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Deutschlands Hegemonialstellung in Europa geschwächt nach Pariser Anschlägen

Von Markus Fugmann

Ob die Griechenland-Krise oder die Ukraine – immer war es Deutschland, das an erster Stelle die Stellschrauben drehen konnte in den Verhandlungen über Krisen. Das schiere ökonomische Gewicht Deutschlands hatte insbesondere durch die Schwäche Frankreichs zu einer Art Hegemonialstellung Deutschlands innerhalb Europas geführt in den letzten Monaten – aber es zeichnet sich ab, dass das nun vorbei ist. Das liegt zum einen daran, dass Deutschland stark mit sich selbst beschäftigt ist aufgrund der Flüchtlings-Thematik. Das liegt aber vor allem an den Anschlägen in Paris, die die Machtbalance in Europa verschieben werden.

Der Tag der Anschläge, der 13.November ist dabei nicht nur der 11.September Frankreichs, sondern eben auch Europas. Das zeigen die Aktionen der Franzosen, die sich nicht an die NATO gewendet haben mit der Bitte, ja der Forderung um Beistand, sondern eben an die EU. Das zeigt vor allem die Hinwendung Frankreichs an Russland, die nicht im Sinne Deutschlands ist und neue Konstellationen ermöglicht in der Syrien-Frage. Es geht, und das ist entscheidend, nicht mehr um Wirtschaftskraft und damit eine deutsche Stärke, sondern um militärische Fragen. Und in diesem Bereich ist Deutschland nach wie vor ein Zwerg, der nicht mithalten kann mit den Franzsoen oder Engländern, schon gar nicht mit den Amerikanern, die sich nun wieder verstärkt an Frankreich und Großbritannien wenden werden wenn es um die große Weltpolitik geht.

Das war noch in der Ukraine-Krise ganz anders, als die Amerikaner vor allem von Deutschland eine Schlüsselrollte erwartet hatten, die Merkel dann auch eingelöst hat. Bei den Verhandlungen in Minsk mit Putin hatte Merkel eher pro forma und um den Eindruck eines deutschen Alleingangs zu vermeiden, den französischen Präsidenten Hollande mitgenommen. Aber entscheidend waren die Verhandlungen zwischen Merkel und Putin – das hat man damals in Frankreich durchaus schmerzvoll wahrgenommen.

Jetzt aber ist es Hollande, der auf der großen politischen Bühne die Fäden zieht, während Merkel Hollande auf seine Bitte hin bescheidene militärische Hilfestellungen leistet, die alles in allem kaum relevant sind. Für Europa aber ist das vorläufige Ende der deutschen Dominanz gar nicht so schlecht, zu mächtig war Merkel-Deutschland vielen europäischen Ländern ohnehin geworden.

Damit kehrt ein Muster der Nachkriegszeit und des Kalten Krieges wieder, als Deutschland mit seiner Bundesbank die ökonomische Superpower war, aber militärisch nicht einmal ein Zwerg. Damit wird Deutschland auch wieder verstärkt in Europa eingebettet – in ein Europa, das durch diesen Angriff mehr inneren Zusammenhalt erfahren wird. Der 11.September Europas hat uns klarer gemacht, wer und was wir sind in Europa – inzwischen vor allem Europäer! Und für Europa ist es nicht gut, wenn ein Land zu dominant ist. Deutschland wird also wieder etwas zurecht gestutzt, zum Wohle Europas.



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3 Kommentare

    1. Dank für diese kluge Analyse!

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