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Die Fed ist schuld – über das Wehklagen der Bullen

Im Oktober haben die globalen Aktienmärkte acht Billionen Dollar an Marktkapitalisierung verloren – Zufall?

Markus Fugmann

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Das Wehklagen der Profiteure

 

Im Oktober haben die globalen Aktienmärkte acht Billionen Dollar an Marktkapitalisierung verloren – so viel wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Eingeleitet wurde der Abverkauf durch die Aussagen von Jerome Powell am 03.Okotber, wonach die Fed die Zinsen über die neutrale Rate heben werde – was das FOMC-Protokoll dann bestätigte als Konsensmeinung innerhalb der US-Notenbank und nicht nur als Einzelmeinung des Fed-Chefs.

Nun ist das Wehklagen derjenigen groß, die meinen, die Fed würde damit gleichermaßen die US-Konjunktur wie die schöne jahrelange Hausse an der Wall Street kaputt machen. So macht Trump vor allem die Fed verantwortlich für die Kursverluste (und nicht sich selbst und den von ihm begonnenen Handelskrieg):

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Damit die Rally weiter gehen kann, müssten zwei Dinge passieren, so der durchaus einflußreiche Jim Cramer, Moderator beim US-Finanzsender CNBC: erstens müßte die Fed ihren Kurs ändern, und zweitens müßte Trump seinen Handelskrieg beenden, der inzwischen auch an der Wall Street (neben der Fed) das Top-Thema schlechthin ist (das war vor dem Oktober noch anders, da nahm man den Handelskrieg schon deshalb nicht ernst, weil man glaubte, dass er erstens gar nicht stattfinden – und wenn doch, dass man ihn locker gewinnen würde):

„My main fear is that we could have a mini version of 2008 if the Fed doesn’t change course.Our one hope? If Fed chief Jerome Powell actually starts listening to the stock market and wakes up to the damage that tariffs can do to the economy, then maybe he’ll shift gears, just like Greenspan did in ’98. Then we can bottom and even roar higher. But as long as Powell stays committed to the December hike and three more next year, … and the president stays committed to expanding his tariffs, then history says we’ve got more downside no matter what.“

Faktisch ist es an den Aktienmärkten zehn Jahren lang mehr oder weniger ununterbrochen nach oben gegangen, dank der Notenbanken und der von ihnen zur Verfügung gestellten billigen Liquidität. Nun aber scheint die Fed nicht mehr der Freund und Helfer der Aktienmärkte zu sein – und schon geht das Geheule los: die Fed macht einen riesigen Fehler, so geht das nicht, wir wollen die alten Zeiten zurück!

Macht die Fed einen Fehler? Nicht wirklich..

Aber ist das Gejammer gerechtfertigt? Faktisch sind in den USA die Realzinsen nach wie vor negativ, weil die Zinsen niedriger sind als die Inflation. Wir erleben derzeit den langsamsten und vorsichtigsten Zinsanhebungszyklus in der Geschichte der Geldpolitik:

 

Wenn der (historisch gesehen) minimale Zinsanstieg schon ausreicht, die Wohlstandsillusion durch steigende Vermögenspreise (u.a. durch die Decke geschossene US-Aktien) in Frage zu stellen – dann stellt sich doch die Frage, wie nachhaltig die Geldpolitik der Notenbanken war und ist, wenn schon diese minimale Straffung der Geldpolitik zu solchen Turbulenzen an den Märkten führt!

 

Bezeichnend ist, dass weder die ultralaxe Geldpolitik der Fed noch die US-Steuerreform die Investitionen (Capex) nachhaltig gesteigert haben:

 

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Faktisch ist das frei gewordene Geld also nicht in Investitionen und damit in die Zukunftsfähigkeit geflossen, sondern in die kurzfristige Bereicherung in der Gegenwart etwa durch Aktienrückkäufe. Oder eben durch zusätzliche Aufnahme von Schulden – derzeit ist die Quote der Schulden von US-Unternehmen im Vergleich zum US-BIP so hoch wie noch nie, während gleichzeitig die schwachen Unternehmen (Zombies) noch am Leben gehalten werden (ihre Pleite-Quote ist erstaunlich gering):

 

Wenn aber Geld teurer wird, werden auch die Pleiten der hoch verschuldeten und bonitätsschwachen US-Firmen zunehmen – das ist wohl der Prozeß, an dessen Beginn wir nun stehen, auch wenn die Streßsymptome am Junk Bond-Markt noch minimal ausgeprägt sind.

 

Derzeit steht die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe wieder über der Marke von 3,2% – Tendenz wohl steigend, weil die Schulden der USA drastisch steigen und die Trump-Administration immer mehr Anleihen zur Refinanzierung dieser Schulden an den Markt bringen muß – es gibt also immer mehr Angebot an Schulden, die gekauft werden müssen:

 

Nun sind die Ausgaben der Trump-Administration ein wichtiger Wachstums-Faktor des US-BIPs gewesen in 2018 (weil die Staatsausgaben in die BIP-Berechnung mit einfließen). Die USA müssen aber inzwischen täglich mehr als 1,4 Milliarden Dollar für Zinsen auf Staatsschulden aufwenden – Tendenz weiter steigend:

 

Faktisch also ergiebt sich ein Teufelskreis, auf den die Fed reagieren muß, auf den aber auch die internationalen Investoren reagieren müssen: steigende staatliche Verschuldung (+ Verschuldung der US-Unternehmen) heißt immer mehr Angebot an Schulden, die irgendwer kaufen muß. Damit die Schulden gekauft werden, müssen aber tendentiell die Renditen (Zinsen) nach oben gehen, sonst gibt es zu wenig Nachfrage für den Kauf von immer mehr Schulden!

 

Die Rechnung kommt!

So oder so: wenn die Fed angesichts einer überhitzenden US-Wirtschaft die Zinsen weiter aus dem Bereich der negativen Realzinsen anhebt und damit der Hausse an den Aktienmärkten das Licht ausbläst, ist das nicht ein Fehler der Fed – ihr Fehler bestand vielmehr wohl darin, zu lange an der ultralaxen Geldpolitik festgehalten zu haben und damit bei den Investoren eine verhängnisvolle Mentalität der Selbsbereicherung auf Kosten der Zukunft geschaffen zu haben. Nun droht das Schuldengebäude einzustürzen, das in der Phase des kostenlosen Geldes auf brüchigem Fundament errichtet worden ist.

Wahrscheinlich ist es die Kombination einer zu laxen Geldpolitik der Fed in den vergangenen Jahren bei aktuell unseriöser Finanzpolitik der Trump-Administration, die das Gebäude zum Einsturz bringen wird. Das aber wird nicht die Schuld von Jerome Powell sein, sondern eher die Schuld seiner Vorgänger Greenspan, Bernanke und Yellen. Und natürlich die Schuld des Schuldenkönigs Trump..

Eines sollten die Märkte doch gelernt haben: es gibt keinen free lunch, auch wenn die Rechnung nicht sofort kommt, sondern mit Verspätung. Was die Märkte nun erleben ist die Präsentation der Rechnung – und genau deshalb ist das, was wir an der Wall Street erleben, viel tiefer gehend als die Korrektur im Februar!

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Alex Kreis

    5. November 2018 15:05 at 15:05

    Die zentrale Frage lautet doch: wird das erneut notwendige Rettungsprogramm der FED (nennen wir es ruhig QE4) dieses Mal zur Hyper-Inflation des US-Dollar führen oder wird die Welt den Dollar und die US-Treasuries erneut als sicheren Hafen auswählen und wir erleben 2008 „all over again“? Ist die „De-Dollarization“ bereits weit genug fortgeschritten oder kann das US-Imperium die Weltwirtschaft wiederholt unter die Dollar-Knute zwingen und es geht tatsächlich noch einmal in eine weitere Runde Rock’n Roll? Leider kann niemand sagen ob Europa, China oder die USA als erstes kollabieren und da die Zentralbanken inkl. der BIZ+IWF+Weltbank weltweit koordiniert agieren, kann sich dieses Kaugummi noch ganz schön lange hinziehen … würde es nicht von Jahr zu Jahr schlimmer, im Sinne der berühmten Fallhöhe, dann könnte man ja sagen „gut so“. Wer aber Kinder – aka Verantwortung in der Zukunft – hat, der kann und darf so nicht denken. Was mich dabei wirklich erschüttert: viele Leute in meinem Umfeld denken trotzdem so: „Nach mir die Sintflut“.

    • Avatar

      tm

      5. November 2018 15:30 at 15:30

      Der Begriff „De-Dollarization“ ist vielleicht etwas weit hergeholt angesichts der Tatsache, dass über 62% der weltweiten Devisenreserven in USD gehalten werden – seit Trump Präsident ist, ist der Anteil allerdingds bereits um rund 3 Prozentpunkte gefallen. Auch hier leister Putins Marionette also ganze Arbeit.

      Abgesehen davon ist die Fallhöhe in Europa 2015, 2016 und 2017 zurückgegangen.

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Finanznews

Aktienmärkte: Ich werde bullisch – schnell verkaufen! Marktgeflüster (Video)

Wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen! Deshalb werde ich jetzt extrem bullisch – Aktien steigen immer!

Markus Fugmann

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Die Konjunktur in den USA brummt, wie heutige Daten zeigen – also werde ich jetzt bullisch für die Aktienmärkte! Denn wenn die Wirtschaft anspringt, dann müssen auch die Aktienmärkte steigen, oder? Dazu kommt jetzt auch noch der Stimulus in den USA – besser geht nicht! Und nächste Woche werden Apple, Facebook und Tesla ihre Zahlen berichten – das wird sicher extrem bullisch werden, denn die tollen Zahlen sind bestimmt noch nicht ausreichend eingepreist, oder? Ausserdem: Aktien steigen immer – das zeigt schon der Blick in die Geschichte! Und heute ist Janet Yellen als Finanzministerin bestätigt worden – können Sie sich an einen einzigen Tag erinnern, an dem die Aktienmärkte gefallen sind, als Yllen noch Fed-Chefin war? Eben..

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Allgemein

Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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Rüdiger Born: Keine Bären in Sicht – Blick auf Dax, Dow und Nasdaq

Rüdiger Born

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Derzeit kann man beim Blick auf Dax, Dow und Nasdaq keine fallenden Tendenzen ausmachen. Schauen wir im folgenden Video auf das aktuelle Chartbild.

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