Folgen Sie uns

Allgemein

Die EZB macht Politik gegen Unabhängigkeit Kataloniens: Anleihen aus QE ausgeschlossen!

Avatar

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Die EZB hat Anleihen von Katalonien aus ihrem QE-Programm ausgeschlossen – das berichtet die spanische Tageszeitung “El Mundo”. Der Grund: die Anleihen erfüllten nicht die notwendigen Kriterien an Bonität und könnten daher durch die europäische Notenbank nicht mehr gekauft werden.

Das ist, vorsichtig formuliert, ein echter Hammer! Denn die EZB kann, mit wenigen Ausnahmen, etwa Anleihen des deutlich schwächeren Andalusien kaufen. Für Katalonien aber gilt ab heute: keine Ausnahmen!

Barcelona1
Barcelona, das Zentrum Kataloniens
Foto: Canaan, Wikipedia Creative Commons 3.0

Dabei ist Katalonien die mit Abstand wirtschaftsstärkste Region Spaniens. Etwa 80% der Steuereinnahmen Kataloniens gehen direkt nach Madrid im Gefolge des “spanischen Länderfinanzausgleichs”, von dem vor allem schwache Regionen wie Extremadura oder eben Andalusien, vor allem aber Madrid und das “spanische Kernland” Castilla-la Mancha profitieren. Madrid saugt Katalonien regelrecht aus, leistet Zahlungen nach Barcelona häufig verspätet oder gar nicht, Investitionen in die Infrastruktur, die von der Zentralregierung in Madrid gesteuert werden, erfolgen weit unterdurchschnittlich in Katalonien.

Das alles ist der Treiber der katalonischen Unabhängigkeitsbewegung (deren geschichtliche Ursachen Sie hier nachlesen können), die konsequent proeuropäisch ist – aber sich von der Gängelung Madrids lösen möchte. Eine exzellente ökonomische Analyse hat kürzlich gezeigt, dass die Unabhängigkeit von Madrid für Katalonien ökonomisch und finanziell vorteilhaft wäre – und warum Katalonien derzeit die Probleme hat, die es hat. So lautet die Schlußfolgerung der Analyse:

“..the best way to put a stop to Catalonia’s increasing debt is for it to become an independent country. It has been clearly proven that its Treasury would provide enough resources to fund more and better quality public services than today.”

Die Stoßrichtung der EZB ist klar: man möchte in Frankfurt keine Unabhängigkeitsbwegung, die die Einheit eines großen Landes der Eurozone in Frage stellt. Die ökonomische Überlebensfähigkeit Spaniens wäre bei einem Wegbrechen Kataloniens stark gefährdet, da Katalonien deutlich mehr zum BIP Spaniens beiträgt als es seinem Bevölkerungsanteil entspricht. Was in Spanien an Industrie vorhanden ist, sitzt überwiegend in Katalonien, dort ist vor allem der Mittelstand noch stark, wenngleich die Folgen des Platzens der Immobilienblase in Spanien insgesamt und die Finanzkrise auch in Katalonien tiefe Spuren hinterlassen haben.

Ökonomisch jedenfalls läßt sich das Vorgehen der EZB nicht begründen – die EZB betreibt, nicht das erste Mal, systematisch Politik. Damit aber überschreitet sie ihr Mandat bei weitem!

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    joah

    6. April 2016 17:56 at 17:56

    Da zeigt der Teufel sein wahres Gesicht – mal sehen, wann er den Umhang ablegt.

  2. Avatar

    Ferdinand2016

    7. April 2016 15:54 at 15:54

    Also, das ist ja allerhand, welche Akkumulation von Falschinformationen hier dargestellt werden. Liebe FMW-Redaktion, sehr geehrter Herr Fugmann, welche Quellen haben Sie hier angezapft? Ah ja, die separatistisch-orientierte katalanische Tageszeitung ARA; sehr objektiv. Ihre populistisch durchsetzte Darstellung hier ist wahrlich keine Meisterleistung journalistischer Recherche-Arbeit. Fast alles, was Sie hier darstellen, könnte ich mit entsprechenden Fakten aus neutralen Archiven entkräften, aber das ginge hier zu weit. Nur soviel: Katalonien ist schon lange nichtmehr die Lokomotive der spanischen Wirtschaft. Madrid ist als Nettozahler und zunehmend auch als Wirtschaftsstandort zwischenzeitlich wesentlich wichtiger geworden. Sogar die Balearen leisten mittlerweile pro Kopf gesehen einen höheren Solidar-Beitrag als Katalonien. Die EZB richtet sich bei ihrer Einschätzung der Bonität einer Region nicht nach deren BIP, sondern nach dem Verschuldungsgrad, dem Defizit und demnach der Fähigkeit, Kredite vereinbarungsgemäß zurückzuzahlen. Katalonien hängt seit einiger Zeit am Tropf des spanischen Staates. Der spanische Strukturfonds FLA greift Katalonien derzeit mit etwa 43 Milliarden Euro unter die Arme, Tendenz steigend. Das ist nicht etwa die Folge einer repressiven Finanzpolitik de spanischen Staates, es ist vielmehr die Folge einer verheerenden Wirtschafts- und Haushaltspolitik der nationalistischen Regierungen Kataloniens in den letzten 10 Jahren. Man legte beispielsweise viel mehr Wert auf die Finanzierung separatistischer Projekte als an der Erhaltung und dem Ausbau sozialer und gesundheitspolitischer Errungenschaften. Katalanische Apotheken warten immer noch auf Zahlungen in Höhe von einigen hunder Millonen Euro. Zur Finanzierung und Erhaltung von katalanischen Auslandsvertretungen und zur Subventionierung separatistisch-orientierter Medienorganen und Bürgerinitiativen ist aber noch genug Geld vorhanden.
    Ich weiß ja nicht, aus welchen Beweggründen Sie hier für die katalanischen Separatisten eine Lanze brechen. Tatsache ist, daß es Ihre journalistische Pflicht ist, wenn Sie schon Partei ergreifen, dann wenigstens bei den Fakten zu bleiben.

    • Avatar

      ovr78

      7. April 2016 20:43 at 20:43

      Welche seriöse wissentschatliche Studien beweisen a) dass ein unabhängiges Katalonien wirtschaftsunfähig wäre und b) dass es Spanien ohne Katalonien besser gehen würde, also dass die Spanier die dummer Katalanen von der Selbstzestörung schützen. Alles andere lieber Herr klingt nach der Madrid presse, wie Sie dem Journalisten hier in der anderen Richtung vorwerfen. Man kann über wie günstig oder ungünstig für Europa im Moment diese Bewegung ist, was ja das Kern dieses Artikel ist. Sagen Sie aber mir bitte nicht, dass Kroatien oder Slovenien als unabhängige Länder funktionieren können und Katalonien massive Probleme dabei hätte. Dass glaubt ja niemand ausserhalb Madrid.

      • Avatar

        Ferdinand2016

        7. April 2016 22:18 at 22:18

        Hören Sie doch mit dem typischen Separatistengeschwätz auf. Was unterscheidet spanisch- nationalistische Presse aus Madrid wie La Gaceta, La Razon oder Libertad Digital von katalanisch- nationalistischer Presse aus Barcelona wie ARA, PUNT AVUI oder El Singular? Gar nichts. Ich habe lange genug in Katalonien gelebt und gearbeitet. Mir ist vieles erst klar geworden, nachdem ich wieder Katalonien verlassen habe und mich der sehr einseitigen Berichterstattung katalanischer Medien und der propagandistischen Massensuggestion seitens subventionierter separatistischer Bürgerbewegungen entziehen konnte. Aus der Ferne habe ich nun eine wesentlich objektivere Sichtweise. Die meisten internationalen Ökonomen und auch die überwiegende Mehrzahl der Raiting-Agenturen warnen vor den Folgen einer einseitigen Abspaltung Kataloniens von Spanien. Es wird dabei explizit auf die strukturellen und ökonomischen Verflechtungen zwischen Katalonien und Restspanien hingewiesen. Katalonien erwirtschaftet Jahr für Jahr einen Handelüberschuss von über 20 Milliarden Euro mit Restspanien. Über 50% der katalanischen Exporte gehen in die restlichen Regionen Spaniens. Es ist schlichtweg illusorisch davon auszugehen, dass sich nach einer Abspaltung daran nichts ändern würde.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Jason Furman über die Krise und wie sie Trump die Wiederwahl ermöglicht

Avatar

Veröffentlicht

am

Jason Furman, ein Top-Ökonom und ehemaliges Mitglied der Obama-Regierung und jetzt Professor in Harvard, sprach Anfang April über die aktuelle Krise und über die Auswirkungen auf die kommende Präsidentschaftswahl: Furman geht davon aus, dass die Krise Trump die Chance bieten könnte, mit den explosivsten monatlichen Beschäftigungszahlen und dem explosivsten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts aller Zeiten zu prahlen. Die USA befand sich zu diesem Zeitpunkt am Beginn des desaströsen wirtschaftlichen Absturzes ungekannten Ausmaßes. Die Wirtschaft war gerade erst stillgelegt worden, die Arbeitslosigkeit schnellte in die Höhe und einige Ökonomen und Experten sagten eine Ära voraus, die schlimmer sei als die Große Depression. Das wirtschaftliche Desaster schien die Chancen von Präsident Donald Trump auf eine Wiederwahl wahrscheinlich zunichte zu machen.

Seine Rede begann der ehemalige hochrangige Wirtschaftsberater Obamas mit den folgenden Worten: “Wir stehen kurz davor, die besten Wirtschaftsdaten zu sehen, die wir in der Geschichte dieses Landes je gesehen haben”. Viele verblüffte und verwirrte Gesichter haben ihn über die zugeschalteten Online-Konferenz angeschaut.

Furman’s Argumente für eine Wirtschaftserholung und die Trump Wahl

Ein Argument ist, dass der wirtschaftliche Zusammenbruch durch die Pandemie, sich stark von der Großen Depression oder der Großen Rezession unterscheidet. Da beide eine langsame und zermürbende Erholung verzeichneten. Die Corona-Krise sei im Gegensatz dazu eine Turbokrise – also eine Krise die unerwartet und schnell aufgetreten ist, aber einen genauso schnellen Wiederaufschwung vollzieht. Denn die Menschen kehren zügig wieder an ihren ursprünglichen Arbeitsplatz zurück und die Unternehmen erhöhen ihre Tätigkeit.

Nach seiner Ansicht gibt es so viele Arbeitslose und geschlossene Unternehmen, die nach dem Lockdown rasch zurückkehren. „Es wird sprunghaft passieren und wie ein V aussehen“, so seine Einschätzung. Die Wirtschaftsberater des Weißen Hauses teilen diese Meinung und sagen bereits ein explosives drittes Quartal voraus. Auf das schwächste zweite Quartal, soll dann das stärkste Quartal der Geschichte folgen. Der Berater von Trump Larry Kudlow – der Leiter des National Economic Council im Weißen Haus – hat dazu gesagt: “Q3 könnte das beste BIP-Quartal seit den regulären Daten sein. Die zweite Hälfte des Jahres wird ein sehr großes Wachstum aufweisen, das 2021 auf 4% oder mehr ansteigen wird.“

Damit sein Szenario eintritt, setzt Furman aber voraus, dass es keine 2. Virus-Welle gibt. Sollte diese eintreten, dann hätte das schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft, ein zweiter Lockdown wäre kaum zu verkraften. Ausgenommen von der möglichen schnellen Erholung in Q3 und Q4, sieht er die langfristige Bewältigung der Lage weiterhin als große Aufgabe an. Auch in „absoluten Zahlen“ werden die November-Daten weiterhin schrecklich aussehen – aber eben relativ zu den Tiefen des April eine deutliche Erholung anzeigen.

Fazit:

Furman betont aber auch, dass ein kurzfristiger Rebound nicht bedeutet, dass Trump viele grundlegende Probleme gelöst hat. Seit Beginn der Krise sind viele Arbeitgeber bankrottgegangen. Andere haben die Pandemie zum Personalabbau genutzt. Konsum und Reisen werden wahrscheinlich niedriger bleiben. Millionen von Menschen in Branchen wie Gastgewerbe und Tourismus werden neue Arbeitsplätze in neuen Industrien finden müssen. Dieses Szenario bleibt ein großes langfristiges Problem. Doch vorher könnte Trump von der Erholung im dritten Quartal profitieren. Er kann sich als Krisenmanager darstellen und auf die „eventuelle positive“ Entwicklung der Wirtschaftsdaten verweisen. Man muss dabei aber bedenken, dass die zukünftigen Quartale mit den katastrophalen Daten aus der Coronakrise und des daraus entstandenen weltweiten Lockdowns verglichen werden. Es ist leicht, daraus positive Entwicklungen aufzuzeigen. Aber die Frage ob und wie schnell es möglich ist die vorherigen Niveaus wieder zu erreichen, bleibt weiter offen.

Hier geht es zum vollständigen Artikel.

Furman über die Krise und die Wiederwahl von Trump

weiterlesen

Allgemein

Aktuell: Trump mit Aussagen zu China – Märkte reagieren

Avatar

Veröffentlicht

am

Donald Trump hat sich heute richtig lange Zeit gelassen. Vor wenigen Minuten hat er nun endlich verkündet, wie die US-Regierung auf das neue chinesische Sicherheitsgesetz für Hongkong reagieren will. Pustekuchen, so kann man es ausdrücken! Trump spricht von einem Land und einem System. Er werde Maßnahmen ergreifen, um die Sonderbehandlung (den Sonderstatus) für Hongkong abzuschaffen. Also für Hongkong-Exporte Richtung USA nun die selben Zölle wie für Importe aus Festland-China?

Die “Phase 1” des Handelsdeals zwischen China und den USA bleibt wohl bestehen, denn kein Wort hat Trump über einen Ausstieg aus diesem Deal verloren. Auch sonst keine Sanktionen oder neue Zölle gegen China. Der große Knall ist ausgeblieben. Der WTI-Ölpreis reagiert mit einem Anstieg von mehr als 1 Dollar auf 35,20 Dollar. Der Goldpreis verliert 4 Dollar auf 1.730 Dollar. Deutlich reagiert der Aktienmarkt. Der Dow 30 auf CFD-Basis legt 250 Punkte zu. Auch Markus Koch meldet sich aktuell zu Wort zu den Aussagen von Donald Trump. Hier sein ganz aktuelles Video.

Donald Trump
Donald Trump

weiterlesen

Allgemein

EZB-Geldmenge wächst spürbar – und die Kreditvergabe? US-Sparquote explodiert!

Avatar

Veröffentlicht

am

Die EZB hat heute ihre Daten zum Wachstum der Geldmenge für den Monat April bekanntgegeben. Dies ist derzeit ja besonders interessant aufgrund der gigantischen Gelddruck-Orgien der Notenbanken, um die Coronakrise mit Geld zuzuschmeißen. Kurz vorab: Die Geldmenge “M3” ist laut offizieller Definition der Bundesbank das “weit gefasste Geldmengenaggregat” des Eurosystems, und umfasst neben der Geldmenge M2 auch Repogeschäfte, Geldmarktfondsanteile und Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Die Geldmenge M3 ist ein wichtiger Indikator für die monetäre Analyse, die den geldpolitischen Entscheidungen des Eurosystems zugrunde liegt, so die Erläuterung der Bundesbank.

Die heutigen Daten der EZB zur Geldmenge M3 zeigen für die Eurozone ein Wachstum im Jahresvergleich um 8,3 Prozent auf 13,64 Billionen Euro. Die Geldmenge M1 steigt um 11,9 Prozent auf 9,51 Billionen Euro. Sie zeigt den Bargeldumlauf außerhalb des Bankensystems und täglich fällige Einlagen von Nichtbanken bei Monetären Finanzinstituten in der Eurozone. Und, kommt diese monströse Geldschwemme da an, wo sie hin soll? Im April stieg das Volumen der Kredite an Haushalte im Jahresvergleich um 3 Prozent. Kredite an Unternehmen (ohne Finanzbranche) stiegen um 6,6 Prozent. Hier sehen wir die Entwicklung der Geldmenge M3 als Chart im Verlauf der letzten 25 Jahre:


source: tradingeconomics.com

Hier das Datenblatt der EZB aus der heutigen Veröffentlichung:

Geldmenge M3 Daten der EZB von heute

Sparquote in den USA

Die Sparquote in den USA ist im April auf ein Rekordhoch explodiert! In der totalen Krise entdeckt der Amerikaner (derjenige, der überhaupt Geld übrig hat) den Europäer in sich? Nicht mehr konsumieren wie ein Wahnsinniger, sondern erstmal Geld auf die hohe Kante packen, für den Fall dass alles noch viel schlimmer kommt? Die staatlichen Statistiker der Behörde “Bureau of Economic Analysis” (BEA) haben vor wenigen Minuten bekanntgegeben, dass die Sparquote der Amerikaner (von 12,7 Prozent im März) im April auf sagenhafte 33 Prozent gestiegen ist. Das ist der höchste jemals gemessene Wert seit 1960, wo man mit der Erfassung dieses Parameters begonnen hatte. Mit der Sparquote wird angezeigt, welchen Prozentsatz des verfügbaren Einkommens die Bürger bei Seite legen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage