Europa

Die Inflation rollt kräftig rein nach Deutschland, aus dem Ausland – hier die Entwicklung im Detail

FMW-Redaktion

Nur die Verbraucherpreise selbst werden in der Öffentlichkeit beachtet, also das, was man allgemein als Inflation bezeichnet. Die dahinter liegenden Vorläufer-Daten werden aber oft kaum beachtet. Neben den von uns oft angesprochenen Erzeugerpreisen gibt es da auch die Importpreise. Das sind die Preise, die die deutsche Volkswirtschaft für importierte Waren zahlen muss. Auch diese Zahl kann man als Frühindikator für die später entstehenden Verbraucherpreise ansehen.

Heute früh hat das Statistische Bundesamt die Importpreise für Dezember veröffentlicht. Nach nur +0,3% im November 2016 in Bezug auf den Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Importpreise im Dezember (Erwartung +2,7%) um satte 3,5% an. Die Preislawine rollt also nach Deutschland, und zwar aus dem Ausland! Für das Gesamtjahr 2016 sind die Energiepreise im Vergleich zu 2015 in Schnitt um 16,8% zurückgegangen. Verständlich bei den niedrigen Ölpreisen, die durchschnittlich 2016 vorherrschten. Wie gesagt, im Schnitt! Aber interessant wird bei der Energie der aktuellste Vergleich von Dezember 2015 auf Dezember 2016. Da legt Energie (statt -16,8% im Schnitt) ein sattes Plus von 23,1% hin bei den Importpreisen – was für ein Preistreiber! Der wird sich letztlich auch immer stärker auf die Inflation in Deutschland auswirken. Importiertes Rohöl stieg sogar um 36,9%.

Eisenerze und Steinkohle legen sogar um mehr als 40% zu, was ebenfalls mit mehreren Monaten Folgezeit auf die Preise für Energie und Stahl umschlagen dürfte. Was für die Verbraucherpreise dämpfend wirkt, ist beispielsweise der stark sinkende Importpreis für Kakao mit -28,3% und Getreide mit -3,9%, Rindfleisch -1,7%. Milch wird um 11,7% teurer, Schweinefleisch um 21,5%.

Merkwürdig: Wie auch bei anderen Zahlen stellt das Statistische Bundesamt jetzt im Januar die Durchschnittszahlen für das Gesamtjahr 2016 in den Vordergrund, als wenn sie eine entscheidende Kennzahl wären. Wichtig ist immer der aktuellste Monat im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Daten erwähnt man erst deutlich später in der Veröffentlichung. Die Jahresdurchschnitte sind nämlich fast allesamt im Minus, also inflationsdämpfend (siehe Tabelle). Fazit: Es rollt möglicherweise eine Welle steigender Preise auf uns zu, die mit Verzögerung im Frühjahr/Sommer noch kräftiger einschlägt als bisher vermutet.

Der Kommentar vom Statistischen Bundesamt zu dem Dezember-Zahlen:

Im Dezember 2016 stiegen die Einfuhrpreise mit + 3,5 % gegenüber Dezember 2015 deutlich an. Dies war der höchste Preisanstieg seit Januar 2012 (+ 3,6 %). Im November 2016 hatte die Jahresveränderungsrate + 0,3 % betragen, im Oktober 2016 hatte sie bei – 0,6 % gelegen. Gegenüber November 2016 stiegen die Importpreise im Dezember 2016 deutlich um 1,9 %. Zuletzt hatte es im Mai 2008 einen höheren Preisanstieg gegenüber dem Vormonat gegeben (+ 2,1 % gegenüber April 2008).

Auch im Dezember 2016 hatte die Entwicklung der Energiepreise (+ 23,1 %) den größten Einfluss auf die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat. Einen größeren Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat hatte es zuletzt im November 2011 gegeben (+ 26,0 %). Im Vergleich zum November 2016 erhöhten sich die Preise für importierte Energie ebenfalls deutlich (+ 11,3 %). Während sich Rohöl, Mineralölerzeugnisse, Steinkohle und Erdgas verteuerten, sanken die Preise für elektrischen Strom.

Der Einfuhrpreisindex ohne Energie war im Dezember 2016 um 1,4 % höher als im Dezember 2015 (+ 0,8 % gegenüber November 2016). Lässt man nur Erdöl und Mineralölerzeugnisse außer Betracht, lag der Einfuhrpreisindex im Dezember 2016 um 1,7 % über dem Stand des Vorjahres (+ 0,9 % gegenüber November 2016).
Vorleistungsgüter waren im Dezember 2016 um 2,5 % teurer als im Dezember 2015. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Preise um 1,0 %. Insbesondere importierte Eisenerze und Nicht-Eisen-Metallerze, aber auch Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen sowie Nicht-Eisen-Metalle und Halbzeug daraus verteuerten sich gegenüber Dezember 2015, ausgenommen Rohaluminium, das billiger war als im Vorjahresmonat.
Die Preise für Düngemittel und Stickstoffverbindungen (– 19,1 %) sowie Holzstoff und Zellstoff (– 8,0 %) lagen unter denen des Vorjahresmonats.

Importierte Verbrauchsgüter verteuerten sich gegenüber Dezember 2015 um 2,0 % und gegenüber November 2016 um 0,6 %.

Importierte landwirtschaftliche Güter waren gegenüber Dezember 2015 um 5,6 % teurer.

Eingeführte Investitionsgüter (– 0,6 %) und Gebrauchsgüter (– 0,1 %) verbilligten sich gegenüber Dezember 2015. Aber auch hier stiegen die Preise gegenüber dem Vormonat, bei Investitionsgütern um 0,3 % und bei Gebrauchsgütern um 0,5 %. Bei den Investitionsgütern waren insbesondere Datenverarbeitungsgeräte im Vorjahresvergleich billiger (– 4,6 %).



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7 Kommentare

  1. Ganz klar, ich kaufe jetzt weniger Eisenerze! Mein Eisenerzverbrauch war extrem hoch, aber jetzt kauf ich einfach weniger…

  2. Die Eneignung der Sparer und all derer, die von staatlichen Zuwendungen leben (Rentner, Sozialhilfeempfänger), schreitet munter voran. Hoffentlich nimmt sie bis zu den Bundestagswahlen noch mal so richtig Tempo auf, damit auch die Rentner aufwachen.

    1. @ leser
      Ich weiß ja nicht aus welchem Bundesland Sie her kommen.. aber ich bin aus Bayern nähe von München und kann Ihnen sagen .. bis hier mal einer aufwacht das dauert noch Jahre und nicht Monate ;-)

      1. @ Robert
        Ich lebe in dem Bundesland, in dem man mit den Überweisungen aus ihrem Bundesland den besten Flughafen der Welt in Rekordzeit baut :-).
        Und immer positiv denken: Die Welt sieht heute schon anders aus, als vor ein paar Monaten.

      2. So oder so ähnlich wird es wohl tendenziell überall aussehen – kurzum: wir sind am A…llerwertesten.

  3. Liebe FMW,
    ihr würdet mir einen sehr großen Dienst erweisen, wenn ihr auf Dauer nicht mehr die „aktuellsten“ sondern einfach nur die „aktuellen“ Meldungen bringt ;-)

  4. Nun ja …wir laufen also knallhart auf das level von 2010 zu . siehe Schaubild .
    Die Angst ist schon sehr v deutlich spürbar .

    Vor allem die importpreise für niedersächsische Schweinehälften (+21%) veranlassen mich zu panikartigen Verkäufen …nächste Woche

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