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Die Flucht aus den Tech-Aktien – gibt es dennoch Chancen?

Die Flucht aus den Tech-Aktien - gibt es dennoch Chancen?

Die Nervosität der Anleger aufgrund der bevorstehenden Zinswende ist nicht nur spürbar, sondern lässt sich auch am Chart vieler Tech-Aktien ablesen. Seit geraumer Zeit bereitet die US-Notenbank Fed die Märkte bereits auf eine Serie von Zinserhöhungen vor. Das führt dazu, dass sowohl Fondsmanager als auch Privatanleger ihre Portfolios kräftig umschichten. Sie fliehen reihenweise aus den zuvor begehrten Tech-Aktien. Die steigende Inflation führt also zu einer Rotation weg von hoch bewerteten Wachstumstiteln hin zu günstigeren Value-Aktien.

US-Notenbank bekämpft die Inflation

Mit der erneuten Ernennung von Jerome Powell als Notenbankchef hat sich das Narrativ der Federal Reserve verändert. Es scheint fast so, als ob Präsident Biden ihm den Auftrag erteilt hat, die ausufernde Inflation zu bekämpfen. Nach und nach wurden die Äußerungen der Fed-Mitglieder hawkisher, letztendlich hatte das jüngst veröffentlichte Sitzungsprotokoll deutlich gemacht, dass die Fed eine geldpolitische Trendwende einleitet. Mit der Rückführung der Anleihekäufe, steigenden Leitzinsen, und schließlich einer Reduzierung der Bilanz dürfte die Fed der stark gestiegenen Inflation entgegentreten, um sie letztendlich einzudämmen. Vor allem Tech-Aktien leiden unter den Maßnahmen, da sie zinssensitiv sind. Die Flucht von Wachstums- zu Value-Aktien lässt sich leicht erklären: Zum einen steigen die Finanzierungskosten, anderseits führen höhere Zinsen bei der Berechnung des Unternehmenswerts dazu, dass die künftigen Gewinne aus heutiger Sicht weniger wert sind.

Tech-Aktien: Die Verlierer der Zinswende

In erster Linie zählen also Aktien von Unternehmen aus dem Technologiebereich zu den klaren Verlierern der Zinswende. Es trifft aber nicht alle Tech-Aktien gleichermaßen. Während Blue-Chip-Aktien wie Apple, Alphabet und Amazon wenig betroffen sind, trifft es besonders die Unternehmen hart, die noch nie einen Gewinn abgeworfen haben, aber gleichzeitig hohen Finanzierungsbedarf haben, um weiter zu wachsen. Es handelt sich dabei genau um die Unternehmen, die von der Liquiditätsflutung während der Corona-Krise überdurchschnittlich profitieren konnten. Ein prominentes Beispiel sind die Titel, die im ARK Innovation ETF von der Star-Investorin Cathie Wood enthalten sind.

Tech-Aktien: Die Euphorie ist verschwunden

Die Euphorie rund um Tech-Aktien hat in den vergangenen Wochen und Monaten spürbar nachgelassen. Nicht nur die jüngste Entwicklung des Nasdaqs zeigt deutlich, dass Großinvestoren Tech-Aktien aus ihren Portfolios geworfen haben, sondern auch der Chart des ARK Innovation ETFs. Während der Nasdaq bisher „nur“ 10 Prozent von seinem Allzeithoch eingebüßt hat, gab der ARK Innovation ETF bereits -51,4 Prozent von seinem Rekordhoch ab. Das entspricht dem größten Drawdown seit Auflage des ETFs. Viele der enthaltenen Aktien wie zum Beispiel Teladoc Health, Zoom oder Roku mussten hohe zweistellige Verluste verzeichnen. Bei all dem Gegenwind der auf Cathie Woods einprasselt, darf man jedoch nicht vergessen, dass sie zuvor eine sensationelle Performance abgeliefert hat. Wer vor drei Jahren eingestiegen ist, liegt immer noch mit über 90 Prozent im Plus.

Wie geht es für Tech-Aktien weiter?

Die Börse ist bekanntlich ein schnelllebiges Geschäft. Veränderungen von Rahmenbedingungen werden zügig eingepreist. Daher kann die Stimmung auch jederzeit wieder kippen, auch wenn es derzeit nicht danach aussieht. Der entscheidende Punkt, der die Märkte beeinflusst, ist, wie heftig und schnell die geldpolitische Trendwende vonstattengeht. Eine behutsame Umsetzung bzw. eine rückläufige Inflationsrate würde die Lage rund um die Tech-Aktien wieder aufhellen. Da wir aber erst am Anfang stehen, dürfte uns das Thema noch länger beschäftigen.

Im kurzen Zeitfenster könnte es aber bald zu einer Gegenreaktion kommen. Dafür sprechen mehrere Faktoren. Erstens hat der Nasdaq im heutigen Handel die 200-Tage-Linie erreicht, die für eine Stabilisierung sorgen kann. Zweitens befinden sich mittlerweile 70 Prozent der Nasdaq Titel unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts. Was uns zum dritten Punkt führt, ein Großteil der Titel ist bereits deutlich überverkauft, das zeigt unter anderem der RSI Indikator an. Zusammengefasst: Kurzfristig gibt es Chancen, mittelfristig dürften Tech-Aktien unter Druck bleiben.

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1 Kommentar

  1. Dass angeblich Amazon so gut wie gar nicht von der Zinswende betroffen ist, halte ich für ein „Gerücht“, da ich diese im Depot habe. Seit fast 2 Jahren bewegt sich diese Aktie in einem gähnenden Seitwärtstrend, hat also den Hype der FANG-Aktien in keinster Weise mitgemacht, hat grandiose Beteiligungen „gesammelt“, ohne mich in diese Aktien zu verlieben und hat in dieser Zinswende auch korrigiert. Also bitte – bleiben Sie bei der Wahrheit. Danke!

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