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Die große Umverteilung von Sparern hin zu den Staatshaushalten: Euro-Länder sparen 1 Billion Euro durch EZB-Politik

Der deutsche Bundeshaushalt sowie die Bundesländer und Kommunen haben seit der Finanzkrise durch die EZB-Politik satte 240 Milliarden Euro gespart. Alle Euro-Länder zusammengerechnet haben…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der deutsche Bundeshaushalt sowie die Bundesländer und Kommunen haben seit der Finanzkrise durch die EZB-Politik satte 240 Milliarden Euro gespart. Alle Euro-Länder zusammengerechnet haben insgesamt 1 Billion Euro Zinsen gespart, weil die EZB sie de facto abschaffte. So konnten die Mitgliedsstaaten neue Anleihen zu extrem niedrigen Zinsen, Nullzinsen oder sogar zu Negativrenditen ausgeben. So sparte man enorm viel Zinsen, und verdient sogar heute noch bei Kurzläufern Geld mit der Aufnahme neuer Schulden (hier ein Beispiel).


Wolfgang Schäuble freut sich über große Zinsersparnisse. Foto: EPP / Wikipedia (CC BY 2.0)

Anhand dieser Zahlen, die heute von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht wurden, kann man die Dimension der ganzen Veranstaltung gut nachvollziehen. Es ist immer ganz einfach. Wo der eine verdient, muss irgendwer verlieren. Wenn Staatshaushalte Geld sparen/verdienen, muss dafür irgendwer die Zeche zahlen. Da der normale europäische Durchschnittsbürger keine Anleihen von Staaten kauft, wer dann? Es sind die großen Kapitalsammelstellen wie Investmentfonds, Pensionsfonds und Versicherungen.

Der Kleinsparer überweist dorthin sein Geld über Sparpläne oder monatliche Raten für Lebensversicherungen, oder ist dabei mit monatlichen Abzügen auf Gehaltsabrechnungen für betriebliche Pensionskassen etc. Die Renditen, die hier erwirtschaftet werden, fallen nun Jahr für Jahr deutlich geringer aus, was der Rentner in 20 oder 30 Jahren vielleicht merken wird, wenn diese Produkte zur Auszahlung anstehen. Es ist die große Umverteilung, vom Sparer hin zu den Staatshaushalten. Der Umverteiler selbst ist die EZB, die den Zins abgeschafft hat.

Hier die Detailaussagen der Bundesbank:


Läge die Durchschnittsverzinsung noch auf dem Vorkrisenniveau, wären für sich genommen die Zinsausgaben allein im vergangenen Jahr im Euroraum um 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) höher ausgefallen. Seit dem Jahr 2008 seien so Einsparungen in Höhe von fast einer Billion Euro oder knapp 9 Prozent der Wirtschaftsleistung im Euroraum zusammengekommen, heißt es im Monatsbericht. Diese Entwicklung habe die Rückführung der staatlichen Defizite maßgeblich unterstützt und dauere immer noch an: „Die Finanzierungskosten, die Durchschnittsverzinsung der Staatsverschuldung und die staatlichen Zinsausgaben in Relation zum BIP liegen derzeit in den meisten Ländern auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Währungsunion“, schreiben die Bundesbank-Expertinnen und –Experten.

Auch Deutschland hat rechnerisch durch die rückläufige Durchschnittsverzinsung der Staatsschulden profitiert: „Gemessen am Stand des Vorkrisenjahres 2007 kam es hierdurch zu einer Halbierung der Zinsausgaben“, heißt es im Monatsbericht. Betrug die durchschnittliche Verzinsung im Jahr 2007 etwa 4 Prozent, lag sie im Jahr 2016 nur noch bei knapp 2 Prozent. Allein im vergangenen Jahr betrug die mit dem aktuellen Schuldenstand ermittelte, gesamtstaatliche Ersparnis demnach 47 Milliarden Euro oder 1 ½ Prozent des deutschen BIP. Kumuliert erreichen die Zinsentlastungen nach 2007 eine Größenordnung von 240 Milliarden Euro. Von dieser Entlastung profitieren laut Monatsbericht sowohl der Bund als auch insbesondere hoch verschuldete Länder und Gemeinden. Letztere hätten im Vergleich zu einer gegenüber dem Jahr 2007 unveränderten Durchschnittsverzinsung demnach 17 Milliarden Euro im Jahr 2016 eingespart. „Die starke Entlastung hat damit die Konsolidierung der Länder- und Gemeindefinanzen erheblich unterstützt“, so der Bericht.

Auch für die übrigen Länder des Euroraums hat das Niedrigzinsumfeld laut Monatsbericht günstige Finanzierungsbedingungen zur Folge. In einigen Euro-Staaten seien die Durchschnittsverzinsung und die Zinsausgabenquoten seit Beginn der Währungsunion noch deutlich stärker als in Deutschland gesunken. Nachdem sich die Risikoaufschläge für einige Länder in der Krise erheblich erhöht hatten, hätten sich die Finanzierungskonditionen in den Mitgliedsländern inzwischen wieder angenähert, auch wenn in den hochverschuldeten Ländern Italien, Portugal oder Spanien immer noch Risikoaufschläge feststellbar seien. „Dort liegt auch die Durchschnittsverzinsung der Staatsschuld mit rund 3 Prozent eher am oberen Ende, während am unteren Rand Deutschland, Finnland, Frankreich und die Niederlande eine Größenordnung von 2 Prozent aufweisen“, heißt es im Monatsbericht.

Gegenüber der Durchschnittsverzinsung im Vorkrisenjahr 2007 ergeben sich für Italien 2016 gemessen an der Wirtschaftsleistung Einsparungen von 2 ½ Prozent und kumuliert von 2008 bis 2016 von 10 ½ Prozent. Noch deutlich größere Einsparungen zeigen sich in Griechenland, das noch immer einem Hilfsprogramm unterliegt. „Ähnlich hohe Entlastungen wie im Falle Italiens ergeben sich für die Niederlande, Österreich, Frankreich und Belgien, die niedrigere Schulden, aber einen etwas stärkeren Rückgang der Durchschnittszinsen aufweisen“, schreiben die Bundesbank-Expertinnen und –Experten. Im Vergleich dazu weise Deutschland eine geringere Ersparnis auf und liege in der Mitte der betrachteten Länder.




Quelle: Deutsche Bundesbank

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Trigo

    24. Juli 2017 14:34 at 14:34

    Der „Politiker“ im Tarnkleid des Staates ist der größte legale Räuber….. gleich nach den Banken.

  2. Avatar

    Beobachter

    24. Juli 2017 16:51 at 16:51

    UMVERTEILUNG, NULLSUMMENSPIEL, u.die ganze akademische Fachwelt rätselt warum es keine Inflation gibt, hätten diese Leute die halbe Zeit die sie auf den Schulbänken nutzlos verbracht haben in der realen Welt verbracht dann wüsste sie dass das nicht funktionieren kann, wenn Schäuble zulasten der Anleger Zinsen spart wirkt das wie eine Steuererhöhung für die Unterschicht.Wenn schon Umverteilung, dann hätte das von oben nach unten passieren müssen wofür ich auch nicht bin, weil die Belastung dier aus eigener Leistung besser gestellten über Steuern u.Sozialabgaben schon hoch ist.

  3. Avatar

    TINOGRUCHMANN

    24. Juli 2017 21:19 at 21:19

    Die Alternative in diesem Spiel gibt es auch nicht, nur komplett andere Spielregeln und ein anderes Spiel bringt die Lösung

  4. Avatar

    Michael

    25. Juli 2017 00:39 at 00:39

    Alle Euro-Länder zusammengerechnet haben insgesamt 1 Billion Euro Zinsen gespart, es jedoch versäumt, diese Ersparnis auch an die Basis weiterzuleiten. Draghi, der Rasende Rollstuhl und deren Kollegen spielen seit Jahren ein offensichtlich konstantes Spiel mit sehr viel mehr Billionen, das hehren und honoren Firmenkonglomeraten Tür und Tor im rechtsfreien Raum öffnet, kartellmäßige Absprachen in unvorstellbarem Ausmaß selbst im Wahlkampf zur Bagatelle relativiert und den verantwortlichen Personen schlimmstenfalls Strafen in Höhe einer 20-Millionen-Abfindung für die nächsten 3 Jahre auferlegt.
    Obwohl ich die Taten der sogenannten „linken“ Chaoten in Hamburg aufgrund der fehlgeleiteten Handlungen und Zielobjekte zutiefst verurteile, würde ich vermutlich keinerlei Bedauern empfinden, hätten sich die Chaoten für ein paar Minuten die 20 in der globalen Immunität befindlichen Schwerverbrecher persönlich vorknöpfen können. Die wahren Verbrecher und Chaoten, die in einem der größten deutschen Steuer-Verschwendungs-Desaster der Geschichte (http://www.ndr.de/kultur/elbphilharmonie/Elbphilharmonie-,elbphilharmonie2354.html) tatsächlich für weitere Kosten von 130 Millionen zu tagen wagten, um welches Ergebnis zu erzielen: Noch mehr Chaos, weiterhin kein Frieden, scheiß auf die Umwelt.

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2012 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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Coronakrise aktuell: Madrid bald unter komplettem Lockdown?

Markus Fugmann

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Die Coronakrise nimmt weiter Fahrt auf – nun könnte die Region Madrid bald wieder unter vollständigem Lockdwn stehen! Soeben hat Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa empfohlen, die ganze Region Madird mit ca. 6,6 Millionen Einwohnern unter vollständigen Lockdwon zu stellen.

Heute hat die Regionalveraltung von Madrid die Bezirke unter Lockdown von 37 auf 45 angehoben – dadurch stehen dann ca. eine Millionen Menschen mehr unter diesem Lockdown als am Tag zuvor. Alleine in der Hauptstadt Madrid sind in der letzten Woche durchschnittlich knapp 500 Menschen pro Tag wegen Corona in Krankenhäuser eingeliefert worden. Spanien meldete heute 10.600 neue Corona-Fälle, in Frankreich waren es über 16.000, in Deutschland mit knapp über 2300 so viele wie seit April nicht mehr (genaue Daten siehe hier)..

An den Aktienmärkten verstärkt die mit Macht wieder auftretende Coronakrise die Risiko-Aversion weiter, die US-Futures wie auch der Dax stehen unter Druck..

 

Madrid als neues Zentrum der Coronakrise in Europa

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