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Die EZB und die Unternehmensanleihen – nochmal die Vorschau auf das Desaster

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Die EZB beginnt in Kürze mit dem Kauf von Unternehmensanleihen aus der Eurozone, 3-5 Milliarden Euro pro Monat sollen es werden – kaum zu glauben, dass es bei diesem Volumen dabei bleibt. Aber die Folgen sind schon jetzt sichtbar. Unabsehbare Risiken für den Steuerzahler, knallende Sektkorken bei Konzernen, Benachteiligung für kleine und mittelgroße Firmen usw…

EZB Unternehmensanleihen
EZB-Chef Mario Draghi. Foto: EZB

Wie wir vor Kurzem schon schrieben, könnte die EZB (und damit wir alle) zum Hauptfinanzier der Monsanto-Übernahme durch Bayer werden. Wenn Bayer wirklich 3/4 der 55 Milliarden-Übernahme auf Pump finanzieren will (41 Mrd Euro), und für diese Summe Anleihen herausbringt, hat die EZB hier einen großen Batzen, den sie aufkaufen kann. Bayer hat als Dax-Konzern das „Investment Grade“-Siegel der Ratingagenturen, gilt also als guter Schuldner und gehört zum Kreis der Firmen, von denen die EZB Anleihen aufkaufen will. Dass die EZB so massiv und umfangreich Bayer-Schulden aufkaufen könnte (schon in der Erstemission), könnte passieren, weil der Markt für Unternehmensanleihen schnell, sogar sehr schnell austrocknen könnte, wie jetzt schon viele Profiinvestoren vermuten.

Der Grund ist ganz einfach: In Erwartung der Käufe von Unternehmensanleihen durch die EZB sind die Anleihekurse in den letzten Wochen schon kräftig gestiegen, wodurch automatisch die Rendite dieser Anleihen gesunken ist. Die Durchschnittsrendite für Investment Grade-Papiere lag Anfang des Jahres noch bei gut 2%. Vor der Verkündung der Aufkäufe durch die EZB im März lag die Rendite bei 1,7%, jetzt bei 1,4% – Tendenz weiter fallend. Somit wird es für immer mehr Investoren (erst recht für Private) unattraktiv Unternehmensanleihen zu kaufen – sie müssen sich auf der Suche nach Rendite in Schrottanleihen oder Aktien flüchten.

Die EZB glaubt tatsächlich, dass sie durch ihre Käufe, die dadurch sinkenden Renditen, und dadurch vermeintlich steigende Kreditaufnahme der Unternehmen es bewirken kann, dass die Unternehmen letztlich mehr in Maschinen, Fabriken und neue Arbeitsplätze investieren. Genau wie bei allen anderen Maßnahmen glaubt die EZB auch hier an das Prinzip „mehr Geld regt die Wirtschatstätigkeit an“. Unternehmer Land auf Land ab bestätigen, dass schon jetzt vor den Käufen der EZB nicht zu wenig Geldangebot am Kapitalmarkt das Problem ist, sondern die Unsicherheit der Unternehmen bzgl. der Wirtschaftspolitik in Europa, und ob Strukturreformen überhaupt mal umgesetzt werden – z.B. in Italien blockieren die mit Schrottkrediten völlig überladenen Banken einen wirtschaftlichen Neuanfang des Landes.

Was tatsächlich mit all dem zusätzlichen frischen EZB-Geld bei den Unternehmen passieren dürfte, ist für klar denkende Menschen offensichtlich. Die Firmen werden jubeln, weil sie sich erstens billiger verschulden können als bisher. Und zweitens werden gerade große Konzerne, die z.B. einen schlechten Aktienkurs-Verlauf haben, sich wohl daran machen mit dem Extra-Geld der EZB eigene Aktien zurückzukaufen. Das erhöht natürlich recht sinnfrei die Verschuldung der Firmen, ohne dass dadurch ein einziger neuer Arbeitsplatz geschaffen oder eine einzige neue Maschine gekauft wird. Wie massiv dieses Rückkaufen eigener Aktien die Bilanzen von Konzernen kaputt macht, und wie sinnlos das alles ist, konnte man die letzten Jahre gut in den USA besichtigen.

Die großen Verlierer in diesem „Spiel“ sind kleine und mittelständische Unternehmer in der Eurozone. Sie können nicht mal eben am Kapitalmarkt Anleihen ausgeben, und haben auch kein „Rating“ bei einer Ratingagentur, was sie dort in Auftrag geben und teuer bezahlen müssten. Somit erhalten große Konzerne einen finanziellen Vorteil gegenüber kleinen Unternehmen. Wie heißt es so schön in den EU-Verträgen? Dort ist der Grundsatz niedergeschrieben, dass es in der EU einen „freien und unverfälschten Wettbewerb“ geben muss. Ist der noch gegeben, wenn die EZB als EU-Institution großen Konzernen einen Geldvorteil gewährt?

Ach ja, und der Steuerzahler zahlt letztlich die Zeche, wenn Unternehmen ihre von der EZB gekauften Anleihen nicht mehr bedienen können. Aber das tut ja nicht so richtig weh, denn der Bürger schaut ja nicht auf den EZB-Kontoauszug, sondern nur auf seinen eigenen. Mehrere Bankexperten erwarten, dass die EZB mehr als die Hälfte des Marktes aufkaufen wird und ihn damit de facto trockenlegt. Anleger, egal ob institutionell oder privat, werden regelrecht verdrängt und getrieben in deutlich riskantere Geldanlagen. Und da warten dann schon vermutlich Emittenten, die zuletzt wg. ihres kaputten Geschäftsmodells oder ihrer kaputten Bilanz keine Chance hatten am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen (Fischfarmen/Pellet-Hersteller etc?). Der Anleger darf sich schon auf bunte TV-Spots und Werbebroschüren im Briefkasten freuen – Rendite!!!

Und die EZB? Die wird feststellen, dass nach ein paar Monaten Aufkauf von mtl. 3-5 Milliarden Euro kein Konzern mit dem Geld neue Fabrikhallen gebaut hat. Und da die Partei ähhh die EZB immer Recht hat und das Kaufprogramm selbstverständlich funktioniert (ja Satire), muss lediglich das Volumen ausgeweitet werden. Was wird dann passieren? Mangels Platz zum Unterbringen all des Geldes wird man sich auf die Suche machen, was in der Eurozone noch zu finden ist. Vielleicht wird dann das EZB-Geld zu einer Geldschwemme für französische Atomkonzerne und Autohersteller führen, wo man wohl kaum traurig über all das Geld wäre. Gerade der französische Staat, der anders als die Deutschen mit der EZB-Politik kein Problem hat, dürfte seine Konzerne animieren doch ruhig mehr Schulden als üblich zu machen – das Geld ist ja da.

Also, bald geht es los. Der Markt für Unternehmensanleihen ist ja auch viel spannender als die langweiligen Staatsanleihen – also alle gut festhalten und genießen!

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    joah

    2. Juni 2016 13:47 at 13:47

    Es wird am Ende so viel Geld geben, bis sich die Systemlinge damit selbst erdrosseln werden. Und ja: „das Geld ist ja da“ – letztendlich so viel, bis auch der letzte darüber vom Glauben abgefallen sein wird. „festhalten“ ist gut, anschnallen ist besser.

    • Avatar

      Emm wie Meikel

      2. Juni 2016 15:06 at 15:06

      Die Aktienrückkäufe der Bluechips werden deren Aktienkurse zumindest stützen, ihnen vielleicht sogar etwas Auftrieb geben, wie in den USA. Das Spielchen kann noch jahrelang so weitergehen, dank dem unerschütterlichen (fast schon religiösen) Glauben der Menschen an die Kaufkraft und Werthaltigkeit von Luftgeld.

      • Avatar

        joah

        2. Juni 2016 16:18 at 16:18

        …solange, bis die Realität unter den eigenen Füßen wegbricht: dann ist das Spiel aus. Ein „paar“ (wenige) Jahre vielleicht, aber sicherlich keine Dekade mehr.

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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So sichern Sie Ihr Depot optimal ab – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Aktienmärkte eilen von einem Rekord zum nächsten. Das Virus wühlt zwar weiterhin, und tatsächlich eilt auch die Anzahl der Covid-Neuinfektionen weltweit von einem Rekord zum nächsten. Wir vertrauen allerdings auf die Kraft des Impfstoffes und sehen die Volkswirtschaften dieser Welt nächstens befreit.

Bei so viel Euphorie beschleicht allerdings den ein oder anderen Börsianer ein ungutes Gefühl. Sie haben also das Bedürfnis Ihr Depot, Ihre Buchgewinne einmal zumindest teilweise abzusichern. Im Folgenden erkläre ich Ihnen, welche drei goldenen Regeln Sie berücksichtigen müssen, damit die Absicherung auch wirklich greift.

Das Absichern oder Shorten eines Depots ist kein Hexenwerk. Allerdings sind wir als Börsianer natürlich eher geeicht auf steigende Kurse und Chancen. Mit anderen Worten: Shorten zählt bei den meisten von uns nicht zur ersten Begabung.

Das sind die drei goldenen Regeln:

– Fassen Sie immer punktuell und kurzfristig zu!
– Definieren Sie Ihren Depotschwerpunkt und vergessen Sie Einzelaktien!
– Legen Sie eine prozentuale Absicherungsquote fest!

Was sagen uns diese Regeln konkret?

Zu 1. Ein Short – ganz gleich ob als Optionsschein, Short-ETF oder Zertifikat – ist kein Pkw-Anschnallgurt, den wir fortwährend zur Anwendung bringen. Erfolgreiches Shorten verlangt eine kurzfristige Marktmeinung. Solche Instrumente kaufen wir immer punktuell und lediglich für wenige Wochen oder Monate. Andernfalls verzichten wir auf Geld und Rendite. Dabei sind weniger die laufenden Kosten eines Short-ETFs oder eines Optionsscheins das Problem. Sondern: Shorts – egal in welcher Form – bringen uns Verluste, wenn der Markt entgegen unserer Prognose doch steigt. Zudem fehlt uns das Kapital für den Short auf der Aktienseite. Zu Deutsch: Ein unsauber gesetzter Short wird schnell zum doppelten Renditekiller.

Zu 2. Das ist offensichtlich: Wenn von 20 Ihrer Depotpositionen 15 aus dem DAX stammen, sichern Sie nicht gegen den S&P 500 oder NASDAQ-Index ab, sondern natürlich gegen den DAX. Als kluger Börsianer kennen Sie den Schwerpunkt Ihres Depots und erwerben dazu passend einen Short. Ganz wichtig: Vergessen Sie…..

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