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Die immateriellen Schäden des Handelsstreits – es ist die Psychologie!

Über den wirtschaftlichen Schaden des Handelskriegs

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Der Versuch eines größeren Überblicks

Es ist wie in einer Spirale. Beinahe im Monatsrhythmus werden Zölle erhoben, Gegenzölle errichtet und Sanktionen verschärft. „Tit for tat“, wie du mir, so ich dir. Aber sind das bereits die akkumulierten Schäden für die Volkswirtschaften, durch die Verteuerung von Waren oder der kostenintensive Umbau von Lieferketten? Wahrscheinlich nicht.

 

Wirtschaft ist Psychologie

Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie, das wusste schon der Vater unseres Wirtschaftsaufschwungs, Ludwig Erhardt. Diese zeitlose Erkenntnis sollte bei einer Fortführung des Trumpˋschen Protektionismus „America first“ mit all seinen Kollateralschäden erhebliche Folgen für die Weltwirtschaft haben. Die Gesamtrate an Zöllen, die die USA für Einfuhren in das Land erheben, ist bereits auf 4,2 Prozent gestiegen. Es gibt nur noch wenige Länder, die eine höhere Quote als die USA aufweisen und es soll noch höher gehen. Wie das ohne Inflationierung abgehen soll, kann ich mir nicht erklären!

 

Aber die weitaus größere Bedrohung geht von der Signalwirkung aus, die diese Handelspolitik für alle größeren Wirtschaftsplaner auf der Welt haben muss, die psychologische Seite. Gemeint ist der Einbruch im Vertrauen auf die Verlässlichkeit von Handelsbeziehungen, welches unerlässlich ist, anderenfalls könnte es zu einer Schockstarre führen und zu einem „wait and see“!

Ich habe hier in diesem Forum schon mehrfach das Beispiel von BASF genannt, kurz bevor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008. Der damalige CEO des Chemiekonzerns, Jürgen Hambrecht, Chef eines Unternehmens, dessen Produktvielfalt wie ein Seismograf für die Weltwirtschaft anzusehen ist, sprach noch wenige Monate vor dem großen Niedergang, er spüre noch keine Bremsspuren in seinen Auftragsbüchern.

In kürzester Zeit stürzte die Wirtschaft lawinenartig nach unten, durch einen rasanten Produktionsstop und es kam zur größten Rezession seit dem 2.Weltkrieg.

Dazu noch ein aktuelles Beispiel: BMW. Der deutsche Automobilhersteller produziert seine Autos (z.B. SUVs) in Deutschland und zahlt Zölle für den Export in die USA – in Bälde eventuell höhere. Für die in China produzierten Fahrzeuge (im Werk Shenyang), wo die Fertigung für den X3 erst im letzten Jahr hochgefahren wurde, gibt es immer höhere Abgaben für den Export in die USA. Ab dem 10.Juni könnte dies auch für Autos gelten, die in Mexiko hergestellt werden, für den Verkauf in die USA. Jetzt kommt das Abgründige der ganzen Zolleskalation.

BMW hat ein Riesenwerk in Spartanburg/USA aufgebaut, von wo aus die Welt beliefert wird. Damit auch nach China, für dessen Export aber immer höhere Abgaben zu entrichten sind. Wenn aber die Produktion nicht zu 75 Prozent aus heimischer US-Produktion stammt, sind wiederum Abgaben fällig. Dazu gibt es ja noch Zölle auf Stahl und Aluminium, für die Chiptechnologie in den Fahrzeugen und, und, und. Wie wollen Verantwortliche unter diesen sich ständig extremeren Auflagen sinnvolle Investitionsentscheidungen fällen? Wenn das nicht weltweit zu Attentismus und einer Schockstarre führen wird..

 

Warum reagiert die Wall Street so träge?

Dafür gibt es ein paar Argumente. Zum einen besteht die US-Wirtschaft zu 70 Prozent aus Konsum und der floriert noch. Das Verbrauchervertrauen liegt fast auf Rekordniveau, die Löhne sind um drei Prozent auf Jahressicht gestiegen und die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem 50-Jahrestief. Übrigens würden diese Faktoren schon ausreichen, um einem amerikanischen Amtsträger einen gewaltigen Vorsprung für seine Wiederwahl zu bescheren – gesetzt den Fall diese Bedingungen bestünden noch in einem Jahr.

Zum zweiten stellt die US-Wirtschaft mit 80 Prozent eine Dienstleistungsgesellschaft dar, die immer noch auf hohem Niveau brummt. Abzulesen am Einkaufsmanagerindex in den USA, der gegenüber dem verarbeitenden Gewerbe mit einem Anteil von gut 18 Prozent zum BIP noch sehr dominant ist.

Bis die Produktionsseite Schlagseite bekommt und sich eine Lawine in Gang setzt. Die Anleger an den Börsen kennen diese Zusammenhänge und vertrauen auf die Stärke der heimischen Wirtschaft und auf Trump – weil sie es sich nicht vorstellen können, dass der Präsident durch sture Zollaktionen im Handelsstreit seine Chancen auf eine Wiederwahl sehenden Auges zerschießt. Erst am Donnerstag hatte er vor den Kameras wieder geprahlt, in welch gutem Zustand sich Arbeitsmarkt, Konsum und Verbrauchervertrauen befinden und wie gut sich die Löhne für Millionen Amerikaner entwickelt haben. Da werde man die Chinesen schon in die Knie zwingen. Die anderen Signale blendet er aus, wie auf anderen Gebieten auch – noch.

Noch ein Wort zur „langen Leitung der Wall Street“. Millionen Anleger preisen kursrelevante Neuigkeiten schneller ein, als es einzelne Analysten in Summa können, Zufallstreffer ausgenommen. Erklärungen für Bewegungen werden immer im Nachhinein nachgereicht.

Aktuell heißt das Folgendes. Die Verluste der Automobilindustrie durch die neuen Zölle sind für die Gesamtbewertung „noch“ untergeordnet. Ein Viertel der Gewinne an der Wall Street werden mit Finanzdienstleistungen erbracht. Allein JP Morgan hat schon eine größere Gewichtung als der gesamte US-Automobilsektor zusammen und die Bank hat im ersten Quartal erst Rekordgewinne gemeldet. Wenn es dieser Branche „ans Leder geht“, reagieren die Börsen ungleich stärker. Deshalb stürzten in der Finanzkrise 2008 auch die Indizes um 50 Prozent in die Tiefe. Wenn also die Eskalation im Handelsstreit den Dienstleistungs-, Konsum und Bankenbereich stärker tangiert, werden auch die Börsen heftiger reagieren.

 

Fazit

Die große Wende in den USA wird kommen, wenn die Verbraucher die Wirkung der Zölle in ihrem Portemonnaie spüren oder die Unternehmen im größeren Stile beginnen aus Rationalisierungsgründen Leute zu entlassen. Dann wird der Konsum leiden.

Außerdem, wenn die Börsen mindestens in eine Korrekturphase eintreten, also bei Verlusten größer als 10 Prozent. Da die Amerikaner zu 70 Prozent in irgendeiner Weise (Vermögensbildung, Altersvorsorge) am Aktienmarkt beteiligt sind, wären das bereits Verluste von über 3,5 Billionen Dollar. Eine Summe, die weit größer ist, als die Summen der Zölle oder Handelsbilanzdefizite. Bei einer Korrektur um 25 Prozent ginge es bereits um einen Wertverlust, der bereits der Hälfte des gesamten US-Bruttoinlandsprodukts entspräche.

Deshalb ist für mich die entscheidende Frage, erhebt Trump tatsächlich auch Abgaben auf die 325 Milliarden chinesischer Einfuhren im Juni und droht er der EU weiter?

Der materielle Schaden dürfte sich auch dann noch in Grenzen halten, aber der psychologische würde sich weiter potenzieren. Die großen „Muli-Nationals“ in vielen Ländern würden sich wegen unsicherer Rahmenbedingungen mit Investitionen weiter zurückhalten – die Rezession wäre wohl unausweichlich.

Ein schönes Beispiel für das derzeitige Tohuwabohu ist die US-Kamerafirma GoPro, deren Manager sich wie „Idioten“ vorkommen müssen. Aus Sorge vor weiteren Repressalien und Zöllen gegenüber China haben sie beschlossen, Teile ihrer Produktion von China nach Mexiko zu verlegen, um jetzt zu erfahren, dass ihre Produkte für die USA dort auch mit Zöllen belegt werden.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Jürgen

    3. Juni 2019 10:03 at 10:03

    Sie sollen ja auch nicht die Arbeitsplätze von China nach Mexiko verlagern, sondern in die USA 😉
    Vielen Dank für den interessanten Artikel.

  2. Hans K

    3. Juni 2019 11:49 at 11:49

    In den USA gibt es ein Überangebot an zum Verkauf stehenden PKWs. Die Produktion von neuen PKWs für den US Markt müsste reduziert werden. Trump hofft sicher mit den Zöllen würde nur die PKW Produktion in Mexiko reduziert und die US PKW Produktion wird nicht gesenkt. Wobei Mexiko ein großer Absatzmarkt gebrauchter in den USA Produzierte PKWs ist. Mit Trumps Mexiko Zölle könnte die Mexiko Wirtschaft schwächen und weniger gebrauchte PKWs abnehmen, was die Restwerte von US PKWs sinken lässt und damit PKW Leasing und Finanzierung teurer machen. Die Deutschen Autokonzerne dürften auch zu große Fertigungskapazitäten in Mexiko aufgebaut haben. Vermutlich auch, damit der Deutsche Maschinenbau fette Aufträge bekommen konnte. Da zittern noch mehr Branchen hier.

    • Shong09

      3. Juni 2019 12:44 at 12:44

      Die Deutschen Autobauer haben sicherlich nicht zu Liebe von Maschinenbauern ihre Werke überdimensioniert. Eher im Vertrauen auf ein immer weiter so beim Wachstum des Autoabsatzes respektive Marktanteils. Die Rechtfertigung ungenügender Kapazitäten vor dem Aktionär ist sicherlich auch schwieriger als „das konnten wir doch nicht ahnen“.
      Wie man bei Bayer aber sieht, brauchst den Manager sowieso nicht zu interessieren. Mit einigen Führungskräften bei Bayer habe ich Kontakt, und diese waren vor ca. 1 Jahr blindlings für die Übernahme und nach dem Prozessfiasko immer noch. Nicht wenige sind aber mit einem goldenem Handschlag in den Ruhestand eingetreten. Kann einem als AN eigl auch nichts besseres passieren. Vorbehaltlich, man hat für sich selbst ein reines Gewissen

  3. Pingback: The May review on the stock markets - where should the recovery signals come from? | finance market news

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Hongkong – Proteste eine Gefahr für Zukunft des Finanzzentrums?

Nicht nur wegen der Proteste in Hongkong scheint China Pläne für eine Ablösung der Stadt als dominantes Finanzzentrum zu haben

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Hongkong gehört seit dem Abzug der Briten 1997 wieder zu China und hat eigentlich noch bis 2047 als so genannte Sonderverwaltungszone garantierte Sonderrechte. Diese sind durch die schon lange währenden Demonstrationen in Gefahr. China braucht Hongkong wirtschaftlich und umgekehrt. Aber jetzt bahnt sich eine neue Entwicklung an.

 

Hongkong – Bedeutung für Chinas Wirtschaft

Hongkong ist auf China angewiesen und vice versa. Wie amtliche Statistiken ausweisen, steht das Reich der Mitte allein schon durch seine geografische Nähe für die Hälfte von Hongkongs Handel. Zugleich stammen gut ein Viertel aller Auslandsinvestitionen in Hongkong aus China plus das Kapital aus diversen Steueroasen. Auch logistisch ist Hongkong vom Festland abhängig, denn ein Viertel des elektrischen Stroms bezieht man von dort sowie den größten Teil des benötigten Trinkwassers. Etwa 20 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet Hongkong mit Tourismus und Einzelhandel. Dabei kommen 80 Prozent der Touristen aus China, die in Hongkong Luxusgüter einkaufen.

Für chinesische Unternehmen hat Hongkong auch eine enorme Bedeutung. Die riesige Metropole ist ein Brückenkopf zu den globalen Finanzmärkten und Drehscheibe für viele Auslandsinvestitionen, die über die ehemalige britische Kronkolonie getätigt werden. Unbestritten auch die Dominanz der dort ansässigen Börse. Globale Investoren haben über die Börse in Hongkong 2,6 Billionen US-Dollar in chinesische Unternehmensaktien investiert. Chinesische Unternehmen nutzen die Stadt, um ausländisches Kapital einzusammeln. Dies ist aber nicht in Stein gemeißelt, wie wir gleich sehen werden.

 

Hongkong kämpft gegen die Rezession

 

Tourismus und Finanzindustrie sind wichtige Größen für das Bruttoinlandsprodukt Hongkongs. Die andauernden Proteste hinterlassen aber mehr und mehr Spuren in der Konjunktur. Allein die Schließung des Hongkonger Flughafens dürfte zu einem Ausfall von fast 14 Tausend Tonnen Fracht im Wert von rund 1,2 Milliarden US-Dollar geführt haben, wie ortsansässige Fondsmanager verlautbarten. Damit verbunden auch zurückgehende Besucherzahlen, schwächere Einzelhandelsumsätze und geringere Hotelbuchungen.

Hongkongs Regierung hat deshalb ein Konjunkturpaket im Wert von rund 19 Milliarden Hongkong-Dollar (circa 2,3 Milliarden Euro) angekündigt, was aber nicht besonders groß erscheint, wenn man Hongkongs BIP in Höhe von 330 Milliarden Euro in Relation dazu stellt.

Dessen Wirtschaft schwächelt bereits seit Monaten. Im zweiten Quartal des Jahres musste schon ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent vermeldet werden. Im laufenden Quartal dürfte es nicht besser laufen, sodass eine technische Rezession zu erwarten ist. 2018 war das Bruttoinlandsprodukt noch um drei Prozent gewachsen.

 

Chinas Zukunftspläne – Shenzen, die neue Finanzmetropole?

Auch wenn sich die Regierung in Peking dem Druck der Demonstrationen in Hongkong nicht beugen wird, so scheint man bereits Pläne für eine Ablösung der Stadt als dominantes Finanzzentrum zu haben.

Hongkongs Rolle als Finanzplatz könnte an Bedeutung verlieren.

Darauf deutet ein am Sonntag veröffentlichter Plan Pekings hin, in dem eine weitere Öffnung der Wirtschaft von Shenzhen bekanntgegeben wurde – eine riesige Stadt unweit zur Grenze von Hongkong. Die Stadt solle bis 2025 „eine der führenden Städte der Welt im Hinblick auf wirtschaftliche Stärke und die Qualität der Entwicklung“ werden und bis zur Mitte des Jahrhunderts eine der Top-Metropolen der Welt.

Chinesische Medien sprachen davon, dass Shenzhen besser werden solle als Hongkong und es die einzige Chance für das abtrünnige Hongkong sei, sich vollständig in China zu integrieren. Auch wenn dieses als Drohkulisse zu verstehen ist, als Warnung an die einstige britische Kolonie, den erworbenen Wohlstand nicht zu riskieren, scheint sich hier eine weitere Entwicklung in Gang zu setzen.

 

Fazit

Es wird aus vielen Aktionen deutlich. China möchte sich als Weltmacht etablieren, praktisch in einer neuen bipolaren Welt in Konkurrenz zum Westen auf technologischen und militärischen Gebieten. Gewissermaßen der „Nukleus“ für den laufenden und noch lange währenden Handelsstreit zwischen den USA und China. Seien es die Entwicklungen um Huawei und Co oder jetzt in Hongkong, man scheint auf eine Art Ost-West-Aufteilung neuer Prägung zuzusteuern. Mittendrin Deutschland, welches als Exportnation große Wirtschaftsbeziehungen sowohl mit den USA als auch mit China unterhält. Ob dies in Zukunft ohne Friktionen weiter möglich sein wird?

 

Hongkong war bislang der Hub für China zu den globalen Finanzmärkten

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Crack-Up-Boom und die Zentralbanken

Das Geldschöpfungsprivileg erlaubt den Zentralbanken die Inflation nach Belieben zu erhöhen – und das dürfte noch einmal einen Crack-Up-Boom auslösen

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Das Geldschöpfungsprivileg erlaubt den Zentralbanken die Inflation nach Belieben zu erhöhen – und das dürfte noch einmal einen Crack-Up-Boom auslösen!

 

Eine Frage des politischen Willens, nicht nur der Zentralbanken

In jüngster Zeit wird kontrovers über die Möglichkeiten der Zentralbanken diskutiert, die globale Wirtschaft in Gang zu halten und eine deflationäre Abwärtsspirale á la Japan in Folge der hohen Schulden auf globaler Ebene zu verhindern. Für mich persönlich ist die Potenz der Zentralbanken klar: sie können, wenn sie wollen.
Es ist nur eine politische Frage, wann und in welchem Umfang ein sogenannter Crack-up-Boom in der Wirtschaft von den Zentralbanken erzeugt und die Inflation angeheizt wird. Das Timing in dieser Frage ist direkt gekoppelt an den Eintritt einer das System destabilisierenden Weltrezession.

Diese Situation war in Japan seit dem Platzen der dortigen Immobilienblase Ende der Achtzigerjahre nie gegeben. Japan ist nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft mit starkem Fokus auf den Export. Die Staatsverschuldung liegt zwar bei 238 Prozent des BIP, davon sind aber nur 50 Prozent gemessen am BIP Auslandsschulden. Die nationale Bruttoersparnis liegt bei 25 Prozent und mit mehr als 1,3 Billionen US$ verfügt das Land über die zweitgrößten Devisenreserven der Welt (nach China und vor der Schweiz).

 

Trotz inverser Alterspyramide und Fachkräftemangel hat Japan stets vom Wachstum der Weltwirtschaft profitiert. Jetzt jedoch haben wir es mit einer Schuldenkrise historischen Ausmaßes auf globaler Ebene zu tun. Die letzte Wachstumslokomotive USA ist gerade dabei, ihre letzten schuldenfinanzierten Kohlen zu verbrennen. Eine Situation, die die Zentralbanken zwingt, auch ihr ultimatives Waffenarsenal einzusetzen.

Die Ultimative Bazooka der Zentralbanken: der Crack-up-Boom

Die ultimative Bazooka ist dabei der sinnbildliche Abwurf von Gratisgeld mit den Helikoptern der Zentralbanken. Eine weitere Option ist das sogenannte Schwundgeld, das das Sparen verunmöglicht und die Geldumlaufgeschwindigkeit massiv erhöht (siehe dazu meinen Artikel von gestern: „Negativzinsen – Schwundgeld für Überschuldete“). Unter der Prämisse, dass reale Zinssteigerungen wegen der globalen Überschuldung nicht mehr möglich sind, ist die Kombination dieser beiden genannten Maßnahmen die nukleare Option der Zentralbanken zur Überwindung des Japansyndroms.

 

Der Crack-Up-Boom

Wie nahe wir uns an einem solchen Szenario befinden, bei dem die Weltwirtschaft einen künstlichen Mega-Push erhält, zeigen die jüngsten Aussagen von Mario Draghi: Am 20. August zitierte die Financial Times aktuelle Überlegungen des amtierenden EZB-Präsidenten, den Wirtschaftssubjekten ohne Umweg über die Banken direkt frischgedrucktes (digitales) Geld in die sprichwörtliche Hand zu geben – für Konsum und Investitionen.
Das bisherige Zögern solche Maßnahmen in die Tat umzusetzen, ist dabei kein Ausdruck mangelnder Potenz der Zentralbanken, sondern deren Wissen um die Nebenwirkungen.

Übersetzt bedeutet Crack-Up-Boom nämlich sinngemäß Katastrophen-Aufschwung. Dieser rein künstliche Zyklus entfaltet in seinem Verlauf neben einer wirtschaftlichen Scheinblüte mit hohen nominellen Wachstumsraten und explodierenden Vermögenspreisen eben auch eine enorme zerstörerische Wirkung auf die Geldwertstabilität. Der Crack-Up-Boom stellt unweigerlich die Endphase eines übergeordneten Wirtschaftszyklus in einem Fiatgeld-System dar.

Wenn der politische Druck groß genug wird, schrecken die verantwortlichen „Währungshüter“ auch vor dieser nuklearen Option nicht zurück.

 

Empirische Belege für den Crack-up-Boom gibt es genug

Empirische Belege für diese politische Kausalität gibt es in der Geschichte des Geldes reichlich: von Weimar über Simbabwe, Venezuela und Argentinien bis hin zur jüngst erfolgten Entmündigung der Zentralbank in der Türkei. Ausnahmslos wurde dabei von Zentralbanken auf politischen Druck hin, gewollt oder ungewollt, der Geldwert massiv herabgesetzt.

Nochmals: dass es bislang zum Beispiel in Japan und Europa disinflationäre Tendenzen mit wirtschaftlicher Stagnation gibt, liegt nur an der Zurückhaltung der Zentralbanken in Bezug auf ihr atomares Waffenarsenal. Man könnte sagen, dass bis jetzt noch auf ein sensibles Gleichgewicht zwischen Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit von Banken, Unternehmen, Staaten und Verbrauchern auf der einen Seite sowie der Inflation auf der anderen Seite Rücksicht genommen wurde.

Die Hauptüberlegung für diese Rücksicht war dabei immer, das Vertrauen in das ungedeckte Geldsystem und die Reputation der „Währungshüter“ nicht unnötig zu zerstören. Doch wie sagte der Dichter Wilhelm Busch so schön: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde (eine Befürworterin des Schwundgeldes) scheinen genau an diesem Punkt angekommen zu sein.

 

Fazit: Die Zentralbanken und der absehbare Crack-Up-Boom

Noch haben die Zentralbanken gar nicht angefangen, ihre schärfsten Waffen einzusetzen – aus Angst vor den Folgen. Bislang wurden nur Löcher bei de facto bankrotten Banken und Regierungen gestopft und die Weltwirtschaft halbwegs stabilisiert. Von einem Crack-Up-Boom ist in der Realwirtschaft noch nichts zu spüren (mit Ausnahme der Vermögenspreise). Die Betonung liegt auf „noch“ und der Druck im Kessel steigt.

 

Die Zentralbanken sind auf dem Weg, einen Crack-up-Boom zu erzeugen

Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

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Banken – Jahresprognosen am Beispiel der Zins- und Aktienmärkte

Wenn man Kapital schlagen möchte aus der Umdeutung der Jahresprognosen der Banken..

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Zugegeben, es gelingt es klingt ein bisschen ketzerisch, wenn man Kapital schlagen möchte aus der Umdeutung der Jahresprognosen der Banken. Aber, wie die Vergangenheit gezeigt hat, ist es oftmals von Vorteil gewesen, sich als „Contrarian“ zu betätigen, wenn die Vorhersagen der Institute ein zu einheitliches Bild vermitteln.

Die Entwicklung der Bondmärkte und die Prognose der Banken

Welcher Analyst hatte es denn ernsthaft in Erwägung gezogen, dass die Bondmärkte ein weiteres Mal die Aktienmärkte outperformen? Genau das war in den nun fast acht Monaten des Jahres der Fall, zumindest wenn man die ganz langen Laufzeiten betrachtet: Bei den 30-Jährigen gab es bis vor Wochenfrist Gewinne von 27 Prozent (Bund) beziehungsweise 15 Prozent (US-Treasury).

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Betrachtet man nun die Jahresprognosen von 21 Banken, die diese zum Beginn des Jahres abgegeben haben, so kann man erstaunt feststellen:

  • Die durchschnittliche Schätzung der Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe lag bei 3,26 Prozent, alles ziemlich eng beisammen, die tiefste Schätzung lautete 2,50 Prozent, die höchste 3,80.
  • Im Bereich der deutschen Anleihen gingen die Analysten von einem Durchschnittszins bei der 10-Jährigen von 0,85 Prozent aus.
  • Gold 1281 Dollar, Euro/$ 1,19
  • Und wo liegen die langfristigen Zinssätze aktuell? USA 1,57 Prozent (10-Jahresbereich), Deutschland minus 0,68 Prozent

Klar sind erst knapp acht Monate des Jahres vergangen – und es könnte theoretisch noch den großen Sprung für die Renditen geben. Aber was hätte dies dann für Konsequenzen für die Aktienmärkte? Wahrscheinlich einen ziemlichen Crash und dann wären die anderen Vorhersagen der Banken im Hinblick auf die Aktienmärkte obsolet.

 

Die Lehren aus sehr konsensualen Marktmeinungen der Banken

Zur Erinnerung: Wie lautete die gemittelte Prognose von Banken und Analysten für den Endstand des Dax  2018? – 14008, tatsächlich waren es 10588, knapp daneben, wie in den meisten Jahren zuvor.

Für das Jahr 2017: Prognose 11629, Endstand 12917.

Oftmals wird nur eine durchschnittliche Jahresperformance der Vergangenheit aufaddiert. Damit ist man als Analyst ein bisschen auf der sicheren Seite. Man orientiert sich an den Kollegen, befindet sich bei einer Fehlprognose in illustrer Gesellschaft und man liegt auch mathematisch in günstigem Territorium – „reversion to the mean “ eben.

Wenn sich die Chefvolkswirte von Großinstituten in der Bewertung von Zinsen und Konjunktur zu nahe sind, kann man davon ausgehen, dass mit ziemlicher Sicherheit ihre Firmen als Kapitalanleger eben in dieser Projektion investiert sind.

Dann bedarf es nur kleiner abweichender Ereignisse – praktisch der Flügelschlag eines Schmetterlings in Asien, der einen Hurrikan in den USA verursacht – , um eine Lawine an Umschichtungen auszulösen. Im Prinzip eine weitere Form der Börsenweisheit: „Die Mehrheit bekommt selten recht.“

 

Fazit

Wie sagte schon Johann Wolfgang von Goethe vor gut 200 Jahren: „Ich finde immer mehr, daß man es mit der Minorität, die stets die gescheidtere ist, halten muß.“ Vermutlich gilt das noch heute und ganz speziell für die Kapitalmärkte.

Wie lautete die Jahresprognose für den Dax-Endstand 2019?

Wetten, dass…..!

 

Die Banken liegen in ihren Jahresprognosen zuverlässig daneben

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