Aktien

Die große Zuckerberg-Show

FMW-Redaktion

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verschenkt 99% seines Facebook-Anteile, hieß es zunächst im Dezember 2015. Das war eine tolle Schlagzeile. Dann wurde klar, dass es nicht um „Verschenken“ ging, sondern darum seine Anteile in eine Stiftung einzubringen, die weltweit in einer Art missionarischem Eifer im Sinne von Mark Zuckerberg die Welt retten soll. Chef der Stiftung mit voller Entscheidungsbefugnis: Mark Zuckerberg. Bei genauerem Hinsehen wurde klar: Ach Mensch, die Stiftung (Chan Zuckerberg Initiative) ist ja gar keine Stiftung, sondern eine Kapitalgesellschaft mit Gewinnerzielungsabsicht. Also ging es im Großen und Ganzen eigentlich nur um das Umbuchen von Facebook-Aktien weg von Mark Zuckerbergs Privatdepot hin in das Depot einer Kapitalgesellschaft, wo er ebenfalls volle Entscheidungsbefugnis hat. Also hat sich faktisch eigentlich nichts geändert.

Er entscheidet immer noch alleine, was mit seinem Geld bzw. seinen Facebook-Anteilen geschieht. Keine Spende ans Rote Kreuz oder Greenpeace. Ganz böse Kommentatoren brachten vor Monaten die Idee ins Spiel es könnte sich hierbei eventuell um ein Steuersparmodell handeln. Aber jetzt gibt es erste konkrete Verlautbarungen. Was wurde aus dem „ich verschenke 99% meiner Facebook-Anteile“ aus Dezember letzten Jahres bis dato konkret? Erst ganz wenige Aktien wurden transferiert. Die „Stiftung“ von Mark Zuckerberg und seiner Frau hat 768.000 Facebook-Aktien im Wert von 95 Millionen Dollar verkauft, womit erste Aktivitäten finanziert werden sollen. So soll als erster Schritt in ein Unternehmen investiert werden, das Softwareentwickler in Afrika ausbildet. In den nächsten drei Jahren zumindest sollen pro Jahr von Mark Zuckerberg Aktien von maximal 1 Milliarde Dollar Gesamtwert pro Jahr in die Kapitalgesellschaft/Stiftung hinüberfließen.

Schon im Dezember hatte Facebook an die US-Börsenaufsicht SEC berichtet, dass Zuckerberg bis 2018 nicht mehr Aktien verkaufen wird als für 1 Milliarde Dollar pro Jahr. Bis er also seinen gewünschten Zustand erreicht hat 99% seiner Facebook-Anteile zu verkaufen, dürfte er alt und grau sein, bei einem Wert seines Pakets von fast ziemlich genau 50 Milliarden Dollar (er besitzt immer noch 400 Millionen Aktien). Während er also langsam aber bedächtig seine Facebook-Anteile verkauft, hat Zuckerberg aber keine Lust seinen Einfluss als Aktionär zu verlieren. So hat Facebook beschlossen eine Aktienstruktur so zu ändern, dass Zuckerberg trotz Verkaufs fast aller seiner Anteile seine Stimmrechte behalten kann. Dazu wurden durch Facebook im Mai Vorzugsaktien eingeführt, die stimmrechtslos sind. Außerdem gibt es abseits davon zwei Aktienklassen, die verschiedene Stimmrechtsanteile pro Aktie beinhalten.

Das Fazit der Show? Mark Zuckerberg verschenkt rein optisch sein Vermögen in Form von Facebook-Aktien und bringt es in eine Stiftung ein, die (irgendwas) Gutes tun will. So ist er eines fernen Tages Mal 99% seiner Facebook-Aktien los, und sein Vermögen steckt in der Stiftung (Kapitalgesellschaft). Faktisch aber sieht es so aus: Durch die Satzungsänderung bleibt Mark Zuckerberg auch in Zukunft trotz stetig kleinerem Anteil an Facebook trotzdem der schwergewichtige Aktionär in der Hauptversammlung. Und in seiner Stiftung (Kapitalgesellschaft) ist er auch der Chef, und entscheidet selbst, wie was wann und wo mit dem Geld gemacht wird. Und so gut die Absichten von Zuckerberg auch sein mögen: Er als Wohltäter entscheidet weiterhin alleine, wie die gute Tat wem gegenüber aussehen soll. Das hätte er ja auch schon ganz ohne „Stiftung“ machen können, als Privatperson – einfach Geld verschenken.

Aber wollen wir mal nicht jammern. Er will (irgendwas) Gutes tun – soll er erstmal machen, oder?



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1 Kommentar

  1. Zuckerberg verkauft C-Aktien, die es nach dem Aktiensplit geben wird. Wie aber schon erwähnt, kontrolliert er die B-Aktien die 10-faches Stimmrecht besitzen.

    Interessant wird es ob er dies einfach so umsetzen kann, oder ob er wie die Google Gründer mit den Anlegern einen Vergleich aushandeln muss der besagt, das er sich beim Verkauf der C-Aktien auch von B-Aktien trennen muss.

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