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Die Draghi-Gegenrede zu Inflation und Konsum (+ Hinweis zu Bankhilfen)

Mario Draghi hat kurz vor 15 Uhr seine Rede zur aktuellen Zinsentscheidung gehalten, und dazu auch seine aktuelle Sicht der Dinge erläutert. Dazu gehören stets Beschreibungen zum Ist-Zustand und zu den…

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FMW-Redaktion

Mario Draghi hat kurz vor 15 Uhr seine Rede zur aktuellen Zinsentscheidung gehalten, und dazu auch seine aktuelle Sicht der Dinge erläutert. Dazu gehören stets Beschreibungen zum Ist-Zustand und zu den Zukunftsaussichten. Da sind uns in seinen Äußerungen zwei interessante Aspekte aufgefallen.

Punkt 1 Inflation. Hierzu erst einmal das Originalzitat von Draghi:

„According to Eurostat, euro area annual HICP inflation in June 2016 was 0.1%, up from -0.1% in May, mainly reflecting higher energy and services price inflation. Looking ahead, on the basis of current futures prices for oil, inflation rates are likely to remain very low in the next few months before starting to pick up later in 2016, in large part owing to base effects in the annual rate of change of energy prices.“

Die Aussagen vor allem im zweiten Satz sind eindeutig. Bei der Veränderung in der Inflationsrate, auch wie sie sich in den nächsten Monaten entwickeln wird, spielt der Ölpreis die entscheidende Rolle. Da stellt sich für uns die Frage: Herr Draghi, warum dann all diese Maßnahmen wie Geldschwemme + Negativzinsen? Wir haben diese Frage untermauert mit diversen Fakten in den letzten Monaten schon oft gestellt. Aber heute spricht Draghi offen diesen Widerspruch an, wohl ohne es selbst zu merken. Wenn die Inflation drastisch sinkt hauptsächlich durch den sinkenden Ölpreis, und dann (wie die EZB hier schreibt) nur ansteigt, weil der Ölpreis auch vermeintlich anzieht, wozu brauchte es dann all die Anleiheaufkäufe und Minuszinsen? Wer kann uns das beantworten? Purer Aktionismus, so könnte man die EZB-Maßnahmen nennen!

Punkt 2 Konsum. Hierzu erst einmal das Originalzitat von Draghi:

„Domestic demand remains supported by the pass-through of our monetary policy measures to the real economy. Favourable financing conditions and improvements in corporate profitability continue to promote a recovery in investment. Sustained employment gains, which are also benefiting from past structural reforms, and still relatively low oil prices provide additional support for households’ real disposable income and thus for private consumption.“

Sinngemäß übersetzt soll das wohl heißen: Mit dem Konsum geht es aufwärts, u.a. auch wegen der EZB-Maßnahmen. Nehmen wir mal an die EZB-Maßnahmen pushen den Konsum wirklich nach oben: Die knallharten Fakten der EU-eigenen Statistikbehörde Eurostat zeigen ganz klar (was wir auch mehrfach aufgezeigt haben): Das Einzelhandelsvolumen steigt gut an, aber nicht die Preise! Und der EZB geht es ja nicht um die Konsummenge, sondern um höhere Preise! Die Inflation, die die EZB ja durch ihre Maßnahmen auf knapp 2% hochpushen will, entsteht ja nicht durch mehr Konsum, sondern durch höhere Preise, und genau die stagnieren nach wie vor bei um die 0%. Also was nützt der EZB eine größere Konsummenge? Nichts. Dazu hier nochmal der aktuellste Inflations-Chart der EZB. Aktuell sensationelle +0,1% bei den Verbraucherpreisen.

By the way… die europäischen Bankaktien steigen derzeit leicht an, weil Mario Draghi vorhin auch sagte die öffentliche Unterstützung der Banken (also Steuergeld) sei eine Maßnahme, die sehr sinnvoll sein könnte. Das müsste mit der EU-Kommission natürlich unter Beachtung der gültigen Regeln besprochen werden, so Draghi. Also: Ein weiteres Drängen auf einen in der Außenwirkung erträglichen Kompromiss, der den italienischen Banken schnell frisches Eigenkapital bringt?

EZB Inflation

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    jumpin

    21. Juli 2016 16:48 at 16:48

    Hmmm…. der Konsum ist schon sehr wichtig für die Verbraucherpreise. Das Spiel Angebot und Nachfrage. Würden z. B. die Deutschen aus Angst vor Deflation und Jobverlust nicht so viel konsumieren, dann würden die Preise erst recht drastisch sinken. Also – ich denke – daß die Maßnahmen EZB etwas Milderndes hat. Wunder darf man sich nicht erwarten. Siehe auch das Beispiel der USA !!

  2. Avatar

    Alejandro

    21. Juli 2016 17:28 at 17:28

    Also grundsätzlich glaube ich nicht, dass der Normalbürger „Angst“ vor Deflation hat. Der freut sich doch, wenn Sprit und Fernseher billiger werden. Bei den Jobperspektiven sehe ich da schon eher den Handlungsbedarf… Jedoch sind es strukturelle Probleme, die durch lockere Geldpolitik nicht gelöst werden können… Die Notenbanker haben sich leider in die Lehre und große Liebe verrannt, die Ihnen in Ihren VWL/BWL Studiengängen eingeimpft wurden. Billiges Geld und auf Schulden aufgebautes Wirtschaftswachstum…
    Problem ist auch, dass die Notenbanken diesen Weg schon viel zu weit gegangen sind um noch umkehren zu können. Glaubwürdigkeitsverlust und so… Aber den bekommen Sie sowieso, wenn das Kartenhaus demnächst auch trotz billigen Geldes einstürzt. Die Frage wird nur noch sein, welches Gesicht diese nächste Weltfinanz-/Wirtschaftskrise tragen wird… Mario Draghi, Janet Yellen oder David Cameron…

  3. Avatar

    bigben

    21. Juli 2016 17:52 at 17:52

    hätte,wenn und aber. wer dem zauberer noch glaubt … !!!

    factum ist und bleibt dollarschwäche, damit das besagte kartenhaus nicht zusammenfällt.

  4. Avatar

    Tomgala

    21. Juli 2016 18:26 at 18:26

    coole Sache…..warum kauft der Mario eigentlich nicht gleich direkt Öl auf, verknappt den Markt, verteuert Benzin und Heizöl und schon sind wir ein Stück weiter mit der Inflation.
    Nebenbei können wir ja auch noch neue Lager bauen. Das freut die Bauindustrie !

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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