Enka Latineg

    24. Oktober 2018 13:38 at 13:38

    „…kannst ja auswandern…“

    Dann werden sofort Vergleiche mit anderen Ländern dafür gebracht, dass es „uns“ doch sehr gut, sogar zu gut(!?), geht. Es dürfte klar sein, dass (derzeit) niemand wirklich nach Nordkorea auswandern will.
    Andererseits haben die klassischen Auswanderungsländer, wie Kanada, Australien, Neuseeland deutlich höhere Hürden für sogenannte Migranten aufgebaut, als lediglich ein vierbuchstabiges Zauberwort in Zusammenhang mit einemm Qualitätshandy und zuvor vernichteten identitätsnachweisenden Dokumenten hierzulande. Dies ganz klar zu recht!

    Ganz schnell könnte Auswanderung für die schon länger bis lange hier Lebenden zur Flucht werden. Dann wird es zu spät sein und der Trick mit entsorgten Ausweisen für sie nicht funktionieren.
    Die Worthülse vom Exportweltmeister fällt in sich zusammen, wenn mal darüber nachgedacht wird, von woher inzwischen viele Zulieferteile kommen und wo überall in der Welt unter deutschen Markenemblemen nicht mehr made in Germany steckt.
    Wenn alle nur noch Betriebswir(r)te, Banker und Juristen, am liebsten mit rundumversorgter (Arbeits-?)Stelle beim tiefen Staat sein wollen, dann wird die Problematik der biblischen tönernen Füsse endlich offensichtlich.
    Bis dahin immer schön weiter mit dem verdummenden, einlullenden „wir“!

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      Schippenstiel

      24. Oktober 2018 13:48 at 13:48

      Auswandern ? Längst erledigt.
      Schon vor 35 Jahren.
      Wer denken konnte sah die Entwicklung kommen.

      • Avatar

        Roberto

        24. Oktober 2018 14:05 at 14:05

        @Schippenstiel

        also ich ahbe die letzten 35 Jahre in Deutschland sehr viel erreicht und stehe jetzt Dank Deutschland auf dem Hochpunkt meiner Ziele.
        Wenn jemand aus einem freien demokratischen Land mit allen Möglichkeiten auswandert, dann hat es sicherlich andere Gründe als das Land selbst.
        Es liegt an JEDEM EINZELNEN selbst was er aus sich und seine Situation macht und nicht an dem Land.
        Wie Sie sehen, sind Sie aus D abgehauen und ich bin geblieben. Und ich habe sehr viel erreicht…warum sollte man also aus D auswandern ??? Es sei denn es sich persönliche Gründe, weil man z.b. das Wetter nicht mag oder ähnliches….

        Ich findes es immer schwierig wenn eine Person die Fehler wo anders sucht als bei sich.

        Das ist eher ein persönliches Schwächebekenntnis. Man läuft vor irgendetwas weg und merkt das man eigentlich nur vor sich selbst abhauen will.

        Das funktioniert nicht. Wie heisst es doch so schön: „jeder bekommt das was er verdient „.

        in diesem Sinne.
        VG Roberto

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    asisi1

    24. Oktober 2018 14:17 at 14:17

    Man schaue sich die tonangebenden Politiker, der letzten 30 Jahre an. Sowie die aufschwingenden Grünen. Die meisten haben keinen Abschluss und wenn dann in irgendwelchen blödsinnigen nicht zu gebrauchenden Gender und Gagga Wissenschaften. Keiner ist durch einen Beruf überhaupt zu irgendetwas befähigt. Nur strohdummes Gequatsche, siehe Bundestagsreden der Etablierten. Ebenso das ganze Bildungssystem. Hier werden die Kinder nicht auf das Leben vorbereitet, sondern aufs faul sein und Nichtstun und sie haben ja Anrecht auf HARTZ4. Um die ganze Uneffektivität am laufen zu halten, werden eben dem Arbeiter 50% des Lohen abgezogen. Die Sozialen Systeme, mit ihren hohen Abzügen sind im Grunde nur noch da, um ihre Mitarbeiter gut zu bezahlen und nur im äußersten Notfall jemandem zu helfen. ^Deutschland scheitert im Endeffekt an dem , die freie Wirtschaft hemmenden Bürokratentum und dem Sozialismus! Eben wie die ehemalige DDR!

  4. Avatar

    Max Müller

    24. Oktober 2018 15:17 at 15:17

    Früher hat man über Südkorea gelacht. Heute ist es so, dass das Einkommen dort höher ist, als in D.

    Uns geht es so gut, dass 50% der Rentner weniger als 800 Euro Rente bekommen.

    Das Ziel ist erreicht, anschnallen.

    • Avatar

      asisi1

      25. Oktober 2018 06:11 at 06:11

      Nicht zu Vergessen sind die Berufsgenossenschaften. Diese kassieren jahrzehntelang hohe Beiträge und bei einem Schadensfall kann man dann jahrelang prozessieren. Gewinnt man dann vielleicht, bekommt man eine Mini-Rente, die noch unter 800 Euro liegt. Es sind alles keine Sozialsysteme sonder Abzockerbuden, also höchst kriminell.

  5. Avatar

    Wolfgang M.

    25. Oktober 2018 06:59 at 06:59

    Nach den Verlusten des Dax in den vergangenen Wochen/Monaten kommt heute Morgen um 10:00 Uhr vermutlich ein wenig Licht ins Dunkel. Mit der Veröffentlichung des Ifo-Index wird die Einschätzung von 9000 Unternehmenslenkern bekannt gegeben und die sollte zumindest ein wenig Aufschluss darüber geben, ob z.B. die Auftragseingänge wirklich so stark eingebrochen sind. Wenn ja, dann kann man sich die Reaktion in dieser Phase schon ausmalen.

  6. Avatar

    Dreistei

    2. November 2018 09:00 at 09:00

    @asisi wenn sie jetzt noch die MwSt. dazu rechnen kommen sie auf 69%. Dann kommt noch die Energiesteuer, Alkohol und Tabaksteuer extra, nicht zu vergessen die Maut die nichts anderes als eine versteckte Steuer ist. So kann sich jeder ausrechnen wie hoch er versteuert wird da reichen die 69% lange nicht aus.

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Europa

Europa in der Deflation? Ohhh nein – ein zweigeteilter Kontinent

Claudio Kummerfeld

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am

Geldscheine und Münzen

Europa ist in die Deflation gerutscht. Diese Aussage ist gar nicht so verkehrt, wenn man nur den Gesamtdurchschnitt betrachtet. In der Eurozone sind die Verbraucherpreise im August um 0,2 Prozent gesunken gegenüber August 2019, nach +0,4 Prozent im Juli, wie es heute Eurostat verkündet hat. Natürlich drückt die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland auf den Schnitt, das sollte man immer bedenken. Und nach europäischer Lesart sind wir hierzulande derzeit schon in der Deflation mit -0,1 Prozent (nach deutscher Rechenmethode 0,0 Prozent).

Deflation in Westeuropa, deutlich Inflation in Osteuropa

Aber am Schlimmsten hängen Zypern und Griechenland in der Deflation mit -2,9 Prozent und -2,3 Prozent. Auch große Länder wie Italien und Spanien hängen in der Deflation, insgesamt 14 Länder! Aber schaut man nicht nur auf die Eurozone, sondern auf ganz Europa, dann ergibt sich ein anderes Bild. Denn Osteuropa zeigt seit geraumer Zeit steigende Verbraucherpreise, so auch im August. Ungarn, Polen, Tschechien, Rumänien, Österreich, die Slowakei, Bulgarien und Litauen bilden nicht nur geografisch einen Block, sondern auch bei den Preisen. Sie steigen im August im Jahresvergleich mit Steigerungsraten zwischen +0,6 Prozent und +4,0 Prozent. Die folgende Grafik zeigt die geografische Aufteilung zwischen Inflation und Deflation (Osteuropa gegen Westeuropa) eindrucksvoll.

Die Details von Eurostat zeigen, dass im Gesamtschnitt der Eurozone die Verbraucherpreise für Energie nach dem Ölpreis-Schock aus dem Frühjahr immer noch 7,8 Prozent tiefer liegen als im August 2019 (Vormonat noch -8,4 Prozent). Die Nahrungsmittelpreise für Verbraucher steigen nur noch um 1,7 Prozent (Vormonat 2 Prozent). Die Verbraucherpreise für „Industriegüter ohne Energie“ fallen am deutlichsten von +1,6 Prozent auf -0,1 Prozent.

Grafik zeigt Deflation und Inflation in Europa

Tabelle zeigt detaillierte Inflationsdaten für August in Europa

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Europa

Autozulassungen in EU im August: Inzwischen erträgliches Minus im Jahresvergleich?

Claudio Kummerfeld

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am

Autos auf großem Parkplatz

Die Autozulassungen in der EU sind im August im Vergleich zu August 2019 um 18,9 Prozent gesunken, von 949.034 auf 769.525 PkW, so sagt es aktuell der europäische Automobilverband ACEA. Im wichtigeren Vergleich von Januar-August 2020 zu Januar-August 2019 sind es minus 32 Prozent. Vor allem Italien sticht im aktuellen August-Jahresvergleich hervor mit einem Minus von lediglich 0,4 Prozent (das sieht man auch bei den Rückgängen bei Fiat Chrysler von nur -6,6 Prozent). Im größeren Achtmonatsvergleich sind es bei Italien aber immer noch minus 38,9 Prozent. Deutschland liegt im August-Jahresvergleich bei minus 20 Prozent, im größeren Bild bei minus 28,8 Prozent.

Detailstatistik zu Autozulassungen in der EU im August

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Europa

Konjunktur: Die Erholung – und die Verlierer in Deutschland

Warum die Konjunktur sich stark erholt – aber die Verlierer-Branchen die Wirtschaft weiter belasten..

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Wie oft wurde in vielen Kreisen die Frage diskutiert, ob es nach dem historisch einmaligen Wirtschaftseinbruch eine V-, U-, oder W-förmige Wirtschaftserholung der Konjunktur geben werde. Jetzt meldet sich das Statistische Bundesamt noch deutlich vor Quartalsende zu Wort und spricht von einer V-förmigen Erholung, die aber eine seltsame Form annehmen wird, nämlich eine asymmetrische.

Konjunktur: Die Zeichen der Erholung

Unabhängig von der jetzigen Diskussion, musste eigentlich jedem klar sein, dass die Realwirtschaft auch im günstigsten Fall keine Erholung im Stile der Börsen hinlegen kann. Der Dax stürzte von Mitte Februar in knapp 30 Tagen bis zu seinem Tief am 18. März um fast 40 Prozent in die Tiefe (8255 Punkte), um bis zum 8.Juni binnen 80 Tagen um 56 Prozent zuzulegen (12913 Punkte). Wie soll dies eine Wirtschaft nach einem Lockdown nachvollziehen, mit zerlegten Lieferketten, wenn große Schiffe mit Grundstoffen schon Wochen zwischen den Kontinenten pendeln? Aktien hingegen sind schnell gekauft. Was brachte das Statistische Bundesamt aber dazu, die Prognosen für die Konjunktur zu veröffentlichen?

Inmitten des Quartals hat die Statistikbehörde die vorliegenden Daten aus Juli und August zusammengefasst und ist zum folgenden Ergebnis gelangt:

In fast allen Branchen ist ein V erkennbar, so der Leiter der Abteilung Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Behörde, Albert Braakmann.
Es dürfte aber ein asymmetrisches V werden – mit Branchengewinnern- und Verlierern.

Beispiele: Automobilindustrie, Anstieg der Auftragseingänge im Juli um 8,5 Prozent gg. Juni, noch ein Minus von 2,4 Prozent zum Februar
Maschinenbau: Plus 5,4 Prozent Juli zu Juni, aber noch ein Minus von 13,4 Prozent zum Februar.

Insgesamt ist eine Erholung des Einbruchs im Verarbeitenden Gewerbe von seinen 25 Prozent aus dem Frühjahr zu erkennen. Jedoch beträgt das Minus noch elf Prozent zu den Februarwerten. Weiter aufwärts ging es mit den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe, die sich ebenso schnell erholt haben und noch 8,3 Prozent unter dem Februar-Wert liegen. Ähnliches gilt für den Lkw-Maut-Fahrleistungsindex, der einen Hinweis auf die Industrieproduktion in Deutschland gibt. Dieser stieg im August auf Monatssicht um weitere 1,2 Prozent und liegt noch 3,5 Prozent unter Vorkrisenniveau. Wem ist der Lastwagenverkehr auf unseren Straßen noch nicht aufgefallen?

Der Einzelhandel zeigt ein gemischtes Bild. Zwar lag man im Juli insgesamt um 0,9 Prozent über dem Februar-Tief, mit einem deutlichen Plus von Möbeln und Haushaltsgeräten von 3,5 Prozent und weiterhin starken Zuwächsen im Onlinehandel. Auch kehrten die Konsumenten im Juli etwas mehr in die Fußgängerzonen zurück, wie Mobilitätsdaten von Mobiltelefonen aufzeigen. Jedoch fehlten den Kaufhäusern immer noch 16,4 Prozent Umsatz gegenüber den Vor-Corona-Zeiten.

Das Statistische Bundesamt verweist weiter auf die steigenden Frühindikatoren. Den Ifo-Konsumklimaindex mit seine vier Anstiegen in Folge und den ZEW-Index. Das Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung sieht zwar noch eine aktuell negative Lage der Konjunktur, man hob den Konjunkturindikator für den Ausblick aber überraschend deutlich um 5,9 Punkte auf 77,4 Zähler an. Es ist der stärkste Anstieg seit 20 Jahren.
Von Corona gänzlich unbeeindruckt zeigt sich das Baugewerbe. Im ersten Halbjahr des Jahres lagen die Baugenehmigungen um 5,6 Prozent über denen des Vorjahres. Allerdings schwächten sich diese Zahlen zuletzt etwas ab

Die Zeichen der Stagnation und die zurückgebliebenen Branchen

Die Statistiker des Bundesamtes sehen aber auch die Verlierer der Pandemie mit ihren Beschränkungen. Das Gastgewerbe meldete zwar ein Plus von 21,9 Prozent von Juli gegenüber dem Juni. Dies ist aber immer noch ein Rückgang von 28,7 Prozent gegenüber dem Februar.
Noch recht desolat sieht es im Übernachtungsgewerbe bei Hotels und Pensionen aus. Der Anstieg von 54,8 Prozent von Juli auf Juni sieht zwar recht imposant aus, jedoch bedeutet dies immer noch ein Minus von 22,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei der Halbjahresbilanz fehlen ganze 42,2 Prozent zum Vorjahr. Es blieben vor allem die Touristen aus dem Ausland aus.

Das größte Sorgenkind ist die Luftfahrtindustrie. Hier können die Statistiker nicht einmal den Ansatz eines Vˋs erkennen. Nach den schwachen Zuwächsen der Fluggastzahlen könnte man eher von einem L-Szenario sprechen.
Leicht abwärts ging es im August auch mit dem GfK-Konsumklimaindex. Die Kurzarbeit sowie die Arbeitlosigkeit hinterlassen ihre Spuren, nach drei Monaten Anstieg.

Als großes Damoklesschwert hängt eine mögliche Pleitewelle von vielen kleinen Unternehmen im Raum. Über das Thema Aussetzung der Insolvenzantragsverpflichtung mit all ihren Konsequenzen wurde hier schon ausführlich diskutiert.

Alles in allem kommt das Statistische Bundesamt zu dem Ergebnis: Die Konjunktur produziert ein V, aber ein asymmetrisches. Fraglich ist, wie sich die Abflachung auf der rechten Seite bis zum Jahresende hinziehen wird.

Fazit

Es war zweifelsohne der schnellste Einbruch in der Börsengeschichte und auch die schnellste Erholung nach dem Katastrophenmonat April und dem Katastrophenquartal Q2 – 2020, den wir erleben durften. Allerdings wie sollte es auch anders sein, wenn eine Wirtschaft per Anordnung stillgelegt wird und sich in diesem Jahr circa vier Milliarden Menschen weltweit zeitweilig in häuslicher Quarantäne befunden haben? Die anschließende Erholung der Konjunktur muss aus mathematischen und faktischen Gründen sehr steil nach oben gehen, die Frage ist nur wie weit?

Die angesprochenen Verlierer-Branchen werden eine hundertprozentige Erholung der Konjunktur verhindern, so dass es trotz allen Optimismus kein konjunkturelles V geben kann, sondern ein Gebilde wie ein spiegelverkehrtes Wurzelzeichen, wie Professor Sinn es schon im Mai prognostiziert hat. Eine rasche Erholung bis zu einer gewissen Schwelle und dann eine quälend lange Phase der Oszillation um eine Linie, immer geprägt von den Bremsern und Treibern: Covid-19, Impfstoffentwicklung und monetäre Stimuli. Dies könnte auch die Entwicklung der Börsen beschreiben, der DAX hat es schon eine Zeitlang vorgemacht. Aber irgendwie ist das auch die Botschaft des Statistikinstituts..

Die Konjunktur in Deutschland - Gewinner und Verlierer

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