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Die Macht und Ohnmacht der Algorithmen – und ihr neuer Gegenspieler

An einem normalen Tag entstehen an der Deutschen Börse über 1 Milliarde Kursinformationen – eine unvorstellbare Datenmenge

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Eine Entwicklung hat sich Bahn gebrochen: Der größte Teil des Aktienhandels wird von automatisierten Programmen durchgeführt, der Parketthandel sind tempi passati.

An einem normalen Tag entstehen zum Beispiel an der Deutschen Börse über eine Milliarden Kursinformationen – eine Datenmenge, die jenseits der menschlichen Vorstellungskraft liegt.

Automatisierter Handel wird von Hedgefonds, Pensionsfonds, Investmentfonds, Banken und anderen institutionellen Anleger genutzt, um all das automatisch zu bewerten und umzusetzen.

Das Algorithmus-Trading kann für verschiedene Strategien benutzt werden: Market Making, Intermarket Spreading, Arbitrage, Trendfolgemodelle oder einfach Spekulation.

Höhere Effizienz, bessere und schnellere Informationen: Das sind nur einige der Chancen durch die Algorithmen bei Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI, die Ökonomen beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos herausstellten. Doch die Experten warnten auch davor, dass ohne eine angemessene Kontrolle die KI-Innovationen neue systemische Risiken im Finanzsystem mit sich bringen und die Ansteckungsgefahr erhöhen.

 

Der legendäre Flash Crash

Am 6. Mai 2010 fiel der Dow Jones innerhalb von 8 Minuten um über 1000 Punkte. Der Dow Jones verlor zeitweise sogar mehr als 9 Prozent und innerhalb von 10 Minuten wurden beinahe 1,3 Milliarden Aktien gehandelt. Zahlreiche Titel fielen vorübergehend innerhalb von Minuten auf einen Bruchteil ihres ursprünglichen Kurses, manche um bis zu 99 Prozent.

Wie sich Jahre später herausstellte, hat eine Marktmanipulation durch einen Händler den Crash mit ausgelöst. Die US-Strafverfolgungsbehörden ermittelten ab April 2015 gegen einen einzelnen Daytrader, Navinder Singh Sarao, der zugunsten eigener Hochfrequenz-Handelstransaktionen betrügerische Börsenmanipulationen vorgenommen hatte. Dabei wurden entsprechend viele Aufträge versendet, dann jedoch direkt wieder zurückgezogen, um den Markt zu manipulieren. In der Szene ist diese Taktik als “Spoofing” (Verschleierung) bekannt.

Manche, die ihre Bestände an Aktien stopgesichert hatten, mussten gewaltige Verluste einstecken. Die Stopps griffen sehr spät, also zu tiefen Kursen, aber bis man mit Rückkäufen wieder reagieren konnte, lagen die Kurse bereits wieder auf alten Höhen. Eine neue, gefährliche Zeit.

Die Algorithmen (KI – Mustererkennung auf Speed) versuchen aus den Daten, die sie auswerten, Entscheidungen über Kauf oder Verkauf zu generieren, indem sie Vergleiche anstellen.

 

 

Was wirklich zählt

Im Prinzip geht es immer noch um Konjunktur und Unternehmensergebnisse, die man antizipieren will. Deshalb gibt es den größten Einsatz immer an den Vortagen zu den Quartalszahlen der Unternehmen.

Langfristig entscheiden die Unternehmensgewinne über den Stand der Indizes und da können Algos noch so oft hin- und herverkaufen.

Beispiel: Die Firma Quandl, die sich auf elektronischen Handel spezialisiert hat. Sie kauft Satellitenbilder von Rohstoffverladehäfen. Die Fotos werden von Programmen ausgewertet, die selbstständig Stückgutfrachter und Tanker auf den Aufnahmen identifizieren. So kann man den Kunden jederzeit sagen, wie viel Eisenerz gerade aus den Minen in Australien nach China unterwegs ist. Die meisten Kunden sind Quant-Fonds, die mit künstlicher Intelligenz auf Rohstoffpreise wetten.

Ähnliches macht auch unser Markus Fugmann an der Elbe, wenn er die Containerschiffe auf ihren Beladungszustand checkt, ein alter Hut also  :)

Börsen sind nach wie vor Preisfeststellungssysteme für die Zukunft, allerdings jetzt mit Hilfe von Computerprogrammen. Auch diese werden sich wieder kannibalisieren und auf Dauer wird es ihnen nicht gelingen den Markt zu schlagen, so wie es in der Vergangenheit war. Jedes System verliert, wenn es im großen Stile Anwendung findet, an Effizienz. Leider steigen mit den ultraschnellen Verfahren auch die Gefahren, auch wenn man nach den Erfahrungen des Oktobers 1987 automatische Systeme zur Handelsunterbrechung eingeführt hat.

Dazu äußerte sich der Chefanleger des Hedgefonds Two-Sigma, Duncombe.

“Machine Learning birgt auch ein großes Risiko: Es ist leicht, zu viel in die Daten hineinzuinterpretieren.“ Algorithmen fielen oft auf trügerische Muster herein, “die nur entstehen, weil eine Zeit lang alle darauf wetten”. Diese Datenchimären würden immer stabiler, je mehr Trader aufspringen – um schließlich zu kollabieren und einen Crash auszulösen

 

Die Rolle der Notenbanken

Und was hat das mit den Notenbanken zu tun? Jede Menge. Sie sorgen dafür, dass das Geld billig bleibt und durch ihre ständigen Anleihekäufe für einen „manipulierten Geldmarkt“ und für TINA (there is no alternative). Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

Was den Programmen bisher noch nicht gelungen ist, ist der Umgang mit dem Inhalt der Tweets von Donald Trump. Man kann auch nicht erahnen, wann er zuschlagen wird, oftmals außerhalb der Börsenzeiten. Wenn die Nachricht online ist, muss man erst abschätzen, ob sie marktrelevant ist. Für Donald Trump gibt es kein Muster. Eine neue Herausforderung für die Algos.

 

 

Von Argonne National Laboratory’s Flickr page – originally posted to Flickr as Blue Gene / PFrom Argonne National LaboratoryUploaded using F2ComButton, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6412306

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Übelkeit

    21. Mai 2019 13:11 at 13:11

    Wie konnte es eigentlich 2010 zu dem Flashcrash kommen, wenn doch seit 1987 automatische Systeme dies verhindern sollen.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      21. Mai 2019 13:29 at 13:29

      @Übelkeit. Weil die Sperre erst bei 10 Prozent eingezogen war und der Dow verlor 9 Prozent.

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    Prognosti

    21. Mai 2019 13:51 at 13:51

    Wieder ein guter Bericht von Wolfgang M.. Meine kürzlichen Äusserung , dass gegenwärtig das Börsengeschehen ein Wette auf das Verhalten ( Twittern ) von Trump ist, wird somit bestätigt.
    Den Bericht von gestern ( vom anderen Müller) ,wo wieder einmal die schlechte Trefferquote der Crashpropheten betont wurde , finde ich unangebracht, da wir doch alle wissen ,dass in kurzer Zeit mindestens zweimal die Notenbanken in extremis das“ nicht sein dürfende „ verhindern mussten.
    Da wie von Wolfgang M. erwähnt langfristig die Kurse , seien sie überschiessend oder unterschliessend,
    einem Mittelwert annähern, sind die fundamentalen Trefferquoten der Propheten nur im Timing verfälscht.

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    Ranzentier

    21. Mai 2019 15:18 at 15:18

    …am 05.02.2018 gab es doch auch einen Flashcrash…damals mehr als 10 % nach meiner Erinnerung…da gab es aber auch keine Aussetzung des Handels…ich würde vermuten, da holen sich die großen Player unten die Stopkurse und sammeln ein und schwups geht es wieder hoch…kein normaler Anleger hat dagegen eine Chance…und dann geht es immer langsam weiter nach oben…nur eben ohne den mit Stopkurs, der ist ja raus.

    Auch wenn es nicht zum trading gehört…wahrscheinlich muss man nur mit virtuellen eigenen Stopkursen arbeiten…ansonsten ist man für die großen Player, die den Komplettüberblick haben leicht ausrechenbar…

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Indizes

Aktienmärkte: “The Day After” Trumps mauer China-Nummer

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Aktienmärkte in guter Laune

Nach dem Wochenende haben wir jetzt den ersten Handelstag für die Aktienmärkte nach Donald Trumps mehr als mauer China-Nummer. Was war passiert? Am letzten Donnerstag hatte China wie erwartet das “Sicherheitsgesetz” für Hongkong verabschiedet. Donald Trump hatte schon seit Tagen durchblicken lassen, dass die USA hart darauf reagieren würden. Und was war? Freitag Abend verkündete er letztlich nur, dass die USA den Sonderstatus für Hongkong außer Kraft setzen werden. Kein Wort von ihm über eine Aussetzung der Phase 1 im Handelsdeal, kein Wort zu härteren Sanktionen gegen China oder sonstiges. Eine maue, richtig maue Luftnummer aus Sicht der Märkte! Damit kann die KP in Peking wohl recht gut leben.

Und was passiert? Wie reagieren die Aktienmärkte? Der Dax hat heute zwar geschlossen, aber schauen wir in Ausland. Shanghai legt 2 Prozent zu, der Hongkong-Index Hang Seng steigt 3,2 Prozent. Der japanische Nikkei 225 legt um 0,8 Prozent zu. Der Dow notierte Freitag vor Trumps Verkündung auf Niveaus um die 25.150 Punkte. Nach einem Hin und Her der Kurse am Freitag Abend sehen wir heute früh ein klareres Bild, wo sich das Niveau einpendelt. Auf CFD-Basis zeigt der Index jetzt 25.477 Punkte, also ein deutliches Plus. Die Aktienmärkte sagen also: Trumps Verlautbarungen gegen China bleiben so lauwarm, dass zumindest nach jetzigem Stand keine Eskalation im Handelskrieg droht. Also können wir weiter ansteigen.

Der Dax schloss Freitag Abend bei 11.586 Punkten. Nachbörslich konnte er am Abend noch gut 100 Punkte auf CFD-Basis zulegen, und heute früh sehen wir Kurse von 11.792 Punkten. Verschiedene CFD-Broker und auch Anbieter wie L&S zeigen ein ziemlich ähnliches Kursniveau als Indikation für das Niveau, wo der deutsche Leitindex derzeit notieren könnte. Bleibt der Trend der Aktienmärkte in New York heute freundlich, dürfte der Kassa-Markt in Frankfurt morgen mit einem kräftigen Aufwärts-Gap eröffnen.

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Rüdiger Born über Wall Street & Dax: Und los geht’s!

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Die Aktienmärkte sind nun schon seit Wochen stark und der Traum von neuen Allzeithochs scheint mehr und mehr realistisch. Doch dem Markt steht etwas im Wege, was viele Marktteilnehmer nicht beachten. Kann dieses Hindernis so einfach überwunden werden? Worum es sich dabei handelt und wie man als Händler damit umgehen kann, zeige ich im folgenden Video. Mehr zu meiner Person finden Sie hier. Schauen Sie gerne hier vorbei für den “Trade to go” oder hier für Born-4-Trading.

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Devisen

BÖRSE AKTUELL – DER Wochenausblick für Dax, S&P 500, Gold- & Ölpreis

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Die Börse geht weiter den Weg des größten Schmerzes. Die gehasste Aufwärtsbewegung wurde in der letzten Handelswoche fortgesetzt. Je weiter die Börse läuft, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass gerade unerfahrene Anleger in Panik verfallen. Die Angst etwas zu verpassen wird immer größer. An der Börse sind Angst und Gier ganz natürliche und menschliche Erscheinungen. Doch genau vor diesen Emotionen müssen wir uns in Acht nehmen. In meinen Augen ist der Zug für langfristige Investitionen abgefahren. Jetzt ist die Zeit gekommen um im kurzfristigen Bereich, mit Sicht auf die nächsten Wochen zu agieren.

Börse aktuell Teil 1: Dax – die Käufer haben Ihre Chance genutzt!

In der letzten Woche standen die Zeichen auf „Trendfortsetzung“. Die Käufer haben Ihre Chance genutzt und den Dax zum Wochenstart weiter nach oben getrieben. Dabei wurde der kurzfristige Widerstand zwischen 11.250 und 11.300 Punkten überwunden. Am Donnerstag hat der Dax Futures sein vorläufiges Hoch bei 11.824 Punkten erreicht. Der zuletzt angesprochene Widerstand bei 11.600 Punkten wurde in der letzten Woche gekreuzt und hat damit an Wirkung verloren.

Für die nächste Woche erwarte ich bis Donnerstag eine Seitwärtsbewegung. Die kurzfristig markanteste Unterstützung liegt im Bereich 11.400 bis 11.450 Punkte. Kurse in dem Bereich können für kurzfristige Long-Positionen interessant werden. Kurzfristige Widerstände, und damit Kursziele, liegen bei 11.800 und der runden 12.000er Marke. Besonders interessant wird dann das Kursniveau zwischen 12.200 und 12.280 Punkten. Dort erwarte ich im ersten Anlauf eine handelbare Abwärtsbewegung. Diese wird für mögliche Short- oder Absicherungspositionen spannend. Einen Anstieg auf das hohe Niveau erwarte ich frühestens für Donnerstagnachmittag oder Freitag. Denn am Donnerstag gibt es mit der EZB-Sitzung das erste Kursbewegende Event der Woche.

Börse Ausblick - Dax Chart

S&P 500 – das charttechnische Sprungbrett!

An der Börse funktionieren die einfachen Dinge am besten. Dazu gehört das Phänomen der wechselnden Polarität zwischen Unterstützung und Widerstand. Wird also eine charttechnische Hürde überwunden, wird diese beim nächsten Anlauf zur Unterstützung. Genauso ist es im S&P 500 gekommen. Das in der letzten Woche angesprochene Range-Hoch im Bereich 2.960 bis 2.984 Punkte wurde am vergangenen Dienstag überschritten. Gleich am Mittwoch wurde dieser ehemalige Widerstand dann wieder von oben angelaufen und als Unterstützung bestätigt. Die nächste technische Hürde wartet bereits zwischen 3.080 und 3.135 Punkten. Besonders der Bereich 3.115 – 3.135 Punkte wird spannend, denn dort befindet sich ein markantes Verlaufshoch von Anfang März. Insgesamt ist der Aufwärtstrend seit Ende März intakt. Doch je länger ein Trend läuft, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er bricht.

Chart des S&P 500

Börse aktuell Teil 3: Goldpreis – Käufer geben nicht auf!

Die Käufer haben auch in der letzten Woche den Goldpreis nicht im Stich gelassen. Börsenkurse verlaufen zu ungefähr 80 Prozent der Zeit seitwärts. Genau daran hält sich seit Anfang April der Goldpreis. Die Range zwischen 1.670 und 1.800 USD hat bestand. Am Mittwoch wurde die „Make or Break“ Unterstützung zwischen 1.670 und 1.690 USD erneut getestet und hat die Käufer zum Tanz gebeten. Diese haben sich nicht bitten lassen und sind zurück in die Mitte des Parketts geschwebt. Das nächste Ziel liegt wieder im Bereich 1.780 bis 1.800 USD. Und auch für eine Seitwärtsbewegung gilt: „Je länger der Trend läuft, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er bricht“. Ein Ausbruch aus dieser Seitwärtsbewegung dürfte wieder für neuen Schwung in die eine oder andere Richtung sorgen.

Gold Chart

Der Ölpreis – Hopp oder Top?

Au Backe, jetzt wird es interessant! Der Ölpreis Widerstand 35,80 – 36,40 USD war für mich ein Short-Niveau im ersten Anlauf. Diese charttechnisch markanten Punkte eignen sich besonders dann für eine Gegenbewegung, wenn diese „erschöpft“ angelaufen werden. Das ist zum Beispiel nach einem größeren Anstieg der Fall. Im Ölpreis stellt sich die Situation nun etwas anders dar. Denn vor der markanten Hürde ist es zu einer Seitwärtsbewegung gekommen. Eine Seitwärtsbewegung vor einem Widerstand vergleiche ich gerne mit einer Verschnaufpause. Die Käufer haben Luftgeholt und stürmen mit neuer Kraft dem Widerstand entgegen. Die Käufer sind aktuell wahrscheinlich nicht erschöpft. Aus diesem Grund stelle ich mich an die Seitenlinie und warte auf kurzfristige Signale.

Börse aktuell - Ölpreis Chart

Mario Steinrücken ist Daytrader. Er hat sich auf das Orderflow Trading im E-Mini S&P 500 Futures (ES), Nasdaq 100 Futures (NQ) und Dow Jones Futures (YM) spezialisiert. Seine professionelle Trader Laufbahn startete er 2004 im Aktienhandel der Börse Stuttgart. Später arbeitete er zusammen mit Dirk Müller an der Frankfurter Börse im Aktienhandel. Er besitzt die Xetra- und Eurex Lizenz und war ebenso als Futures Trader bei der Wertpapiereigenhandelsgesellschaft „Gass Capital Markets“ in Frankfurt tätig. Seine Begeisterung für Trading versucht er seinen Followern mit Tipps und Tricks auch auf seinem eigenen YouTube Kanal näher zu bringen.

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