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Europa

Deutschland: Inflation bei Vermögenspreisen verliert an Dynamik, Ungleichheiten werden geringer

Die Differenz zwischen Vermögenden und Nicht-Vermögenden in Deutschland schrumpft erstmals seit längerer Zeit!

Markus Fugmann

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am

Während in Deutschland die Verbraucherpreise überschaubar gestiegen sind in den letzten Jahren, war das bei den Vermögenspreisen ganz anders: vor allem die Immobilienpreise stiegen mit starker Dynamik, ebenso (zumindest einige Jahre) die Aktienkurse – den Notenbanken, speziell der EZB mit ihrer ultralaxen Geldpolitik, sei Dank. Die Folge dieser Politik war, dass diejenigen, die über Immobilien- oder Aktien-Vermögen verfügen, immer wohlhabender wurden, während die breite Masse, die eben nicht über derartige Vermögen verfügt, logischerweise nicht vom starken Anstieg der Vermögenspreise profitierte. Faktisch wurde damit der Abstand zwischen Vermögenden und nicht-Vermögenden immer größer in Deutschland.

Nun aber, und das ist eine bedeutsame Entwicklung, verringert sich der Abstand zwischen Verbraucherpreisinflation und Vermögenspreisinflation. Dazu schreibt das Flossbach von Storch Research Institute, das die Daten regelmäßig erhebt:

„Zum Ende des dritten Quartals 2018 steigen die Preise für das Vermögen deutscher Haushalte um 4,8 % an. Während sich Sachwerte und besonders Immobilien weiterhin im Aufwärtstrend befinden, stagnieren die Preise für Finanzwerte. Sowohl im Vermögens- als auch im Altersquerschnitt deutscher Haushalte fallen die Unterschiede bedeutend geringer aus als in den vorangegangenen Quartalen. Die Differenz zwischen der Vermögenspreisinflation und der Verbrauchpreisinflation ist indes auf 2,7 Prozentpunkte gesunken, welches die niedrigste Differenz seit fünf Jahren darstellt.“


(Grafik durch anklicken vergrößern)

Und Flossbach von Storch Research Institute weiter:

„Innerhalb des Sachvermögens ist nach wie vor die Entwicklung der Immobilienpreise entscheidend, die mit +7,4% weiterhin auf sehr hohem Niveau liegt. Das Preiswachstum der übrigen drei Sachvermögenskategorien fällt bedeutend geringer – wenn auch positiv – aus (Betriebsvermögen +2,2%, langlebige Verbrauchsgüter +1,2%, Sammel- und Spekulationsgüter +2,6%).“

 

Also faktisch sind es nur noch die Immobilienpreise, die sich noch auf sehr hohem Niveau halten – aber die nachlassende Dynamik bei den anderen Vermögenspreisen dürfte wohl auch bald an den Immobilienpreisen nicht vorbei gehen (ergo: wer jetzt eine Immobilie kaufen will, kann das vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft preislich günstiger tun..)!

Besonders interessant ist, dass die Differenz zwischen Vermögenden und Nicht-Vermögenden in Deutschland derzeit schrumpft:

„Im Querschnitt des Vermögens deutscher Haushalte waren die Differenzen zwischen den Inflationsraten der verschiedenen Haushaltsquantilen seit Langem nicht mehr so gering. Während das Vermögen der Haushalte der unteren Mittelschicht im Preis nur um 2,1% angestiegen ist, liegen die Preiswachstumsraten für alle anderen Vermögensgruppen zwischen 4,2% und 5,3%. Grund hierfür ist unter anderem die niedrige Inflationsrate des Betriebsvermögens. In den vorangegangenen Quartalen lagen die Preiswachstumsraten bis zu 7,9 Prozentpunkte auseinander.“

Von Botaurus-stellaris – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1376564

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Marcus

    15. November 2018 16:30 at 16:30

    Erstmal abwarten wie bedeutsam das ausfällt. An der fundamentalen Ausgangslage ändert sich nichts, und die besagt das die EZB weiter Vermögenspreisblasen aufpumpt, auch wenn sie ab Januar die Ankäufe konstant hält. Bezüglich dem Immobilien kaufen, mir ist das immer noch zu teuer!

    Da muss noch viel heiße Luft abgelassen werden…

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone dritten Monat in Deflation, BIP besser als erwartet

Claudio Kummerfeld

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am

Geldbörse in der Klemme

Soeben wurden als Vorabschätzung die Verbraucherpreise für die Eurozone für den Monat Oktober veröffentlicht. Im Jahresvergleich sinken sie um 0,3 Prozent nach -0,3 Prozent und -0,2 Prozent in den beiden vorigen Monaten. Also sehen wir den dritten Monat in Folge Deflation! Das Minus der Energiepreise wird wieder größer mit -8,4 Prozent im Jahresvergleich. Die Verbraucherpreise für Lebensmittel können von +1,8 Prozent auf +2,0 Prozent sogar zulegen, aber die Energie zieht den Schnitt weiter runter. Der Schnitt wird auch durch die deutsche Mehrwertsteuersenkung (wirksam seit Juli) negativ beeinflusst.

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise in der Eurozone im Oktober

BIP für Eurozone weniger schlimm als gedacht

Zusammen mit den Verbraucherpreisen wurden vorhin auch frische Daten für das Eurozonen-Bruttoinlandsprodukt für das 3. Quartal veröffentlicht. Die Wirtschaftsleistung wächst im Quartalsvergleich um 12,7 Prozent (+9 Prozent erwartet). Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 4,3 Prozent (-7 Prozent erwartet). Also wie beim deutschen BIP – die Lage scheint etwas weniger schlimm zu sein als erwartet.

Grafik zeigt BIP in Eurozone

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Europa

Aktuell: BIP Deutschland besser – Lagarde hatte es „geleaked“

Markus Fugmann

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Das BIP in Deutschland (1.Veröffentlichung 3.Quartal) ist zum Vorquartal mit +8,2% besser ausgefallen wie erwartet (Prognose war +7,3%).

Zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt) sank das deutsche BIP um –4,2% (Prognose war -5,2%).

Damit wie in Frankreich die Erwartungen übertroffen – Christine Lagarde hatte das gestern auf der EZB-PK bereits „geleaked“..

Dazu schreibt Destatis:

„Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 3. Quartal 2020 gegenüber dem 2. Quartal 2020 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 8,2 % gestiegen. Das Wachstum war sowohl von höheren privaten Konsumausgaben, mehr Investitionen in Ausrüstungen als auch von stark gestiegenen Exporten getragen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ist die deutsche Wirtschaft damit nach dem historischen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts im 2. Quartal 2020 infolge der einsetzenden Corona-Pandemie zwar deutlich gewachsen. Im Vergleich zum 4. Quartal 2019, dem Quartal vor der globalen Corona-Krise, lag das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP im 3. Quartal 2020 jedoch 4,2 % niedriger. „

Das BIP in Deutschland erholt sich zum Vorquartal

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Europa

Einzelhandelsumsätze in der Krise: Viele Gewinner, ein Verlierer

Claudio Kummerfeld

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Leeres Einkaufszentrum

Die Einzelhandelsumsätze haben in der Coronakrise nicht gelitten. Sie ziehen sogar deutlich an. Wenn man nachdenkt, kommt man schnell drauf. Die Menschen gehen deutlich seltener ins Restaurant, in Bars, auf Events etc. Folglich wird deutlich mehr zuhause gekocht. Folglich werden mehr Lebensmittel eingekauft als im Vorjahr. Diesen Effekt sieht man in den heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts.

Im September lagen die gesamten Einzelhandelsumsätze gegenüber dem Vorjahresmonat 6,5 Prozent höher. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland, war der Umsatz im September 2020 kalender- und saisonbereinigt real 2,8 Prozent höher. Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte real 6,8 Prozent und nominal 9,6 Prozent mehr um als im September 2019. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten real 7,0 Prozent über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 4,9 Prozent mehr um.

Einzelhandelsumsätze bei Nicht-Lebensmitteln

Auch die Einzelhandelsumsätze außerhalb der Lebensmittel profitiert. Aber mit einer Ausnahme. Möbel und sonstige Einrichtungsgegenstände laufen gut mit +11 Prozent, der gesamte Online-Versandhandel läuft blendend mit +21 Prozent. Aber der Bereich Bekleidung und Schuhe verliert 7,3 Prozent an Umsatz. Waren- und Kaufhäuser verlieren 9,9 Prozent an Umsatz. Die Kombination dieser beiden Zahlen zeigt ganz klar, dass Karstadt und Co die Verlierer der Krise sind. Wenn Klamotten, dann werden sie in dieser Krise eher online gekauft.

Grafik zeigt Details der Einzelhandelsumsätze im September

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