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Die Deutsche Bank hat nichts gelernt

Redaktion

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FMW-Redaktion

Jetzt ist es auch offiziell verkündet. Bis Ende 2017 will die Deutsche Bank 220 Filialen schließen, somit sollen am Ende noch 500 übrig bleiben. 4.000 Stellen sollen wegfallen, davon die meisten in Deutschland – das verkündete der zuständige Deutsche Bank-Vorstand Christian Sewing gegenüber der „Zeit“. Und jetzt kommt das wirklich Interessante: Laut Sewing soll die Beratung der Kunden dennoch verbessert werden. 150 neue Berater sollen eingestellt werden. Man rechne mal dagegen. Wie viele Berater hat so eine Filiale? Gut 5 Berater im Schnitt vielleicht? Da fallen also ganz grob geschätzt 1.000 Berater weg, dafür werden 150 neue Berater eingestellt, für das Firmenkundengeschäft.

Die Kunden, die bei der Deutschen Bank bleiben auch nach der Schließung ihrer Stammfiliale, müssen dann deutlich längere Wege zur nächstgelegenen Filiale in Kauf nehmen, wo sie mit deutlich mehr Kunden pro Filiale sozusagen in einen Wettbewerb treten: Wie komme ich schnellstmöglich an einen Beratungstermin? Wird es ähnlich laufen wie bei Arztterminen? Man kann es noch so nett und blumig formulieren – der gesunde Menschenverstand sagt ganz klar, dass Beratung und Service nicht besser werden können, wenn von 520 Filialen (bundesweit!) 220 wegfallen. Kundenschwund ist fast schon vorprogrammiert. Aber egal, Privatkundengeschäft ist ja eh wenig sexy, oder?

Wie die Beratung der Kunden laut Sewing dennoch verbessert werden soll? Neue Beratungskonzepte sollen her mit „Zugangsmöglichkeiten rund um die Uhr“, z.B. per Telefon, Videoschaltung und Onlinechat. Da freut sich der Kunde ganz bestimmt! Auch die Volksbanken haben ja gerade erst ihren ersten großen Schritt in eine ähnliche Richtung gemacht mit der Einführung einer Webseiten-Onlineberatung für Fonds, wo nur eine Software die „Beratung“ übernimmt.

Sewing sagte auch wenn ihm Stellenabbau nicht mehr wehtue, dann wäre er kein guter Mensch. Er habe etwa Kontakt zu Mitarbeitern, die Angst um ihre Jobs hätten. „Das geht mir nahe“. Abgesehen davon, dass 4.000 Menschen ihren Job verlieren, stellt sich sachlich und unternehmensbezogen die Frage, welchen Sinn gerade diese brutale Kürzung bei den Filialen machen soll. Kundeneinlagen sind die Kernbasis jedes Bankgeschäfts. Sie bilden das bilanzielle Fundament, die Sparer und Firmenkunden „vor Ort“ bringen für jede Bank das Cash in die Bilanz – nur so können Kredite vergeben und sonstige „große Deals“ durchgeführt werden. Ohne diese Basis läuft nichts. Aber anscheinend glaubt auch John Cryan wie seine glorreichen Vorgänger, dass diese Basis nur ein nerviger Kostenfaktor ist.

John Cryan sagte jüngst auch, um es mal so zusammenzufassen, dass die Deutsche Bank sich auch in Zukunft auf das internationale Geschäft konzentrieren wolle. Investmentbanking scheint auch für ihn das Hauptaugenmerk zu sein. Die Deutsche Bank scheint nichts gelernt zu haben. Denn woher kommen all die Probleme der letzten Jahre, etwas aus dem trockenen langweiligen Filialgeschäft? Nein. Es gewisser Deutsche Bank-Vorstand handelte der Bank z.B. enormen Ärger und einen großen Imageschaden ein, als er öffentlich über einen seiner Kunden (Leo Kirch) sagte der sei nicht mehr so richtig solvent. Auch der Ex-Vorstand Anshu Jain, „glorreicher“ Investmentbanker aus London, hat kaum mehr als Probleme produziert. Die Investmentbanker verursachten LIBOR-Skandale, wurden in den USA in teure Rechtsstreitigkeiten wg. dubioser Immobilienverbriefungen verstrickt. Aktuell gibt es Probleme in Russland und und und. Alles letztlich Probleme aus internationalen und angeblich so wichtigen „Investmentbanking“-Geschäften.

Langfristig darf man bei dieser Bank die Frage stellen, ob das ganze Investmentbanking nicht ein einziges großes Problem ist und eigentlich abgeschafft oder zumindest auf ein Minimum runtergeschrumpft werden sollte. Der deutsche Unternehmer als Kunde der Deutschen Bank braucht nur einen Abwickler für Devisengeschäfte und Absicherungen, vielleicht mal einen Abwickler für eine Anleiheemission usw. Einen großen Investmentbanking-Apparat, welcher Industriekunde braucht den schon wirklich? Es soll ja sogar große Konzerne in Deutschland geben, die einfach ihre eigene Bank gründen. Letztlich bleibt es ein Rätsel, warum gerade der Geschäftszweig drastisch geschrumpft werden soll, der gar keine Probleme verursacht. Warum man weiter auf das Pferd setzt, das seit Jahren immer wieder neue Probleme verursacht, ist ein Rätsel. Aber die Herren im Vorstand werden ja schon wissen, was sie tun. Fraglich, ob die Börsianer langfristig von diesem „Konzept“ begeistert sind.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    joah

    17. März 2016 10:53 at 10:53

    Meiner Meinung nach verschlankt man den Privatkundenbereich aus folgenden Gründen:

    – Volumen und Gewinnträchtigkeit viel zu niedrig (eher viel zu aufwändig und träge)
    – Konzentration auf Volumenmärkte
    – Verschlankungen und Einbuße werden eher von Privaten, als von Institutionen akzeptiert
    – Geld bekommen die Banken von den Zentralbanken, nicht von den Privaten – die sollen nur Bürge spielen, egal auf welchem Wege

    Somit erscheint die Prioritätenänderung zumindest rational erklärbar zu sein. Eigentlich sollte man auch gar nicht böse sein, dass die einen dann nicht mehr „beraten“ können, denn eigentlich verkaufen die ja ohnehin nur.

  2. Avatar

    263StGB

    17. März 2016 13:23 at 13:23

    Sie haben völlig Recht. Nichts hat die Deutsche Bank gelernt. Aber wie heißt es doch so treffend: Mal soll nicht die Frösche fragen, wenn man den Sumpf trocken legen will! Der Sumpf an kriminellen Machenschaften dieser Deutschen Bank wird nicht trocken gelegt. In äußerster Not packt die Bank einen Batzen Geld drauf, damit es nicht mehr so stinkt und wenn der Gestank trotzdem stört, der möge eben gehen, man sei schließlich die Deutsche Bank.
    Tatsächlich sind die verbalen Absonderungen einiger Vorstandsmitglieder in letzter Zeit mehr als peinlich. Sewing, der ein „guter Mensch“ sein daran knüpft, ob ihn die bevorstehenden Kündigungen nahe gehen oder nicht. Albernes und durchschaubares PR-Gelabere. Oder Cryan, der jammert, dass die Deutsche Bank nicht wisse, wohin mit ihren 220 Mrd. Euro an cash. na wie wäre es denn den systematischen Prozessbetrug in hunderten Zivilverfahren endlich aufzuklären und vorallem abzustellen (Quelle: http://263stgb.com)
    Ins Bild passen auch ein paar personelle Veränderungen: Kürzlich erst ging Thomas Poppensieker. Er war erst vor gut zwei Jahren zur Deutschen Bank gewechselt, als Sonderbeauftragter für den „Kulturwandel“. Das dieser Mann dort wohl verzweifelt ist, muss keine Spekulation sein. Oder Nadine Faruque, die sympatische Schweizerin und zuletzt Generalbeauftragte für Compliance bei der Deutschen Bank. Compliance? Regeltreues Verhalten bei der Deutschen Bank? Für sie muss es ein Kampf gegen Windmühlen gewesen sein.
    Diese Deutsche Bank braucht eine staatliche Aufsicht in ihren Türmen. Aber jemanden mit Zähnen und Rückhalt um die ganzen noch immer vor sich hingärenden Schweinerein endgültig aus dem Weg zu räumen. Die BaFin kann dies trotz Frau Menke nicht mehr leisten.

  3. Avatar

    Steven

    18. März 2016 13:00 at 13:00

    Cryan, cain und co…
    Alles Uboote der angelsächsischen Finanzmafia . ist doch offensichtlich !

    Siehe auch DT Börse .

    Man könnte den Bogen auch weiter spannen .
    >>wenn die Deutschen unsere Industrie kaufen (Rover , Rolls Royce , Bentley ) , dann kaufen wir ihre Finanzindustrie .

    Achtung Verschwörungstheorie !

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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