Hintergrund

Die Fed-Männer attackieren Janet Yellen

Innerhalb der Fed scheinen derzeit Prozesse abzulaufen, die fatal an die EZB der letzten Wochen erinnern, als Mario Draghis Pressekonferenz nach der EZB-Sitzung von großen Playern am Markt als Einladung für Euro-Käufe verstanden wurde. Schon in der Folgewoche ruderten dann zahlreiche EZB-Mitglieder zurück. Tenor: so war es doch gar nicht gemeint, die Märkte hätten das ganz sicher missverstanden..

Ein ganz ähnliches Schauspiel wiederholt sich nun bei der Fed: täglich treten männliche Fed-Mitglieder auf, die den Märkten versichern, dass Janet Yellen die Sache mit den Zinsanhebungen im ersten Halbjahr so doch gar nicht gemeint habe, im Grunde, so die Botschaft, habe sich gar nichts geändert, warum regt ihr euch bloß so auf?

Im Unterschied zur EZB und Mario Draghi ist Yellen als chairwoman neu im Amt und hat noch lange nicht die Autorität Draghis, dessen Schwur zur Rettung des Euros 2012 ein echter „game changer“ für die Märkte war. Seitdem scheint die Eurokrise in der Versenkung verschwunden zu sein.

Yellen hingegen war als Fed-Chefin das erste Mal einer großen Öffentlichkeit ausgesetzt, und ihre Aussage, dass ca. sechs Monate nach Auslaufen der Anleihekauf-Programme durch die Fed die erste Zinsanhebung zu erwarten sei, schickte die Märkte letzte Woche auf Talfahrt.

Jetzt aber bemühen sich einige Herren der Fed, die Aussage Yellens zu relativieren – und untergraben damit bewusst oder unbewusst ihre Autorität. Vor allem aber: sie verwickeln sich dabei in logische Widersprüche, die man als Zeichen steigender Nervosität interpretieren kann.

So sagte James Bullard, Präsident der St.Louis Fed, heute bei einer Rede in Hong Kong, dass Yellen mit der Aussage, die Fed werde ca. sechs Monate nach Ende des Anleihekauf-Programms erstmals die Leitzinsen erhöhen, nur die Erwartungen des Marktes wiedergegeben habe. Soso. Warum aber fielen dann die Märkte nach der Aussage Yellens so drastisch, wenn die Notenbankchef nur die Erwartungen des Marktes wiedergegeben hat? Es ist doch offensichtlich so, dass der Abverkauf u.a. an den Aktienmärkten stattfand, weil die Märkte eben genau das nicht erwartet hatten. Und: der gesamte Kontext der Aussage Yellens war völlig eindeutig ihre eigene Einschätzung zur Leitzinspolitik – und nicht, was die Märkte für eine Politik von der Fed erwarten. Wer die Pressekonferenz Yellens gesehen hat, kann das nur bestätigen.

Andere, wie Plosser (Philadelphia-Fed), verweisen darauf, dass man die Konjunkturdaten abwarten müsse, und es daher keinen Sinn habe, über Leitzinsanhebungen zu spekulieren. Denkt man das Argument Plossers logisch zu Ende, müsste er Yellen genau das vorwerfen – nämlich grundlos über Leitzinsanhebungen zu spekulieren.

Wie man es dreht und wendet: Janet Yellen hat schon nach kurzer Zeit Autoritätsprobleme. Wären unter Greenspan solche Kommentare denkbar gewesen? Keine Chance, Greenspan galt als Halbgott, dem man nicht widerspricht. Auch Bernanke war unumstritten, wenngleich weniger als Greenspan seinerzeit.

Für die Märkte bedeutet das: die Zeit einheitlicher Kommunikation der Fed ist vorbei, die Herren in der amerikanischen Notenbank haben nämlich vermutlich ein Problem, sich Yellen unterzuordnen und werden immer wieder ihre eigene Meinung als maßgeblich für die Notenbank darstellen. Und das führt dann zu Unklarheiten und Missverständnissen, wie wir schon in unserem Artikel „Frau trifft Männerhirne“ prognostiziert hatten..



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