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Die Jobkiller-Lawine kommt ins Rollen – Amazon mit 3000 neuen Supermärkten ohne Kassen

Claudio Kummerfeld

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am

Das wird verdammt, verdammt, verdammt viele Jobs in den USA kosten, was Amazon da gerade macht – so möchten wir es prophezeien. Und da die USA ja sehr oft ein Testballon sind für Entwicklungen, die danach nach Europa herüber schwappen, steht die selbe Entwicklung auf lange Sicht auch bei uns bevor. Laut aktuellen Berichten plant Amazon in den nächsten drei Jahren 3000 neue sogenannte „Amazon Go“-Supermärkte in den USA zu errichten.

Drei solcher Supermärkte gibt es bereits in Seattle, und ein weiterer wird heute in Chicago eröffnet. Damit wird Amazon die Supermarktwelt revolutionieren – das scheint sicher! Die Kassen sind komplett verschwunden. Auch gibt es keine SB-Kassen. Der Kunde checkt mit einer App in den Supermarkt ein. Von dem Augenblick an wird sein Einkauf durch Scanner und Kameras an der Decke nachvollzogen. Mit seinen Einkäufen verlässt der Kunde dann den Supermarkt wieder, einfach so, ohne Schlange stehen, ohne Bezahlen.

Dieser Zeitgewinn, dieses Entfallen des nervigen Wartens an der Kasse, das wird sehr viele Kunden anlocken. Die Test-Supermärkte in Seattle haben gezeigt, dass das System zuverlässig arbeitet. Nach Verlassen der Stores erhält der Kunde nämlich sofort über die App eine Art Online-Kassenbon, auf dem er sehen kann, was er eingekauft hat und was das kostet. Abgebucht wird das Geld automatisch von der Kreditkarte, die der Kunde beim Einrichten der App einmalig hinterlegen musste. Amazon würde wohl kaum jetzt derart in die Offensive gehen, wenn dieses System nicht funktionieren würde.

Das bedeutet: Auf die ganzen USA gesehen werden, wenn viele Konsumenten von der Konkurrenz zu Amazon Go wechseln, zahlreiche Kassierer in anderen Supermärkten ihre Jobs verlieren. Und nicht nur das. Durch diesen Bequemlichkeitsdruck, den Amazon auslöst, werden die etablierten Supermarktketten langfristig gezwungen sein ebenfalls kassenfreie Märkte anzubieten. Auf Dauer wird das für sehr viele Supermarkt-Mitarbeiter im ganzen Land den Jobverlust nach sich ziehen – auf der anderen Seite bedeutet es einen deutlichen Zeitgewinn und stressfreies Einkaufen für die Konsumenten. Das steht uns hierzulande langfristig auch bevor.

Einerseits sind diese neuen Supermärkte vor allem wegen der teuren Scanner-Technik an der Decke extrem teuer im Aufbau. Das heißt, dass 3000 neue Stores in drei Jahren sehr hohe Investitionen nötig machen. Aber Amazon könne hier wohl vorgehen wie im Onlinehandel auch. Erst mal auf Gewinne verzichten. Erstmal die Konkurrenz aus dem Geschäft kegeln, bis man mit weitem Abstand Marktführer ist? Die Aktien der „normalen“ Supermarkt-Anbieter in den USA haben übrigens gestern Abend allesamt negativ reagiert. Denn die Börsianer erkennen sofort, dass diese Offensive von Amazon eine massive Konkurrenz für die alten großen Anbieter bedeutet! Den ganzen Einkaufsvorgang in Amazon Go-Stores können Sie im folgenden Video gut nachvollziehen.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Amazon Go
Ein Store in Seattle. Foto: SounderBruce (CC BY-SA 4.0)

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    frank

    20. September 2018 15:24 at 15:24

    Besser gehts nicht. Ich freue mich als Verbraucher. Endlich kein nerviges anstehen an der Kasse mit miesgelaunten und ekligen Kassierern und noch viel nervigeren Kunden. Das ist Fortschritt, ich weine dem alten System keine Sekunde hinterher.; übrigens ein perfektes Beispiel wie der Kapitalismus effizienten Fortschritt erschafft.

    • Avatar

      Andreas

      20. September 2018 15:34 at 15:34

      @frank
      Ziemlich egoistisches denken. So etwas ekelt mich an. Als ob sie nicht ein wenig an der Kasse stehen könnten, auch sie sind doch ein nerviger Kunde, wenn sie andere so bezeichnen.

      Mir tun die Menschen leid, die aufgrund der Gier irgendwelcher Konzernbosse, ihren Job verlieren. Sind ja des öfteren ältere Damen oder Frauen die etwas dazuverdienen müssen, da der Mann aufgrund der kapitalistischen Effizienz nicht mehr genug für die ganze Familie verdient.
      Warum kaufen sie ihre Lebensmittel nicht einfach immer online und lassen es sich liefern?

      • Avatar

        frank

        20. September 2018 15:52 at 15:52

        Das ist eine völlig absurde Denkweise. Es geht nicht um Gier, sondern um Fortschritt und Effizienz. Oder benutzen sie noch manuelle Kameras oder alte Handys weil sie mit den Mitarbeitern von Kodak oder Nokia so viel Mitleid haben? Sicherlich gehen hier massenweise Jobs verloren und wer sagt dass ich kein Mitleid habe? Ich bin mir sicher dass durch den ganzen Fortschritt auf der anderen Seite zahlreiche neue Jobs enstehen. So war es schon immer in den letzten 250 Jahren industrieller Revolution. Alte Jobs sind ausgestorben, neue sind entstanden. Oder hätten sie vor 20 geglaubt dass Millionen Menschen im Internetbereich arbeiten?

        • Avatar

          Andreas

          20. September 2018 16:48 at 16:48

          Das ist nicht absurd, sondern passiert wenn man ein System (hier den Kapitalismus) ÜBER den Menschen stellt. Wer hat von diesen Amazon-Läden langfristig mehr nutzen? Jeff Bezos oder die Menschen? Wir sparen uns zwar dadurch beim einkaufen etwas Zeit, aber hunderttausende verlieren ihre Arbeit. Und überhaupt, warum haben es alle immer so eilig? Kinder sind ja out heutzutage, daheim wartet also vielleicht nur der Freund, die Freundin. Und dann wird der Rest des Tages sowieso vor der Glotze oder dem Internet verbracht.
          Was machen wir dann mit den ganzen Arbeitslosen Kassierer/innen? Zwei-Wöchiges IT-Seminar und dann ab zu SAP?
          Ich weiß nicht wo sie arbeiten, aber sollten sie mal ihre Arbeit durch Roboter verlieren, wollen sie sicher auch nicht hören “ Macht nichts, es werden schon neue Jobs entstehen…“Ja, und was machen sie jetzt? Nochmal studieren?
          Lesen sie mal wie viele Leiharbeiter Deutschland hat. Lesen sie mal das neue Buch von Daniel Stelter. Schauen sie mal nach China. Dort wird jeder Bürger nach einem Punkte-System bewertet. Für die Elite ist es definitiv ein Fortschritt, für sehr viele Menschen jedoch nicht.

          Schön wäre es, wenn zuerst der Mensch kommt und dann ein System.

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            oegeat

            22. September 2018 21:24 at 21:24

            so ein Unfug …. Frank hat vollkommen recht

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        Trigo

        20. September 2018 16:23 at 16:23

        Ach Frank ist doch der Erste der sich aufregt, wenn es keinen Service mehr gibt. Den Fortschritt in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf… LOL …. eher Rückschritt!!

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      Hoffnungsvoller

      20. September 2018 16:48 at 16:48

      ja wird auch langsam Zeit…
      ich freue mich auch darauf das endlich Millionen die Chance haben so wie unsere Goldstücke in Rente zu gehn.
      Wo kämen wir den hin wenn immer nur die eigenen arbeiten müssen… das ist nicht fair.
      Also weg mit den Sklavenjobs.

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    Gixxer

    20. September 2018 15:44 at 15:44

    Was macht man denn dann, wenn man kein Smartphone hat?
    Solche Leute soll es ja geben und ich meine da nicht nur die älteren, die sich mit so was gar nicht mehr beschäftigen wollen und vielleicht auch können.
    Müssen die dann verhungern?

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      Monsun

      20. September 2018 17:16 at 17:16

      „Müssen die dann verhungern?“
      Nein,Auswandern(Rentnergeneration) und sich nicht mit belanglosen (Ami)Dingen wie z.B.Smartphone verbloeden lassen.

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      frank

      20. September 2018 17:23 at 17:23

      man kann sich ja ein SP kaufen. Problem gelöst…

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        Monsun

        20. September 2018 18:32 at 18:32

        Schon mal daran gedacht,wenn der Wischmobb(SP) zu Bruch/Defekt geht und man dann keinen Cash zur Hand hat(falls es dann noch Barcash gibt)?
        Genau,auf das steuern WIR zu….auf eine bargeldlose Gesellschaft!

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      Marcus

      20. September 2018 17:51 at 17:51

      Genau das wollte ich auch gerade fragen! Was machen dann die älteren Menschen wenn ihnen niemand einkauft ? Die sterben derweil zuhause auf dem Sofa ?

      • Avatar

        Monsun

        20. September 2018 18:09 at 18:09

        Richtig,die in DE lebenden Deutschen wuerden wirklich auf dem Sofa sterben,weil sie unfaehig sind,sich selber zu versorgen/ernaehren,d.h.ohne Hartz4 Discounter bleibt die Kueche kalt und man kaut dann fleissig am Fenstergummi.
        Migranten aus fernoestlichen Laendern,haben damit kein Problem,denn die beherrschen wenigstens noch die Viehschlachtung aus dem FF…im Gegensatz zu unserer in Watte gepackten dt.Wohlfuehlgesellschaft!

  3. Avatar

    RP

    20. September 2018 18:54 at 18:54

    Wenn man es positiv sehen will, dann bringen uns Solche Entwicklungen dem BGE ein Stückchen näher.

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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