Folgen Sie uns

Anleihen

Die Fed muß jetzt die Welt retten – wird es aber wegen Trump vermutlich nicht tun..

Der heftige Anstieg des Dollar sorgt für starken Bedraf nach Dollars – doch auch aufgrund neuer Regularien steigen für Banken die Kosten scharf an, sich Dollars zu besorgen. Nun kann nur noch die Fed helfen – aber die Wahrscheinlichkeit ist wegen Trump hoch, dass sie das nicht tun wird!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

„Muß nur noch kurz die Welt retten“ – das sang einst Tim Bendzko. Und seit dem Sieg von Donald Trump bei der US-Wahl dürfte diese Rolle des Welt-Retters nun der amerikanischen Notenbank Fed zufallen! Denn der massive Anstieg des Dollar ist ein schweres Problem für eben diese Welt, die das Pech hat, dass sie in Dollar verschuldet ist. Und sie ist auch ein Problem für die Banken dieser Welt, denn die Nachfrage nach Dollars ist gerade aufgrund der Dollar-Stärke hoch: die Dollar-Schuldner geraten in Schieflage und müssen versuchen, die immer drückendere Dollar-Verschuldung zu reduzieren. Und dadurch ensteht gerade bei Banken Nachfrage nach US-Dollars.

Und wo die Nachfrage stark ist, steigen die Preise. So steigen die Kosten für Banken, Euros, Yen, Pfund oder welche Währung auch immer in Dollar zu tauschen in den letzten Wochen rapide an – sie sind derzeit so hoch wie seit 2012 nicht mehr, als die Sorge über die Euro-Krise die Nachfrage nach Dollars explodieren ließ. Nun ist es die Dollar-Stärke nach dem Sieg Trumps sowie die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im Dezember die Zinsen anhebt, die einen regelrechten Run auf den Greenback ausgelöst hat.

Gemessen werden die Kosten einer Bank für die Umwandlung einer Währung in US-Dollar in den sogenannten „cross-currency basis swaps“, die als „one year cross-currency basis swaps“ gehandelt werden. In der Finanzkrise nach dem Untergang von Lehman Brothers, als eine beispiellose Jagd nach Dollars einsetzte, waren diese swaps ein Gradmesser für die Krise. Und in den letzten Wochen sind die Preise für diese Swaps regelrecht explodiert – so haben sich etwa die Kosten für britische Banken, die Pfund in Dollar tauschen wollen, seit November verdoppelt. Für japanische Banken liegen sie so hoch wie seit 2011 nicht mehr – von Banken der Emerging Markets ganz zu schweigen!

cash
Objekt der Begierde: US-Dollars
Foto: Gemeinfrei

Interessanterweise sind es auch US-Firmen, die nun starken Bedarf nach US-Dollar haben. Denn es waren amerikanische Firmen, die Unternehmensanleihen im großen Maßstab in Euro ausgaben, weil die Zinsen dafür niedriger waren als im Dollar-Raum. Wenn diese US-Firmen nun wieder in Dollar tauschen wollen, entstehen ihnen derzeit sehr hohe Kosten.

Für Banken, die Dollars brauchen, gibt es derzeit zwei Wege, sich die amerikanische Währung zu beschaffen: US-Banken und amerikanische Geldmarkt-Fonds. Nun hat es aber kürzlich eine regulatorische Änderung gegeben in den USA, die vor allem US-Geldmarktfonds betrifft und dazu führt, dass der Wille dieser Geldmarktfonds, Dollars zu tauschen, sich verringert hat – das ist ein Grund der steigenden Kosten für Dollar-swaps, es ist aber auch ein Grund für die Stärke des Dollar ingesamt!

Nun gibt es, um das Problem nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, nur zwei Möglichkeiten: entweder die Regularien für amerikanische Geldmarkt-Fonds weredn schnell wieder gelockert – oder die Fed selbst muß einspringen und die Dollar-Versorgung der Welt über unbegrenzte Dollar-Swaps ermöglichen.

Das Problem: diese Linie dürfte dem neuen Präsidenten Trump nicht gefallen. Denn das ist genau das Gegenteil von „Amerika first“, das Trump als neue Leitlinie der US-Politik definiert hat. Daher dürfte die politische Unterstützung für einen solchen Schritt der Fed auch nicht vorhanden sein, zumal schon die Dollar-Versorgung der Welt in der Finanzkrise durch die Fed damals hoch umstritten war, vor allem bei den Republikanern. Und daher ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass der einzig mögliche Retter, der die Welt vor extremer, die Finanzmärkte in Gefahr bringende Dollar-Knappheit, retten könnte, diesmal die Füsse still hält. This time is different!

„Make Amerika great again“ heißt dann praktisch: was kümmert micht die Rest-Welt!

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    gerd

    21. November 2016 15:35 at 15:35

    Aufgrund meiner in der letzten Zeit überbordenden, nicht immer qualifizierten Kommentare, werde ich mich hoffentlich lange zurückhalten (können).

    Nur einmal noch. .- )
    Was mich wundert ist, dass dieser Artikel von allen zehntausend Usern, die ihn gelesen haben, verstanden wird. Es kommt zumindest keine Frage.
    Bei mir bleibt wieder mal ne Ungereimtheit offen.
    Aber was solls?
    Will ich lieber reich werden oder alles verstehen?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      21. November 2016 15:39 at 15:39

      @Gerd, na raus damit, wo ist denn die Ungereimtheit? :)

      • Avatar

        gerd

        21. November 2016 15:53 at 15:53

        Ich habs ja fast gehofft.
        Aber jetzt seid ihr selber schuld, wenn ich wieder „lästern“muss bzw lästige Fragen stelle.

        „… auch US-Firmen, die nun starken Bedarf nach US-Dollar haben. Denn es waren amerikanische Firmen, die Unternehmensanleihen … in Euro ausgaben, weil die Zinsen dafür niedriger waren als im Dollar-Raum. Wenn diese US-Firmen nun wieder in Dollar tauschen wollen, entstehen ihnen derzeit sehr hohe Kosten.“

        (Sinngemäß) heißt es bei FMW zum einen:
        das arme Ausland, was ja so hoch in Dollar verschuldet ist, das muss jetzt „leiden“ – bei dem hohen Dollarkurs.
        Gleichzeitig heißt es, die armen amerikanischen Unternehmen, die in Euro verschuldet sind, die müssen jetzt „leiden“ – auch wegen dem hohen Dollarkurs.

        O.k. , vielleicht gibt es ja die einen dort und die anderen da. Aber verwirrend ist das schon für mich.

        Und vor allen Dingen:

        „Wenn diese US-Firmen nun wieder in Dollar tauschen wollen,…“

        Warum sollten sie jetzt wollen sollen? Wenn sie es nicht eh sofort mit Erhalt des Emissionserlöses getan hätten.

        @Markus Fugmann, ich sage Ihnen Danke.

        • Markus Fugmann

          Markus Fugmann

          21. November 2016 16:00 at 16:00

          @Gerd, man begibt eine Anleihe in Euro und nimmt Geld auf (nämlich in Euro). Nun hat die amerikanische Firma diese Anleihe ja nicht begeben, um Euros einzunehmen, sondern nur weil die Verschuldung in Euro zinsgünstiger ist als wenn sie das in Dollar täte. Aber die US-Firma will ja eigentlich mit der Schulden-Aufnahme nicht im eigentlichen Sinne Euro einnehmen, sondern Dollars, das sie für ihr Tagesgeschäft braucht. Nun sind die Kosten für den Tausch von Euro in Dollar für die diese Firmen gestiegen – und diese Firmen bekommen auch weniger Dollar für die Euros, die sie über Schulden eingenommen hatten..

          • Avatar

            gerd

            21. November 2016 16:18 at 16:18

            Den Sachverhalt hatte ich mir ganz genau so vorgestellt, wie Sie ihn beschrieben haben.

            Das würde sich aber dann nur auf sehr wenige Anleihen beziehen können, die jüngst emittiert wurden. Nur da könnte sich der rapide Dollaranstieg innerhalb weniger Tage zwischen Ausgabetag (Festlegung der Bedingungen) und Zuflusstag des Erlöses beim Unternehmen bemerkbar machen.

            Aber wollen wir es gar nicht vertiefen. Ich weiß jetzt jedenfalls, was gemeint ist und sage noch mal Danke.

  2. Avatar

    Ralle

    21. November 2016 19:17 at 19:17

    … ähm, wer zum Teufel, ist Tim Betz…???
    Wenn wer die Welt retten kann, dann bestimmt nicht er!
    … das können nur die „normalen“ Menschen, die jeden Tag ihr Wohlergehen, ihre Nahrung und ihren Fortbestand erarbeiten müssen –> die „Proleten“ – die „Armen“ dieser Welt! ;-()
    vG Ralf

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Anleihen

Deutsche Neuverschuldung in Corona-Zeiten: Kein Problem, es ist sogar ein Profitgeschäft!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Brandenburger Tor in Berlin

Der deutsche Staat nimmt wegen der Coronakrise und den explodierenden Rettungskosten viele neue Schulden auf. Erste frohe Kunde: Die Neuverschuldung stellt finanztechnisch schon mal gar kein Problem dar. Man sehe die folgende Grafik aus dem Hause Finanzagentur Deutschland GmbH, dem Institut, dass als Vehikel des Bundesfinanzministeriums Anleihen am Kapitalmarkt verkauft.

Neuverschuldung läuft ohne Probleme ab

Heute wurden für den deutschen Staat sieben Jahre laufende Bundesanleihen ausgegeben im Volumen von 4 Milliarden Euro. Die Nachfrage der institutionellen Investoren lag bei 7,26 Milliarden Euro. So war es auch bei den vorigen Emissionen, wie die Übersichtstafel gut zeigt. Die Nachfrage in den letzten Monaten reichte jedes Mal weit über das Angebotsvolumen hinaus, und erreichte manchmal fast das doppelte Volumen. Verkauft wurden heute übrigens nicht 4, sondern nur 3,28 Milliarden Euro Volumen. So läuft das jedes Mal. Ein Teil der Emission wird nicht tatsächlich verkauft, sondern wandert in die sogenannte „Marktpflegequote“, um den Börsenmarkt für diese Anleihe in den nächsten sieben Jahren liquide halten zu können.

Also, Deutschland kommt am Kapitalmarkt spielend leicht an frisches Geld. Und die Emissionsrendite zeigt: Der Bundesfinanzminister verdient mit dem Aufnehmen neuer Schulden jedes Mal sogar Geld. Die heutige Rendite liegt bei minus 0,62 Prozent. Bei den vorigen Emissionen waren es -0,60, -0,62, -0,62, -0,47 Prozent usw. Diese Negativrendite bei der deutschen Neuverschuldung kommt zustande, weil die Anleihen mit einem Kurs über dem Nennwert der Anleihen von 100,00 Prozent verkauft werden (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten). Heute zum Beispiel lag der Verkaufspreis bei 104,52 Prozent.

Deutsche Staat macht Gewinn – und warum machen die Anleger freiwillig Verlust?

In sieben Jahren, wenn der deutsche Staat die Anleihe an deren Inhaber zurückzahlt, überweist er aber nur den vereinbarten Nennwert von glatt 100,00 Prozent zurück. Zinsen gab es für die Anleger auch keine mit 0,00 Prozent Zinskupon. Tja, der Staat erhält jetzt 104,52, und zahlt in sieben Jahren nur 100,00 zurück. So macht man Geld. Und wie so oft kann man sich fragen: Warum machen die Anleger das, wieso verschenken die Geld, wieso machen sie wissentlich und freiwillig Verlust?

Nun, da wäre natürlich das Argument, dass bei einer vermuteten weiter sinkenden Rendite die Kurse der Anleihen natürlich automatisch weiter steigen. Dann könnten die Investoren nach der Emission am freien Anleihemarkt höher verkaufen, und einen Gewinn einstreichen. Oder man weiß nur zu gut, dass die EZB immer mehr Anleihen aufkauft, und dass man auch dorthin (mit anständigem Gewinn?) weiterverkaufen kann. Denn die EZB, die will ja unbedingt aufkaufen. Und wer unbedingt kaufen will, zahlt am freien Markt höhere Preise als in der Erstauktion des Bundes?

Und dann wären da noch langfristig denkende, große institutionelle Investoren, die überlegen, wo sie ihre gigantischen Geldmengen unterbringen sollen. Will man nicht alles in Aktien packen, oder darf man es gar nicht, muss man sich nach „sicheren“ Anlagen umschauen. Banken reichen gerade bei größeren Kontoguthaben inzwischen eigentlich immer den Negativzins der EZB an die Kunden weiter. Also würden große Pensionskassen, Fonds, Versicherungen etc mit sehr großen Geldsummen wohl 0,5 Prozent Strafzins bei ihrer Hausbank zahlen. Also dann lieber das Geld in Anleihen investieren? Aber halt. Bei dieser deutschen Staatsanleihe liegt die Rendite ja sogar bei -0,62 Prozent. Also steht man nochmal 0,12 Prozentpunkte schlechter da als auf dem Bankkonto. Hier könnte nur noch das Argument ziehen, dass man deutsche Staatsanleihen (im großen Bild betrachtet) als deutlich besseren Parkplatz für große Geldsummen erachtet, als eine einzelne Bank, die immer pleite gehen kann.

Grafik zeigt Neuverschuldung Deutschlands mit 7 Jahren Laufzeit

weiterlesen

Allgemein

Wirtschaft in Italien stürzt ab – warum das den Markt nicht interessiert

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Italien-Flagge in Rom

Die Wirtschaftsleistung in Italien ist im zweiten Quartal im Vergleich zum 1. Quartal um 12,8 Prozent abgestürzt, wie offizielle Daten zeigen, die heute veröffentlicht wurden. Vorläufige Daten von minus 12,4 Prozent wurden damit nach unten revidiert. Im Jahresvergleich zum zweiten Quartal 2019 ist es ein Absturz von 17,7 Prozent. Dies ist laut Trading Economics der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 60er-Jahren. Im folgenden Chart sehen wir die prozentuale Veränderung der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 90er-Jahren. Man erkennt, dass der Absturz in der Finanzkrise 2008 mit -3 Prozent im Vergleich zu heute verschwindend klein war.


source: tradingeconomics.com

Und was macht der Kapitalmarkt? Die Rendite für Staatsanleihen ist hier immer das beste Barometer. Eigentlich gäbe es da noch die Währung eines Landes. Aber da Italien den Euro hat, kann man hier keinen Gradmesser für Italien mehr erkennen. Wenn ein Investor in Anleihen eines Landes investieren möchte, bei denen die Rückzahlungswahrscheinlichkeit der Anleihen wegen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gefährdet ist, dann erwartet dieser Anleger einen Risikoaufschlag – nämlich für sein Risiko, dass er sein Geld nicht wieder sieht. Daher sind Länder mit großen wirtschaftlichen Problemen automatisch bereit deutlich höhere Renditen für ihre verkauften Staatsanleihen zu bezahlen, um ausländisches Kapital anzulocken.

Warum die Renditen für Italien nicht steigen

Italien stand schon vor der Coronakrise sehr schlecht da. Hohe Schulden erstickten das Land, und eine Wirtschaft die sich nie von der Finanzkrise 2008 erholt hatte. Und dann kam die Coronakrise. Die wirtschaftliche Lage verschärft sich daher dramatisch. Der obige Chart zeigt dies eindrucksvoll. Und was macht die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen? Sie notiert aktuell mit 1,11 Prozent genau da, wo sie am letzten Freitag lag, vor der Veröffentlichung der heutigen BIP-Daten. Der folgende Chart zeigt den Rendite-Verlauf für Italien in den letzten zwölf Monaten. Man sieht, dass die Rendite kurz vor der Coronakrise genau ebenfalls da war, wo sie jetzt notiert. Zwar lag sie im März kurzzeitig bei 2,39 Prozent. Aber mit den umfangreichen Rettungsmaßnahmen von Staaten und EZB wurde schnell klar, dass alles „gerettet“ wird, und die Rendite sank schnell wieder in den Keller.

Also: Die Wirtschaftsleistung in Italien ist brutal abgestürzt. Die Risikoprämie für Anleger, die italienische Schulden kaufen wollen, hat sich per Saldo aber nicht erhöht. Was sagt uns das? Dem Markt ist klar, dass wohl kaum ein echtes Ausfallrisiko für Italien besteht. Denn das Land ist im Euro und als drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum schlicht und einfach „Too big to fail“. Die EZB hat schon jahrelang in gigantischem Ausmaß italienische Staatsanleihen aufgekauft und zuletzt neue gigantische Kaufprogramme aufgelegt, und würde wohl (das darf man vermuten) noch viel, viel mehr kaufen. Hauptsache Italien bleibt im Spiel.

Rendite für zehnjährige Staatsanleihen aus Italien

weiterlesen

Allgemein

Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

Avatar

Veröffentlicht

am

Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen