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Deutschland Platz 18 bei Netto-Vermögen pro Kopf – wir sind einfach zu ängstlich

Der deutsche Anleger ist insgesamt gesehen einfach zu ängstlich, zu feige, zu risikoscheu, zu sicherheitsbewusst. Das ist wohl eine Mentalitätsfrage, vielleicht bedingt durch die über Generationen...

FMW-Redaktion

Der deutsche Anleger ist insgesamt gesehen einfach zu ängstlich, zu feige, zu risikoscheu, zu sicherheitsbewusst. Das ist wohl eine Mentalitätsfrage, vielleicht bedingt durch die über Generationen vermittelte Erfahrung von Hyperinflation und Währungsreformen, die viele andere Länder nicht gemacht haben? Die Allianz hat in einer aktuellen Veröffentlichung das Anlageverhalten mit anderen Ländern verglichen. So geht sie zum Beispiel darauf ein, dass Deutschland in den letzten vier Jahren bei den erwirtschafteten Renditen am Schlechtesten abgeschnitten hat. Die Begründung: Zu hohe Anteile der Vermögen werden in Zinsanlagen geparkt, zu wenige in Aktienanlagen. Dazu zitieren wir wie folgt die Allianz. Vorher noch diese Anmerkung: Die Allianz rechnet vor, wie schlecht Bankeinlagen abgeschnitten haben. Dass ihr eigenes Hauptprodukt Lebensversicherung genau so erfolglos ist, wird natürlich gar nicht erst erwähnt – bestimmt wurde das vergessen…

„Der Vergleich der realen Vermögensrenditen im Euroraum in den letzten vier Jahren zeigt, dass Deutschland neben Österreich am schlechtesten abschneidet. Während die reale Rendite in Deutschland für diesen Zeitraum bei 2,3% lag, erreichen Italien und Spanien Renditen von deutlich über 4%; auch in Frankreich ist sie mit 3,6% wesentlich höher. Die Begründung liegt in dem vorsichtigen Sparverhalten der deutschen Haushalte. Die Kosten dieses Verhaltens zeigt eine einfache Simulationsrechnung. Die deutschen Haushalte haben in den letzten vier Jahren etwa 40% ihres Geldvermögens mit Verlust bei den Banken geparkt. Die reale Rendite dieser Anlage betrug im Durchschnitt dieser Jahre minus 0,4%. Hätten die Deutschen nur 30% in Bankeinlagen gehalten und die so frei gewordenen 10% ihrer Mittel je zur Hälfte auf Aktien und Investmentfonds verteilt, wäre die Vermögensrendite in diesem Zeitraum um nahezu einen vollen Prozentpunkt höher ausgefallen. Die deutschen Haushalte hätten damit zusätzliche Vermögenseinnahmen von rund 200 Mrd. Euro erzielen können. „Hinterher ist man natürlich immer schlauer, aber dass Zeiten extremer Geldpolitik mit negativen Zinsen auch Anpassungen im Anlageverhalten erfordern, ist evident“, kommentierte Heise. „Alte Gewissheiten gelten heute nicht mehr: Vermeintlich sichere Anlagen wie Bundesanleihen sind nicht mehr sicher, sie gefährden vielmehr den Vermögensaufbau. Gleichzeitig nehmen in dem Maße, wie die Geldpolitik ihre Mittel immer mehr ausreizt, die Risiken zu und die Märkte werden immer volatiler. Viele Sparer dürfte auf sich allein gestellt mit diesen Herausforderungen überfordert sein. Neue Sparkonzepte und Vermögenslösungen sind notwendig – dies ist eine Aufgabe, die Finanzindustrie und Politik gemeinsam angehen sollten. Vor allem die Politik sollte jetzt den Sparern nicht noch weitere Belastungen auferlegen, sondern die Rahmenbedingungen für langfristiges Sparen verbessern.“

Der Chefvolkswirt der Allianz Michael Heise sagt für Sparer werde die Frage nach der richtigen Vermögensanlage immer schwieriger. Die Geldpolitik der Notenbanken (Negativzinsen + Geldschemme) verliere als Treiber für höhere Wertpapierpreise langsam an Wirkung. Die Zinsen rutschten immer tiefer, und nun befänden sich die Sparer in einem Dilemma. Auch hier, so finden wir, wird das Wort Sparer benutzt, womit er auf Bankeinlagen abzielt. Dass es seinen Lebensversicherungskunden genau so schlecht ergeht, erwähnt er merkwürdigerweise nicht.

Laut Allianz ist in Deutschland das Brutto-Geldvermögen in 2015 um 4,6% gewachsen, und damit mehr als doppelt so schnell wie die privaten Verbindlichkeiten mit +2,2%. Daraus resultiere ein kräftiger Anstieg des Netto-Geldvermögens um 5,7%, der in Europa nur von Dänemark und Schweden und im Euroraum nur von Irland übertroffen wird. Da der Netto-Zuwachs nicht durch Renditen erzielt wird, kann es nur sein, dass die Bürger vom Einkommen einfach einen größeren Teil bei Seite legen. Über dieses Phänomen, dass die EZB genau anders herum haben möchte, haben wir gestern schon berichtet. Laut Allianz machen sich die hohen Sparleistungen (mehr Geld bei Seite legen) bezahlt.

Mit Platz 20 in der Rangliste der reichsten Länder pro Kopf schneide Deutschland weiterhin enttäuschend ab, so die Allianz. Bei Netto-Vermögen sei man auf Platz 18. Auch spricht die Allianz an, dass sich nun die weitgehend fehlende Kapitaldeckung der Rentenansprüche in der Vermögensstatistik rächen würde. Das ist langfristig natürlich ein sehr wichtiges, aber auf die Schnelle nicht zu lösendes Thema. Denn unser gesetzlicher Rententopf ist gar keiner. Sondern bei uns wird an die aktuellen Rentner nur das ausgezahlt, was von den aktuellen Beitragszahlern reingespült wird. Angespart wurde nichts, das System lebt sozusagen ganz offiziell von der Hand in den Mund. Dieses System umzustellen, wenn man es denn überhaupt wollte, würde Jahrzehnte dauern. Denn die aktuellen Beitragszahler müssten erstmal anfangen etwas im Rentensystem für ihre eigenen Ansprüche anzusparen.



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1 Kommentar

  1. …nicht mehr lange: die Zentralbank giert schon zähnetropfend danach.

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