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Die heutige Fed-Sitzung: die entscheidenden Signalwörter!

Eine Zinsanhebung durch die Fed heute Abend ist so gut wie ausgeschlossen, aber es gibt doch die Möglichkeit, dass die Fed heute Wichtiges ankündigen wird - durch Signalwörter..

FMW-Redaktion

Bekanntlich sind Notenbanker eher im Lager der indirekten Rede, man nutzt gewisse Signalwörter, um eine Botschaft zu vermitteln. Heute, wenn um 20Uhr das Sitzungsergebnis der Fed bekannt gegeben wird, wird es vor allem um diese Signalwörter gehen, weil mit allem zu rechnen ist, nur nicht mit einer Anhebung der Zinsen.

Diese Signalwörter bekommen ihre Bedeutung dadurch, dass sie einen größeren Zusammenhang andeuten. Das beginnt schon mit dem wohl wichtigsten Fed-Thema derzeit, der von der amerikanischen Notenbank geplanten Bilanzreduzierung. So wäre es etwa eine deutliche Abschwächung und damit dovish, wenn die Fed heute nicht mehr von der geplanten Bilanzreduzierung „this year“ (noch in diesem Jahr) sprechen würde, sondern den Zeithorizont erweitert etwa durch die Formulierung „relatively soon“ (relativ bald). Damit wäre die bisherige Logik, dass die Fed in jedem Fall noch in diesem Jahr damit beginnt, aufgehoben, faktisch die Reduzierung der Bilanz verschoben (vielleicht sogar auf den St. Nimmerleinstag).

Ebenfalls im Fokus ist das Thema Inflation. Seit der letzten Fed-Sitzung sind die Inflationsdaten unterhalb der Erwartung geblieben, die Fed hat das bislang als „vorübergehend“ bezeichnet. Dieses „vorübergehend“ wurde meist mit der Formulierung „declined recently“ (fiel kürzlich) ausgedrückt und könnte angesichts der weiter schwachen Preisentwickling nun gewissermaßen hervorgehoben werden durch die Formulierung „declined further“ (ging weiter zurück). Damit ist angedeutet, dass der Rückgang der Inflation aus Sicht der Fed doch kein nur vorübergehendes Phänomen sein könnte – auch das wäre dovish, weil es die Notwendigkeit weiterer Zinsanhebungen in Frage stellen würde.

Dazu kommt noch, dass die Fed bislang den Begriff „somewhat below“ (etwas darunter) benutzt zur Kennzeichnung der Inflation unter ihrem Zielwert von 2%. Alleine durch das Weglassen des Wortes „somewhat“ würde klar werden, dass die Inflation sich weiter vom Zielwert der amerikanischen Notenbank entfernt hat.

Nur wenige (so etwa Goldman Sachs) rechnen damit, dass die Fed heute einen konkreten Starttermin gibt für die Bilanzreduzierung. Aber ganz ausgeschlossen ist das nicht, denn die heutige Fed-Sitzung hat aus Sicht der Notenbanker einen Vorteil: der Zeitpunkt. Denn im September düfte es unruhig werden in Washington, die Anhebung der US-Schuldengrenze wird im September absehbar voll toben, es droht dann ein government shutdown, den die Märkte im Vorfeld einpreisen könnten. Nun aber ist die Lage sehr ruhig, die Märkte im Höhenrausch, alles scheint perfekt.

Für die Aktienmärkte sehr wichtig aber wird das, was Janet Yellen bei ihrer Anhörung vor dem US-Kongreß nicht erwähnt hatte, was aber in der letzten Fed-Sitzung offenkundig ein Thema war: die „financial conditions“, die trotz der Zinsanhebungen durch die Fed nicht straffer geworden sind, und – damit verbunden – die Bewertungen an den Märkten, die wie führende Vertreter der Fed immer wieder betont hatten, „somewhat streched“ seien (etwas ausgedehnt).

Bekanntlich erreichen die US-Aktinmärkte praktisch an jedem Handelstag neue Allzeithochs, und die Fed macht sich Sorge, dass das etwas zu weit geht und es dann, wie Fed-Vize Fischer kürzlich meinte, zu einer erneuten Krise kommen könne, wenn die Dinge zu hoch steigen wie einst vor der Finanzkrise. Es wird also heute im Statement der Fed besonders darauf zu achten sein, ob und was die Fed zu den „financial conditions“ und zu den „valuations“ zu sagen haben wird..


Eine Fed-Sitzung
Foto: Federal Reserve



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1 Kommentar

  1. @FMW-Redaktion
    Ehrlich gesagt, hatte ich diesen Artikel für etwas überspitzt formuliert gehalten. Jetzt ziehe ich, wieder einmal, den Hut vor der FMW-Redaktion.
    Klartext, Konkretes, Belastbares scheint bei den Obersten in Finanzen, Politik und Wirtschaft nicht wirklich angesagt zu sein. Damit könnte man sie ja konkret befragen, zur Verantwortung ziehen und würde den Märkten den „Lotto“-Effekt rauben.
    Aber das übertrifft ja sogar das Handbuch für das Arbeitszeugnis eines ausscheidenden Angestellten oder Arbeiters hinsichtlich der Bewertung seiner Leistung.
    130 Pips im EURUSD wegen „recently“ und „relatively“, 197 Pips beim Gold wegen derartiger harter und belastbarer Formulierungen, das sagt doch alles aus über die Sprache der Märkte. Einfach klasse, wie Sie das bereits im Vorfeld prognostiziert hatten!

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