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Die Bundesbank über die Bankenkrise – aktuell und grundsätzlich…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Deutsche Bundesbank springt heute den deutschen Banken und damit natürlich zu aller erst der Deutschen Bank mächtig zur Seite. Aber auch grundsätzlich weist man in einem ausführlichen Vortrag auf die „Fortschritte bei der Bankenregulierung“ hin. Kommt exakt zur richtigen Zeit…

Dr. Andreas Dombret Bundesbank Banken Deutschland
Dr. Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank: Foto: Deutsche Bundesbank

Bundesbank-Vorstand Dr. Andreas Dombret, zuständig für die Bankenaufsicht, springt heute gegenüber der BILD den deutschen Banken zur Seite. Die Kapitalsituation der deutschen Banken habe sich in den vergangenen Jahren stark verbessert, und die aktuelle Lage sei nicht im Geringsten mit der Lehman-Krise 2008 vergleichbar. Deshalb sei er heute deutlich entspannter, so Dombret.

Diese Sätzen sollen gerade heute natürlich eines bewirken: Es geht ausschließlich um die aktuellen Ängste rund um die Deutsche Bank. Offenkundig möchte man den Markt beruhigen. Wenn die Bundesbank das sagt, wird´s schon stimmen, so werden es sich viele sagen. Und was hinzukommt: Durch diese gewichtige Aussage werden viele Shorties kalte Füße bekommen und ihre Positionen glattstellen, wodurch wieder Kaufdruck bei der Deutsche Bank-Aktie entsteht.

Aber auch zur grundsätzlichen Lage des deutschen Bankensektors nach der Finanzkrise 2008 hat Dombret einiges zu sagen. In einer Rede vor der IHK Regensburg nahm er z.B. erfrischend offen Bezug auf das nach seinen eigenen Worten stattfindende „Herdenverhalten von Banken“, durch das Risiken für das Finanzsystem entstehen können. Zitat:

„Wir haben gelernt, dass Institute so groß sein können, dass man sie eigentlich nicht vom Markt nehmen kann – ein Problem, das unter dem Schlagwort „too big to fail“ diskutiert wird. Auch ist uns bewusst, dass aus dem Ruder gelaufene Bonussysteme von Geldhäusern destabilisierende Wirkungen entfalten können, wenn sie zu sehr auf kurzfristige Profite abstellen und langfristige Risiken außer Acht lassen. Und wir wissen nun, dass aus der hohen Vernetzung der Banken untereinander und aus Phänomenen wie dem Herdenverhalten sehr wohl Risiken für das Finanzsystem entstehen können, obwohl jede einzelne Bank für sich genommen stabil ist. Umfassende Reformen waren und sind also noch immer nötig, um ein sichereres Finanzsystem zu schaffen, das zuverlässig seinen eigentlichen Zweck für die Realwirtschaft erfüllt.“

Dombredt beruft sich wie alle Regulierer der alten Schule aktuell in erster Linie auf die neuen Eigenkapitalvorschriften, durch die der Bankensektor jetzt weitaus solider dastehe als zuvor. Zitat:

„In diesem Rahmenwerk wurden in erster Linie die Anforderungen an das Eigenkapital der Kreditinstitute überarbeitet. Eigenkapital ist ganz entscheidend für die Stabilität der Banken, denn es ist deren wichtigster Puffer, um Verluste aufzufangen. Nach den neuen Regeln müssen Banken nicht nur mehr Eigenkapital halten, es muss auch höherwertiger sein. So sind die Institute seit vergangenem Jahr verpflichtet, 4,5 % ihrer risikogewichteten Aktiva mit hartem Eigenkapital zu hinterlegen; am 1. Januar dieses Jahres kamen noch weitere 0,625 % für den Kapitalerhaltungspuffer hinzu, der bis 2019 auf insgesamt 2,5 % steigen wird. Ab 2019, wenn alle Instrumente in voller Höhe eingesetzt werden können, müssen die Banken und Sparkassen somit mindestens 7 % der risikogewichteten Aktiva mit hartem Eigenkapital hinterlegen. Gegenüber den 2 %, die bis Ende 2013 galten, ist das eine deutliche Steigerung. Und auch die weiteren neuen Kapitalinstrumente – zum Beispiel der antizyklische Kapitalpuffer und die zusätzlichen Puffer für die großen Institute – müssen mit Kernkapital hinterlegt werden.“

Faktisch mag das richtig sein – nur was ist, wenn ein wirklich ernsthafter Fall namens „Lehman 2.0“ eintritt? Wir meinen: Da nützt auch keine minimal erhöhte Eigenkapitalanforderung. Das grundlegende Problem ist, dass Banken wie die Deutsche die Kontoeinlagen von Kleinsparern, Vermögenden und Firmenkunden als solide Ausgangsbasis verwenden für Derivategeschäfte etc, aus denen dann wiederum möglichst hohe Profite für die Bank erzielt werden sollen. Solange das „Investmentbanking“ mit der Kernbank in einem Topf verschmolzen ist, sind die systemischen Risiken bei einer schweren Krise nicht zu handhaben. Das gilt nicht nur für die Deutsche Bank, sondern für alle Großbanken die als „Allround-Bank“ tätig sind. Effektiv geschützt wäre man bei einem Trennbanken-System. Die Investmentbank ist komplett eigenständig. Geht sie pleite, ist das nicht systemrelevant für die Realwirtschaft, weil sie ja keine Spareinlagen etc verwaltet.

Dombredt sieht den Weg in Richtung europäische Kapitalmarktunion, und er wünscht sich mehr Eigenkapitalbeschaffung über die Börse bzw. bei Fremdkapitalbeschaffung verstärkt den Weg über Anleihen als über die Hausbank.

„Wie kann nun die Zukunft für das Verhältnis von Banken und Unternehmen aussehen? Sie kennen vielleicht den derzeit viel diskutierten Begriff der „Kapitalmarktunion“, deren Ziel es ist, die Finanzmärkte Europas stärker zu integrieren – nicht nur mit Blick auf Fremd-, sondern auch auf Eigenkapitalmärkte. Ich gehe davon aus, dass sich im Zuge dessen auch die Struktur des europäischen Finanzsystems weiter verändern wird. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass sich in den vergangenen Jahren schon viel bewegt hat: Im Jahr 1999 machte der Bankkredit noch 22 % der Passivseite deutscher Unternehmen aus; im dritten Quartal 2015 sank dieser Anteil auf nur noch gut 14 % – und dies trotz der guten konjunkturellen Situation in Deutschland. Unternehmen haben sich nach den Erfahrungen der Finanzkrise, als einige Banken ihr Kreditangebot drastisch zurückgefahren haben, auf die Suche nach Alternativen zum klassischen Bankkredit gemacht und sich dort, wo möglich, zunehmend in Richtung des Kapitalmarktes orientiert. Dennoch ist das Ausmaß der Kapitalmarktfinanzierung in Deutschland immer noch gering – vor allem im Vergleich zu den USA oder Großbritannien.

Ich bin dennoch zuversichtlich, dass das Miteinander der Banken und der Unternehmen auch künftig von großer Bedeutung sein wird. Insbesondere für den Mittelstand spielt das Verhältnis zur Hausbank nach wie vor eine wichtige Rolle – nicht zuletzt, weil Vertrauen auf Erfahrungen basiert. Eine Hausbank besitzt damit gegenüber einem anderen Investor einen Informationsvorsprung, der den Unternehmen sehr wohl zugute kommt.

Neben der marktbasierten Finanzierung treten an die Stelle des klassischen Bankkredits aber auch zunehmend andere Kreditgeber wie etwa Versicherungen, sonstige Finanzinstitute oder Handelskredite von anderen Unternehmen. Auch hat die Finanzierung aus Eigenmitteln zugenommen, vor allem bei den Mittelständlern. Kurzum: Die Finanzierung der deutschen Unternehmen wird bunter.

Hier könnte man nun befürchten, dass sich diese Entwicklung negativ auf die Erträge der Banken auswirkt. An diesem Punkt will ich jedoch etwas relativieren. Eine Diversifizierung von Finanzierungsquellen kann durchaus zur Stabilität und zur Effizienz des Finanzsystems beitragen – und das nützt letztlich auch den Banken. Gerade in Deutschland, aber auch in Europa, haben wir in dieser Hinsicht im Vergleich zum angelsächsischen Bereich noch sehr viel Potenzial. Deswegen sehe ich die gestiegene Bedeutung von Anleihen, Verbriefungen und Schuldscheinen auch im Mittelstandssektor durchaus positiv. Allerdings ist es gerade in so einem jungen Marktsegment besonders wichtig, auf die Qualität der Instrumente zu achten. So ist auch die Mittelstandsanleihe kein wirklicher Ausweg aus den Finanzierungsproblemen schwacher Unternehmen, sondern vielmehr ein geeignetes Instrument für größere und bonitätsstarke Mittelständler.“

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Rüdiger Born: Was der Markt bei Gold noch benötigt für einen Long-Einstieg

Rüdiger Born

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Der heutige Anstieg bei Gold (hier der jüngste Bericht auf FMW dazu) ist für mich der erste Hinweis, dass für einen Long-Einstieg etwas möglich sein könnte. Jetzt fehlt noch ein Trigger. Das Szenario hierfür bespreche ich im folgenden Video.

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Coronakrise vorbei? So stark verlieren die „kleinen“ Leute in den USA

Claudio Kummerfeld

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Verrammelte Einzelhandelsgeschäfte

Ist die Coronakrise überstanden? Die ersten Corona-Impfungen könnten schon in den nächsten Tagen erfolgen. Und außerdem, der Dow Jones steht bei 30.000 Punkten, während er vor Ausbruch der Coronakrise noch bei 29.300 Punkten im Januar lag. Auch der S&P 500 Index und vor allem der Nasdaq notieren deutlich höher als im Januar. Klarer kann die Börse doch nicht signalisieren, dass die Krise überwunden ist. Richtig? Nun ja. Schauen wir uns mal folgende Charts an. Sie sind Teil einer Datenbank, welche unter anderem von der Harvard University betrieben wird.

Geringverdiener in den USA verlieren in der Coronakrise brutal, Besserverdiener legen sogar zu

Anhand unzähliger Daten werden möglichst aktuell ökonomische Verläufe in den USA angezeigt, aus denen man den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung aus der Coronakrise in diesem Jahr erkennen kann. Da wäre zum einen folgende Grafik interessant, wenn es um die Beschäftigung geht. Sie zeigt die Beschäftigungsquoten in den USA von Januar bis Ende September. Für die Besserverdiener mit mehr als 60.000 Dollar Jahresgehalt ist die Beschäftigungsquote seitdem sogar um 0,2 Prozent gestiegen. Man darf vermuten: Jede Menge neue Jobs für Webseitenprogrammierer, Cloud-Experten uvm. Alles was eben in der Coronakrise vermehrt gefragt ist. Die Beschäftigung in der Mittelschicht (27.000-60.000 Dollar) hat um 4,7 Prozent abgenommen.

Und jetzt kommt´s. Die Geringverdiener mit weniger als 27.000 Dollar Jahresgehalt hat eine um 19,2 Prozent sinkende Beschäftigungsquote in den USA. Es ist klar. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es für eine große Masse gering- oder gar nicht qualifizierter Menschen (bisher) massenweise Jobs in der Gastronomie oder im Entertainment-Bereich (Restaurants, Bars, Freizeitparks etc). Und gerade diese Bereiche leiden under Lockdowns in der Coronakrise (siehe jüngst Walt Disney mit zehntausenden Entlassungen in Freizeitparks). Die kleinen Leute verlieren in der Coronakrise massiv, die gut Qualifizierten sind unterm Strich die Gewinner. Die drei Linien zeigen die Verläufe der jeweiligen Beschäftigungsquoten seit Januar.

Chart zeigt Beschäftigungsquoten in den USA

Fast 30 Prozent der kleinen Geschäfte seit Januar geschlossen

Die folgende Grafik zeigt zum aktuellsten Stichtag 16. November mit Verlauf über das Jahr hinweg, wie viele kleine Unternehmen im Vergleich zu Januar noch geöffnet sind. Landesweit sind es in den USA derzeit 28,9 Prozent weniger, und die Tendenz ist negativ. Im derzeit zweiten Lockdown gibt es dank der Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten in den letzten Monaten keine neuen Hilfspakete. Kann Joe Biden ab dem 20. Januar als neuer US-Präsident einiges bewegen mit neuen Billionen-Hilfsprogrammen? Kann die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen als neue Finanzministerin womöglich bei den Republikanern im US-Kongress etwas herausschlagen für neue Hilfsprogramme? Die sogenannte Unterschicht und kleine Geschäftsinhaber drohen völlig abzustürzen und auch nach der Coronakrise zu den großen Verlierern zu gehören. Langfristig dürfte die Massenarmut in den USA wohl massiv zunehmen.

Chart zeigt Verlauf der geöffneten kleinen Geschäfte in den USA

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Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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