Devisen

Die große Pfund-Rallye – was ist da los?

Die Symbole für Euro, Pfund und US-Dollar
Das britische Pfund ist in den letzten Wochen und Monaten ganz schön kräftig angestiegen gegen den US-Dollar. Was ist da los? Hat sich die britische Wirtschaft so sehr besser entwickelt als die amerikanische? Nein, bei dem Währungspaar Pfund vs US-Dollar (GBPUSD) schaut man wohl vor allem die letzten Wochen auf die Dollar-Schwäche, die sich auf alles auswirkt, was gegen den Dollar gehandelt wird. Gold, Silber, und zahlreiche Währungen. So profitiert das britische Pfund kaum ohne eigenes Zutun von der allgemeinen Schwäche, die derzeit in den USA vorherrscht. Corona-Chaos, große Unruhen in der Bevölkerung, Konjunktureinbruch, und ein Rettungspaket, das dem nächsten folgt. Dazu noch jede Menge Gelddrucken durch die Notenbank. Und das nächste Billionen-Paket steht ja in den Startlöchern in den USA.

Hauptgewinner der Dollar-Schwäche ist seit Wochen der Euro, aber eben auch das britische Pfund. Es stieg gegen den US-Dollar seit dem Tief im März von 1,14 auf aktuell 1,3210. Aktuell notiert das Pfund genau da, wo es vor Ausbruch der Coronakrise lag, also im Januar und Februar. Gut, man kann es auf die eigenständige Dollar-Schwäche zurückführen. Abflüsse aus dem Greenback, die durch die massive Dollar-Liquidität der Fed ausgelöst wurden, haben die Erholung des Pfund begünstigt.

Euro gegen Pfund

Aber wie sieht es bei Euro vs Pfund aus? Nicht mehr so rosig. Hier erkennt man, dass das britische Pfund keine richtige eigene Stärke hat. Lag EURGBP im Januar noch um Kurse von 0,85, so ist es jetzt ein Wechselkurs von 0,9032. Der folgende Chart zeigt in blau Pfund gegen Dollar, und in rot-grün Euro gegen Pfund seit Januar 2020. Der Euro hat seit Mai einer leicht steigende Tendenz gegenüber dem Pfund.

Die Frage zwischen Euro und Pfund lautet völlig unabhängig von Corona und Dollar-Schwäche, ob und wie der Brexit über die Bühne gebracht wird. Mit oder ohne Deal bis Jahresende? Und was für ein Deal wird das sein? Wenn man sich derzeit umschaut, gibt es Optimismus, dass der Deal noch zustande kommt, aber auch sehr viele ernsthafte Zweifel. Der Devisenmarkt scheint die Sache relativ entspannt zu sehen. Sonst wäre auch da Pfund gegen den Dollar nicht so extrem gut gelaufen! Die Dollar-Schwäche wäre durch Brexit-Angst kompensiert worden.

Man sollte im Auge behalten, ob sich die britische Wirtschaft dank Corona und Brexit in den nächsten Quartalen nicht doch viel schlechter entwickelt, als es der entspannte Devisenmarkt derzeit annimmt. Das Pfund könnte in den nächsten Monaten vor einer deutlichen Abwertung stehen, gegen Dollar und Euro. Aber die letzten Jahre seit dem Brexit-Referendum brachten immer wieder überraschende Phasen in der britischen Währung, so dass es hier keine Gewissheit gibt!

In Sachen Brexit wird von nun an bis Ende September zwischen Brüssel und London quasi non-stop verhandelt. Bis dahin muss es eine Einigung geben. Sonst verlässt UK die EU Ende Dezember ohne Deal. Auch wenn man in britischen Medien Optimismus herauslesen kann, so sind die Differenzen in wichtigen Fragen doch groß, so zum Beispiel bei der Fischerei. Gefühlt scheint die Stimmung rund um das Pfund derzeit zu gut zu sein. Abwarten, wie in den nächsten fünf Wochen die Brexit-Verhandlungen verlaufen!

Chart zeigt Pfund gegen US-Dollar und gegen Euro



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