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Die Einkommens- und Vermögenslage in Deutschland mit erstaunlichen Ergebnissen

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Bild: Wie steht es um das Einkommen der Deutschen und wie sind Einkommen verteilt? Bildquelle: @ BillionPhotos.com #329658687/ Adobe Stock

In Deutschland wird gern sehnsuchtsvoll zu den Nachbarn geschaut. Italiener leben besser und genießen Dolce Vita, in der Schweiz ist der Anteil von Haushalten mit hohen Vermögen einfach anders. Und in Frankreich wird nicht so lange gearbeitet wie in Deutschland. Dieser Blick nach außen ist allerdings trügerisch. Denn er versperrt den Blick auf die Situation in Deutschland. Stehen die bundesdeutschen Haushalte wirklich so schlecht da, wie viele Verbraucher immer wieder annehmen?

In der Praxis dürfen sich Privathaushalte zwischen Rhein und Oder ruhig mal auf die Schulter klopfen. Es gibt durchaus genug Gründe, die Einkommensentwicklung und den Trend beim Vermögen positiv zu sehen. In den letzten Jahren haben Statistiker in beiden Bereichen positive Trends wahrgenommen. Viele Arbeitnehmer haben höhere Einkommen erreicht. Aber auch das Vermögen der Deutschen ist gestiegen. Bleibt eine Frage zu klären: Inwiefern treffen die Entwicklungen in beiden Bereichen auf alle Bevölkerungsgruppen zu?

Die Einkommenslage in Deutschland: Wie viel verdienen Deutsche?

Wie gut es einem Haushalt geht, kann an ganz unterschiedlichen Parametern gemessen werden. Allein die Einkommenshöhe ist für eine abschließende Bewertung nicht ausreichend. Wichtig ist darüber hinaus, aus welchen Quellen Einkommen bezogen werden – und wieviel davon am Ende übrigbleibt. Trotz vieler Facetten ist und bleibt das Einkommen ein wichtiger Gradmesser dafür, wie die Haushalte in Deutschland finanziell ausgestattet sind.

Anhand von Daten des Statistischen Bundesamts sowie anderer öffentlicher und privater Einrichtungen lässt sich für die Bundesrepublik sehr genau nachvollziehen, wie private Haushalte und Familien bei den Finanzen ausgestattet sind. Beim Analysieren der Zahlen wird eines deutlich: Alte und neue Bundesländer trennt nach wie vor eine erhebliche Einkommenslücke.
Besonders deutlich ist diese Entwicklung aus den Zahlen des Statistischen Bundesamts herauszulesen. 2016 hat ein Durchschnittshaushalt demnach 4.337 Euro an Haushaltsbruttoeinkommen realisiert. Allerdings waren es in den alten Bundesländern mehr als 4.550 Euro, in den neuen Ländern mit rund 3.510 Euro ungefähr 1.000 Euro weniger. Ein Unterschied, der auch nach Abzug von:

– Steuern
– Sozialabgaben
– Kirchensteuer
– Soli-Zuschlag

nicht verschwindet. Es bleibt bei einer durchschnittlichen Differenz von rund 700 Euro. Interessant ist – und hier hilft eine Untersuchung der Bundeszentrale politische Bildung weiter – die Verteilung der Haushalte auf verschiedene Einkommensklassen (netto) und Quellen.

– Knapp ein Drittel der Haushalte verdient zwischen 1.300 Euro bis 2.600 Euro.
– Ein weiteres Drittel verdient zwischen 2.600 Euro bis 5.000 Euro.
– Weniger als ein Sechstel der Haushalte hat mehr als 5.000.
– Über ein Sechstel verdient weniger als 1.300 Euro.

Bei den Einkommensquellen zeigt sich, dass mehr als ein Viertel aller bundesdeutschen Haushalte auf Transferleistungen angewiesen ist. Diese stammen zwar nicht immer ausschließlich aus öffentlichen Quellen. Letztere machen aber den Hauptteil der Transferzahlungen aus. Der Anteil an Erwerbseinkommen lag 2011 (auf diesen Zeitraum stützt sich die Bundeszentrale politische Bildung) bei knapp 63 Prozent.

Die Einkommensschere: Verteilung verschiebt sich mehr und mehr

Nach dem Konjunktureinbruch 2008/2009 hat der Wachstumsmotor in den letzten Jahren den Turbo gezündet. In der Vergangenheit sind die Einkommen deutlich gestiegen. Das DIW hat beispielsweise für den Zeitraum zwischen 1991 bis 2016 eine positive Veränderung von 18 Prozent festgestellt. Damit kann sich Deutschland eigentlich zufriedengeben. Aber: Die Entwicklung verläuft in der Bevölkerung ebenfalls sehr unterschiedlich.

Besonders gut haben sich die Einkommen für Besserverdiener entwickelt. Hier hat das DIW für den Betrachtungszeitraum einen Anstieg von 35 Prozent beobachtet. Auf der anderen Seite entwickelten sich die Einkommen für die unteren beiden Zehntel (Dezile) seitwärts bzw. deutlich negativ. Sprich: Gerade für die unteren zehn Einkommensprozent hat sich die Situation verschlechtert, das Einkommen ist real gesunken.

Sichtbare Einkommenssteigerungen lassen sich eigentlich nur für die obersten fünf Dezile beobachten. Bedeutet unterm Strich, dass insgesamt gestiegenen Löhne nicht mit einer für alle Bevölkerungsschichten positiven Einkommensentwicklung verwechselt werden dürfen. Dabei schien der Trend in den ersten Jahren gegenläufig.

Entwicklung Einkommen 1. Dezil:

– 1991 bis 1999: Erhöhung der Einkommen auf circa 105 Indexpunkte
– ab 1999: Einkommen sinken auf circa 90 Indexpunkte 2016 gegenüber 1991

Dieser Trend hält an und bedeutet für die Zukunft massive Probleme. Soziale Sicherungssysteme stehen dank negativer Einkommenstrends dem Problem der Altersarmut gegenüber, dass in den kommenden Jahren stärker auf die Sozialversicherung und Gesellschaft durchschlagen wird.

Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?


Bild 2: stock.adobe.com © Prod. Numérik #35512098

Prinzipiell ist es schwierig, die Einkommensverhältnisse unterschiedlicher Länder miteinander zu vergleichen. Ein Grund sind die Wechselkurse und Steuerlasten, welche die Einkommenssituation beeinflussen. Aber: Mit dem OECD Better Life Index gibt es eine Messgröße, um das Einkommen zu bewerten.

Deutschland ist in diesem Zusammenhang in der oberen Hälfte zu finden. Für einen Spitzenplatz reicht es am Ende dennoch nicht. Vor der Bundesrepublik liegen im OECD Vergleich unter anderem Länder wie Österreich, Belgien oder Australien. Besonders interessant ist das bereinigte verfügbare Nettoeinkommen der Haushalte. Hier schafft Deutschland einen deutlichen Sprung nach vorn – auf Platz fünf. Spitzenreiter ist in diesem Zusammenhang übrigens die USA, die es auf mehr als 45.000 USD beim bereinigten Nettoeinkommen schaffen. Deutschland liegt auf seinem fünften Platz bei mehr als 34.000 USD.

Auch hier ist das Durchschnittseinkommen am Ende jedoch nur eine Seite der Medaille. Zur Debatte steht, wie das Einkommen verteilt ist. Auch der Spitzenreiter USA hat seit Jahren Probleme damit, dass die Einkommensschere sehr stark auseinandergeht. Die Folge: Gerade die Bevölkerungseile mit dem geringsten Einkommen haben es immer schwerer, ihre Situation aus eigener Kraft zu verbessern.

Vermögen: Wie reich sind die Deutschen?

Deutschland ist in der Wahrnehmung vieler Außenstehender ein vermögendes Land. Teilweise speist sich diese Sichtweise aus der starken Wirtschaftsleistung der Unternehmen in Deutschland. Laut der Allianz Global Wealth Map ist das Geldvermögen in Deutschland bis zum Jahr 2018 auf ca. 6,2 Billionen Euro angestiegen. Sind die Vermögen genauso unterschiedlich verteilt wie die Einkommen? Eine erste Idee von der Antwort liefert ein simples Gedankenexperiment. Zwei Haushalte legen jeweils zehn Prozent des Einkommens zum Sparen zurück. Haushalt A erzielt 35.000 Euro Einkommen, bei Haushalt B sind es 70.000 Euro.

Während Haushalt A 3.500 Euro sparen kann, sind es für Haushalt B mit 7.000 Euro doppelt so viel. Damit dürfte jedem Beobachter klar sein, dass auch in Deutschland die Vermögenswerte recht unterschiedlich verteilt sind.

Trotzdem ist der Vermögensaufbau ein relevanter Vorsorgeaspekt, da viele Verbraucher sparen, um sich im Alter finanziell absichern zu können. Wieviel Geld haben deutsche Haushalte hier zurückgelegt? Zahlen, die bei der Beantwortung dieser Frage helfen, kommen unter anderen von der Bundesbank. Bei der Auswertung der Daten lassen sich einige sehr interessante Aspekte für Deutschland ablesen. Beim Vermögen verläuft eine deutlich spürbare Trennlinie entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze:
In den alten Bundesländern hat der Medianhaushalt laut Bundesbank ein Vermögen von mehr als 92.000 Euro.

In den neuen Ländern ist das Vermögen der Medianhaushalte mit rund 23.000 Euro sehr viel geringer.

Aber: In der Vermögensverteilung lassen sich nicht nur räumliche Grenzen identifizieren. Die Zahlen der Bundesbank zeigen, dass Haushalte mit Wohneigentum inzwischen ein Nettovermögen von mehr als 277.000 Euro realisieren können. Mieterhaushalte kommen mit 10.000 Euro nur auf einen Bruchteil dieser Summe.

Wenige haben viel: Die Vermögensverteilung


Bild 3: stock.adobe.com © Андрей Яланский #310243191

Angesichts solcher Zahlen scheint naheliegend, dass ähnlich den Einkommen auch bei den Vermögen die Verteilung Deutschland sehr unterschiedlich aussieht. Lässt sich diese Vermutung für die Praxis bestätigen? Die durchschnittliche Vermögensverteilung ist für eine objektive Beurteilung der Lage nicht ausreichend.

Studien zeigen, dass die vermögenden 20 Prozent der deutschen Bevölkerung etwa zwei Drittel des gesamten Vermögens halten. Nach unten nimmt die Vermögensverteilung rapide ab. Die untersten 50 Prozent haben – basierend auf Daten des DIW – gerade einmal 1,4 Prozent des gesamten Nettovermögens. Dies liegt unter anderem daran, dass das 1. Dezil in der Auswertung sogar auf ein Vermögen von minus 1,2 Prozent kommt.

Besonders interessant ist gerade dieser letzte Wert. Er zeigt, dass in diesem 1. Dezil Vermögen eigentlich so gut wie keine Rolle spielt. Wer zu dieser Personengruppe gehört, sieht sich eher Verbindlichkeiten – sprich Kreditschulden – gegenüber. In der DIW-Studie liegt der Schwellenwert für die reichsten 10 Prozent übrigens bei 275.000 Euro. Um zum reichsten Prozent der Deutschen zu gehören, müssen 1 Million Euro als Schwellenwert überwunden werden.

Dass die Schere beim Vermögen immer wieder auseinandergeht, hat verschiedene Gründe. Erklärbar ist dies unter anderem mit:
– der Konjunktur
– den Renditen für Kapitalanlagen
– dem Immobilienmarkt.

Beispiel Immobilien: Der Schwellenwert deckt sich in etwa mit dem Wert des Statistischen Bundesamts für das Nettovermögen von Immobilienbesitzern. In den zurückliegenden Jahren haben besonders niedrige Zinsen für Baugeld zu einem Immobilienboom geführt. Dieser wiederum treibt die Preise in die Höhe. Mit dieser Entwicklung legen die Vermögen der Hausbesitzer zu.

Parallel zeigt der Blick auf das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts (DAI) eine in den letzten Jahren stabile Rendite für Aktienvermögen. Davon profitiert haben entsprechend den Auswertungen des DAI etwa 16 Prozent der deutschen Bevölkerung. Gerade für das obere Dezil aus der DIW-Analyse ist mit einem nennenswerten Anteil von Aktienvermögen zu rechnen.

Der internationale Vergleich: Deutschland nur im Mittelfeld

Im Vergleich mit anderen Ländern erreicht Deutschland einen Platz im Mittelfeld. Dies trifft sowohl auf die Verteilung des Vermögens nach Klassen als auch den sogenannten Gini-Wert zu. Dieser misst die Ungleichverteilung und lag 2016 für Deutschland bei 78,9. Spitzenreiter Russland kam im gleichen Zeitraum auf 92,3 Zähler.

Interessant ist an dieser Stelle übrigens die Verteilung nach Vermögensklassen. Einer Auswertung der Credit Suisse Bank nach lag demnach die Schweiz beim Anteil der Vermögen über einer Million USD weit vorn auf Platz eins – mit mehr als elf Prozent. Deutschland schafft hier gerade noch den Sprung unter die Top 20. Diese Entwicklung hängt auch mit der in Deutschland trotz Immobilienboom immer noch niedrigen Eigentümerquote zusammen.

Wie sieht es mit der Verschuldung aus?


Bild 4: stock.adobe.com © BillionPhotos.com #254534782

Zur Betrachtung der Vermögens- und Einkommenssituation in Deutschland gehört auch der Blick Richtung Schulden. Hier ist die Entwicklung in den letzten Jahren relativ stabil geblieben. So ermittelt der Creditreform SchuldnerAtlas eine Überschuldungsquote von rund zehn Prozent. Dabei lassen sich gerade für das vergangene Jahr 2019 einige positive Trends beobachten, wie ein besseres Abschneiden einiger Regionen oder die Abnahme der harten Überschuldung. Verbindlichkeiten bedeuten aber nicht automatisch, dass sich für Verbraucher eine endlose Schuldenspirale in Gang setzt.

Ein Großteil der Kredite wird zurückgezahlt

Dass Verbindlichkeiten/Schulden und Überschuldung sehr strikt voneinander in der Betrachtung getrennt werden sollten, zeigt der SCHUFA Kredit Kompass. Als eine der bekanntesten Auskunfteien verfügt die SCHUFA über Daten, die mehr als 67 Millionen Verbraucher betreffen. Damit kann sich das Unternehmen ein recht genaues Bild davon machen, wie sich Haushalte in Bezug auf Zahlungsverpflichtungen verhalten.

Das Unternehmen zieht in seinem Kredit Kompass insgesamt ein eher positives Fazit. Die Ausfallrate bei Verbraucherkrediten ist insgesamt klein und umfasst laut Report für 2018 gerade einmal 2,1 Prozent. Heißt im Umkehrschluss: Mehr als 97 Prozent aller vergebenen Darlehen werden von deutschen Verbrauchern ordnungsgemäß getilgt. Und mehr als 90 Prozent der Deutschen, über welche die SCHUFA Daten gespeichert hat, verhalten sich grundsätzlich positiv.

Kurze Zusammenfassung SCHUFA Daten:

– Informationen zu 67,5 Millionen Privatpersonen
– 90,6 Prozent ohne eingetragene Negativmerkmale
– 97,8 Prozent der Kredite ordnungsgemäß bedient

Was tun, wenn es finanziell eng wird?

Es gibt immer wieder Situationen, in denen unvorhergesehene Situationen die Finanzen unter Druck setzen. Typische Momente sind:

– Krankheiten
– Scheidung/Trennung vom Lebenspartner
– Jobverlust.

In solchen Momenten kann es finanziell eng werden – etwa, weil die gemeinsamen Finanzen von Ex-Partnern erst getrennt werden müssen. Die Suche nach einer neuen Wohnung – inklusive Mietkaution und Einrichtung – sorgen für zusätzliche Anspannung in der Haushaltskasse.

Um diese Situation zu meistern, sollten mehrere Register gezogen werden. Wichtig ist beispielsweise der Rotstift. Wo möglich, werden Kosten zusammengestrichen. Besonders gut funktioniert dies in Haushalten, die grundsätzlich ein Auge auf ihre Finanzen haben. Wichtiges Hilfsmittel in dieser Situation ist das Haushaltsbuch. Hier lässt sich sehr schnell erkennen, wo Ausgaben Optimierungspotenzial haben.

Bei Miete oder Strom wird sich nicht ohne Weiteres sparen lassen. Aber das monatliche Abo für den Streaming-Dienst oder eine Gaming-Flatrate lassen sich schnell pausieren. Auf diese Weise können zweistellige Beträge pro Monat gespart werden. Eine weitere Möglichkeit zur finanziellen Entlastung ist die Umschuldung. Gerade, wenn Haushalte in der Vergangenheit viele Verpflichtungen mit jeweils niedriger Summe eingegangen sind, hat deren Bündelung Potenzial für eine Verbesserung.
Hinsichtlich der gespeicherten Daten bei Auskunfteien kann über Kredite nachgedacht werden, die ohne SCHUFA-Prüfung auskommen.
Doch hierbei sollten Interessenten auf wichtige Details achten:

– entsprechende Kredite sind oft teurer als herkömmliche Darlehen
– trotzdem gute Bonität (ausreichendes Einkommen) wichtig
– auch unseriöse Angebote auf dem Markt

Aus diesem Grund sollten sich Kreditnehmer entsprechende Angebote immer erst genau anschauen und auf Plausibilität prüfen.

Reserven und Vermögen aufbauen


Bild 5: stock.adobe.com © Bits and Splits #195221648

Es kommt immer wieder vor, dass schwierige und unvorhergesehene Situationen im Leben auftauchen. Um sicher durch „Untiefen“ zu manövrieren, ist der Aufbau eines finanziellen Polsters sicher die beste Lösung. Vermögensaufbau ist in den letzten Jahren allerdings schwierig geworden.

Gerade im Bereich des Zinssparens macht sich das anhaltende Zinstief – ausgelöst durch die Geldmarktpolitik der EZB – bemerkbar. Anlageformen wie:

– Sparbuch
– Tagesgeldkonto
– Festgeld

werfen kaum noch nennenswert Zinsen ab. Durch die Inflation wird die Mini-Rendite meist aufgezehrt. Unter Druck sind in der Vergangenheit auch Anlageformen wie die Kapitallebensversicherung geraten.

Profitiert haben in den letzten Jahren Anleger, bei denen der Fokus eher auf dem Aktienmarkt liegt. Hier sind fast durchweg Renditen von mindestens fünf Prozent in den letzten zehn Jahren drin gewesen – oft auch mehr.

Wer auf diese Form des Vermögensaufbaus setzt, muss natürlich mit gewissen Risiken leben. Kursverluste durch schlechte Quartalszahlen sind immer möglich. Risikostreuung ist ein Ansatz, um nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Eine weitere Option für den Vermögensaufbau mit Wertpapieren sind Sparpläne, die auf Fonds basieren. Lange haben klassische Investmentfonds an dieser Stelle den Ton angegeben. Seit einigen Jahren interessieren sich viele Anleger aber für sogenannte ETFs. Hierbei handelt es sich um börsengehandelte Fonds – meist Indexfonds. Dabei wird ein Wertpapierindex wie beispielsweise der DAX oder DOW Jones abgebildet.

Das passive Management reduziert die Kosten. Parallel entsteht mit der Durchmischung – basierend auf dem Index – ganz automatisch eine Streuung des Risikos. Im Sparplan kann der Vermögensaufbau bereits mit kleinen Summen Monat für Monat vorangetrieben werden. Wieviel Geld investiert wird, entscheidet jeder Haushalt anhand der finanziellen Situation.

Fazit: Einkommen und Vermögen ungleich verteilt

Deutschland ist ein Land im Herzen Europas, dessen Wirtschaft seit Jahren auf Hochtouren läuft und in dem die Einkommen sowie das Vermögen der Haushalte steigen. Zahlen und Analysen des Statistischen Bundesamts sowie verschiedener Verbände sprechen in diesem Zusammenhang eine deutliche Sprache.

Allerdings darf diese Entwicklung nicht damit verwechselt werden, dass Einkommen und Vermögen sich in allen Bevölkerungsgruppen in gleicher Weise entwickeln. Im Gegenteil: Analysen zeigen deutlich, dass die Verteilung sehr unterschiedlich aussieht. Auch in Deutschland ist der Trend seit Jahren zu erkennen, dass eine kleine Gruppe über umfassende Vermögenswerte verfügt. Zehn Prozent halten mehr als die Hälfte des Vermögens. Leider geht auch beim Einkommen die Schere weiter auseinander.

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Daniel Stelter: Buchauszug über konkrete Lösungsansätze zur Coronakrise

Claudio Kummerfeld

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Typisches Bild in der Coronakrise

Diese Woche hat sich die Bundesregierung dazu entschieden, dass man die betroffenen Betriebe des zweiten Lockdowns im November mit einer Umsatzausfallzahlung unterstützen wird, und nicht mit Krediten. Genau diese jetzt beschlossene Maßnahme hatte der Buchautor und anerkannte Wirtschaftsexperte Daniel Stelter (hier finden Sie seine Webseite) schon vor Monaten im Detail erläutert und vorgeschlagen. An dieser Stelle drucken wir mit freundlicher Genehmigung einen Auszug seines hochinteressanten Buches Coronomics: Nach dem Corona-Schock: Neustart aus der Krise ab, welcher im „Campus Verlag Frankfurt/New York“ erschienen ist. Absolut empfehlenswert, nehmen Sie sich die Zeit!

Künstliches Koma für die Wirtschaft

Es mangelt nicht an Programmen, die Notenbanken und Staaten weltweit ankündigen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie aufzufangen. Dabei kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verantwortlichen die gewaltigen Schäden zwar erahnen und entsprechend großzügig und kämpferisch agieren, zu- gleich aber nicht so richtig wissen, wo sie ansetzen sollen. Einen Vorwurf kann man ihnen daraus nicht machen, ist es doch eine für uns alle neue Situation. Zwar gibt es die Lehren aus der Finanzkrise, doch diese passen nicht. Heute genügt es nicht, die Bilanzen der Banken zu sanieren – durch Kapitalzuschuss, durch Manipulation der Vermögenspreise nach oben und durch Schönen der Bücher. Stattdessen muss man echte Einnahmen ersetzen. Das ist ungleich schwerer zu organisieren und vor allem ungleich teurer.

Die Politik setzt auf Liquiditätshilfen

Die Politik setzt nicht nur in Deutschland auf Liquiditätshilfen. Als ich diese Zeilen schrieb, war Folgendes angekündigt:1

• Ein Hilfspaket von 50 Milliarden Euro für Soloselbstständige und andere Kleinstfirmen. Selbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten erhalten bis zu 9000 Euro, Selbstständige und Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten erhalten bis zu 15000 Euro. Außerdem erhalten Selbstständige leichter Zugang zur Grundsicherung (Hartz IV), wobei die Vermögensprüfung für sechs Monate ausgesetzt wird.
•Anpassung der Kurzarbeiterregelung: Betroffene Unternehmen können Lohnkosten und Sozialabgaben von der Bundesagentur für Arbeit bezahlen lassen. Leiharbeitnehmer sind künftig einge- schlossen und es müssen nur zehn Prozent der Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen sein, damit die Regelungen greifen. Zugleich wird eine Anhebung des Kurzarbeitergeldes diskutiert.
• Unbegrenztes »Milliarden-Schutzschild« für Betriebe und Unternehmen. Über ihre Hausbanken erhalten Unternehmen Zugang zu Krediten und Bürgschaften der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Dazu gründet der Staat einen »Wirtschaftsstabilisierungsfonds«, der 400 Milliarden Euro für Bürgschaften und 100 Milliarden Euro für »Kapitalmaßnahmen«, also direkte staatliche Beteiligungen, umfasst.
•Steuerstundungen auf Antrag, wenn Unternehmen »unmittelbar vom Corona-Virus betroffen sind«. Bis Ende des Jahres 2020 wird auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge verzichtet. Auch die Voraussetzungen, um Vorauszahlungen von Steuerpflichtigen anzupassen, werden »erleichtert«.

Abgesehen von den Direkthilfen für Kleinunternehmen und Selbstständige handelt es sich um Liquiditätshilfen in Form von Krediten und Staatsbeteiligungen. Diese laufen über die Hausbanken der Unternehmen, die die Finanzlage am besten kennen. Die Banken müssen jedoch bei der Vergabe der Kredite, die sie von der KfW durchreichen, darauf achten, dass der Schuldner kreditwürdig ist. Dies auch, weil sie zehn Prozent der Summe aus eigenen Mitteln ausreichen müssen. Die Folge: Es häufen sich die Probleme mit der Kreditvergabe, weil die Sicherheiten und die Ertragskraft der Unternehmen nicht ausreichen. Die Banken forderten deshalb schon Anfang April 2020 eine völlige Freistellung von den Risiken.2 Dies zu Recht, haben wir doch bereits gesehen, dass das europäische Bankensystem – und auch die deutschen Banken – durch Finanzkrise und Nullzinspolitik nachhaltig geschwächt sind.

Doch was bedeutet es, wenn Banken keine Kredite vergeben wollen, obwohl sie nur zehn Prozent des Risikos tragen sollen? Es bedeutet, dass die Banken es für äußerst unwahrscheinlich halten, dass die Unternehmen in der Lage sind, die Kredite zu bedienen. Wenn nun der Staat die Risiken zu 100 Prozent übernimmt, ändert das nichts am eigentlichen Kernproblem der Maßnahmen. Diese laufen darauf hinaus, dass die betroffenen Unternehmen Schulden machen und im Extremfall den Staat als stillen Eigentümer bekommen. Nicht selten dürften die Schulden den Unternehmer überlasten. Und wer hat schon gern den Staat als Eigentümer? Deshalb ist die rationale Entscheidung jedes Unternehmens, diesen Punkt so weit wie möglich zu vermeiden. Dies bedeutet: Kosten senken, so schnell es geht, also Entlassungen und Auftragsstornierungen, was den Abschwung verstärkt. Anders als es die Schlagzeilen zu den großen Beträgen suggerieren mögen, wirkt das Programm nicht, wie es sollte.

Ein Systemwechsel als unvermeidliche Folge?

Hinzu kommt, dass die staatliche Rettung, wenn sie in dieser Form organisiert wird, unsere Wirtschaftsordnung massiv verändert. Wir beschreiten einen Weg zu einer immer stärker staatlich dominierten Wirtschaft, was nur umso wahrscheinlicher wird, je länger die Krise andauert und je tiefer der Einbruch der Wirtschaftstätigkeit ist. Nicht wenige Beobachter sehen darin einen guten Weg, weil es ja nur richtig sei, dass der Staat als Gegenleistung für seine Hilfe einen Anteil an Unternehmen bekommt. Dabei wird gern auf die Finanzkrise Bezug genommen und angemerkt, dass es nur so möglich sei, sicherzustellen, dass wir nicht wieder eine Situation haben, in der wir Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren.

Diese Logik hinkt aber. Während die Unternehmen, die in der Finanzkrise in Schwierigkeiten gerieten, diese selbst zu verantworten hatten, ist es diesmal eine Krise, die alle unschuldig trifft, wenn auch unterschiedlich. Sollte hier nun der Staat zu einem wichtigen Akteur werden, so hat dies erhebliche negative Folgen:3

• Der Staat wird vor allem Großunternehmen helfen, einfach schon aus Effizienzgründen. Dabei ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft der Mittelstand. Diesem muss geholfen werden, und wenn dies über Kredite erfolgt, schwächt das die Unternehmen auf Jahre.
• Wettbewerbsverzerrungen sind ebenfalls zu erwarten. Unternehmen mit Staatsbeteiligung werden einen Vorteil gegenüber jenen haben, die mit eigenen Mitteln versuchen, über die Runden zu kommen. Damit werden diejenigen bestraft, die eigene Mittel in ihren Unternehmen einsetzen. So dürften die Finanzierungskosten der Unternehmen mit Staatsbeteiligung dauerhaft unter jenen der freien Wirtschaft liegen.
•Der Staat muss seine Beteiligungen kontrollieren und managen. Man darf skeptisch sein, ob es gelingt, ausreichend qualifizierte Beamte und Politiker für diese Aufgabe zu finden.
•Aus der Finanzkrise wissen wir – siehe Commerzbank –, dass es Jahrzehnte dauern kann, bis der Staat wieder aussteigt. Es droht ein Postenparadies für Politiker, was weder gut für die Unternehmen ist noch dafür spricht, dass sich der Staat schnell wieder zurückzieht.
• Auch droht der Erhalt von Unternehmen, die ohnehin keine Zukunft haben. Entweder weil sie schon vor der Corona-Krise nur dank Nullzinspolitik lebensfähig waren oder aber weil in der neuen Welt nach Corona ihre Dienstleistungen und Produkte nicht mehr wie zuvor nachgefragt werden. Ökonomen sprechen bei solchen Unternehmen von »Zombies« und der starke Anstieg des Anteils solcher Unternehmen wird als eine Ursache des Rückgangs der Produktivitätsfortschritte in den letzten Jahren gesehen.4 Eine weitere »Zombifizierung« würde das noch verstärken und so das künftige Wachstum hemmen.

Was droht, ist ein Systemwechsel durch die Hintertür. Die Öffentlichkeit steht – so zumindest das Stimmungsbild Anfang April 2020 –, hinter diesen Maßnahmen. Ohnehin zeigten Umfragen schon weit vor Corona, dass sich die Bürger eine größere Rolle des Staates wün- schen.5 Politiker träumten vom »demokratischen Sozialismus« und Enteignungen sowie Verstaatlichungen zur Verwirklichung einer »gerechten Gesellschaft«.6 Nun scheinen wir auf dem besten Weg in diese Richtung zu sein.

Hierin liegt eine enorme Gefahr, denn die Nebenwirkungen wären erheblich: zunehmende Konzentration und weniger Wettbewerb, Bevorzugung von Großunternehmen, staatliche Einflussnahme statt betriebswirtschaftlicher Effizienz. Kurzgefasst, ein Weg, der zwangs- läufig weniger Wachstum und damit Wohlstand bedeutet. Wir sollten einen anderen Weg gehen.

Ein künstliches Koma wäre die Lösung gewesen

Damit kommen wir zu der Frage, was denn zu tun wäre, um die Krise zu dämpfen und die Wiederholung der Großen Depression zu vermeiden. Die Maßnahmen müssen meiner Meinung nach am Existenzproblem der Unternehmen ansetzen, und zwar beginnend beim Einzelunternehmer und bis hin zum Weltkonzern. Das zeigt bereits, wie schwierig es für die Politik ist, sind doch Rettungsaktionen für große Unternehmen viel leichter zu organisieren als für viele kleine Unternehmer. Da kann es gut sein, dass die Hilfe zu spät kommt. Im März 2020 erklärte ich in verschiedenen Beiträgen, wie wir es machen könnten:7 Die Wirtschaft müsste in ein künstliches Koma versetzt werden. Aus der Medizin kennen wir das: »Ein künstliches Koma ist eine lange Vollnarkose, die über Tage – in seltenen Fällen über Wochen – eingesetzt wird. Mithilfe von Narkose- und Schmerzmitteln wird der Patient kontrolliert in einen Zustand versetzt, in dem Bewusstsein und Schmerz ausgeschaltet sind.«8 Bezogen auf die Wirtschaft würde das bedeuten, dass wir für eine bestimmte Zeit alles einstellen: Lohnzahlungen, Mieten, Zinszahlungen. Wir täten einfach so, als würde ein Quartal ökonomisch nicht stattfinden. Es gäbe keine Umsätze, aber es gäbe auch keine Verpflichtungen.

Beispiel Miete: Der Betreiber eines Kaffees kann die Miete nicht mehr bezahlen, weil er geschlossen hat. Der Vermieter verzichtet auf die Miete und im Gegenzug muss er keine Zinsen und keine Tilgung bezahlen und die Bank wiederum keine Löhne und keine Zinsen. Wir stellen alles ein und in drei Monaten – wenn wir annehmen, dass das Koma solange andauert – fangen wir dort an, wo wir aufgehört haben, und tun so, als hätte es die Zeit dazwischen nicht gegeben.

In diese Richtung ist die Bundesregierung gegangen, aber eben nur ein bisschen. So darf Mietern nicht gekündigt werden, wenn sie, bedingt durch den Kampf gegen COVID-19, ihre Mieten zwischen dem 1. April und dem 30. Juni nicht bezahlen können. Die Miete wird bis zum Juni 2022 gestundet. Eine Stundung ist allerdings nichts anderes als eine Art Zwangskredit des Vermieters und damit auch keine völlige Entlastung des Mieters. Zudem fehlt eine korrespondierende Entlastung des Vermieters, der ja ebenfalls finanzielle Verpflichtungen hat, beispielsweise für Zins und Tilgung. Um die Banken zu schonen, wird hier einseitig die Last auf die Vermieter verlagert, die – entgegen der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung – nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) meist mit geringen Renditen von ein bis zwei Prozent arbeiten.9

Das künstliche Koma wie oben beschrieben geht offensichtlich nur in der Theorie. In der Praxis haben wir keinen kompletten Shutdown der Wirtschaft, wir haben echte Ausgaben – zum Beispiel für Nahrungsmittel – und viele Menschen haben unabhängig von der Wirtschaftslage ein Einkommen, so Rentner.

Deshalb müssen wir uns mit den Maßnahmen in der Praxis so nah wie möglich an den Zustand des künstlichen Komas annähern. Für Menschen, die aufgrund des Virus weniger oder keine Einnahmen haben, muss es einen Ausgleich geben, der wirtschaftlich dem Gedanken des künstlichen Komas am nächsten kommt. Dieser Ausgleich muss dafür sorgen, dass es nach der Komaphase keine Schmerzen mehr gibt. Also auch keine zusätzlichen Verpflichtungen, die vor dem Koma nicht bestanden haben. Ich wiederhole es nochmals: Es muss so sein, als hätte es diese Monate nicht gegeben. Wenn nun von der Politik Liquiditätshilfen in Form von Darlehen oder direkten Beteiligungen des Staates an Unternehmen an- geboten werden, ist diese Bedingung nicht erfüllt. Wenn die Betroffenen nämlich aus dem Koma erwachen, sehen sie sich mit finanziellen Lasten konfrontiert, die sie vorher nicht hatten und die sie oftmals nicht abtragen können. Gerade Restaurants, Hotels, Reiseveranstalter und Kinos – um ein paar Beispiele zu nennen – können den verlorenen Umsatz nicht wieder wettmachen. Ein Auto mag man ein paar Monate später kaufen, aber in das Restaurant geht man nicht doppelt oder dreimal so häufig, um frühere Mahlzeiten nachzuholen.

Staatliche Umsatzausfallzahlung

Wir müssen also als Gesellschaft den Umsatzausfall ersetzen. Die künftigen Umsätze kennen wir nicht, aber wir kennen die Steuerzahler Deutschlands. Getrost dürfen wir davon ausgehen, dass nur Steuerzahler von dem Einbruch der Wirtschaft getroffen sind.
Dabei haben wir die folgenden verschiedenen Gruppen von Steuerzahlern auf Einkommen:

•Bei Arbeitnehmern wird die Lohn- und Einkommensteuer direkt an der Quelle abgezogen. Tritt Arbeitslosigkeit ein, wird Einkommen durch Sozialleistungen aufgefangen. Weitere unternehmerische Verpflichtungen sollten hier nicht bestehen, nur eventuelle private finanzielle Verpflichtungen aus Krediten.10 Hier wäre es denkbar, dass wir pauschal die Arbeitslosengelder und die Kurzarbeiterzahlungen (bereits teilweise geschehen) deutlich erhöhen. Diese sollten ab Tag eins gezahlt werden.
• Im Fall von Selbstständigen und Unternehmen, die Einkommensteuer zahlen, sind die Einkünfte der vergangenen Jahre bekannt. Das Finanzamt kennt diese aus den Steuererklärungen der vergangenen Jahre. Hier sollte das Finanzamt in jedem Monat, den die Komaphase andauert, einen Betrag in Höhe von einem Zwölftel des Jahresumsatzes des letzten verfügbaren Jahres auf das Konto des Unternehmens überweisen.
•Bei Unternehmen, die Körperschaftsteuer zahlen, wird genauso vorgegangen. Auch sie bekommen den geschätzten entgangenen Umsatz gutgeschrieben.

Entscheidend ist, dass dies ohne Antrag und ohne Bedürftigkeitsprüfung erfolgt. Alle werden so gestellt, als wäre nichts passiert. Im kommenden Jahr müssen dann alle Bürger, die Zahlungen vom Staat erhalten haben, dem Fiskus ihren Geschäftsverlauf des Jahres 2020 erklären. Davon ausgehend würden sich die folgenden Zahlungsverpflichtungen der Empfänger ergeben:

•Entspricht der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen des Staates – dem Umsatz im Jahr 2019, so behält der Empfänger die Zahlung und versteuert den sich ergebenden Gewinn.
•Liegt der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen – über dem Niveau von 2019, so ist der Teil der Ausfallzahlungen zu erstatten, der nicht erforderlich war, um das Umsatzniveau 2019 zu halten.
•Wenn ein Unternehmen einen Teil oder den gesamten Umsatzausfallzuschuss des Staates behält, darf der Gewinn ebenso wie der Umsatz nur auf dem Niveau des Vergleichsjahres liegen. Er- zielt ein Unternehmen einen höheren Gewinn, so wird die Differenz zu 100 Prozent besteuert. Damit gibt es auch einen Anreiz, Mitarbeiter nicht zu entlassen.

So oder so ist in diesem Modell der Umsatz auf dem Niveau von 2019 garantiert. Unternehmer können die Erstattung der Umsatz- ausfallzahlung umgehend leisten, wenn sie nicht auf die Zahlungen angewiesen sind; spätestens bei Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2020 wären die unnötig zugeflossenen Gelder zurückzuzahlen. Die Politik könnte auch einen Anreiz geben, unnötige Umsatzausfallzahlungen sofort zurückzuzahlen, zum Beispiel, indem bei Rückzahlung innerhalb eines Monats ein Skonto gewährt wird. Der Vorteil einer solchen Vorgehensweise liegt auf der Hand: Sie wirkt wirtschaftlich wie das Koma, ist einfach umzusetzen und kann im Nachhinein, wenn die Krise überwunden ist, korrigiert werden, indem jene, die die Zahlung des Staates nicht benötigen, den entsprechenden Betrag nach Abgabe der Einkommensteuererklärung erstatten müssen.

Wäre das gerecht? Im Einzelfall vielleicht nicht, in der Summe schon. Natürlich mag es Unternehmen geben, die auch ohne Corona einen Umsatzrückgang erlebt hätten. Es wird auch Fälle geben, in denen das Geld verloren ist, weil die Empfänger die Zahlungen falsch verwenden. Die korrespondierenden Beträge dürften aber relativ zum Gesamtvolumen vernachlässigbar sein. Ebenso mag die Gefahr bestehen, dass einzelne Empfänger sich über die Zahlung freuen und gar kein Interesse daran haben, zu arbeiten. Dies dürften aber vor allem Solo-Unternehmer sein – und auch diese nur in begrenzten Umfang. Unternehmer mit Angestellten und Infrastruktur – Büroräume oder Ladengeschäft – werden ei- nem solchen Modell nicht folgen, weil sie andernfalls ihr Unternehmen nachhaltig gefährden würden. Außerdem wäre der Gewinn auf dem Niveau von 2019 gedeckelt. In der Summe also ein vernachlässigbarer Punkt.

Kritiker dieses Vorschlags bemängelten, es sei nicht gut, den Unternehmen auch noch den Gewinn zu garantieren. Dieser Einwand kam von Nicht-Unternehmern, die meist keine Vorstellung davon haben, wie gering die Margen und Gewinne der meisten Selbstständigen sind. Wir haben das Beispiel des Restaurants aus Berlin gesehen. Bei einem Umsatz von rund 500 000 Euro im Jahr und immer- hin 13 Mitarbeitern bleiben den zwei Eigentümern nach Steuern jeweils nur rund 25000 Euro in der Tasche. Das ist wahrlich kein hohes Gehalt, wenn man an die erheblichen persönlichen Risiken (Haftung für Miete etc.) und die langen Arbeitszeiten denkt. Hier zu helfen, ist aus meiner Sicht gerechtfertigt.

Der entscheidende Vorteil ist, dass jedes Unternehmen weiß, welchen Umsatz es inklusive der staatlichenÜberweisung erzielt. Niemand muss sich Sorgen machen, zu viele Schulden anzuhäufen, niemand damit rechnen, dass sein Eigentum auf den Staat übergehen könnte. Vor allem ist das Verfahren unbürokratisch und transparent. Die Mitarbeiter des Finanzamts müssten sich für die Dauer der Krise auf diese Aufgabe konzentrieren.

Wir reden von einem theoretischen Maximalbetrag von 25 Prozent des deutschen BIP des Jahres, wenn wir davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Aktivität drei Monate lang komplett brachliegt. Dem wird aber nicht so sein, weshalb wir eher mit einer Größenordnung von zehn Prozent des BIP rechnen sollten. Selbst bei 25 Prozent stiege die Verschuldung des deutschen Staates auf die Größenordnung von 90 Prozent des BIP. Dieser Satz liegt weit unter dem Niveau, das die meisten anderen EU-Staaten schon vor dem Corona-Schock zu verzeichnen hatten.

Ein »gedankliches Koma« ist effektiv und effizient

Wir haben verschiedene Probleme, die sich gegenseitig verschärfen und in der Summe zu einem sich verstärkenden Abschwung führen. Die Unternehmen wissen nicht, wie heftig und wie lange sie unter der Krise leiden werden. Sie wissen nicht, ob und wie die Hilfe des Staates wirkt, und sie fürchten die längerfristigen Konsequenzen. Wer künftig Schulden tilgen oder den Staat als Miteigentümer los- werden müsste, der setzt alles daran, erst gar nicht in diese Situation zu kommen, sondern sie zu verhindern. Also baut er Kosten um jeden Preis ab, und das verstärkt die Krise. Der Komaansatz ist im Vergleich damit besser.

Die kurzfristige Finanzierung der mit dem Komaansatzverbundenen Ausgaben ist im heutigen Nullzinsumfeld gar kein Problem. Die Bundesregierung dürfte die Gelder umsonst bekommen oder gar daran verdienen. Die langfristige Finanzierung sollten wir im Zusammenhang mit der Eurozone klären.

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Allgemein

Coronakrise: Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

Markus Fugmann

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Die Coronakrise geht durch den „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) in eine zweite Runde. Zwar erlebte die Wirtschaft nicht nur in Deutschland im 3.Quartal eine deutliche Erholung, aber mit den zunächst für November verfügten Maßnahmen kehrt die Coronakrise mit voller Wucht zurück. Das trifft bekanntlich die schon der ersten Welle betroffenen Branchen (Touristik, Veranstaltung, Gastronomie etc.) besonders hart – da werden auch Kompensationszahlungen der Bundesregierung nur wenig daran ändern.

Coronakrise – nach der vermeintlichen „V-Erholung“ der 2. Lockdown

Haben wir zuvor wirklich eine V-Erholung gesehen? Nicht wirklich, sagt etwa Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts – denn die V-Erholung in den Daten war wesentlich geprägt von der Hoffnung auf Besserung, also der Erwartungs-Komponente: Firmen werden befragt, ob es schlimmer, gleichbleibend oder besser wird. Wenn aber die Dinge schon extrem schlecht sind, sei es fast schon „mechanisch“, dass eine Besserung erwartet werde.

Was aber bedeutet nun der neue Lockdown? Fuest verweist auf die Studien, die zeigen, dass schnelle restriktive Maßnahmen zwar der Wirtschaft zunächst schaden, dann aber durch die bessere Beherrschung der Pandemie zu einer schnelleren und kräftigeren Erholung führt als in Ländern/Regionen, in denen solche Maßnahmen nicht ergriffen werden. Das gilt etwa cuh für Schweden: dort war in Gefolge der ersten Welle der Coronakrise die Wirtschaft trotz der weniger restriktiven Maßnahmen deutlich stärker eingebrochen als etwa in Norwegen, bei gleichzeitig sehr viel mehr Opfern in Schweden.

Clemens Fuest fasst in folgendem Vortrag die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise gleichsam kompakt und kompetent zusammen:

Die Coronakrise und die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

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Aktien

Experte Andre Stagge über die Tech-Zahlen, US-Wahl und EZB

Claudio Kummerfeld

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Der Tradingexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden Video mehrere aktuelle Börsenthemen. Vermutlich wird die EZB ab Dezember aktiver werden in Sachen Rettungsmaßnahmen. Gestern Abend haben die vier großen Tech-Konzerne Apple, Google, Amazon und Facebook ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Andre Stagge weist darauf hin, dass alle vier zwar die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen haben – und er geht auf die Gründe ein, warum die Aktien nachbörslich nicht entsprechend positiv reagierten. Auch wirft Andre Stagge einen Blick auf die große Wahrscheinlichkeit, dass Joe Biden die US-Wahl nächste Woche gewinnen könnte.

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