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Die Federal Reserve in der Sackgasse: Angriffe von allen Seiten!

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Die US-Notenbank „Federal Reserve“ hat sich in eine üble Sackgasse manövriert. Im Augenblick hagelt es Angriffe von allen Seiten, aber ganz anders als noch in den „guten alten 90ern“, wo die Masse der globalen Finanzindustrie entweder auf eine Zinssenkung oder Zinsanhebung drängten. Jetzt kommen Angriffe von beiden Seiten. Ein Überblick.

Federal Reserve Chefin-Janet-Yellen
Fed-Chefin Janet Yellen hebt den US-Leitzins nicht an.
Foto: United States Federal Reserve / Gemeinfrei

Was war passiert?

Der globale Kapitalmarkt hatte wochenlang auf den 17. September hingefiebert. Eine kleine Zinsanhebung, die erste seit der Lehman-Krise, war durchaus wahrscheinlich. Sie wäre notwendig um Inflationsrisiken vorzubeugen (sind die überhaupt vorhanden derzeit?). Sie wäre aber vor allem auch wichtig um nach und nach mit folgenden Zinsschritten die schleichende Enteignung der Sparer zu bekämpfen und für spätere noch trübere Zeiten Luft zu schaffen, dass man im Notfall mal wieder kräftig die Zinsen senken kann. Denn von 0 auf -2% senken, ist irgendwie nicht so realistisch, um ein schnelles Wachstumssignal an den Kapitalmarkt auszusenden in einer Krise.

Die Zinsanhebung erfolgte aber nicht. Die Federal Reserve besteht also erst einmal weiter auf ihrer Nullzins-Politik, da sie die Weltwirtschaft für zu fragil hält, was die US-Wirtschaft zu stark beeinflussen könnte. Viele Marktteilnehmer waren daher froh, dass weiterhin extrem billiges Geld zur Verfügung steht um den ach so armen Markt zu stützen.

Die Federal Reserve soll endlich den Leitzins anheben

Zwei Lager feuern jetzt mit aller Härte gegen die Präsidentin der Federal Reserve Janet Yellen. Beide Lage haben eins gemeinsam. Sie erwarten von ihr das Ende der Ungewissheit – klare Worte sollen her, endlich soll Schluss sein mit den unklaren Andeutungen, ob jetzt im Oktober, Dezember oder doch erst in 2016, oder doch gar nicht, weil China kränkelt…

Der gerade erst in Rente gegangene Chef der Federal Reserve-Filiale von Dallas Richard Fisher sagte gestern gegenüber dem Wirtschaftssender „CNBC“ wortwörtlich „I love my colleagues. You know that. I love the process of the FOMC, but they have egg all over their face“. Seine amtierenden Kollegen bei der Fed sollten endlich die Unsicherheit und Unklarheit beenden und den Leitzins anheben, so Fisher. Unsicherheit sei der Feind von Entscheidungsträgern.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Georg Fahrenschon, der in der globalen Finanzpolitik eigentlich gar keine Beachtung findet, bekam jetzt auf der großen Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Peru eine große Bühne und schlug in die selbe Kerbe wie Richard Fischer – die Federal Reserve solle endlich die große Unklarheit beenden und die Zinsen erhöhen. Bereits am 17. September hätte die Fed auf jeden Fall die Zinsen erhöhen müssen, so Fahrenschon. Durch die Verschiebung und unklare Aussagen gebe es einen enormen Vertrauensverlust und eine große Verunsicherung. Er sprach von den „Nebenwirkungen“ einer „unnatürlichen Niedrigzinsphase“. Die Notenbanken hätten ihr Pulver verschossen und könnten mit ihren Mitteln nichts mehr zur Belebung der Wirtschaft beitragen.

Er schießt also nicht exklusiv gegen die Fed, sondern auch gegen alle Notenbanken (EZB/BOE/BOJ), die die Zinsen Richtung 0 gesenkt haben und damit das allgemeine Zinsniveau de fact aufgelöst haben. Er sieht die Zinspolitik weniger aus der Sicht der globalen Konjunktur, sondern eher aus der Sicht der Sparkassenchefs und der Sparer selbst, die schleichend enteignet werden und keine Möglichkeit mehr haben risikolos Geld arbeiten zu lassen, solange die Notenbanken ihre Leitzinsen bei 0 halten. Auch die Hinweise der BaFin, dass die Niedrigzinsen vielen kleinen Banken und Sparkassen in Deutschland zunehmend Probleme bereiten, hat Fahrenschon unausgesprochen im Blick.

Die Federal Reserve soll den Leitzins gefälligst nicht anheben

Das Lager der Nullzins-Befürworter hält voll dagegen. Stellvertretend für viele Ökonomen, die die global mehr als fragile Konjunktur im Blick haben, steht an ihrer Speerspitze der IWF. Öffentlich sagte der IWF auf seiner Jahrestagung in Lima die Federal Reserve solle die Zinsanhebung doch bitte möglichst weit nach hinten verschieben, weil sonst vor allem die strauchelnden Schwellenländer nicht wieder auf die Beine kommen. Denn wenn die Fed den ersten Schritt, zieht vielleicht die Bank of England nach, und andere Länder sehen sich auch zu Leitzinsanhebungen gezwungen, allein schon damit ihre Währung gegenüber dem US-Dollar nicht noch weiter abwertet.

Der chinesische Finanzminister Lou Jiwei sagte erst am Montag am Rande der IWF-Tagung die Fed dürfe die Zinsen noch nicht erhöhen. Sie habe eine globale Verantwortung, und eine Erhöhung werde den Schwellenländern schaden.

Währenddessen haben auch gestern wieder einzelne Mitglieder der Federal Reserve öffentlich gegenteilige Aussagen verbreitet, mal für eine Verschiebung der Zinsanhebung nach 2016, andere reden „so bald wie möglich“. Janet Yellen sollte endlich mal Klarheit schaffen und ihren Laden in Ordnung bringen.


2 Kommentare

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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