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Die gestrige Rally in den USA – Anmerkungen zu Lael Brainard (und Clinton)

Pikante Hintergründe zur gestrigen Rally nach den Aussagen von Lael Brainard..

FMW-Redaktion

Gestern sorgte eine Rede von Lael Brainard für eine Rally an den US-Aktienmärkten. Was hat sie eigentlich gesagt? Was sind ihre Hintergründe? Und schließlich: ist die Rally gestern gerechtfertigt aufgrund der Brainard-Aussagen?

brainard
Fed-Mitglied seit 2014: Lael Brainard
Foto: Federal Reserve

Nach der Rede Brainards, die sonst eher unscheinbar ist und von den Märkten wenig beachtet wird, weil ihre dovishe Haltung bekannt ist, stiegen die US-Indizes scharf an. Nun preisen die Fed Fund Futures für den September nur noch eine Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung von 22% ein, vor der Rede waren es 30%. Einer der Gründe für diese Reaktion dürfte sein, dass Brainard die letzte Sprecherin der Fed war vor der Sitzung am 21.September (stets eine Woche vor einer Sitzung gibt es die sogenannte „lock down period“, also eine Art freiwilliges Sprechverbot durch Fed-Mitglieder).

Sehen wir uns an, was Brainard gesagt hat. Zunächst ihr Verweis, dass die Inflation trotz einer scheinbar guten Entwicklung am US-Arbeitsmarkt nach wie vor zu niedrig sei:

„At a time when the unemployment rate has fallen from 8.2 percent to 4.9 percent, inflation has undershot our 2 percent target now for 51 straight months“.

Und der Arbeitsmarkt sei auch nicht so gut aufgestellt, wie man meinen könnte:

„Second, and related, although we have seen important progress on employment, this improvement has been accompanied by evidence of greater slack than previously anticipated. This uncertainty about the true state of the economy suggests we should be open to the possibility of material further progress in the labor market“.

Aha, man sollte also „offen sein“ für die Möglichkeit weiterer Fortschritte am Arbeitsmarkt, so Brainard. Was wie extrem bürokratische Notenbanker-Sprech klingt (und ist), meint aber: wir sollten die Füsse still halten, dem Arbeitsmarkt geht es nicht so gut wie ihr glaubt. Warum? Weil viel neue Jobs Teilzeitstellen sind:

„In addition, the unemployment rate is not the only gauge of labor market slack, and other measures have been suggesting there is some room to go. The share of employees working part time for economic reasons, for example, has remained noticeably above its pre-crisis level“.

Damit legt Brainard den Finger genau in die Wunde. Denn was sich hübsch ansieht in der Statistik, ist in Wahrheit viel weniger hübsch. Viele Amerikaner haben zwei oder drei Jobs – sieht in der Statistik super aus, heißt aber, dass man sich nur mit diesen zwei oder drei Jobs über Wasser halten kann, weil der Verdienst so gering ist. Brainard sagt also faktisch: lasst euch von den offiziellen Zahlen nicht blenden!

Dazu nennt Brainard die ökonomischen Probleme im Ausland, die sehr wohl auf die USA zurück stahlen könnten und würden etc. ect. Daher sei nun ein baldiger Zinsschritt „less compelling“ („weniger dringend“, sprich nicht angebracht).

Die Aktienmärkte fanden diese Aussagen großartig und feierten. Interessant aber ist, dass Brainard offenkundig dem Clinton-Lager nahe steht: so findet sich in der Biografie der Fed über sie ihre Funktion als „Deputy National Economic Adviser and Deputy Assistant to President Clinton“. Und: „She also served as President Clinton’s personal representative to the G-7/G-8.“

Sie war also eine Art persönliche Beraterin des damaligen Präsidenten Bill Clinton und seine Repäsentantin in Angelegenheiten der führenden Wirtschafsnationen (G7 bzw. G8). All das ist vor dem Hintergrund bedeutsam, dass gestern Trump in einem Interview der Fed vorgeworfen hatte, das Geschäft der Demokraten zu betreiben, indem man die Zinsen niedrig lasse und so die Aktienmärkte künstlich oben halte (siehe dazu „Donald Trump: Yellen sollte sich schämen, Zinsen müssten eigentlich steigen..“).

Faktisch heißt das: die Aussagen Brainards haben in diesem Kontext starke politische Konnotationen, sie geschehen gewissermaßen nicht in einem luftleeren Elfenbeinturm. Sie dürften die Ansicht des Clinton-Lagers widerspiegeln. Mit anderen Worten: sie sind ein Teil des Wahlkampfs. Und dass die Wall Street begeistert reagiert hat zeigt, dass sie Clinton als Präsidentin will, nicht Trump. Am Freitag waren die US-Indizes schwer unter Druck gekommen, weil Umfragen eine Präsidentschaft Trumps wahrscheinlicher gemacht hatten. Nun sagt sich die Wall Street: seht her, die Fed steht im Clinton-Lager und wird so schnell die Zinsen nicht anheben!

Ob diese Auffassung richtig ist? Time will tell..



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1 Kommentar

  1. Das Herumgetue mit den Zinsen ist lächerlich. Die wissen genau, dass sie die Zinsen vor der Präsidentenwahl niemals anheben werden.So blöd sind sie dann auch wieder nicht.

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