Europa

Deutschlands Exportindustrie vor dem G20-Gipfel – die Bedrohungslage in Fakten

Als am Montag in dieser Woche der sehr beachtete Ifo-Index zum dritten Mal in Folge gefallen war, wurde den Beobachtern des Konjunkturbarometers schmerzlich bewusst. Wenn jetzt nichts Ungewöhnliches passiert, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein Abgleiten Deutschlands in eine Rezession. Ab einem dreimaligen Richtungsimpuls spricht man von einem Trend und der deutet schon seit geraumer Zeit nach unten. Denn: Das letzte Hoch des Index in diesem Zyklus stammt schon vom Juni 2018 mit 104,2 Punkten, der jetzige Wert beträgt 97,4 Punkte.

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Wann wird es kritisch?

Sicher muss es nicht bis auf das bisherige Tief vom Dezember 2008 mit 84,1 Punkten gehen. Dieser Wert korrelierte mit der größten Nachkriegsrezession von minus fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland. Aber für den Exportweltmeister spielt das verarbeitende Gewerbe eine bedeutsame Rolle. Und in diesem Kontext ist der Handelsstreit mit seinen weltweiten Friktionen ein zentrales Thema.

Im Juni jedenfalls fielen die vom Ifo-Institut erhobenen Exporterwartungen um 0,9 Zähler auf genau null Punkte, wie das Institut am letzten Dienstag in München mitteilte. Das ist der tiefste Wert seit Oktober 2012. „Die Unternehmen erwarteten keinen Zuwachs mehr bei den Ausfuhren“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Gute Nachrichten sind im weltweiten Handelsstreit selten geworden.“

 

Der Abschwung der deutschen Wirtschaft im Überblick

Bei den 70 größten deutschen Unternehmen waren die Nettogewinne 2018 um 17 Prozent auf 86 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr eingebrochen, so stark wie In keinem anderen Industriestaat. Und der Abschwung hielt im ersten Quartal des laufenden Jahres an. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Gewinne um 26 Prozent. Mit 27 Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern legten die Dax-Konzerne das schlechteste Ergebnis seit neun Jahren hin. Deutschland scheint sich vom Status der Wachstumslokomotive Europas zum kranken Mann zu entwickeln.

Beispiel Automobilsektor: Global schrumpfte der Pkw-Absatz im ersten Quartal um sechs Prozent.
In der chemischen Industrie blickt man immer auf die Zahlen von BASF. Das um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsergebnis von Europas größtem Chemiehersteller sank um 24 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Ein sehr beachteter Konzern, denn BASF ist Zulieferer für viele Industriebranchen. Eine schlechte Nachfrage sind ein ungutes Zeichen für die Gesamtwirtschaft.

Im Maschinenbau, der wichtigsten Industriebranche mit über einer Million Beschäftigten und einem Umsatz von 200 Milliarden Euro kommen seit geraumer Zeit deprimierende Signale. Im April meldete der Branchenverband VMDA ein Auftragsminus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es ist bereits der fünfte Rückgang in Folge. Begründung: Verunsicherung der Kunden wegen des Handelsstreits und demzufolge eine Zurückhaltung bei den Bestellungen.

Aus jetziger Sicht rechnen die Konjunkturforscher im zweiten Quartal mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 0,1 Prozent.

 

Warum haben wir noch keine Rezession?

Die Frage wurde schon mehrfach beantwortet. Es sind der Bauboom, der Dienstleistungssektor und die steigenden Löhne in Deutschland.

Tatsächlich bekamen die Arbeitnehmer in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres inklusive Sonderzahlungen im Schnitt gut 2,5 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Davon abzuziehen ist zwar die allgemeine Teuerung um 1,4 Prozent, aber unter dem Strich stieg die Kaufkraft und damit das Pulver für den Konsum. Die große Frage ist deshalb: Wann schlagen die schlechteren Auftragseingänge auf die Beschäftigung und den Konsum durch?

 

Fazit

Aus all den konjunkturellen Fakten des Industriestandortes Deutschland lässt sich ermessen, welche Tragweite eventuelle Beschlüsse aus dem G20-Gipfel haben können. Eine Eskalation mit China, ein ungeordneter Brexit und eventuell noch US-Zölle gegenüber unserer Automobilindustrie…..die Folgen kann sich wohl jeder selbst ausmalen.

 



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