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Die Krisenbank Monte dei Paschi – und die Rückkehr des Risikos als Kontrollverlust der EZB!

Italiens Krisenbank zweiweilig vom Handel ausgesetzt – und die Risikoprämien für italienische und französische Anleihen steigen immer weiter. Die EZB hat (vorübergehend?) die Kontrolle verloren!

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wir hatten gestern über den Plan der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi, der drittgrößten Bank Italiens berichtet: sie will ihre faulen Kredite los werden (28 Milliarden Euro) und Anleihehalter dazu animieren, ihre Anleihen in Aktien zu tauschen (debt-for equity swap, das Volumen beträgt 4,3 Milliarden Euro). Gestern Abend ist dieser Plan in Siena mit 96% der Aktien-Besitzer (größter Anteilseigner ist der italienische Staat mit 4%, dann folgt der französische Konzern Axa mit 3,2%) genehmigt worden – scheinbar ein Erfolg. Faktisch kann damit die Bank fünf Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen. Vor Weihnachten soll nun der „Deal“ abgeschlossen sein – die EZB hatte dafür der Bank eine Deadline bis Jahresende gesetzt.

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Der Sitz der Monte dei Paschi im Palazzo Salimbeni in Siena
Foto: Tango7174 – Eigenes Werk, GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8898309

Gelingt die Transaktion, sind also die Anleihehalter bereit, den Deal dann auch wirklich in die Tat umzusetzen, wäre das die größte „non-performing-loan securitization“ in der Geschichte! Also kein kleines Unterfangen. Aber die Zweifel bleiben: so wurde der Handel in Mailand nach dem Verlust der Aktie von 5,5% zweitweilig vom Handel ausgesetzt:

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Und langfristig sieht das so aus – im Jahr 2007 kostete die Aktie noch über 80 Euro:

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Alleine in diesem Jahr hat Monte dei Paschi 80% an Marktkapitalisierung verloren, damit ist die Bank die schlechteste Aktie im italienischen Leitindex MIB. Insgesamt sind die fünf größten Verlierer in dem Index allesamt Banken. Aber hatte gestern nicht EZB-Vize Constancio gesagt, Italiens Banken seien „widerstandsfähig“ („resilient“)? Sischer dat..

Insgesamt sind die Märkte in Aufruhr – man sollte sich da nicht blenden lassen von den Allzeithochs bei den US-Indizes! Der Anleihemarkt reicht Blut vor dem Referendum in Italien:

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Aber auch französische Staatsanleihen unter Druck – die spreads, also der Abstand der Risikoprämien zwischen deutschen Anleihen und italienischen, aber auch französischen Anleihen – signalisieren Ungemach:

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Mithin ist also das Risiko wieder da. Genauer gesagt: die Unterscheidung von Risiken. Die Politik der EZB hat diese Unterscheidung von Risiken zugekleistert – wenn das nun nicht mehr funktioniert, dann zeigt das: die EZB hat nicht mehr die volle Kontrolle!

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    leser

    25. November 2016 12:12 at 12:12

    Also doch dem schlechten Geld einen ordentlichen Batzen (noch) besseren Geldes hinterher geworfen. Und damit ein wenig Zeit gewonnen. Bankaktien und Aktien von Luftfahrtunternehmen sollte man generell meiden. Beide Branchen sind längerfristig Underperformer.
    Bleibt das Referendum als kurzfristiges Ereignis mit Sprengkraft für die EU. Und wenn die EU daran zugrunde gehen sollte, dann hat auch die EZB keine Daseinsberechtigung mehr. Das wäre ein Anlass, eine gute Flasche aus dem Keller zu holen. Egal wie es ausgehen wird, eine Bank gewinnt immer. Goldman Sucks.

  2. Avatar

    asyoulike

    25. November 2016 15:54 at 15:54

    Moin, moin,
    es wird wohl weiter gehen bis zum 8. Mai. (analog 8. Mai 1945). Es gibt zwar schon lange nichts mehr zu gewinnnen, aber man verkündet noch die große Wende und den Endsieg. Langsam dämmert es aber einigen BRD Michels, dass irgendetwas nicht mehr so ganz stimmt. Also, weiter machen und Stellung halten.
    Im übrigen, das Risiko war m.E. nie weg, es wurde nur nicht mehr darüber berichtet, wie bspw. jetzt Griechenland. Läuft da alles gut, nur weil nicht mehr berichtet wird? Kontrollverlust der EZB. Was nie vorhanden war (Kontrolle) kann auch nicht verloren gehen.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Tesla, Zoom, Salesforce

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Tech steht heute im Fokus der Börsianer, darunter, die Aktien von Tesla, Zoom, und Salesforce.

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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IHS Markit-Kauf für 44 Milliarden Dollar – wie man gigantisch wächst ohne neue Schulden

Claudio Kummerfeld

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New York Downtown bei Nacht

In der Branche für Finanzdaten, Börsendaten und ökonomischen Analysedaten nimmt die Konzentration auf wenige große Anbieter immer mehr zu. Es gibt Bloomberg, Reuters, große Börsenanbieter wie die Deutsche Börse oder Euronext, und es gibt gerade den Versuch der London Stock Exchange den Datenanbieter Refinitiv für 27 Milliarden Euro zu übernehmen. Jetzt legt S&P Global (gehört zur Standard & Poors-Gruppe) nach und kauft den Datenanbieter IHS Markit. Und das für satte 44 Milliarden Dollar.

IHS Markit war Ende letzter Woche an der Börse noch 37 Milliarden Dollar wert. S&P Global lag bei 82 Milliarden Dollar. Wie schafft man es so viel Geld auszugeben, mal eben 44 Milliarden Dollar? Nun, in diesem Fall ist das gar kein Problem. Man „kauft“ per Aktientausch. Ein richtiger Kauf ist es dann gar nicht. Man fusioniert, und der „Käufer“ erhält an der neuen Firma die Aktienmehrheit. Oder besser gesagt, die bisherigen Aktionäre des größeren Fusionspartners halten dann später auch die Mehrheit am neuen Unternehmen.

So kommt es, dass die bisherigen Aktionäre von S&P Global an der neuen Firma 67,75 Prozent der Anteile halten werden, und die bisherigen Aktionäre von IHS Markit 32,25 Prozent. So haben alle was davon, und die Firma hat keine gestiegene Verschuldung durch diese Transaktion. So können große Konzerne schnell weiter wachsen, ohne sich zu verschulden.

Ganz anders lief es vor vier Jahren bei Bayer, wir erinnern uns alle mit Grausen an die Zeit danach. Die Leverkusener kauften Monsanto für 66 Milliarden Dollar in Cash. Dafür musste man damals eine Brückenfinanzierung über 57 Milliarden US-Dollar aufnehmen, also Kredite. So brockt man sich jede Menge Probleme ein, wenn man seine bisherige Aktionärsstruktur beibehalten will.

Will man extern kräftig zukaufen, muss man sich dann wie Bayer massiv verschulden. Um die Last zu reduzieren, muss man dann brutal einsparen, einzelne Sparten verkaufen usw. Gerade große Konzerne mit stark steigenden Aktienkursen können sich über den Weg des Kaufs mit eigenen Aktien (Fusion) andere Unternehmen einfach und bequem einverleiben. Dann werden die Aktionäre der bisherigen Konkurrenzfirma einfach zu Miteigentümern des eigenen Unternehmens gemacht. Und zack, der Konzern wächst kräftig, ohne dabei neue Schulden machen zu müssen. Natürlich hat der einzelne Altaktionär nach der Transaktion weniger Eigentum am Konzern. Aber dafür ist der Konzern an sich ja auch spürbar gewachsen, wodurch eine Kompensation stattfindet. Langfristig können über diese Methode die ganz großen Konglomerate entstehen.

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