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Ohne Reformen kein Wachstum Deutschlands Wirtschaft stagniert – Exporte und Konsum bremsen

Flaggen der EU und Deutschland. Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg

Die deutsche Wirtschaft steht unter Druck: Ein schwaches Bruttoinlandsprodukt, ein trübes Geschäftsklima und die Frage, ob neue Staatsausgaben echten Aufschwung oder nur Lücken füllen. Die kommenden Jahre werden darüber entscheiden, wie widerstandsfähig Deutschlands Wirtschaft wirklich ist. Ohne tiefgreifende Reformen dürfte das Ende der Stagnation noch nicht erreicht sein.

Deuschlands Wirtschaft stagniert

Die Stagnation der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal basierte vor allem auf Schwäche im Handel und verhaltenem privaten Konsum.

Das Bruttoinlandsprodukt blieb gegenüber dem zweiten Quartal unverändert, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitgeteilt hat. Damit bestätigte sich das Ergebnis der Schnellmeldung. Während die privaten Haushalte weniger ausgaben und flaue Exporte die Wirtschaftsleistung belasteten, trugen Investitionen und staatliche Ausgaben positiv zur Entwicklung bei.

“Die Konjunktur wurde im 3. Quartal von schwachen Exporten gebremst, während die Investitionen leicht zulegten”, sagte Destatis-Präsidentin Ruth Brand.

Wie Bloomberg berichtet, kann sich Deutschland noch immer nicht aus seiner Schwächephase lösen, in der das Bruttoinlandsprodukt 2023 und 2024 gesunken ist. Die heimische Wirtschaft ist besonders anfällig für höhere US-Zölle sowie eine schwache weltweite Nachfrage . Sie leidet zugleich unter strukturellen Problemen wie übermäßiger Bürokratie und dem Mangel an Fachkräften.

Zwar haben US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Ende Juli ein Handelsabkommen geschlossen, doch bleibt die exportorientierte deutsche Wirtschaft damit immer noch höheren Zöllen ausgesetzt als vor Trumps Amtsantritt im Januar.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschland. Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Staatsausgaben stützen Konjunkturerholung

Höhere Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur dürften die wirtschaftliche Aktivität in den kommenden Jahren stützen, ebenso sinkende Zinsen. Die Regierungskoalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt 2026 um 1,3% und 2027 um 1,4% wächst, nachdem es in diesem Jahr um 0,2% zulegen soll.

Die Bundesbank geht davon aus, dass die Wirtschaft im letzten Quartal 2025 wieder Wachstum verzeichnen könnte, wenn Exporte und Industrie sich stabilisieren. Eine Umfrage des ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen vom Montag zeigte jedoch, dass das Geschäftsklima unerwartet gesunken ist. Es besteht die Sorge, neue Staatsschulden könnten lediglich Haushaltslöcher stopfen statt zusätzliche Investitionen zu finanzieren.

“Höhere Staatsausgaben für mehr öffentliche Investitionen sind das eine”, sagte Bundesbankpräsident Joachim Nagel am Montag. “Dies sollte jedoch unbedingt von Reformen begleitet werden, die Deutschland als Wirtschaftsstandort dauerhaft stärken.”

FMW/Bloomberg

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13 Kommentare

  1. Stillstand ist Rückschritt.
    Wenn dabei noch die Inflationsrate steigt, die Infrastruktur weiter vergammelt, die Schulden explodieren, die Steuereinnahmen sinken, die „Facharbeiter“ aus fernen Länder immer teurer werden, das Rentensystem kollabiert, die Kriminalstatistik steigt, mehr Aufrüstung betrieben werden soll als bei Adolf, der Lügenkanzler der 2. Wahl Euch im höchsten Maße verarscht und belügt, und die stärkste Opositionspartei verboten werden soll, dann gute Nacht Deutschland.

    Gut das ich weit weg bin.
    Und mein Geld noch weiter.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Höhere Staatsausgaben sind ein Mittel, dessen mangelnde Nachhaltigkeit seit Jahrzehnten bewiesen ist. Niemand hat etwas dagegen, dass der Staat in besonders schweren Krisen unterstützt, aber zugleich verschärft das die strukturellen Probleme.

    Der Staat sollte einmal den Weg gehen, den Teile der Wirtschaftswissenschaften seit 50 Jahren vorschlagen: sich verschulden, um die Steuern für alle zu senken, so dass die Wirtschaft frei atmen kann.

    Das eigene Geld, das für eigene Zwecke ausgegeben wird ist das Geld, dass am effizientesten eigesetzt wird.

    Das Geld anderer, dass für andere ausgegeben wird, wird immer am ineffizientesten ausgegeben.

    1. @Felix

      Soll also magels Nachhaltigkeit nicht in die marode Infrastruktur, Digitalisierung, Bildung und Verteidigungsfähigkeit investiert werden?
      Steuersenkungen für alle wären zwar nett, doch beides zugleich ist problematisch. Alles eine Frage der Prioritäten.

      1. @ Michael

        Wo der Staat zuständig ist, muss er investieren. Wir haben bei den Verkehrswegen schon unter Kohl viel zu wenig investiert.
        Man muss besonders in neu auftauchenden Bereichen aber nicht sofort allein die staatliche Logik darauflegen. Unsere digitale Infrastruktur ist deswegen bis heute rückständig.

        Viele Dinge machen aber eben die Menschen im freien Miteinander aus. Und wenn die zu wenig Geld haben, passiert eben auch zu wenig.

        Z.B. sind wir in der Heilkunde abgeschlagen. Für moderne „schulwissenschaftliche“ Behandlungen fehlt das Geld, weshalb sie gar nicht erst von den Kassen zugelassen werden und die Ärzte sie meist gar nicht kennen, für den alternativen Bereich fehlt das Geld vollends und so können sich auch kaum professionelle HPs etc. etablieren.

  3. Merz hat es doch gesagt: Nur wenn man den über 50jährigen verspricht mehr Geld in die Tasche zu schieben, wird man gewählt. Das wissen SPD, CDU, CSU und auch AfD. Der Unterschied zwischen AfD und den anderen ist nur, dass die einen zur Finanzierung weniger Geld für Migranten ausgeben wollen, während die anderen Kredite aufnehmen wollen. Der Wirtschaft nützt weder das eine noch das andere.

    Einen Bürokratieabbau wird es auch nicht geben, da Politiker glauben alles besser zu wissen und zu können. Selbst Lindner (FDP) hatte nicht eine Steuer oder Abgabe abgeschafft als er Minister war.

    1. Zustimmung. Wir müssen den Menschen aber mehr Geld in die Tasche schieben. Und zwar vor allem den jüngeren und dort besonders denen, die sich der Mühe unterziehen sich neben dem Beruf weiter zu bilden und/oder Verantwortung als Führungskraft zu übernehmen.
      Finanziell lohnt sich das in Deutschland viel zu wenig, weshalb dann logischerweise andere, ungesündere Motivationen proportional häufiger Menschen in diese Positionen ziehen.
      Zudem müssen Unternehmensgründungen drastisch vereinfach werden. Z.B. könnten sich IHK, Handwerkskammer und das Finanzamt mal drei Jahre komplett zurückhalten. Das wäre steuerlich sogar ein Gewinn, weil durch die Anfangsinvestitionen meist sowieso zunächst Verluste anfallen.

      Was die AfD betrifft sehe ich dort das gleiche Problem wie bei den anderen Parteien: zu wenig Wirtschaftskompetenz, zumindest in der Wählerschaft. Wenn man so die Kommentare liest bekommt man das Gefühl, dass die denken, wenn wir die Migration nicht gehabt hätten, wäre alles gut. Das ist natürlich falsch.
      Bei der aktuellen Rentendiskussion stehen wir uns als Gesellschaft seit 55 Jahren im Weg und das wird aus den von Ihnen genannten Gründen auch vorerst so bleiben.

  4. 2Die Stagnation der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal basierte vor allem auf Schwäche im Handel und verhaltenem privaten Konsum…“

    Tschuldigung, das mit dem Konsum war ich, hab nicht mehr so viel übrig bei den ganzen Mieten und der Inflation, soll 26 noch weniger werden…

    Sorry tut mir so leid.

    Idee: Vielleicht können mir die Vermieter und der Staat was zurück überweisen, dann gehe ich auch ganz bestimmt was für kaufen, versprochen!

    1. @ Arbeiter

      Haben Sie sich denn schon angemessen überschuldet? Eine Kleinigkeit geht doch bestimmt noch! Die meisten Deutschen haben noch nicht mal damit angefangen, Kreditkartenschulden mit neuen Kreditkarten zu bezahlen.
      Der Kanzler findet das „larmoyant“.

      1. Dazu bin ich zu ängstlich, außerdem fehlt mir das Geld dann später in der Rente.

        Die Nachrichten sagen ja nahezu täglich, dass da nichts übrig bleibt und alle möglichen Experten und Nichtexperten versuchen an meinem theoretisch angespartem Kapital zu sägen und da was weg zu nehmen. Ich gehe auch davon aus, dass ich das reguläre Reinteneintrittsalter gar nicht schaffen werde zu erreichen.

        Von daher, sollte trotz aller Sparmaßnahmen noch was übrig sein, muss ich das ja für die Rente ins Sparschwein stecken. Ich werde einen Natodraht um das Sparschwein legen, da ich davon ausgehe, dass sie das auch noch haben wollen.

        1. @ Arbeiter

          ich finde Ihre Sicht auf das Problem erfrischend ehrlich. Tatsächlich gehe ich auch davon aus, dass sämtliche konstruktiven Maßnahmen, die aus staatlicher Ebene oder privat denkbar sind, nichts nützen, wenn wir die Politik selbst nicht einhegen und die Bürger dafür sorgen, dass dort kompetente Menschen Verantwortung tragen dürfen.

          Auch was Ihren düsteren Nebensatz zur Lebenserwartung betrifft, stimme ich zu. Wer heute noch im aktiven Berufsleben ist, wird die theoretisch verkündete Lebenserwartung unterschreiten. Zu wenig Spaß, zu wenig Geld, zu geringe Fehlertoleranz, dafür eine Menge unnötiger Stress, den die Politik verursacht. Das kann nicht in eine steigende Lebenserwartung münden.

  5. Dankenswerterweise hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil innerhalb der Bundeskanzler Friedrich Merz-Bundesregierung/Koalition beschlossen, die Luftverkehrssteuer zu senken. Erste Erfolge zeichnen sich hierbei bereits ab: Der MDax-Konzern Deutsche Lufthansa AG räumt dem Luftverkehrsstandort Deutschland einen besseren Stellenwert ein. Auch die China-Politik von Bundesminister Klingbeil im Zusammenhang mit seinem Kanal zur Kommunistische Partei Chinas ist diskussionswürdig. Letzteres könnte das Zusammenspiel zwischen den Star Alliance-Partnern Lufthansa und Air China stimulieren, beispielsweise in Sachen KI-Start-Ups, welche Flugbuchungen vorhersagen können. Auch die Rahmenbedingungen für Seltene Erden zugunsten von Smartphones werden dadurch verbessert.

    1. Genau. Verschenken wir den Chinesen auch noch unseren Vorsprung bei der Fliegerei. Damit lassen sich bestimmt kurzfristig ein paar schone Nachrichten und ein paar Millionen für die Vorstände herausholen.

      1. An den FMW-Nutzer Felix: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

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