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Die Bankrotterklärung von Kuroda (Bank of Japan) – Yen-Stärke als zukünftige Belastung für den Dax

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der Chef der Bank of Japan, Kuroda, ist der wohl erste Notenbanker, der das Scheitern seiner ultraexpansiven Geldpolitik eingestanden hat. Zumindest indirekt. So geschehen heute bei einer Rede Kurodas vor dem japanischen Parlament. Um zu verstehen, was bei dieser Rede passiert ist, müssen wir uns kurz zurück erinnern, und zwar ins Jahr 2013, genauer April 2013.

Kuroda
Haruhiko Kuroda, Chef der Bank of Japan
Foto: Asian Development Bank, CC BY 2.0

Damals begann Kuroda nach dem Wahlsieg Abes mit seiner ultraexpansiven Geldpolitik, ein gigantisches QE-Programm startete. Damals war Kuroda überzeugt, dass so, und nur so, die Inflation angeheizt werden könne. Geldpolitik, so Kuroda 2013, könne dieses Ziel problemlos erreichen, er sprach damals von der Kraft der „monetären Basis“ (monetary base). Also der ungetrübte Glaube an die Veränderbarkeit von Wirtschaftsabläufen durch Drehen an den entscheidenden geldpolitischen Stellschrauben. Das entsprach dem damaligen Glaubensbekenntnis aller wichtigen Notenbanker – Draghi und Co. glauben immer noch fest daran. Und lassen sich von diesem Glauben auch nicht durch lästige Zahlen abbringen, die eher das Gegenteil nahelegen.

Bei Kuroda aber scheint nun der Groschen gefallen zu sein. Vor wenigen Wochen hatte er, gegen Widerstände innerhalb der Notenbank (Abstimmungsergebnis 5:4), Negativzinsen eingeführt, weil er ahnte, dass QE alleine nicht mehr ausreichen werde, um die Inflation nach oben zu bringen und die Wirtschaft anzuheizen. Mit großer Wahrscheinlichkeit traf er diesen Entschluß in Davos während des Weltwirtschaftsforums, nach Gesprächen mit Draghi und anderen wichtigen Notenbankern.

Zu seiner großen Überraschung aber passierte mit der Einführung der Negativzinsen das Gegenteil dessen, was Kuroda erwartet hatte – und was eigentlich auch die logische Reaktion gewesen wäre: der Yen wertete massiv auf, eine Art „Schwarzer Schwan“, ein nicht vorhersehbares Ereignis trat ein. Und das Eintreten dieses Schwarzen Schwanes wiederum scheint Kuroda demütiger gemacht zu haben – denn in der Rede vor dem Parlament ist von dem einstigen Optimismus, Geldpolitik könne alle Probleme lösen, nicht mehr viel zu spüren. So sagte er heute:

“It’s not that the monetary base alone will pull up inflation or inflation expectations promptly. We aim to raise prices through an increase in inflation expectations and a tighter gap in supply and demand under QQE“.

Gemeint ist damit die Kombination aus quantitaiven Maßnahmen (Anleihekäufe) und qualitativen Maßnahmen (Zinssenkungen, Negativzinsen). Was so harmlos daher kommt als Aussage, bedeutet faktisch: wir haben die Grenzen des QE (also der Anleihekäufe) erreicht, mehr ist damit nicht herauszuholen. Die Bank of Japan ist der riesige Wal in der engen Badewanne für den Markt japanischer Staatsanleihen, die Liquidität ist bereits weitgehend ausgetrocknet durch die schiere Größe des Wals. Faktisch ist das ein Eingeständnis Kurodas, dass die bisherige QE-Politik gescheitert ist. Was für ein Kontrast zu den selbstsicheren Aussagen Kurodas aus dem Jahr 2013. Nun also muß es die Kombination zwischen QE und Zinspolitik richten – und da QE ausgereizt ist, ist der letzte Strohhalm eben die Absenkung der Zinsen in den noch negativeren Bereich.

Wie stark Kuroda bereits angeschlagen ist, wurde heute Nacht aus der Reaktion seines Sitznachbarn deutlich. Es war der Bank of Japan Governor Kikuo Iwata. Vor drei Jahren hatte Iwata die Geldpolitik Kurodas noch vorbehaltlos unterstützt. Nun aber sagte er heute vor dem Parlament, dass ein Notenbanker verantwortlich sei für seine Handlungen – und wenn Notenbanker mit ihren Handlungen ihre Ziele nicht erreichten, dann sollten sie zurück treten. Bums – das war eine offene Rücktrittsforderung, für Kuroda ein kaum zu verkraftender Gesichtsverlust.

Kuroda hat mit seiner Politik die monetäre Basis in nur drei Jahren verdoppelt – die Inflation ist dennoch praktisch nicht gestiegen. Seit Mai 2015 liegt die Inflation bei Null, trotz der Ausweitung des ohnehin schon extremen QE. Ein Armutszeugnis sondergleichen, gleichsam eine Bankrotterklärung. Kuroda ist nun nach den Aussagen Iwatas angeschossen – da wird auch sein Bekenntnis kaum weiter helfen, wonach eben QE alleine nicht ausreiche, um die Inflation nach oben zu bringen.

Sollte Kuroda zum Rücktritt gezwungen werden, dürfte der Yen einen weiteren „Aufwärtscrash“ erleben – für die Aktienmärkte, auch für den Dax, wäre das eine Katastrophe, da viele Investoren sich billige Yen geliehen haben, um etwa europäische Aktien zu kaufen. Mit einer weiteren Aufwertung des Yen aber stiege faktisch ihre Verschuldung, sie wären durch Margin Calls gezwungen, Aktien-Positionen abzustoßen – noch mehr, als bislang ohnehin geschehen seit der Aufwärtsbewegung des Yen!

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Gerd

    23. Februar 2016 12:57 at 12:57

    „….der Yen einen weiteren „Aufwärtscrash“ erleben – für die Aktienmärkte, auch für den Dax, wäre das
    eine K a t a s t r o p h e , d a viele Investoren sich billige Yen geliehen haben, um etwa europäische A k t i e n zu kaufen. Mit einer weiteren Aufwertung des Yen aber stiege faktisch ihre Verschuldung, sie wären durch Margin Calls gezwungen, Aktien-Positionen abzustoßen“

    Woher man das immer so wissen will? Tse,tse,tse.

    Vielleicht haben sie ja viel mehr oder gleichermaßen europäische Anleihen damit gekauft, insbesondere deutsche. Und dann wären sie „gezwungen“, fette Gewinne bei Bundesanleihen zu realisieren. Und evtl. sind sie dann sogar geneigt, zumindest einen Betrag in Höhe des Anleihe-Gewinns am d e u t s c h e n Aktienmarkt zu investieren. Weil ja der nach oben gecrashte Yen einem der beiden Konkurrenten auf dem Weltmarkt durch die Verschiebung der Wechselkursrelationen enorme Exportvorteile verschafft.

    Mal raten, wäre der Vorteil bei einer zunehmenden Yen-Stärke bei Deutschland oder bei Japan?

    Schöne Grüße
    Gerd

  2. Avatar

    Schoeller

    23. Februar 2016 13:16 at 13:16

    exzellenter Beitrag, danke!

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – „Ob gut oder schlecht – Sell the News!“

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Auch wenn es wie bei Microsoft gute Zahlen gab – der Markt ist derzeit negativ eingestellt.

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Boeing-Quartalszahlen: Desaster, aber der Verlust ist kleiner als erwartet

Claudio Kummerfeld

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Die Boeing-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Boeing ist als Industrieunternehmen mit seiner gigantischen Zuliefererkette derart wichtig für die US-Volkswirtschaft, dass man mit starken Absatzrückgängen sogar das US-BIP in spürbare Bewegung bringen kann. Aber nun zu den wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 14,14 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,98/erwartet für heute 14,5). Laut Boeing sinken die Umsätze bei den zivilen Maschinen wegen der 737-Probleme, was teilweise durch höhere Umsätze in der Militärsparte ausgeglichen werde. Der Ergebnis liegt bei -1,39Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 1,45/erwartet für heute -2,32).

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Gegenüber Airbus ist Boeing doppelt hart getroffen. Nicht nur Corona trifft die Geschäfte des Flugzeugbauers, sondern immer noch das 737 Max-Desaster mit den zwei Abstürzen.

Der operative Cash Flow liegt bei -4,8 Milliarden Dollar.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +1,0 Prozent – wohl weil der Verlust nicht so schlimm ausfiel wie erwartet.

Boeing betont, dass man noch in den Büchern noch Aufträge habe für 4.300 kommerzielle Flugzeuge im Volumen von 393 Milliarden Dollar.

Boeing soll Ende 2021 noch 130.000 Mitarbeiter haben, wo es Anfang 2020 noch 160.000 waren.

CEO-Statement:

“The global pandemic continued to add pressure to our business this quarter, and we’re aligning to this new reality by closely managing our liquidity and transforming our enterprise to be sharper, more resilient and more sustainable for the long term,” said Boeing President and Chief Executive Officer Dave Calhoun. “Our diverse portfolio, including our government services, defense and space programs, continues to provide some stability for us as we adapt and rebuild for the other side of the pandemic. We remain focused on the health and safety of our employees and their communities. I’m proud of the dedication and commitment our teams have demonstrated as they continued to deliver for our customers in this challenging environment. Despite the near-term headwinds, we remain confident in our long term future and are focused on sustaining critical investments in our business and the meaningful actions we are taking to strengthen our safety culture, improve transparency and rebuild trust.”

Grafik zeigt Detaildaten zu den aktuellen Quartalszahlen von Boeing

Hauptwerk nahe Seattle - Boeing-Quartalszahlen veröffentlicht
Das Boeing-Hauptwerk nördlich von Seattle. Foto: Jeremy Elson CC BY-SA 3.0

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So sichern Sie in unruhigen Marktphasen Ihr Depot ab – Werbung

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Lieber Börsianer,

es ist wieder soweit. Deutschland fährt erneut runter und geht in einen moderaten Lockdown. Voraussichtlich noch im Verlauf des Tages werden Bund und Länder entsprechende Maßnahmen beschließen. In der Diskussion sind unter anderem: Verbot von Verwandtenbesuchen, Aufenthalt in der Öffentlichkeit mit maximal einer Person eines anderen Haushaltes, die Gastronomie soll wieder komplett heruntergefahren werden, touristische Übernachtungen im Inland sollen jetzt auch ausbleiben.

Zwischen den Zeilen lese ich heraus, dass die Maßnahmen bis weit in die Adventszeit aufrecht erhalten werden sollen. Die Politik konzentriert sich offenbar auf das Weihnachtsfest. Am Weihnachtsbaum sollen wir also wieder Verwandte treffen dürfen und dabei möglicherweise auch wieder ein Restaurant besuchen dürfen. Es überrascht also nicht, dass der DAX bereits seit Tagen butterweich ist. Zuletzt sackte der deutsche Leitindex mit großer Dynamik unter die Marke von 12.000 Punkten ab. Noch hält sich der US-Markt wacker und hat noch kein Verkaufssignal generiert.

Es gibt folglich zwei Optionen. Die optimistische Variante: Der US-Markt wird die europäischen Börsen stützen, sodass die Korrektur bei DAX und Co. rasch auslaufen wird. Die pessimistische Variante: Die US-Märkte kippen nächstens „hinterher“ und leiten damit eine globale Korrekturphase ein.

Vor diesem Hintergrund fragen sich jetzt natürlich viele Investoren, wie kann ich mein Depot einmal absichern, wie kann ich meine schönen Gewinne der vergangenen Monate und Jahre kurzfristig festmachen.

Es gibt hier zwei anerkannte Methoden: So können Sie nun die Aktienpositionen Ihres Depots einfach vollständig oder weitgehend abverkaufen. Diese Lösung ist einfach, hat aber in der Praxis ihre Tücken. Zunächst kann diese Maßnahme vor allem bei etwas größeren Depots durchaus zeitaufwändig sein. Außerdem produzieren Sie dadurch für Ihr Depot eine gewisse Spesenbelastung, die sich am Ende, wenn Sie die Titel wieder zurückkaufen, quasi verdoppelt.

Außerdem dürfen wir getrost davon ausgehen, dass uns der Wiedereinstieg in der Praxis kaum optimal gelingen wird. Denn wenn dann die Börse plötzlich dreht, sind wir eben erst einmal nicht dabei. Und oftmals sind die Kursgewinne der ersten Erholungsphase, die auf eine Korrektur folgen, besonders großzügig. So zeigen alle Studien, dass man mit einem Totalverkauf langfristig Rendite verliert, selbst wenn Aus- und Wiedereinstieg halbwegs gut bewerkstelligt werden.

Machen Sie keine halben Sachen, sondern sichern Sie proaktiv ab

Sinnvoller ist in unruhigen Marktphasen die sog. aktive Absicherung. Bei diesem Verfahren halten Sie im Wesentlichen an Ihren bestehenden Aktienpositionen fest, stellen allerdings vorübergehend sog. Shorts oder Puts gegen diese Aktienpositionen.

Wie funktioniert die proaktive Absicherung in der Praxis? Die Deutsche Börse berechnet nicht nur den DAX, sondern auch den sog. Short-DAX. Dieser Index verhält sich exakt spiegelverkehrt oder invers zum „echten“ DAX. Zu Deutsch: Wenn der DAX an einem Tag um 1 % fällt, dann steigt der Short-DAX exakt um 1 %. Wenn Sie also DAX-Aktien im…..

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