Indizes

Die Märkte vor den Wahlen: Vorsicht ist angesagt!

FMW-Redaktion

Die Märkte sind ruhig, sehr ruhig derzeit. Das zeigt sich vor allem anhand der sehr geringen Volatilität, etwa beim VIX, also dem Volatilitätsbarometer auf den amerikanischen Leitindex S&P 500:

VIX110516

Ähnlich auch das Bild am Optionsmarkt, wo der Chicago Board Options Exchange’s Volatility Index nahe eines 1-Jahrestief handelt. Wenig Angst also im Markt, wenig Sorge über die kommenden Großereignisse.

Noch vor wenigen Wochen etwa schwankten die US-Indizes mehr als 1% pro Handelstag, aber das ist erst einmal vorbei. Und nun nähern wir uns mit großen Schritten der Abstimmung über den Brexit am 23.Juni, drei Tage später dann die Wahlen in Spanien – und die Fed wird in diesem Zeitraum ihre Juni-Sitzung abhalten. Da kommen also eine Menge Großereignisse auf uns zu – und dass es dann bei der derzeitigen Ruhe bleibt, ist eher unwahrscheinlich!

Daher sagt Savita Subramanian, head of U.S. equity & quantitative strategy bei Bank of America Merrill Lynch:

„We’re heading closer and closer to the most polarized election that we’ve seen in our careers. So there’s a lot to worry about. One of the things we’ve noticed is that about six months ahead of November in an election year, the market typically peaks and trends downward.“

Wir stehen also vor einer der wichtigsten Wahlen der letzten Jahrzehnte, das ist das eine. Noch wichtiger aber vielleicht ist die von Subramanian angesprochene Tatsache, dass die US-Indizes in schöner Regelmäßigkeit sechs Monate vor dem US-Wahltermin ihren Hochpunkt erreichen, und dann fallen. Zumal es bei dieser Wahl um viel geht: ein möglicher Wahlsieg von Donald Trump häte eine andere Dimension als etwa ein Sieg des republikanischen Gegenkandidaten bei der letzten US-Wahl gegen Obama.

Daher sieht Subramanian eine gute Chance, dass etwa der S&P500 noch einmal bis zu den Tiefs vom Februar fällt – auf dann ca. 1850 (von derzeit 2075 Punkten), also eine Kortrrektur von immerhin ca. 10%. Ähnlich sieht das auch Andrew Sheets von Morgan Stanley, der in einer Notiz an Kunden formuliert:

„Are there fundamental catalysts that could justify higher volatility this summer? We think so, including: the UK’s EU referendum and Spanish elections in June, a China recovery that we suspect may slow by August/September, and our scepticism on the sustainability of the oil price recovery. And structurally lower market liquidity certainly doesn’t hurt the case for owning volatility, in our view.“

Es gibt also auch laut Andrew Sheets eine gute Wahrscheinlichkeit, dass die Volatilität an den Märkten anziehen wird. Das kann man etwa über Long-Positionen beim VIX-Future spielen. Oder eben über Short-Positionen bei den einzelnen Indizes – denn höhere Volatilität geht allermeistens einher mit tieferen Kursen..



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3 Kommentare

  1. Anscheinend hat jeder Analyst so seine eigenen Charts :)

    In anderen Charts erkennt man, dass es seit 116 Jahren in den Jahren, in denen ein US-Präsident gewählt wird, keine gute Idee war, im Mai zu verkaufen – zumindest im Durchschnitt betrachtet. Tatsächlich sollte man in Wahljahren aus saisonaler Sicht sogar spätestens Ende Mai eingestiegen sein, um die Rally bis zum Jahresende nicht zu verpassen.

    Seit dem Jahre 1900 gewinnt der Dow Jones +9,3% im Durchschnitt in US-Wahljahren

    Ebenso typisch für US-Wahljahre sind auch die eher schwachen ersten beiden Quartale an der Börse. Und auch hier stimmt die Entwicklung der US-Indizes in 2016 mit dem saisonalen Verlauf bislang überein.

  2. … und anscheinend hat jeder Meinungsschreiber auch seine persönliche Sichtweisen mit untermalenden Argumenten, die hin und wieder ohnehin nicht nachvollziehbar sind.
    Wie kann man z.B. von einer schwachen Entwicklung der US-Indizes in den ersten Quartalen in diesem Kalenderjahr schreiben, wenn man berücksichtigt, dass z.B. DJ und S+P 500 von Mitte Februar bis Mitte April 2016 um jeweils ca. 17 % gestiegen sind (15.500 –> 18.150 bzw. 1.800 –> 2.100). Entweder sind 17 % kein besonderes Ergebnis mehr (man erinnere sich an Herrn Ackermann) oder es sind die realen schwachen Verhältnisse in der US-Wirtschaft gemeint, die sich schon lange nicht mehr in der Entwicklung an der Börse widerspiegeln. Aber für die Untermalung der geäußerten Meinung immerhin hilfreich. Der Vergleich historischer Entwicklungen mit einer möglichen aktuellen gleicht wie so oft ohnehin nur einer Kaffeesatzleserei.
    Ein Grundproblem unserer Dienstleistungsgesellschaft. Man hat Dinge getan, Zeit aufgewandt („man hat ja gearbeitet“) für Resultate, wo man sich manchmal fragt, braucht denn das diese Welt überhaupt. Anstatt produktiv tätig zu sein und reale Werte zu schaffen.

  3. Den passenden Chart ? – Guckst Du hier:
    http://www.seasonalcharts.com/zyklen_wahl_dowjones_election.html

    Das Thema „Trading mit Volatilitätsprodukten“ ist nicht ganz so einfach, wie Kollege Fugmann andeutungsweise schreibt ;-)
    Für versierte Händler bieten sie jedoch hervorragende Möglichkeiten, sehr viel Geld in relativ kurzer Zeit mit relativ grosser Wahrscheinlichkeit zu verdienen.
    Einem unerfahrenen Händler würde ich diese Technik keinesfalls empfehlen. Details führen führen an dieser Stelle zu weit.

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