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Die Fed im Blindflug

Es ist schon verrückt, dass eine kleine Gruppe von Personen – die 13 Mitglieder im Rat der Fed – die wirtschaftlichen und finanziellen Geschicke der Welt in ihren Händen hält..

Redaktion

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Ein Beitrag von Thorsten Polleit (Hinweis der Redaktion: der Text erschien zuerst auf der in jeder Hinsicht empfehlenswerten Webseite des Ludwig von Mises Instituts Deutschland, https://www.misesde.org/. Die Veröffentlichung bei FMW erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors).

 

Die amerikanischen Zinsen steigen kontinuierlich, vor allem weil erwartet wird, dass die US Federal Reserve (Fed) ihren Leitzins in den nächsten Quartalen weiter erhöhen wird. Die Federal Funds Rate befindet sich derzeit in einer Bandbreite von 2,00 bis 2,25 Prozent, und die Rendite der 10-jährigen US Staatsanleihen ist kürzlich auf deutlich über 3 Prozent angestiegen. Weiter steigende Zinsen dürften weitreichende Konsequenzen für die Wirtschaft haben, vor allem auch für die Kapitalmärkte.

Das wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, was ein Absenken der Marktzinsen durch die Zentralbanken – wie es in der letzten Dekade passiert ist – anrichtet: Die Geldbehörden unter der Führung der Fed haben die Marktzinsen auf extrem niedrige Niveaus gezwungen und sie dort eine sehr lange Zeit festgehalten. Was geschieht genau in einem Umfeld derart künstlich niedrig gedrückter Zinsen?

Effekte der Zinsmanipulation

  1. Der künstlich gedrückte Zins löst einen nicht nachhaltigen „Boom“ aus. Firmen erweitern ihre Produktionsmöglichkeiten, stellen neues Personal an, zahlen höhere Löhne und die Wirtschaft expandiert. Doch der Boom entmutigt das Sparen und befeuert den Konsum und die Investitionen. Dadurch beginnt die Volkswirtschaft sprichwörtlich über ihre Verhältnisse zu leben.
  2. Die künstliche Verringerung des Zinses verleitet die Firmen dazu, vor allem langfristige Investitionen zu tätigen. Die volkswirtschaftliche Produktions- und Beschäftigungsstruktur gerät dadurch durcheinander. Knappe Ressourcen werden vermehrt in die Kapitalgüterindustrie gelockt, während die Investitionen in der Konsumgüterindustrie dahinter zurückbleiben.
  3. Der künstliche Niedrigzins bläht die Aktien- und Häuserpreise auf: Die zukünftig erwarteten Zahlungen werden fortan mit einem geringeren Zins abdiskontiert, was ihren Barwert erhöht und damit zu einem höheren Marktpreis führt. Außergewöhnlich niedrige Zinsen führen zudem zu erhöhten Bewertungen. Zum Beispiel erhöht sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Aktien und Häusern.
  4. Der verringerte Zins führt zu einem Anstieg der Preise für Produktionsmittel (Energie, Zwischenprodukte, Arbeit etc.). Firmen kaufen diese Produktionsfaktoren nämlich zu einem Preis ein, der dem Mehrwert (Grenznutzen) dieser Produktionsfaktoren entspricht, wenn diese mit dem derzeitigen Marktzins abdiskontiert werden.
  5. Der Risikoappetit der Investoren steigt, wenn der Zins fällt. Kredithungrige Konsumenten, Firmen und öffentliche Körperschaften können fällige Schulden zu günstigeren Konditionen refinanzieren, und niedrige Kreditkosten ermutigen auch dazu, sich noch höher zu verschulden. Der Verschuldungsspielraum steigt, wenn der niedrige Zins die Marktwerte der Kreditsicherheiten in die Höhe treibt.

 

Der natürliche Zins

Vor diesem Hintergrund, könnte man zum Schluss gelangen, ein Zinsanstieg werde unausweichlich für Probleme sorgen: Verlangsamung der Konjunktur, Einbruch der Produktions- und Beschäftigungsstruktur, Deflation der Vermögenswertpreise, wachsender Druck auf die Kreditnehmer. Doch die Sache ist nicht ganz so einfach. Es kommt in entscheidendem Maße auf den sogenannten „natürlichen Zins“ an.

Der natürliche Zins ist ein Bestandteil des Marktzinses, und er ist definiert als der Zins, der die Ersparnisse und Investitionen in Übereinstimmung bringt. Wenn die Zentralbank den Marktzins unter den natürlichen Zins absenkt, treibt sie die Wirtschaft in einen Boom, und wenn sie den Marktzins über den natürlichen Zins hinaus anhebt, verursacht sie einen Bust.

Wenn man sich ein Bild über die Auswirkungen der Fed-Zinsanhebungen der Fed auf die Konjunktur und Kapitalmärkte machen möchte, muss man also wissen, wo denn der natürliche Zins liegt. Befindet sich der natürliche Zins auf einem vergleichsweise hohen Niveau, würden Zinsanhebungen weniger Probleme für die Wirtschaft und Kapitalmärkte bedeuten im Vergleich zu einer Situation, in der der natürliche Zins auf einem niedrigen Niveau verharrt.

 

Ein Prozess von Versuch und Irrtum

Nun wissen aber weder die Zentralbankräte noch die Marktakteure, wo der natürliche Zins denn liegt. Der Kapitalmarkt kann ihnen diese Information nicht bereitstellen: Die Zentralbank erhöht ja quasi fortlaufend die Kredit- und Geldmenge und verzerrt dadurch laufend die Marktzinsen. Und solange das der Fall ist, kann sich der Marktzins nicht auf den natürlichen Zins hinbewegen.

Es gibt zudem auch keine unabänderliche Beziehung zwischen zum Beispiel dem Wirtschaftswachstum und dem Zinsniveau. Ein hoher natürlicher Zins ist unter Umständen vereinbar mit hoher Ersparnis und Investitionstätigkeit oder auch mit geringer Ersparnis und Investitionstätigkeit. Kurzum: Es ist angemessen zu sagen, die Zentralbank befindet sich bei ihrer Zinssetzung in einer Art „Blindflug“.

Ihre Zinspolitik gleicht einem Prozess von Versuch und Irrtum. Bereits Ende 2015 hat sich die Fed, wenn auch vorsichtig und langsam, auf einen Pfad der Zinserhöhungen begeben. Zumindest bis heute hat die US-Wirtschaft kontinuierlich zugelegt, da Produktion und Beschäftigung erhöht wurden. Das lässt darauf schließen, dass die Fed den Marktzins unter dem natürlichen Zins belassen hat.

Der Boom, der bereits seit längerem anhält, ist so noch nicht zu seinem Ende gekommen. Dies ist jedoch kein Grund zur Beruhigung. Der Boom führt zu Fehlinvestitionen und Überkonsum. Und die Zinssteigerungen der Fed haben die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Boom schlussendlich abbricht und in einen Bust umschlägt.

 

„Cluster of Errors“

Die Erfahrung lehrt, dass sich das Wirtschaftswachstum lange Zeit ungestört fortsetzen kann, während sich die Fehlinvestitionen auftürmen. Plötzlich jedoch, wie aus dem Nichts, gerät dann die Wirtschaft ins Schlingern: Probleme zeigen sich nicht nur in einer Branche, sondern in nahezu allen Wirtschaftszweigen; ein „Fehlerknäuel“ („Cluster of Errors“) kommt zum Vorschein. Dies ist ein Hauptmerkmal eines realen Konjunkturzyklus.

Die monetäre Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule der Nationalökonomie erklärt nicht nur das Phänomen des „Fehlerknäuels“. Sie lässt uns auch die ökonomischen und ethischen Probleme verstehen, die das heutige ungedeckte Papiergeldsystem mit sich bringt. In diesem System haben Zentralbanken das Geldproduktionsmonopol und schaffen per Kredit Geld aus dem Nichts.

Die Zentralbanken sorgen für schleichend-chronische Inflation, die nur einigen wenigen nutzt und vielen schadet. Sie verursachen Boom-und-Bust und sorgen für ein fortgesetztes Anwachsen der Schuldenlasten. Das künstliche Absenken des Marktzinses unter sein natürliches Niveau wird notwendig, um den Boom in Gang zu halten, um zu verhindern, dass das Schuldenkartenhaus in sich zusammenfällt.

Die monetäre Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule der Nationalökonomie überbringt folglich eine ernüchternde Nachricht: Es gibt wenig Grund zu der Annahme, dass die Fed mit ihrem Blindflug Erfolg haben wird, dass sie den Boom unendlich lange in Gang halten kann. Aktien- und Häuserpreise mögen zwar für eine Weile weiter steigen; wie lange noch lässt sich nicht sagen.

Zieht die Fed den Zins zu stark an, oder gibt der natürliche Zins nach, wird es nicht lange dauern, und der Boom wird zum Bust. Es ist schon verrückt, dass eine kleine Gruppe von Personen – die 13 Mitglieder im Rat der Fed – die wirtschaftlichen und finanziellen Geschicke der Welt in ihren Händen hält. Personen, die irren können, politisch beeinflusst sind, die für die Folgen ihrer geldpolitischen Entscheidungen nicht persönlich haften müssen. Wie grotesk, wie unaufgeklärt und unzivilisiert doch das heutige Fiat-Geldsystem ist!

Von Author, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=216345

 

Thorsten Polleit, 50, ist seit April 2012 Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH. Er ist Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, Adjunct Scholar am Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama, Mitglied im Forschungsnetzwerk „Research On money In The Economy“ (ROME) und Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Er ist Gründungspartner und volkswirtschaftlicher Berater der Polleit & Riechert Investment Management LLP. Die private Website von Thorsten Polleit ist: www.thorsten-polleit.comHier Thorsten Polleit auf Twitter folgen.
4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Goldsammler

    17. Oktober 2018 17:04 at 17:04

    Für den ersten Absatz gibt es ein FETTES LIKE !!!!

  2. Avatar

    Beobachter

    17. Oktober 2018 18:24 at 18:24

    Interessanter Chart, 2012 hatten wir bei gleichen aber fallenden 10 Jahres-Renditen wie jetzt den S&P 500
    bei etwa 1500 , jetzt bei steigenden Zinsen ist er fast doppelt so hoch.
    Aktien = alternativlos wenn man sich ruinieren will !

  3. Avatar

    beobachter

    17. Oktober 2018 19:00 at 19:00

    Berichtigung: Der S&P war noch eher unter 1400 u.der Dollar viel schwächer. Es wartet also sehr viel Kreativität auf den Börsengott ( Donald ) um das durch seine Verdienste erreichte Börsenniveau zu halten.

  4. Avatar

    Schwarzseher

    17. Oktober 2018 19:20 at 19:20

    Auf dem Chart ist noch auffallend ,als Hinweis auf einen kürzlichen FMW Beitrag, der besagte, dass neue Hochs in letzter Zeit Kaufkurse waren u. in kurzer Zeit wieder überboten wurden.
    Da sieht man, dass die 2000er u. 2007er Hochs erst etwa 2013 wieder überboten wurden.D.h. ca. 13 Jahre keine markanten neuen Hochs.Könnte also sein, dass die 2018er Hochs für längere Zeit nicht mehr zu toppen sind.

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Türkische Lira fällt erneut auf Rekordtief – die aktuelle Lage

Redaktion

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Türkei Flagge

Die türkische Lira fällt immer weiter, heute früh auf ein neues Rekordtief. Die Lage ist dramatisch. Bereits letzte Woche Donnerstag rauschte die türkische Währung auf ein erneutes Rekordtief. US-Dollar vs Türkische Lira stieg von 7,80 auf 7,96. Heute früh springt der Wechselkurs erneut. Für einen US-Dollar muss man aktuell 8,03 Lira aufbringen. Der Chart zeigt den Kursverlauf des US-Dollar gegen die Lira in den letzten zwölf Monaten. Die Abwertung läuft immer weiter.

Türkische Lira immer noch enttäuscht nach Zinsentscheid

Erst letzten Donnerstag hatte die türkische Zentralbank bei ihrer Zinsentscheidung den Leitzins unverändert belassen, obwohl der Devisenmarkt eine deutliche Zinsanhebung erwartet hatte, um die Lira-Abwertung zu bekämpfen. Aber nein, der Leitzins bleibt bei 10,25 Prozent. Und so fiel die türkische Währung wie gesagt schlagartig auf ein Rekordtief. Und die Abwertung läuft in diesem dramatischen Tempo nicht nur gegenüber dem US-Dollar, sondern auch dem Euro. Für 1 Euro musste man Anfang letzter Woche noch 9,27 türkische Lira aufbringen – jetzt sind es 9,51 Lira.

Weitere Faktoren für Lira-Schwäche

Die Enttäuschung zum Leitzins wirkt heute noch nach. Zudem teilt Präsident Erdogan derzeit verbal aus gegen den französischen Präsidenten, der den Botschafter aus Ankara zurückrief (hier mehr Details dazu). Außerdem könnte der Raketenstreit der Türkei mit den USA erneut wieder aufflammen. Und da wäre noch der aktuelle Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan, und nicht zu vergessen der Gas-Streit der Türkei mit Zypern. Alles zusammengenommen ein geopolitischer Mix, der dem Devisenmarkt Angst macht, mal ganz abgesehen von der Coronakrise.

Und was letzte Woche noch dazu kam, waren Berichte über die Analysen einer unabhängigen Expertengruppe in der Türkei. Sie will ermittelt haben, dass die tatsächliche Inflation in der Türkei vier Mal so hoch sein soll wie offiziell angegeben. Aber das muss aktuell nicht zu viel Auswirkung auf die türkische Lira haben, sondern wohl eher der Mix der vorher genannten Faktoren. Aktuell scheint keine Besserung in Sicht zu sein.

Chart zeigt Kursverlauf von US-Dollar gegen türkische Lira

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Freudige Nachricht für Gold-Anleger, Robert Halver über Aktienmärkte, Ideen zu Pfund und Facebook

Redaktion

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Eine freudige Nachricht für Anleger, die in Gold-Produkte wie ETCs investieren. Bisher waren nämlich Gewinne auf physisches Gold nach 12 Monaten steuerfrei. Jetzt gibt es ein Gerichtsurteil, wonach ein Goldprodukt dem physischen Gold gleichgestellt wurde. Auch hier sind die Gewinne nach 12 Monaten steuerfrei. Dies liegt daran, dass man sich als Anleger bei diesem Produkt (ETC) das Gold auch physisch ausliefern lassen kann. Möglicherweise können Sie sich sogar gezahlte Steuern erstatten lassen. Fragen Sie hierzu Ihren Steuerberater. Manuel Koch geht im folgenden Video auf diesen Sachverhalt ein.

Auch bespricht er mit Robert Halver die aktuelle Lage am Aktienmarkt. Seine Empfehlung: Trotz aktueller Unsicherheiten sollte der Anleger am Ball bleiben und über Aktiensparpläne investieren. Auch bespricht Manuel Koch im Video zwei Handelsempfehlungen der trading house-Börsenakademie. Euro gegen Pfund sei eine Kaufidee über das Vehikel einer Stop-Buy-Order. Die Aktie von Facebook könne man shorten über eine Stop-Sell-Order. Beide Ideen werden im Detail erläutert.

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Aktuell: Türkische Lira fällt schnell und kräftig auf Rekordtief – hier der Grund

Claudio Kummerfeld

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Türkei Flagge

Die türkische Lira fällt seit einigen Minuten schnell und kräftig in den Keller gegen US-Dollar und Euro. US-Dollar gegen Lira steigt seit 13 Uhr von 7,80 auf aktuell 7,97 – ein neues Rekordtief für die Lira. Und der Euro steigt aktuell gegen die türkische Lira von 9,22 auf 9,43 – das ist ebenfalls ein neues Rekordtief für die türkische Währung.

Grund dafür ist die ganz frische Verkündung der türkischen Zentralbank, dass man den Leitzins unverändert bei 10,25 Prozent belässt. Rückblick: Am 24. September hatte die türkische Zentralbank überraschend den Leitzins um 200 Basispunkte angehoben, von 8,25 Prozent auf 10,25 Prozent. Für heute lagen die Markterwartungen bei einer weiteren Anhebung von 175 Basispunkten auf 12 Prozent. Nötig wäre das, um endlich die ständige Abwertung zu stoppen, der sich die türkische Lira seit geraumer Zeit ausgesetzt sieht.

Und dieser erste Zinsschritt vom 24. September schien nicht auszureichen, um am Devisenmarkt eine Kehrtwende für die Lira einzuläuten. Die jetzige Enttäuschung am Devisenmarkt über die ausgebliebene Zinserhöhung bringt die türkische Lira zu diesem schnellen Absturz (im Chart sehen wir den steigenden US-Dollar gegen die Lira in den letzten 30 Tagen – der letzte Aufwärtsbalken zeigt die ganz aktuelle Bewegung).

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten 30 Tagen

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