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Deutsche Handelsbilanz mit Rekordüberschuss – die teilweise kuriosen Folgen…

FMW-Redaktion

Deutschland weist für den Monat März einen Rekordüberschuss im Außenhandel auf – das gilt für die Handelsbilanz wie auch für die Leistungsbilanz. Beide Zahlen werden unterschiedlich berechnet. Die reine Handelsbilanz ist klarer und „ehrlicher“ – so formulieren wir es mal. Für März lag der Überschuss hier bei 26 Milliarden Euro – d.h. es wurden für 26 Milliarden Euro mehr Waren exportiert als importiert. Im Februar 2016 waren es noch 20,3 Milliarden und im März 2015 23 Milliarden Euro Überschuss.

Exporte Importe
Dieser Chart zeigt gut die für Deutschland konstant höheren Exporte als Importe.

Außenhandelsbilanz
Grafik: Statistisches Bundesamt

Was ist so interessant an dieser Zahl? Nun, wo es Überschüsse gibt, muss es zwangsläufig auch immer Defizite in anderen Ländern geben – wenn Deutschland Überschüsse erwirtschaftet, saugt man damit Geld aus anderen Ländern ab, die Waren bei uns gekauft haben. Der ganz ganz ganz grobe Zusammenhang lautet: Wir als Staat und Volkswirtschaft transferieren letztlich über Fonds, Pensionskassen, Lebensversicherungen und staatliche Institutionen Gelder in Defizit-Länder (als Kredite und Investitionen), damit diese Länder wiederum bei uns Waren einkaufen können. Also ist es letztlich ein geschlossener Kreislauf. Per Definition müssen irgendwann und irgendwie Überschüsse und Defizite wieder in Einklang gebracht werden.

Produktion könnte in Deutschland über höhere Gehälter ,teurer und in den bisherigen Defizit-Ländern billiger werden, womit sich deren Exporte erhöhen und unsere verringern. Aber z.B. in Griechenland ist von diesem Effekt überhaupt nichts zu spüren. Eigentlich sollte per grober Definition der Volkswirtschaftslehre bei derart gesunkenen Löhnen die Industrieproduktion dort ansteigen. Das Problem scheint in der Realität aber darin zu liegen, dass eine Exportindustrie nicht oder nur in sehr geringem Umfang vorhanden ist – und noch entscheidender dürfte in Ländern wie Griechenland sein, dass die dortige Bürokratie ausländische Investitionen als etwas Feindliches wahrzunehmen scheint, als Versuch auf die Wirtschaft des Landes Einfluss zu gewinnen.

Fast schon lustig (oder auch traurig) scheint die Tatsache zu sein, dass die USA Deutschland vor Kurzem auf eine Beobachtungsliste für Länder gesetzt haben, die ihre Währung manipulieren. Ja es klingt lustig, denn Deutschland hat gar keinen Einfluss auf seine „eigene“ Währung (Euro). Die USA beziehen die Aufnahme auf ihre Liste im Fall Deutschland daher auch nur auf eben diesen enormen Handelsbilanzüberschuss, der für einen kräftigen Geldfluss nach Deutschland sorgt. Aber durch wirtschaftlich schwächere Euro-Länder um uns herum wertet „unsere“ Währung nicht dementsprechend auf.

Das US-Finanzministerium sagte vor Kurzem Deutschland könne seine Überschüsse verwenden um in das Wachstum der Eurozone zu investieren. Tja, irgendwie tut Deutschland das doch schon längst, oder? Ob Wachstum dabei herauskommt, ist eine andere Frage. Der IWF rechnet mit weiteren deutschen Rekordwerten bei dieser Kennzahl im Rest des Jahres, aber der Überschuss ist ja eh seit Jahren konstant hoch und am Ansteigen. Wir meinen: In den südlichen Mittelmeer-Ländern der Eurozone sind die Lohnkosten seit der Finanzkrise drastisch gesunken – trotzdem ist keine große Produktionsverlagerung von Deutschland nach Süden erkennbar – noch nicht zumindest. Haben also die fehlende industrielle Basis und zu viel Bürokratie in diesen Ländern einen viel größeren bremsenden Effekt, als man meinen könnte? Es sieht ganz so aus.

Großbritannien (wir berichteten vorhin) ist ein Gegenbeispiel zu Deutschland in Europa was den Außenhandel angeht. Hier werden konstante Defizite eingefahren. Für den Warenimport verlässt konstant Geld die Insel – dieses Geld müssen Staat, Unternehmen und Bürger aber vorher über Schulden einnehmen um es dann ausgeben zu können.



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4 Kommentare

  1. Es wäre bedeutend gesünder, wenn das exportierte Auto in Cash bezahlt werden müsste. So aber landet der amerikanische Autokredit als verbrieftes Papier im Portfolio einer deutschen (Landes-)bank und dann im zweiten Schritt als Forderung der Bad-Bank beim Steuerzahler. Und der nach Griechenland exportierte Mercedes taucht im Target 2 Saldo der EZB auf (Prof. Sinn lässt grüßen). Das Ergebnis ist beides mal das Gleiche: Der Steuerzahler finanziert z.T. die Gewinne der Konzerne.

    1. In der hiesigen Auslegung des Kapitalismus tut dies der Steuerzahler faktisch immer, egal auf welchen Weg ihm die Rechnung dafür präsentiert wird. Aufschwung geschieht ausschließlich nur auf Kosten des Volkes, wozu man die geliehenen Geldmittel über die Zeit entwertet (Negativertrag), trotz Zinserstattung (Lockmittel).

  2. Und mich muss noch mal nachhaken und eine einfache Frage nachschieben bezüglich Außenhandel – Brexit- Eu- GB-Deutschland.

    Wer hätte denn wohl größere Probleme bei einem Brexit, das vom Exportüberschuss lebende Deutschland oder GB, was brav 24Mrd.Pfund mehr importiert aus der EU als es dort absetzen darf?

    M.E. glaubt niemand ernsthaft, dass sich deutsche Firmen nach einem Brexit weigern würden, Großbritannien weiterhin zu beliefern. Wie im anderen Artikel schon gesagt, einen neuen Beschaffungsmarkt aufzutun wäre für GB nicht so schwer. Aber einen neuen Absatzmarkt zu finden als Ersatz für GB wäre für die Eu bzw. gerade für Deutschland nicht so einfach.

  3. Die von Ihnen erwähnte Definition der Volkswirtschaftslehre ist die der neoklassischen Theorie, die so tut, als sei der Arbeitsmarkt genauso strukturiert wie jeder beliebige Konsumgütermarkt – wenn Löhne fallen, fragen die Unternehmen mehr Arbeitskräfte nach. Genau das ist aber falsch. Ein Unternehmen kauft weder Maschinen noch Arbeitskräfte zum Selbstzweck ein, wie ein Endverbraucher, sondern um damit eine Leistung zu erbringen, die es dann wiederum verkaufen will. Und wenn das Unternehmen sieht, dass Löhne auf breiter Front fallen, Renten zusammengestrichen werden etc., die Nachfrage also voraussichtlich deutlich geringer wird- ja warum sollte es dann in eine Ausweitung der Kapazitäten investieren? Genau aus diesem Grund scheitert ja auch die (offizielle) EZB-Politik, mit einer Geldschwemme Unternehmen zur Kreditaufnahme zu animieren- unterausgelastete Kapazitäten weiter aufpusten, nur weil’s billigen Kredit gibt?

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