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Deutschland verdient 1,34 Milliarden Euro mit Griechenland-Hilfe: Was nun, Moral oder Risikoprämie?

Die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hatte ab 2010 ein Darlehen an Griechenland gegeben, das in Höhe von 15,2 Milliarden Euro in Anspruch genommen wurde. Daraus resultieren bis dato 393 Millionen Euro Zinsertrag für die...

FMW-Redaktion

Jetzt wird es knifflig. Es ist wohl reine Ansichtssache. Ist Deutschland in einer moralischen Verpflichtung Zinserträge aus Rettungsgeldern an diejenigen zu überweisen, die gerettet wurden? Die Frage stellt sich aktuell die deutsche Presselandschaft. Denn laut SZ hat das Bundesfinanzministerium den Grünen im Bundestag mitgeteilt, dass Deutschland bisher an Rettungsaktionen in der Eurozone doch recht ordentlich verdiente.

Die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hatte ab 2010 ein Darlehen an Griechenland gegeben, das in Höhe von 15,2 Milliarden Euro in Anspruch genommen wurde. Daraus resultieren bis dato 393 Millionen Euro Zinsertrag für die KfW, also für den deutschen Bundeshaushalt (da die KfW eine Staatsbank ist). Auch wird ein altes längst in Vergessenheit geratenes Anleihekaufprogramm namens SMP erwähnt, das bis 2012 lief. Die daraus entstandenen Erträge für den deutschen Staat beliefen sich bis 2015 auf 952 Millionen Euro.

Deswegen schwebt nun die Frage im Raum, ob Deutschland diese 1,34 Milliarden Euro nicht einfach an Griechenland überweisen sollte. Diese Argumentation ist gut nachvollziehbar, denn schließlich sind es Zinsgewinne, die die Griechen gezahlt haben. Und es geht ihnen immer noch extrem schlecht. Warum also nicht solche Zinsgewinne an Griechenland überweisen? Denn schließlich hatten sich die Euro-Mitgliedsländer im Jahr 2012 grundsätzlich darauf geeinigt die Gewinne aus gehaltenen griechischen Staatsanleihen unter bestimmten Voraussetzungen an das Krisenland auszuzahlen. Bisher kam es von deutscher Seite dazu offensichtlich nicht.

Warum genau, bleibt unklar. Die Grünen fordern Wolfgang Schäuble dazu auf aus moralischen Gründen den Griechen zu helfen, und ihnen diese Gewinne zu überweisen. Es könne nämlich nicht sein, dass Wolfgang Schäuble mit griechischen Zinsen den deutschen Haushalt saniere. Diese Sichtweise ist nachvollziehbar und mehr als verständlich. Gibt es aber auch Argumente dafür diese Zinsgewinne nicht nach Griechenland zu überweisen? Denn was ist ein Zins? Er ist eine Risikoprämie, nämlich für den Fall, dass der Schuldner seine Schulden nicht zurückzahlen kann.

Und im Fall Griechenland bleibt das Risiko so eines totalen Zahlungsausfalls ja noch Jahre und Jahrzehnte lang bestehen. Das Land kann immer noch aus dem Euro austreten und/oder sich selbst für zahlungsunfähig erklären. Dann wären gigantische Berge an Milliarden-Forderungen wertlos. Für dieses immer noch tatsächlich existierende Risiko streichen Geberländer wie Deutschland Zinsen ein, als Risikoprämie! Wenn Griechenland sagen wir mal in 10 Jahren pleite geht, kann man wenigstens sagen, dass Deutschland Jahr für Jahr Risikoprämien in Form von Zinsen erhalten hat, die genau für dieses Risiko gezahlt werden.

Aus der Sichtweise kann man es eben auch betrachten! Aber klar, die moralische Sicht auf diese große Zinssumme von 1,34 Milliarden Euro verführt verständlicherweise dazu zu sagen: Kommt Leute, überweisen wird das Geld nach Athen!


Wolfgang Schäuble. Foto: EPP / Wikipedia (CC BY 2.0)



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3 Kommentare

  1. Schäuble…hat der drauf no Mitleid mit Menschen im Rollstuhl?
    Beim G20 ist Macron auf Ihn zugegangen.
    Das is ein harter Knochen, frag mich wirklich was dem am Leben erhält!

  2. sorry..das Photo sagt ja alles!

  3. Und was heißt das jetzt übertragen auf private Kunden? Gleiches Recht für alle.

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