Europa

Deutschland: viel meckern, noch mehr profitieren

Von Markus Fugmann

Nirgendwo ist der Widerstand gegen die EZB-Politik, die auf eine Schwächung des Euro hinausläuft, größer als in Deutschland. Und kein anderes Land profitiert stärker von eben dieser EZB-Politik – zumindest kurzfristig. Das haben die neuesten Daten zu Exporten und Importen einmal mehr gezeigt: so stiegen die Exporte um 3,6%, während die Importe (vorwiegend wegen des gefallenen Ölpreises) um 0,8% fielen. Die Folge: 2014 markiert einen neuen Rekord bei der Aussenhandelsbilanz.

Trotz des Rückgangs der Importe markiert das Gesamtjahr 2014 einen neue Rekord der Importe nach Deutschland. Selbst aus der kriselnden Eurozone sind die Importe 2014 um 2,3% gestiegen. Auch die Konsumausgaben der Deutschen steigen (1,7% im letzten Quartal 2014), ebenso wie die realen Einkommen, die um 1,6% gesteigen sind. Das ist – inflationsbereinigt – der stärkste Anstieg, seit diese Kennziffer erhoben wird (seit 2008).

Das dürfte denjenigen Kritkern, die Deutschland vorwerfen, auf Kosten der Aussenwelt zu exportieren, nicht recht in den Kram passen – insbesondere in der angelsächsischen Welt! Gleichwohl könnte Deutschland auch mit der EU Probleme bekommen: Laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW), dürfte der Aussenhandelsübeschuß Deutschlands auf 8% steigen – „erlaubt“ sind aber nur 6%.

Faktisch sind die Deutschen also durch den tiefen Euro die Hauptprofiteure der EZB-Politik. Dass dennoch viel gemeckert wird, liegt wohl daran, dass den Deutschen dämmert, dass sie irgendwann für eben diese Politik die Rechnung bezahlen dürfen. Vielleicht besser als in anderen Ländern weiss man in Deutschland: there is no free lunch!



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