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ZEW-Analyse für die Stiftung Familienunternehmen „Deutschland ist der große Verlierer im Standortwettbewerb“

"Deutschland ist der große Verlierer im Standortwettbewerb", so die Ergebnisse einer Studie. Die Energiekosten machen es noch schlimmer.

Feld mit Kraftwerken im Hintergrund

Es gibt viele Medienschaffende und Ökonomen, die derzeit sagen: Alles halb so schlimm, hört auf zu jammern, uns geht es doch richtig gut in Deutschland. Beim Ist-Zustand im Vergleich zu vielen anderen Ländern mag das für die deutsche Volkswirtschaft als Ganzes auch (noch) zutreffen. Aber was auch auf betriebswirtschaftlicher Ebene gilt, kann man auch auf eine volkswirtschaftliche Ebene übertragen: Wenn alle einen Schritt vortreten und man selbst bleibt stehen, dann fällt man zurück. Und gerade die deutsche Volkswirtschaft, die so sehr von Exporten lebt, muss sich ständig optimieren, verbessern, innovativ sein. Denn als Hochlohnland mit enormer Bürokratie hat man es nicht leicht.

Energiekrise verschärft Standortnachteil für Deutschland deutlich

Wenn aber die Bürokratie hierzulande immer weiter zunimmt, wenn die Politik tendenziell auf noch mehr Bürokratie und Steuern drängt, dann wird es langsam problematisch für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Seit letztem Jahr kommt nun auch noch die Energiekrise hinzu. Die exorbitant kräftig gestiegenen Energiepreise hierzulande werden zu einem zusätzlich enormen Wettbewerbsnachteil, der jetzt bereits Industriebetriebe zu Schließungen oder Verlagerungen gedrängt hat. Und der Trend dürfte weiter gehen, denn gerade energieintensive Betriebe können ihre Produkte nicht mehr konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt anbieten, wenn ihre Wettbewerber in Übersee nur einen Bruchteil der Energiekosten haben. Da kann man hierzulande auch noch so innovativ sein, und noch so sehr auf Prozessoptimierung etc achten.

Deutschland ist der große Verlierer

Wie sehr Deutschland derzeit bereits in seiner Wettbewerbsfähigkeit zurückfällt, beschreibt eine aktuelle Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen. Die Headline der Analyse lautet „Deutschland ist der große Verlierer im Standortwettbewerb“. Deutschland kann demnach mit Spitzenstandorten in Nordamerika, Westeuropa und Skandinavien kaum noch mithalten. Während andere Staaten in Infrastruktur investieren oder ihr Steuersystem reformieren, kommt Deutschland nicht voran. Der einzige klare Aktivposten ist die vergleichsweise geringe Verschuldung des Staates und der privaten Haushalte. Deutschland als relativ solides Land kann es sich leisten, auf Krisen zu reagieren. Dies sind die Ergebnisse des neuen Länderindex der Stiftung Familienunternehmen.

Krise als Chance ansehen?

Die gegenwärtige Krise sollte demnach als Chance zur Umkehr begriffen werden, vor allem zum Abbau lähmender Regulierungslasten, schreiben die Studienautoren. Die steuerlichen Bedingungen müssen sich dringend verbessern. Mit Blick auf den Fachkräftemangel ist eine echte Wende in der Bildungspolitik nötig. Die Genehmigung und Durchführung öffentlicher Investitionsvorhaben sollte sich in der Breite beschleunigen. Seit 2006 wurde diese Studie neun Mal erstellt. Seitdem ist Deutschland um sechs Rangplätze abgerutscht.

Bei Steuern auf dem vorletzten Platz

Im Zeitverlauf lässt sich laut der Studie ablesen, dass sich Deutschland bei Steuern, Regulierung und Infrastruktur negativ entwickelt hat. Auch das Verhältnis Arbeitskosten und Produktivität zeigt einen ungünstigen Trend im Vergleich zu den Wettbewerbern. Bei der Steuerlast für Familienunternehmen rangiert Deutschland weiterhin auf dem vorletzten Platz; bedingt vor allem durch die Untätigkeit der deutschen Steuerpolitik. Diese Nachteile waren durch die positive Tendenz beim Indikator Finanzierung nicht auszugleichen. Außerdem muss sie für die Zukunft nicht so gelten. Aktuell sei hier der Sinn für Prioritäten und zielgenaue Hilfen auf der Strecke geblieben. Der Bundeshaushalt mit seinen Nebenhaushalten sei nicht mehr transparent genug. Luft für Zukunftsaufgaben sei nur zu bekommen, wenn endlich Reformen im Bereich Rente und Gesundheit stattfänden.

Professor Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, wird wie folgt zitiert: „Der Industriestandort Deutschland hat dramatisch an Qualität verloren. Gerade die hohen Energiepreise, an denen wir wenig ändern können, müssten doch Anreiz bieten, die übrigen Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern. Im internationalen Vergleich auf den hintersten Plätzen – das ist nicht das Feld, in das wir gehören.“

In der aktuellen Rangliste befindet sich Deutschland laut der Analyse auf Platz 18, vier Plätze schlechter als beim vorhergehenden Länderindex aus dem Jahr 2020. Allerdings liegen die Länder auf den Plätzen 14 bis 19 mit ihren Punktwerten sehr nah beieinander. Es gibt für Deutschland aber keinerlei Anzeichen für eine Aufwärtsbewegung. Nur Ungarn, Spanien und Italien schneiden noch schlechter ab.

Spitzenreiter USA kämpft mit Inflation

Angeführt wird die Rangliste von den USA, Kanada, Schweden und der Schweiz. Die USA zeigen herausragende Ergebnisse bei den Standortfaktoren Energie und Regulierung. Doch wer die USA als unschlagbar attraktiven Standort auch für deutsche Unternehmen betrachtet, darf die dort überdurchschnittliche Inflation nicht vergessen. Der Preis- und Lohndruck sei hoch in den USA. Verbunden mit der Dollar-Aufwertung mindere das die Attraktivität des Standorts. Der Länderindex wird als gewogener Durchschnitt von sechs Subindizes errechnet: Steuern, Arbeit, Regulierung, Finanzierung, Infrastruktur und Investitionen, Energie. Er kann Punktwerte zwischen 0 und 100 annehmen. Starke Verbesserungen zeigten Japan und Schweden, große Verluste verzeichneten Österreich und die Niederlande.



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3 Kommentare

  1. Während die Bundesrepublik Deutschland stehen geblieben ist, ist die Volksrepublik China einem Schritt vorgetreten(,)und hat sich Ölvorkommen in Afghanistan gesichert.

    1. Na ja, wir sind ja Hals über Kopf abgehauen

      1. Antwort von ottonorma am 16.01.23 um 14.50 Uhr und mögliche weitere ähnliche hierzu als demokratisch zur Kenntnis genommen.

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