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Die Lage an den Märkten – China, immer wieder China

Der Rückschlag gestern an den Märkten kam bestimmt nicht überraschend, nach dieser Monatsrallye. Was aber immer deutlicher wird, ist, dass die Abschwächung des Wachstums in China nicht nur die Asiaten trifft (und insbesondere Exportnationen wie Deutschland), sondern mit Verzögerung auch die Vereinigten Staaten. Was bei den Apple-Ausblicken im Herbst sichtbar wurde, schlägt auch dort immer stärker zu. Aus dem „slowdown in China“ wird mehr und mehr eine globale Wachstumsabschwächung.

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Beispiel Nvidia: Das US-Unternehmen, das gestern eine Gewinnwarnung ablieferte, wurde brutal abgestraft (-14%). Nvidia ist bestimmt ein Spezialfall, wenn man sich die Absatzregionen der Firma betrachtet. Taiwan 31%, China 19%, USA 13%, Japan 7% und der Rest 30%. Aber mit dem Einbruch des Chipherstellers wurde gleich der ganze Semiconductor-Bereich abgestraft (Intel, Texas Instruments, Taiwan Semiconductor, Broadcom). Kein gutes Zeichen, schließlich gelten diese Werte als Frühindikatoren.

Die Korrektur an den US-Märkten hatte natürlich noch weitere Ursachen. Caterpillars Umsatzwarnung für das Jahr 2019 – und hier sind die USA auch direkt betroffen, denn das Unternehmen erwirtschaftet 41% seiner Umsätze in den Vereinigten Staaten (China nur 5%, da dürfte die dortige Abschwächung eigentlich keine solche Reaktion von -9% der Caterpillar-Aktie auslösen). Die nächsten Tage werden weitere Klarheit bringen mit Apple, Microsoft u.v.a.

 

Trumps Handelskrieg und mögliche Folgen

Der Rückgang der chinesischen Wirtschaft wird vom US-Präsidenten nicht ungern gesehen, schließlich übt er seit Monaten Druck auf China aus, um das Land zu einer Änderung seiner Handelspolitik zu bewegen. Die Nebenwirkungen sind nun auch für die USA deutlich zu spüren, aber es gibt noch weitere Faktoren, die als Retourkutsche aus dem „leicht zu gewinnenden Wirtschaftskrieg“  (so original-Ton Trump) zurückkehren könnten. Ein sich verschlechterndes US-Wachstum hätte auch in der Folge große Bedeutung für die US-Anleihemärkte.

Denn: die Chinesen haben ein wichtiges Pfund in ihrer Hand, nämlich die amerikanische Staatsanleihen, die im Besitz ihrer Notenbank sind.

Jetzt sind die Chinesen dabei, ihre Bestände zu verringern, zwar sehr vorsichtig, dennoch schon den fünften Monat in Folge. Russland hat sich bereits von vier Fünftel seiner Staatsanleihen getrennt.

Dies kommt für die USA zu einer schlechten Zeit, denn das Haushaltsdefizit ist derzeit auf 4,6 % gestiegen (Steuerreform). Bei schlechter laufender Konjunktur sollte es sich drastisch vergrößern.

Als Faustformel gilt, dass bei einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um ein Prozent das Defizit um 2% steigt. Bei einem Anstieg der Quote von 3,9 auf 6% oder höher wäre dies schon eine Neuverschuldung, die man nur aus kleineren Entwicklungsländern kennt. Dieses Defizit muss aber über Staatsanleihen finanziert werden, für die es Käufer braucht. Bisher sprang die US Notenbank ein, die aber seit dem Herbst 2017 ihre Bilanzsumme schon um 400 Milliarden $ verringert hat.

China hat zwar auch in Davos verlauten lassen, seine im Besitz befindlichen US-Staatsanleihen nicht in drastischer Weise zu reduzieren, gleichzeitig erhöht man aber eher seinen Bestand an Goldreserven. Erstmals seit zwei Jahren wurde diese Position Ende 2018 wieder ausgeweitet von 1843 auf 1853 Tonnen.

Ob der US-Präsident sich der großen Implikationen seiner Verhandlungsstrategie in einer stark vernetzten Wirtschaftswelt bewusst ist?

 

Ausblick

Wenn sich die Gewinnwarnungen der US-Firmen fortsetzen, sollte sich Fed-Chef Powell nach seiner heute und morgen stattfindenden Sitzung kaum weniger „dovish“ äußern. Bleibt die Fed bei „wait and see“? Der nächste große Schritt wäre das von mir schon beschriebene und derzeit noch als Gerücht kursierende Aussetzen der Bilanzreduzierung. Die Gesamteinschätzung der meisten US-Ökonomen lautet aber immer (noch): Abschwächung ja, Rezession nein.

 

 

Von Mauchai – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7650610



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11 Kommentare

  1. Kommt generell ein Abschwung Chinas auf uns zu oder ist der nur großteils dem Handelskrieg geschuldet?

    1. @Columbo. Das dürfte die 100 000 Dollarfrage sein. Die chinesische Regierung versucht mit allen möglichen Maßnahmen eine Rezession zu verhindern. Das Ganze ist aber eine ziemliche Blackbox, wie und wen die chinesische Notenbank finanziert. Allein die Rückführung der gigantischen Unternehmensverschuldung (>160% zum BIP) ist eine Mammutaufgabe. Ich habe schon mal darüber geschrieben, dass der schuldenfinanzierte Aufstieg Chinas in seiner Geschwindigkeit einmalig ist in der neueren Wirtschaftsgeschichte – der Anstieg im BIP von 3,5 Bio. auf 12 Bio.$, nur von 2007 bis 2018 (in diesem Zeitraum verantwortlich für über 30% der weltweiten Gewinne) hat gewaltige Nebenwirkungen. Denken Sie nur an die Millionen leerstehende Wohnungen, ganze Geisterstädte.
      Der Handelskrieg Trumps wirkt noch als Abschwungsbeschleuniger. Eine chinesische Rezession betrifft alle, Rohstoffländer, Emerging Markets, Exportstaaten und auch die USA.

      1. @Wolfgang, danke für die Antwort.
        Gruß

      2. Kann man sagen, daß das in den letzten Jahren weltweit gedruckte Geld der Notenbanken zum größten Teil in China gelandet ist, d.h. dort investiert wurde? Neben den Geisterstädten sollen ja auch die meisten Firmen unter Herstellkosten verkaufen, da ja immer neues Investgeld aus aller Welt nachgereicht wird.

  2. „Jetzt sind die Chinesen dabei, ihre Bestände zu verringern, zwar sehr vorsichtig, dennoch schon den fünften Monat in Folge. Russland hat sich bereits von vier Fünftel seiner Staatsanleihen getrennt.“

    Das scheint ein sehr ergiebiges Thema zu sein: Seit ca. 8 Jahren wird immer dann berichtet, wenn China seine Bestände etwas abbaut – obwohl sie im langfristigen Vergleich seit Q3 2010 nahezu stabil sind. Von einen wirklichen Abbau ist dort nichts zu sehen und wäre dieser Abbau zu sehen, hätte Trump tatsächlich gewonnen. Im Handelskrieg ist Russland ohnehin kein Akteur.

    Und Russland hat seine Bestände im April und Mai 2018 notgedrungen reduziert, um so den Rubel zu stabilisieren. Leider wird in den Quellen nicht getrennt dargestellt, wie hoch der Anteil an öffentlich und an privat gehaltenen Anleihen ist. Der Verlauf spricht ein wenig dafür, dass der russische Staat gar keine US-Anleihen mehr hat, was aber eher blöd für Russland als für die USA ist.

    1. @tm. Hallo, mir ging es in meinem Kommentar nicht so sehr um den Verkauf von US-Anleihen durch die chinesische Zentralbank, sondern um deren Wille als Käufer neuer Anleihen (und des Nachkauf auslaufender) aufzutreten, die infolge der trumpschen Politik in nächster Zeit anfallen werden. Besonders unter dem dargestellten Aspekt einer möglichen Rezession. Stichwort: Fed allein zu Hause. Der Handelskrieg schafft bestimmt keine Freundschaft.
      Gruß

      1. Stimmt, Freundschaft sicher nicht. Ich sehe China da allerdings in einem Dilemma: Um in Handelskrieg Boden zu gewinnen, müsste der CNY eigentlich abwerten, aber dafür müsste China mindestens auslaufende Anleihen ersetzen, eher netto dazu kaufen. Damit würde China die Trumpsche Schuldenpolitik aber stützen, was wohl kaum gewollt ist.

        1. Da haben Sie recht. Die Verquickung von Handels- und Währungsströmen schafft unweigerlich Abhängigkeiten und Dilemmata. Deshalb strebt China eine langsame Abkehr vom US-Dollar an (Beispiel Ölhandelswährung). Ein langer Weg, aber Trump beschleunigt die Abkehr von der weltweiten Akzeptanz.

          1. Naja, ich bin bei der seit Jahren postulierten Abkehr vom USD nicht so sicher. Wenn China das wirklich wollte, müsste der CNY einfach nur frei konvertierbar werden – aber das ist offenbar auch nicht gewünscht. China versucht in Währungsfragen die Kubisierung der Kugel: Der CNY soll Weltwährung werden, aber bitte nicht verwendet werden.

            Und Trump…tja..dank ihm regt sich vermutlich mehr Widerwillen, den USD immer zu verwenden. Aber der weltweit steigende Protektionismus könnte am Ende den Effekt haben, dass sogar mehr USD verwendet werden, weil das die einzig weltweit liquide Währung ist, auf die man zurückgreifen muss, wenn die Währungen der Handelspartner nicht frei konvertierbar sind und es weniger Handelsabkommen gibt.

  3. Der Unterschied zu 2008 wird sein , dass China diesmal vor allem eigennützig sich selber retten muss u.dies für die Restwelt sicher nicht vorteilhaft ist.Abwertung, eigene Anleihen u.ev .Aktien kaufen u.s.w.. ( Japan könnte ein Vorbild sein )

    1. Stimmt, wenn China die US-Anleihen verkauft, käme es allerdings zu einer Auf- und nicht zu einer Abwertung.

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