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Devisen

Die Fed im Blindflug

Es ist schon verrückt, dass eine kleine Gruppe von Personen – die 13 Mitglieder im Rat der Fed – die wirtschaftlichen und finanziellen Geschicke der Welt in ihren Händen hält..

Redaktion

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Ein Beitrag von Thorsten Polleit (Hinweis der Redaktion: der Text erschien zuerst auf der in jeder Hinsicht empfehlenswerten Webseite des Ludwig von Mises Instituts Deutschland, https://www.misesde.org/. Die Veröffentlichung bei FMW erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors).

 

Die amerikanischen Zinsen steigen kontinuierlich, vor allem weil erwartet wird, dass die US Federal Reserve (Fed) ihren Leitzins in den nächsten Quartalen weiter erhöhen wird. Die Federal Funds Rate befindet sich derzeit in einer Bandbreite von 2,00 bis 2,25 Prozent, und die Rendite der 10-jährigen US Staatsanleihen ist kürzlich auf deutlich über 3 Prozent angestiegen. Weiter steigende Zinsen dürften weitreichende Konsequenzen für die Wirtschaft haben, vor allem auch für die Kapitalmärkte.

Das wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, was ein Absenken der Marktzinsen durch die Zentralbanken – wie es in der letzten Dekade passiert ist – anrichtet: Die Geldbehörden unter der Führung der Fed haben die Marktzinsen auf extrem niedrige Niveaus gezwungen und sie dort eine sehr lange Zeit festgehalten. Was geschieht genau in einem Umfeld derart künstlich niedrig gedrückter Zinsen?

Effekte der Zinsmanipulation

  1. Der künstlich gedrückte Zins löst einen nicht nachhaltigen „Boom“ aus. Firmen erweitern ihre Produktionsmöglichkeiten, stellen neues Personal an, zahlen höhere Löhne und die Wirtschaft expandiert. Doch der Boom entmutigt das Sparen und befeuert den Konsum und die Investitionen. Dadurch beginnt die Volkswirtschaft sprichwörtlich über ihre Verhältnisse zu leben.
  2. Die künstliche Verringerung des Zinses verleitet die Firmen dazu, vor allem langfristige Investitionen zu tätigen. Die volkswirtschaftliche Produktions- und Beschäftigungsstruktur gerät dadurch durcheinander. Knappe Ressourcen werden vermehrt in die Kapitalgüterindustrie gelockt, während die Investitionen in der Konsumgüterindustrie dahinter zurückbleiben.
  3. Der künstliche Niedrigzins bläht die Aktien- und Häuserpreise auf: Die zukünftig erwarteten Zahlungen werden fortan mit einem geringeren Zins abdiskontiert, was ihren Barwert erhöht und damit zu einem höheren Marktpreis führt. Außergewöhnlich niedrige Zinsen führen zudem zu erhöhten Bewertungen. Zum Beispiel erhöht sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Aktien und Häusern.
  4. Der verringerte Zins führt zu einem Anstieg der Preise für Produktionsmittel (Energie, Zwischenprodukte, Arbeit etc.). Firmen kaufen diese Produktionsfaktoren nämlich zu einem Preis ein, der dem Mehrwert (Grenznutzen) dieser Produktionsfaktoren entspricht, wenn diese mit dem derzeitigen Marktzins abdiskontiert werden.
  5. Der Risikoappetit der Investoren steigt, wenn der Zins fällt. Kredithungrige Konsumenten, Firmen und öffentliche Körperschaften können fällige Schulden zu günstigeren Konditionen refinanzieren, und niedrige Kreditkosten ermutigen auch dazu, sich noch höher zu verschulden. Der Verschuldungsspielraum steigt, wenn der niedrige Zins die Marktwerte der Kreditsicherheiten in die Höhe treibt.

 

Der natürliche Zins

Vor diesem Hintergrund, könnte man zum Schluss gelangen, ein Zinsanstieg werde unausweichlich für Probleme sorgen: Verlangsamung der Konjunktur, Einbruch der Produktions- und Beschäftigungsstruktur, Deflation der Vermögenswertpreise, wachsender Druck auf die Kreditnehmer. Doch die Sache ist nicht ganz so einfach. Es kommt in entscheidendem Maße auf den sogenannten „natürlichen Zins“ an.

Der natürliche Zins ist ein Bestandteil des Marktzinses, und er ist definiert als der Zins, der die Ersparnisse und Investitionen in Übereinstimmung bringt. Wenn die Zentralbank den Marktzins unter den natürlichen Zins absenkt, treibt sie die Wirtschaft in einen Boom, und wenn sie den Marktzins über den natürlichen Zins hinaus anhebt, verursacht sie einen Bust.

Wenn man sich ein Bild über die Auswirkungen der Fed-Zinsanhebungen der Fed auf die Konjunktur und Kapitalmärkte machen möchte, muss man also wissen, wo denn der natürliche Zins liegt. Befindet sich der natürliche Zins auf einem vergleichsweise hohen Niveau, würden Zinsanhebungen weniger Probleme für die Wirtschaft und Kapitalmärkte bedeuten im Vergleich zu einer Situation, in der der natürliche Zins auf einem niedrigen Niveau verharrt.

 

Ein Prozess von Versuch und Irrtum

Nun wissen aber weder die Zentralbankräte noch die Marktakteure, wo der natürliche Zins denn liegt. Der Kapitalmarkt kann ihnen diese Information nicht bereitstellen: Die Zentralbank erhöht ja quasi fortlaufend die Kredit- und Geldmenge und verzerrt dadurch laufend die Marktzinsen. Und solange das der Fall ist, kann sich der Marktzins nicht auf den natürlichen Zins hinbewegen.

Es gibt zudem auch keine unabänderliche Beziehung zwischen zum Beispiel dem Wirtschaftswachstum und dem Zinsniveau. Ein hoher natürlicher Zins ist unter Umständen vereinbar mit hoher Ersparnis und Investitionstätigkeit oder auch mit geringer Ersparnis und Investitionstätigkeit. Kurzum: Es ist angemessen zu sagen, die Zentralbank befindet sich bei ihrer Zinssetzung in einer Art „Blindflug“.

Ihre Zinspolitik gleicht einem Prozess von Versuch und Irrtum. Bereits Ende 2015 hat sich die Fed, wenn auch vorsichtig und langsam, auf einen Pfad der Zinserhöhungen begeben. Zumindest bis heute hat die US-Wirtschaft kontinuierlich zugelegt, da Produktion und Beschäftigung erhöht wurden. Das lässt darauf schließen, dass die Fed den Marktzins unter dem natürlichen Zins belassen hat.

Der Boom, der bereits seit längerem anhält, ist so noch nicht zu seinem Ende gekommen. Dies ist jedoch kein Grund zur Beruhigung. Der Boom führt zu Fehlinvestitionen und Überkonsum. Und die Zinssteigerungen der Fed haben die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Boom schlussendlich abbricht und in einen Bust umschlägt.

 

„Cluster of Errors“

Die Erfahrung lehrt, dass sich das Wirtschaftswachstum lange Zeit ungestört fortsetzen kann, während sich die Fehlinvestitionen auftürmen. Plötzlich jedoch, wie aus dem Nichts, gerät dann die Wirtschaft ins Schlingern: Probleme zeigen sich nicht nur in einer Branche, sondern in nahezu allen Wirtschaftszweigen; ein „Fehlerknäuel“ („Cluster of Errors“) kommt zum Vorschein. Dies ist ein Hauptmerkmal eines realen Konjunkturzyklus.

Die monetäre Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule der Nationalökonomie erklärt nicht nur das Phänomen des „Fehlerknäuels“. Sie lässt uns auch die ökonomischen und ethischen Probleme verstehen, die das heutige ungedeckte Papiergeldsystem mit sich bringt. In diesem System haben Zentralbanken das Geldproduktionsmonopol und schaffen per Kredit Geld aus dem Nichts.

Die Zentralbanken sorgen für schleichend-chronische Inflation, die nur einigen wenigen nutzt und vielen schadet. Sie verursachen Boom-und-Bust und sorgen für ein fortgesetztes Anwachsen der Schuldenlasten. Das künstliche Absenken des Marktzinses unter sein natürliches Niveau wird notwendig, um den Boom in Gang zu halten, um zu verhindern, dass das Schuldenkartenhaus in sich zusammenfällt.

Die monetäre Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule der Nationalökonomie überbringt folglich eine ernüchternde Nachricht: Es gibt wenig Grund zu der Annahme, dass die Fed mit ihrem Blindflug Erfolg haben wird, dass sie den Boom unendlich lange in Gang halten kann. Aktien- und Häuserpreise mögen zwar für eine Weile weiter steigen; wie lange noch lässt sich nicht sagen.

Zieht die Fed den Zins zu stark an, oder gibt der natürliche Zins nach, wird es nicht lange dauern, und der Boom wird zum Bust. Es ist schon verrückt, dass eine kleine Gruppe von Personen – die 13 Mitglieder im Rat der Fed – die wirtschaftlichen und finanziellen Geschicke der Welt in ihren Händen hält. Personen, die irren können, politisch beeinflusst sind, die für die Folgen ihrer geldpolitischen Entscheidungen nicht persönlich haften müssen. Wie grotesk, wie unaufgeklärt und unzivilisiert doch das heutige Fiat-Geldsystem ist!

Von Author, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=216345

 

Thorsten Polleit, 50, ist seit April 2012 Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH. Er ist Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, Adjunct Scholar am Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama, Mitglied im Forschungsnetzwerk „Research On money In The Economy“ (ROME) und Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Er ist Gründungspartner und volkswirtschaftlicher Berater der Polleit & Riechert Investment Management LLP. Die private Website von Thorsten Polleit ist: www.thorsten-polleit.comHier Thorsten Polleit auf Twitter folgen.
4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Goldsammler

    17. Oktober 2018 17:04 at 17:04

    Für den ersten Absatz gibt es ein FETTES LIKE !!!!

  2. Avatar

    Beobachter

    17. Oktober 2018 18:24 at 18:24

    Interessanter Chart, 2012 hatten wir bei gleichen aber fallenden 10 Jahres-Renditen wie jetzt den S&P 500
    bei etwa 1500 , jetzt bei steigenden Zinsen ist er fast doppelt so hoch.
    Aktien = alternativlos wenn man sich ruinieren will !

  3. Avatar

    beobachter

    17. Oktober 2018 19:00 at 19:00

    Berichtigung: Der S&P war noch eher unter 1400 u.der Dollar viel schwächer. Es wartet also sehr viel Kreativität auf den Börsengott ( Donald ) um das durch seine Verdienste erreichte Börsenniveau zu halten.

  4. Avatar

    Schwarzseher

    17. Oktober 2018 19:20 at 19:20

    Auf dem Chart ist noch auffallend ,als Hinweis auf einen kürzlichen FMW Beitrag, der besagte, dass neue Hochs in letzter Zeit Kaufkurse waren u. in kurzer Zeit wieder überboten wurden.
    Da sieht man, dass die 2000er u. 2007er Hochs erst etwa 2013 wieder überboten wurden.D.h. ca. 13 Jahre keine markanten neuen Hochs.Könnte also sein, dass die 2018er Hochs für längere Zeit nicht mehr zu toppen sind.

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Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Devisen

Türkische Lira vor weiterer Aufwertung? Aktuelle Zinsentscheidung gibt Hoffnung

Redaktion

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Türkei Flagge

Die türkische Lira könnte noch weiter aufwerten. Warum? Nun, zuerst ein kurzer Rückblick. Seit November ist der Leitzins in der Türkei durch die türkische Zentralbank in zwei Schritten kräftig angehoben worden, von 10,25 Prozent auf zuletzt 17 Prozent. Erst der zweite Zinsschritt von 15 Prozent auf 17 Prozent an Heiligabend brachte Vertrauen in die Lira – denn die Inflationsrate liegt derzeit bei satten 14,6 Prozent. Jetzt liegt der Leitzins deutlich genug über der Inflation, damit es einen positiven Geldfluss vom Ausland in die Türkei geben kann. Dies wäre Balsam für die türkische Lira. Aber so ein hoher Leitzins muss einige Zeit beibehalten werden, damit er wirken kann.

Und nun? Heute hat die türkische Zentralbank erneut eine weitere Zinsentscheidung verkündet. Man belässt den Leitzins bei 17,0 Prozent. Dies kann vom Devisenmarkt als Signal gewertet werden, dass die Zentralbanker gewillt sind die Angelegenheit „durchzuziehen“, als eine nachhaltige Bekämpfung der hohen Inflation.

Türkische Lira reagiert leicht positiv

Auf längere Sicht hohe Zinsen in der Türkei – das könnte die türkische Lira nachhaltig aufwerten lassen. Und die letzten Wochen lief es ja schon ganz gut in diese Richtung. Und jetzt aktuell? Die Zinsentscheidung wurde um 12 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Da notierte US-Dollar vs türkische Lira noch bei einem Wechselkurs von 7,39. Jetzt notiert USDTRY bei 7,36. Im Chart sehen wir den Kursverlauf von Dollar vs Lira seit Februar 2020. Die türkische Währung konnte seit November einiges gut machen, und könnte womöglich nun weiter aufwerten (sicher ist das aber natürlich nicht).

Zentralbank mit guten Aussagen, Erdogan meldet sich zu Wort

Die Notenbanker in Ankara erklärten heute, dass man seinem harten geldpolitischen Kurs treu bleibe, bis sich ein nachhaltiger Rückgang der Inflation abzeichne. Falls nötig, werde man weitere Schritte zur Straffung der Geldpolitik unternehmen. Super, da freut sich der Devisenmarkt im Sinne einer festeren Lira? Achtung, Präsident Erdogan fordert seit Jahren sinkende Zinsen. Die würden (so Erdogan) die Inflation zum Sinken bringen – was aber eigentlich genau anders rum funktioniert. Seit Monaten hört man von Erdogan kaum Aussagen in dieser Hinsicht. Aber am letzten Freitag, da meldete er sich wieder zu Wort. Die aktuelle Geldpolitik (steigende Zinsen sollen Geld teuerer machen etc) diene nicht der Türkei. Die Lösung des Problems der hohen Inflation sei, die Zinsen zu senken. Bringt dies die nachhaltige Erholung der Lira wieder in Gefahr?

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira seit Februar 2020

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Devisen

Goldpreis steigt nach Yellen-Rede – was ist da los?

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Der Goldpreis reagiert recht merkwürdig auf die gestern Abend gehaltene Online-Rede der neuen US-Finanzministerin Janet Yellen vor dem US-Kongress. Wir sprachen vorgestern vorab darüber, und was ihre möglichen Aussagen für den Goldpreis bedeuten könnten. Ein stärkerer US-Dollar würde den Goldpreis schwächen. Vorab waren Redeinhalte durchgesickert. Aber ob sie auch wirklich genau das sagen würde? Nun, es kam wie erwartet. Janet Yellen (hier alle wichtigen Redeinhalte) sagte ganz eindeutig, dass man nicht wie die Trump-Regierung einen niedrigen US-Dollar sehen möchte.

Nein, man überlässt es dem freien Devisenmarkt den fairen Wert für den US-Dollar zu finden, ohne jede verbale Beeinflussung. Trump hatte auf einen billigeren US-Dollar gedrungen, damit die US-Wirtschaft wettbewerbsfähiger wäre (damit wären US-Produkte im Ausland günstiger). Janet Yellen sprach gestern von einer stabile Währung, deren Preis von den Marktkräften bestimmt werden solle. Man strebe keinen schwächeren US-Dollar an. Es sei inakzeptabel absichtlich schwächere Wechselkurse anzuvisieren um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen, so Yellen. Und der Goldpreis, wie reagierte der auf diese Worte?

Warum steigt der Goldpreis nach der Yellen-Rede?

Nun, ihre Worte bringen ganz eindeutig Phantasie für einen höheren US-Dollar. Dann würde der Goldpreis fallen. Aber das Gegenteil passiert seit gestern Abend. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere wichtige Währungen) fiel von 90,50 auf aktuell 90,27 Indexpunkte. Der Goldpreis steigt seit gestern Abend von 1.840 auf aktuell 1.855 Dollar. Damit zeigt er Stärke, als klassische negative Korrelation zum US-Dollar.

Nun, offenbar geht der Markt kurzfristig vor nach dem Motto „Sell on good news“? Der US-Dollar war die letzten Tage vor der Yellen-Rede gestiegen (in Erwartung genau dieser Aussagen), und jetzt kam die Yellen-Rede exakt wie erwartet auf den Tisch. Also, erstmal Gewinne im Dollar machen, und der Goldpreis kann steigen? Auch kann man den aktuellen Anstieg im Gold erklären mit anderen gestrigen Aussagen von Janet Yellen. Ebenfalls wie erwartet will sie nun erstmal jede Menge neue Schulden machen um US-Bürger und Wirtschaft zu stützen in dieser Krise. Das ist tendenziell positiv für Gold. Aber, als Frage formuliert: Kommt der Drang hin zu einem stärkeren US-Dollar bald wieder zum Vorschein, und Gold schwächelt doch? Vorsicht ist also geboten im restlichen Verlauf dieser Woche.

Chart zeigt Kursverlauf von Goldpreis gegen US-Dollar
Im Chart sehen wir seit gestern früh den steigenden Goldpreis in rot-grün gegen den fallenden US-Dollar.

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