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Anleihen

Die Fed muß jetzt die Welt retten – wird es aber wegen Trump vermutlich nicht tun..

Der heftige Anstieg des Dollar sorgt für starken Bedraf nach Dollars – doch auch aufgrund neuer Regularien steigen für Banken die Kosten scharf an, sich Dollars zu besorgen. Nun kann nur noch die Fed helfen – aber die Wahrscheinlichkeit ist wegen Trump hoch, dass sie das nicht tun wird!

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

„Muß nur noch kurz die Welt retten“ – das sang einst Tim Bendzko. Und seit dem Sieg von Donald Trump bei der US-Wahl dürfte diese Rolle des Welt-Retters nun der amerikanischen Notenbank Fed zufallen! Denn der massive Anstieg des Dollar ist ein schweres Problem für eben diese Welt, die das Pech hat, dass sie in Dollar verschuldet ist. Und sie ist auch ein Problem für die Banken dieser Welt, denn die Nachfrage nach Dollars ist gerade aufgrund der Dollar-Stärke hoch: die Dollar-Schuldner geraten in Schieflage und müssen versuchen, die immer drückendere Dollar-Verschuldung zu reduzieren. Und dadurch ensteht gerade bei Banken Nachfrage nach US-Dollars.

Und wo die Nachfrage stark ist, steigen die Preise. So steigen die Kosten für Banken, Euros, Yen, Pfund oder welche Währung auch immer in Dollar zu tauschen in den letzten Wochen rapide an – sie sind derzeit so hoch wie seit 2012 nicht mehr, als die Sorge über die Euro-Krise die Nachfrage nach Dollars explodieren ließ. Nun ist es die Dollar-Stärke nach dem Sieg Trumps sowie die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im Dezember die Zinsen anhebt, die einen regelrechten Run auf den Greenback ausgelöst hat.

Gemessen werden die Kosten einer Bank für die Umwandlung einer Währung in US-Dollar in den sogenannten „cross-currency basis swaps“, die als „one year cross-currency basis swaps“ gehandelt werden. In der Finanzkrise nach dem Untergang von Lehman Brothers, als eine beispiellose Jagd nach Dollars einsetzte, waren diese swaps ein Gradmesser für die Krise. Und in den letzten Wochen sind die Preise für diese Swaps regelrecht explodiert – so haben sich etwa die Kosten für britische Banken, die Pfund in Dollar tauschen wollen, seit November verdoppelt. Für japanische Banken liegen sie so hoch wie seit 2011 nicht mehr – von Banken der Emerging Markets ganz zu schweigen!

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Objekt der Begierde: US-Dollars
Foto: Gemeinfrei

Interessanterweise sind es auch US-Firmen, die nun starken Bedarf nach US-Dollar haben. Denn es waren amerikanische Firmen, die Unternehmensanleihen im großen Maßstab in Euro ausgaben, weil die Zinsen dafür niedriger waren als im Dollar-Raum. Wenn diese US-Firmen nun wieder in Dollar tauschen wollen, entstehen ihnen derzeit sehr hohe Kosten.

Für Banken, die Dollars brauchen, gibt es derzeit zwei Wege, sich die amerikanische Währung zu beschaffen: US-Banken und amerikanische Geldmarkt-Fonds. Nun hat es aber kürzlich eine regulatorische Änderung gegeben in den USA, die vor allem US-Geldmarktfonds betrifft und dazu führt, dass der Wille dieser Geldmarktfonds, Dollars zu tauschen, sich verringert hat – das ist ein Grund der steigenden Kosten für Dollar-swaps, es ist aber auch ein Grund für die Stärke des Dollar ingesamt!

Nun gibt es, um das Problem nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, nur zwei Möglichkeiten: entweder die Regularien für amerikanische Geldmarkt-Fonds weredn schnell wieder gelockert – oder die Fed selbst muß einspringen und die Dollar-Versorgung der Welt über unbegrenzte Dollar-Swaps ermöglichen.

Das Problem: diese Linie dürfte dem neuen Präsidenten Trump nicht gefallen. Denn das ist genau das Gegenteil von „Amerika first“, das Trump als neue Leitlinie der US-Politik definiert hat. Daher dürfte die politische Unterstützung für einen solchen Schritt der Fed auch nicht vorhanden sein, zumal schon die Dollar-Versorgung der Welt in der Finanzkrise durch die Fed damals hoch umstritten war, vor allem bei den Republikanern. Und daher ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass der einzig mögliche Retter, der die Welt vor extremer, die Finanzmärkte in Gefahr bringende Dollar-Knappheit, retten könnte, diesmal die Füsse still hält. This time is different!

„Make Amerika great again“ heißt dann praktisch: was kümmert micht die Rest-Welt!

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    gerd

    21. November 2016 15:35 at 15:35

    Aufgrund meiner in der letzten Zeit überbordenden, nicht immer qualifizierten Kommentare, werde ich mich hoffentlich lange zurückhalten (können).

    Nur einmal noch. .- )
    Was mich wundert ist, dass dieser Artikel von allen zehntausend Usern, die ihn gelesen haben, verstanden wird. Es kommt zumindest keine Frage.
    Bei mir bleibt wieder mal ne Ungereimtheit offen.
    Aber was solls?
    Will ich lieber reich werden oder alles verstehen?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      21. November 2016 15:39 at 15:39

      @Gerd, na raus damit, wo ist denn die Ungereimtheit? :)

      • Avatar

        gerd

        21. November 2016 15:53 at 15:53

        Ich habs ja fast gehofft.
        Aber jetzt seid ihr selber schuld, wenn ich wieder „lästern“muss bzw lästige Fragen stelle.

        „… auch US-Firmen, die nun starken Bedarf nach US-Dollar haben. Denn es waren amerikanische Firmen, die Unternehmensanleihen … in Euro ausgaben, weil die Zinsen dafür niedriger waren als im Dollar-Raum. Wenn diese US-Firmen nun wieder in Dollar tauschen wollen, entstehen ihnen derzeit sehr hohe Kosten.“

        (Sinngemäß) heißt es bei FMW zum einen:
        das arme Ausland, was ja so hoch in Dollar verschuldet ist, das muss jetzt „leiden“ – bei dem hohen Dollarkurs.
        Gleichzeitig heißt es, die armen amerikanischen Unternehmen, die in Euro verschuldet sind, die müssen jetzt „leiden“ – auch wegen dem hohen Dollarkurs.

        O.k. , vielleicht gibt es ja die einen dort und die anderen da. Aber verwirrend ist das schon für mich.

        Und vor allen Dingen:

        „Wenn diese US-Firmen nun wieder in Dollar tauschen wollen,…“

        Warum sollten sie jetzt wollen sollen? Wenn sie es nicht eh sofort mit Erhalt des Emissionserlöses getan hätten.

        @Markus Fugmann, ich sage Ihnen Danke.

        • Markus Fugmann

          Markus Fugmann

          21. November 2016 16:00 at 16:00

          @Gerd, man begibt eine Anleihe in Euro und nimmt Geld auf (nämlich in Euro). Nun hat die amerikanische Firma diese Anleihe ja nicht begeben, um Euros einzunehmen, sondern nur weil die Verschuldung in Euro zinsgünstiger ist als wenn sie das in Dollar täte. Aber die US-Firma will ja eigentlich mit der Schulden-Aufnahme nicht im eigentlichen Sinne Euro einnehmen, sondern Dollars, das sie für ihr Tagesgeschäft braucht. Nun sind die Kosten für den Tausch von Euro in Dollar für die diese Firmen gestiegen – und diese Firmen bekommen auch weniger Dollar für die Euros, die sie über Schulden eingenommen hatten..

          • Avatar

            gerd

            21. November 2016 16:18 at 16:18

            Den Sachverhalt hatte ich mir ganz genau so vorgestellt, wie Sie ihn beschrieben haben.

            Das würde sich aber dann nur auf sehr wenige Anleihen beziehen können, die jüngst emittiert wurden. Nur da könnte sich der rapide Dollaranstieg innerhalb weniger Tage zwischen Ausgabetag (Festlegung der Bedingungen) und Zuflusstag des Erlöses beim Unternehmen bemerkbar machen.

            Aber wollen wir es gar nicht vertiefen. Ich weiß jetzt jedenfalls, was gemeint ist und sage noch mal Danke.

  2. Avatar

    Ralle

    21. November 2016 19:17 at 19:17

    … ähm, wer zum Teufel, ist Tim Betz…???
    Wenn wer die Welt retten kann, dann bestimmt nicht er!
    … das können nur die „normalen“ Menschen, die jeden Tag ihr Wohlergehen, ihre Nahrung und ihren Fortbestand erarbeiten müssen –> die „Proleten“ – die „Armen“ dieser Welt! ;-()
    vG Ralf

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